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Die mobile Revolution heißt LTE
26. Oktober 2009, 15:39
Uhr
„LTE wird 2010 das große Ereignis in der Kommunikationswelt, denn
die neue Mobilfunkgeneration bietet die Chance, dem mobilen Internet zum
Durchbruch zu verhelfen", sagt Erich Zielinski, der für den Netzwerkausrüster
Alcatel-Lucent an der vierten Mobilfunkgeneration arbeitet: LTE, die Abkürzung
für Long Term Evolution, wird vom kommenden Jahr an die dritte Generation UMTS
ablösen. Dann soll die Datenübertragung im Handynetz so schnell und
unkompliziert wie im Festnetz werden. 60 Megabit je Sekunde für das
Herunterladen der Daten und knapp 20 Megabit auf dem Weg ins Netz können fünf-
bis zehnmal mehr Tempo als in den aktuell schnellsten Mobilfunknetzen bedeuten.
„Mit der nächsten Technologiegeneration werden ganz neue
Anwendungen auf mobilen Geräten möglich werden. Dazu gehören hochauflösende
Videoübertragungen, Multiplayer-Online-Spiele oder sekundenschnelle Downloads
großer Dateien", sagt Günther Ottendorfer, Technology Director Europe Mobile
der Telekom. Auch das Telekom-Fernsehangebot Entertain soll dann mobil werden.
„Die größten Fortschritte wird LTE aber gar nicht auf den Handys der Otto
Normalverbraucher auslösen, sondern zum Beispiel im Gesundheitswesen, wo dann
die Übertragung der meist sehr umfangreichen Dateien wie Patientenakten
problemlos mobil möglich wird", sagt Heike Scholz, Herausgeberin des Blogs
Mobile Zeitgeist.
Werbevideo zur schönen neuen Mobilfunkwelt
Fernsehen im Auto wird mit LTE genauso möglich wie die
Kommunikation zwischen Maschinen, zum Beispiel die Übertragung einer neuen
Software ins Auto, die Werkstattbesuche überflüssig macht, erklärt Zielinski.
Auch die Fahrzeug-Navigation wird noch einmal neu erfunden werden, wenn
Echtzeitinformationen über Staus zwischen den Fahrzeugen ausgetauscht werden
können. Oder Handynutzer können in Geschäften schnell den Barcode eines
gewünschten Produktes einlesen und erhalten sofort den günstigen Preis eines
Online-Händlers oder anderer Geschäfte angezeigt. Auch dem Thema „erweiterte
Realität" (Augmented Reality) könnte im LTE-Zeitalter der Durchbruch gelingen.
Wenn ein Handynutzer zum Beispiel seine Kamera auf ein historisches Gebäude
richtet, blendet eine Software ein, wer das Gebäude erbaut hat und welche
Bedeutung damit verbunden ist. Das funktioniert zwar schon heute, aber der
begrenzte Datentransfer limitiert die übertragenen Informationen. Diese
Schranken fallen unter LTE weg, auch wenn sich dann weiterhin mehrere Nutzer
die vorhandenen Kapazitäten teilen müssen.
Für die Nutzer bedeutet die vierte Generation, dass das Internet
endlich mobil wird. Alle gewohnten Anwendungen aus dem stationären Web sind
dann in ähnlicher Qualität mobil verfügbar. „Zunächst wird LTE wohl in Form von
USB-Surfsticks für Notebooks auftauchen. Die Handys kommen erst danach",
vermutet Zielinski. „Die Hersteller LG, Samsung, Research in Motion
(Blackberry) und Nokia haben angekündigt, 2010 LTE-Geräte auf den Markt zu
bringen. Die Gerüchte um ein iPhone 4G halten sich ebenfalls hartnäckig", sagt
Scholz, warnt aber vor zu schnellen Erwartungen. „In den Vereinigten Staaten
hat AT&T seinen LTE-Start erst für 2011 angekündigt und dies mit den
fehlenden Endgeräten begründet. Offensichtlich glauben einige Netzbetreiber
nicht an die Verfügbarkeit ausreichender LTE-Geräte im kommenden Jahr. Die
Geräte werden auch sehr wahrscheinlich nicht am Anfang, sondern eher am Ende
des Jahres auf den Markt kommen", sagt Scholz.
Neben den Handyherstellern sind auch die Netzbetreiber gefordert,
die neue Technik bereitzustellen. „Weltweit rechnen wir mit dem ersten Einsatz
von LTE-Diensten Ende 2009. Erste Rollouts kommerzieller Netze wird es wohl
Anfang 2010 geben. Testnetze sind bereits in Betrieb", sagt Marc Rounanne,
Leiter der Radio-Business-Einheit des finnisch-deutschen Ausrüster Nokia
Siemens Networks (NSN). Das größte europäische Testnetz hat die Deutsche Telekom
in Innsbruck zusammen mit dem aufstrebenden chinesischen Netzwerkausrüster
Huawei errichtet. Den Regelbetrieb werden aber wohl zuerst NTT Docomo in Japan,
Verizon in den Vereinigten Staaten und Telia Senora in Schweden aufnehmen.
