Planen Verleger ein Bündnis gegen Google - und für Microsoft?
14. November 2009, 23:05
Uhr
War Rupert Murdochs Ankündigung, seine Seiten aus dem Google-Index
zu nehmen, nur der Beginn einer konzertierten Aktion der Verleger, die ihre
Inhalte künftig lieber Microsofts Suchmaschine Bing zur Verfügung stellen? Techcrunch
Europe schreibt über ein Geheimtreffen zwischen großen europäischen
Verlegern, darunter Axel Springer und Financial Times, und Microsoft. Die Suchmaschine
möchte die Verleger auf ihre Seite ziehen mit dem Ziel, dass die Inhalte der
Verlage künftig besser in Bing als in Google zu finden sind. Zudem greift Michael
Arrington eine Spekulation von Jason Calacanis auf, wonach Bing die Verlage dafür bezahlen könnte, wenn sie Bing
das exklusive Recht geben, ihre Seiten zu indexieren. Wenn weitere große
Verlage diesen Schritt gehen, könnte die Machtbalance im Suchmaschinengeschäft
in Richtung Bing verschoben werden - und Murdochs Schritt Google weit mehr Probleme bereiten als bisher erwartet wurde. Dabei soll es auch die Möglichkeit geben, mit Hilfe des Automated Content Access Protocol nur Teile einer Seite zu indexieren.
Chris Anderson, Wired-Chefredakteur, beschreibt in seinem Buch „Free" das Verhältnis zwischen Google und den Verlagen: „Weshalb sollte sich ein Unternehmen wie Google Gedanken darüber machen, wie andere Firmen ,Free' zu ihrem wirtschaftlichen Vorteil einsetzen können? Weil Google auf andere Unternehmen und ihre Daten und Informationen angewiesen ist, um diese zu indizieren, zu strukturieren und sonst wie zu verpacken, um selbst daran zu verdienen. Wenn das digitale ,Free' Branchen das Geld entzieht, bevor es neuen Geschäftsmodellen gelingt, es wieder ins Spiel zu bringen, gibt es nur noch Verlierer . . . Deshalb würde es Google sehr begrüßen, wenn die Zeitungen im Geschäft blieben. Google hat ein starkes Interesse daran, dass es viele Sieger gibt, denn diese erzeugen wieder Informationen, die Google aufbereiten kann. ... Der Google-Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt macht sich Gedanken darüber, dass ,Free' für Google nur allzu gut funktioniert, aber nicht gut genug für den Rest."
Eine Antwort von Google auf die Gespräche zwischen Verlagen und Microsoft wird wohl nicht lange auf sich warten lassen. Denn Google wird auf die Verlagsinhalte nicht verzichten wollen, selbst wenn sie über die Integration von Twitter quasi über einen Umweg doch wieder zu finden sein werden. Die Nutzer hätten immer den Eindruck, bei Google nicht alles Relevante zu finden - und könnten versucht sein, zu Microsofts Bing zu wechseln. Das wird Google verhindern müssen. Wahrscheinlich ist genau das die Absicht der Verleger: Sie wollen Google unter Druck setzen. Kein ungeschickter Zug.
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