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Der Medienwandel wird immer schneller
02. November 2009, 16:12
Uhr
Der Medienwandel in Richtung Internet hat sich in diesem
Jahr spürbar beschleunigt. Der Anteil der Menschen in Deutschland, die das
Internet als unverzichtbare Quelle für ihre tägliche Information ansehen, ist
auf 40,3 Prozent der Bevölkerung gestiegen, hat das Allensbacher Institut für
Demoskopie ermittelt. Das bedeutet einen Anstieg um 5 Prozentpunkte gegenüber
dem Vorjahr und damit den mit Abstand stärksten Zuwachs der vergangenen Jahre.
Auch das generelle Informationsverhalten abseits aktueller Nachrichten
verschiebt sich mit wachsender Geschwindigkeit ins Netz: 55 Prozent aller
Erwachsenen in Deutschland, die sich über ein Thema näher informieren möchten,
schauen heute dafür im Internet nach. Im vergangenen Jahr betrug dieser Wert 51
Prozent, vor zehn Jahren waren es gerade einmal 9 Prozent. In der
Gesamtbevölkerung liegt das Internet damit hinter dem Fernsehen auf Rang zwei
der Informationsmedien, haben die Meinungsforscher in der Allensbacher
Computer- und Technikanalyse (Acta 2009) herausgefunden.

Noch deutlicher fällt dieses geänderte Informationsverhalten
bei jungen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren aus. 81 Prozent suchen inzwischen
Informationen zu einem Thema im Internet, 6 Prozentpunkte mehr als im
vergangenen Jahr. In dieser Altersgruppe ist das Internet schon mit großem
Abstand das Informationsmedium Nummer eins.
„Das Tempo des Medienwandels nimmt zu, die Bedeutung des
Internet als Informationsquelle zum aktuellen Geschehen wächst deutlich. In
den vergangenen Jahren hat sich der Kreis derer, für die das Internet zur
gefühlt wichtigsten Informationsquelle geworden ist, sprunghaft vergrößert. Dem
folgt die tatsächliche Nutzung als Nachrichtenquelle. Inzwischen ist der
Medienwandel auch in den älteren Zielgruppen angekommen. Die 50- bis 64-Jährigen
tragen weit überdurchschnittlich zu dessen Dynamik bei", sagt
Allensbach-Forscher Johannes Schneller. Das Internet bringe aber auch
Informations- und Kommunikationsformen hervor, die von den Jüngeren
aufgegriffen werden, ohne dass die Älteren folgen. „So wird das Chatten auch
künftig eine Sache der Teens und jungen Twens bleiben", sagt Schneller.
Das Empfinden des Internet als unverzichtbare
Informationsquelle hat in diesem Jahr besonders bei jungen und alten Menschen
stark zugenommen: In der Gruppe der 14 bis 19 Jahre alten Befragten stimmte die
Hälfte dieser Aussage zu, rund 7 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. In der
Gruppe der Menschen zwischen 50 und 64 Jahren möchten inzwischen 30 Prozent
nicht mehr auf das Internet als tägliche Informationsquelle verzichten, was
einem Sprung von fast 6 Prozentpunkten innerhalb eines Jahres und fast einer
Verdopplung gegenüber dem Jahr 2004 entspricht.


Die steigende Bedeutung des Internet als Informationsmedium
geht quer durch alle Bildungsschichten. Am stärksten ist der Zuwachs in der
Gruppe der Menschen mit Abitur: 61 Prozent bezeichnen das Netz als
unverzichtbar für die aktuelle Information. Das sind fast 8 Prozentpunkte mehr
als noch im vergangenen Jahr.