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"Die
Bedingungen des Auktionsverfahrens für die LTE-Frequenzen werden erst nächstes
Jahr bekannt gegeben. Bis dahin bleibt es noch unklar, wie sich die deutschen
Mobilfunkunternehmen aufstellen werden. E-Plus fordert heute bereits eine
bevorzugte Behandlung, um die aus eigener Sicht ungerechte Verteilung der
GSM-Frequenzen auszugleichen. Im für E-Plus ungünstigsten Fall, dass sie sich
mit O2 um die verbleibenden 10MHz (von den zu vergebenden 30MHz könnten 20MHz an
T-Mobile und Vodafone gehen) streiten müssen, wäre dann sicherlich auch eine
Netzkooperation von E-Plus und O2 denkbar."
Heike Scholz, Mobile Zeitgeist
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Aber auch die deutschen Netzbetreiber sitzen in den Startlöchern.
Denn Eile ist angesagt: Ihre Netze, vor allem in den Ballungszentren, sind
voll. Der zunehmende Datenverkehr, den neue Geräte wie das iPhone, die
Daten-Pauschaltarife und neue Web-2.0-Anwendungen wie Facebook oder Studi VZ
ausgelöst haben, führt zu immer mehr Staus auf der mobilen Datenautobahn.
Doch noch können die deutschen Netzbetreiber mit LTE nicht
loslegen. Der Beginn der mobilen Zukunft hängt hierzulande von der
Versteigerung der benötigten Mobilfunkfrequenzen im kommenden Jahr ab.
Besonders begehrt sind die Frequenzen im 800-Megahertz-Band, die von den
Rundfunkanstalten wegen der Digitalisierung nicht mehr benötigt werden. Mit
diesen Frequenzen können ländliche Gebiete mit vergleichsweise wenigen Antennen
erschlossen werden.
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"Zur Einführung von LTE im deutschen Markt müssen die Rahmenbedingungen
feststehen. Das gilt insbesondere für die Spektrumsverteilung, für die
Verfügbarkeit der Technologie und der Endgeräte. Innerhalb der Telefonica Gruppe
bereiten wir uns in mehreren Testprojekten unter anderem in Deutschland auf den
Start vor"
René Schuster, CEO Telefónica O2 Germany
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Um diese lukrativen Frequenzen werden sich die deutschen
Netzbetreiber (Telekom, Vodafone, E-Plus und O2) einen harten Bieterwettbewerb
liefern, der sogar dazu führen kann, dass einer auf der Strecke bleibt. Auch
wenn der erwartete Auktionserlös höchstens ein Zehntel der 50 Milliarden Euro
der UMTS-Auktion im Jahr 2000 beträgt, feilschen die Netzbetreiber schon im
Vorfeld nicht weniger engagiert um die knappen Lizenzen. Denn: „Es geht um die
Marktchancen für die kommenden 20 Jahre", sagt der Präsident der
Bundesnetzagentur, Matthias Kurth.
Die Bundesregierung hat an die Vergabe allerdings die Bedingung
geknüpft, zuerst die ländlichen Gebiete mit schnellem Internet zu versorgen,
die bisher keinen Anschluss an die Breitbandnetze haben. Bis Ende 2010 soll
nach dem Willen der Bundesregierung jeder Haushalt in Deutschland mit einer
mindestens 1 Megabit je Sekunde schnellen Verbindung versorgt werden. Bis zum
Jahr 2014 sollen drei Viertel der Haushalte mindestens 50 Megabit bekommen.
Ohne LTE sind diese Ziele kaum zu schaffen.
Handy-Nutzung in Deutschland I:

Neben der höheren Geschwindigkeit hat die vierte Generation aber
weitere große Vorzüge gegenüber der bisherigen Mobilfunktechnik. LTE setzt
erstmals komplett auf das Internetprotokoll (IP). „Auch Sprache wird dann als
,Voice over IP‘ übertragen, was die Kapazität der Netze deutlich erhöht",
erklärt Rounanne. Die Reaktionszeiten werden stark auf etwa 10 bis 20
Millisekunden verkürzt, was vor allem für Online-Spiele wichtig ist. Auch die
Netzbetreiber können sich auf LTE freuen: „Die Kosten für jedes übertragene Bit
gehen steil nach unten", sagt Zielinski. Weil alles auf Basis des
Internet-Protokolls übertragen wird, ist weniger Technik für die
Datenumwandlung notwendig und die Bits gelangen schneller von den
Mobilfunknetzen in die kabelgebundenen Transportnetze und zurück. Die Netzbetreiber
können auch die vorhandene Infrastruktur weitgehend weiter nutzen, müssen
allerdings die Verbindungen zwischen den Basisstationen und ihren
Transportnetzen schneller machen.
LTE kommt zur richtigen Zeit, denn der Datenhunger wächst. „Ich kann mir ein Leben ohne Handy
nicht mehr vorstellen" - dieser Aussage stimmen inzwischen die Hälfte aller
Deutschen und sogar 70 Prozent der jungen Menschen unter 30 Jahren zu. Beide
Werte steigen schnell an; noch rascher wächst aber das Bekenntnis zur Aussage
„Für meine tägliche Information sind Computer und Internet unverzichtbar": In
den vergangenen sieben Jahren hat sich die Zustimmungsquote auf 40 Prozent in
der Gesamtbevölkerung und 51 Prozent unter den jungen Menschen verdoppelt, hat
die Allensbacher Computer- und Technikanalyse (Acta) 2009 ergeben. Werden nun
beide Trends miteinander verbunden, ergibt sich ein klares Bild: Die Wünsche,
was ein mobiles Gerät können und leisten soll, steigen rasant an. Mehr als 40
Prozent der Bevölkerung wünscht sich in einem idealen mobilen Gerät eine
hochwertige Digitalkamera für Fotos und Videos, ein Navigationssystem, einen
digitalen Musikspieler, und ein Radio soll es auch noch haben, haben die
Allensbacher Forscher herausgefunden. Unter jungen Menschen hat die Wunschliste
eine andere Reihenfolge: Der MP3-Spieler steht dort ganz oben, gefolgt von der
Kamera, der Möglichkeit für Spiele, einem Radio und einem Internetzugang.
Handy-Nutzung in Deutschland II:

Das Interesse an mobilen Informationen wächst stetig. Zwei von
fünf Menschen in Deutschland wünschen, dass ihnen das Navigationssystem
jederzeit interessante Informationen zu ihrem Aufenthaltsort mitteilt, zum
Beispiel in der Nähe liegende Restaurants. Ein ebenso großer Anteil möchte mit
dem mobilen Computer überall per Funk ins Internet gehen können, gut 50 Prozent
mehr als noch vor vier Jahren. Mobiles Fernsehen wünschen sich immerhin 27
Prozent der Bevölkerung.
Für eine „technische Avantgarde", die heute mit iPhone,
Blackberry, Palm Pre oder Geräten mit dem Google-Betriebssystem Android
ausgerüstet ist, sind viele dieser Funktionen bereits Realität. „Die technische
Avantgarde ist der Bevölkerung weit voraus" bilanziert Allensbach, denn einen
mobilen MP3-Spieler, eine Funktion zur Verwaltung der Termine und Kontakte, das
mobile Surfen im Internet oder Handyspiele haben die modernen Handys längst an
Bord. iPhone-Besitzer legen beim Kauf daher auch ganz andere Kriterien an als
der Durchschnitt der Bevölkerung. Wer ein iPhone kauft, will vor allem die
neueste Technik, mobil im Internet surfen sowie unterwegs E-Mails lesen und
beantworten. Die Hälfte der iPhone-Besitzer gab auch als Kaufgrund an, zu Hause
mit Hilfe eines Funknetzes (W-Lan) ins Internet gehen zu können. Für den
Durchschnitt der Handy-Besitzer sind dagegen eine hochwertige Verarbeitung, ein
gutes Design und ein großer Bildschirm die wichtigsten Kaufkriterien. Kriterien
also, die viele Hersteller bieten können, und mithin ein Grund für den harten
Wettbewerb in dieser Sparte.
Die Möglichkeiten, überall im Internet zu surfen und die E-Mails
zu beantworten, sind für die Mehrheit der Handynutzer hingegen kein wichtiges
Kaufkriterium. Wie sehr allerdings eine überlegene Technik dennoch ein
Kaufkriterium sein kann, zeigen die Antworten auf die Frage, ob die Besitzer
eines Handys diese Marke noch einmal kaufen würden. Mit „Ja" antworteten 60
Prozent der iPhone-Nutzer, aber nur 42 Prozent der Besitzer eines Gerätes von
Sony-Ericsson, 36 Prozent der Nokia-Kunden, 26 Prozent der Samsung-Nutzer und
19 Prozent der Kunden des amerikanischen Herstellers Motorola.
Links: Eric Schmidt: The next big wave in advertising is the mobile internet