Diese Verlagerung ins Internet hat Auswirkungen auf die
anderen Medien. Der Anteil der Menschen, die ausschließlich auf Informationen
aus Internet und Fernsehen zurückgreifen, hat sich seit 2004 auf 27 Prozent
erhöht. Unter den Jugendlichen beträgt dieser Anteil schon 50 Prozent; in der
Gruppe der 20 bis 39 Jahre alten Menschen lesen inzwischen 36 Prozent keine
Printmedien mehr. In allen Altersgruppen haben sich die Werte seit 2004 etwa
verdoppelt. Diese Tendenz zieht sich durch alle Bildungsschichten. Fast jeder
dritte junge Akademiker informiert sich ausschließlich in elektronischen
Medien. Jedes Jahr wächst Anteil der Print-Abstinenzler um etwa 3 Prozent.


Befragt nach den wichtigsten Quellen für aktuelle
Informationen ergibt sich allerdings eine andere Reihenfolge. Mit Abstand
wichtigste Quelle im Durchschnitt aller Erwachsenen ist das Fernsehen (75
Prozent), gefolgt von der Zeitung (50 Prozent), dem Radio (36 Prozent) und dem
Internet (31 Prozent). Die Bewegungen gehen aber ebenfalls in eine Richtung:
Der Anteil der Menschen, welche die Zeitung zu ihren wichtigsten
Informationsquellen zählen, ist in den vergangenen fünf Jahren um 9 Punkte
gefallen. Besonders stark ist der Rückgang in den mittleren Altersschichten
zwischen 20 und 49 Jahre, unter den Menschen mit Abitur (minus 12
Prozentpunkte) und in der Gruppe der 20- bis 39-Jährigen mit abgeschlossenem
Studium (minus 13 Punkte). Der Stellenwert des Fernsehens als
Informationsquelle sinkt vor allem bei jungen Menschen stark (minus 10
Prozentpunkte), bei älteren Menschen zwischen 50 und 64 Jahren aber nur gering.
Eklatant ist der Rückgang bei jungen Menschen mit abgeschlossenem Studium:
Statt 66 Prozent wie vor fünf Jahren zählen jetzt nur noch 53 Prozent der
Befragten das Fernsehen zu ihren wichtigsten Informationsquellen. Während das
Radio bei jungen Menschen an Bedeutung verliert und bei älteren Menschen leicht
gewinnt, kann das Internet seine Bedeutung in allen Gruppen in diesem Zeitraum
stark erhöhen. Besonders groß ist der Zuwachs unter den Jugendlichen.

Insgesamt hat das Interesse an aktuellen Nachrichten in den
vergangenen fünf Jahren leicht nachgelassen. 80,5 Prozent der Befragten gaben
an, sich am Vortag über das aktuelle Geschehen informiert zu haben gegenüber
81,6 Prozent fünf Jahre zuvor. Dabei ist das Interesse in allen Altersschichten
leicht gesunken - mit Ausnahme der ganz jungen Menschen, obwohl sich nur noch
jeder Zweite in dieser Gruppe für aktuelle Nachrichten interessiert. Auf die
Frage, in welchem Medium sich die Menschen am Vortag informiert haben,
antworteten 64 Prozent im Fernsehen (minus 4 Prozentpunkte), 46 Prozent in der
Zeitung (minus 6 Punkte), gleichbleibend 35 Prozent im Radio und 20 Prozent im
Internet (plus 10 Prozentpunkte). Das Internet wird offenbar als wichtige
Quelle eingestuft, aber nicht täglich genutzt. Zwar gaben 55 Prozent der Nutzer
an, im Internet politische Nachrichten abzurufen, aber nur 16 Prozent tun dies
häufiger. Aktuelle Wirtschaftsnachrichten fragt etwa die Hälfte der Nutzer im
Netz nach, aber nur 8 Prozent der Befragten gaben an, dies häufiger zu tun.
Insgesamt nutzen Männer das Internet als Informationsquelle weit häufiger als
Frauen. Die ARD/ZFD-Onlinestudie 2009 kommt zu dem Ergebnis, dass das Internet
von den jungen Menschen weit mehr für die Kommunikation denn für die
Information eingesetzt wird. Auch Online-Spiele und Unterhaltungsangebote
spielen für jüngere Menschen erwartungsgemäß eine größere Rolle im Netz.