Die Revolution bleibt aus: Googles Handy Nexus One enttäuscht
05. Januar 2010, 21:57
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Ein Journalist brachte es bei der Vorstellung von Googles erstem eigenen Handy Nexus One auf den Punkt: "Ihr Jungs von Google seid für die Revolutionen zuständig. Wo ist das Nexus One eine Revolution?" lautete seine rhetorische Frage. Das Nexus One hat den schnellsten Prozessor auf dem Markt, wahrscheinlich das beste Display und womöglich die fortschrittlichste Software. Auch die eingebauten Sensoren könnten interessant werden. Doch der große "Wow-Effekt" ist ausgeblieben; die sonst übliche Begeisterung blieb diesmal aus. Nur einmal blitzte der Google-Genius während der Präsentation in Mountain View kurz auf: Die Spracherkennung, die das Diktieren von E-Mails, Navigationsbefehlen oder anderen Eingaben ermöglicht, könnte das mühsame Tippen auf den Smartphones weitgehend überflüssig machen. Die 3D-Grafik ist aber eher eine (nette) Spielerei und die Menüsteuerung kein erkennbarer Fortschritt gegenüber dem iPhone von Apple. Auch das Preismodell ist konservativ: 529 Dollar ohne Vertrag und 179 Dollar mit einem zweijährigen Vertrag von T-Mobile USA sind kein Argument, dem iPhone den Rücken zu kehren. Die Revolution, das Handy mit mobiler Werbung zu finanzieren, blieb aus. Dafür sind die Umsätze mit Handy-Werbung wohl (noch) zu gering.
Ein "Superphone", wie Google gleich eine neue Geräteklasse für das Nexus One definierte, ist das von HTC produzierte Gerät also eher nicht. Eigentlich wollte Google zeigen, was sich mit Android alles machen lässt (und was die Hersteller bisher alleine offenbar nicht so geschafft haben, wie es sich Google gewünscht hat). Doch wirklich zündende Ideen hat auch Google nicht gezeigt. Das wissen auch die Google-Manager, die gleich mehrfach versicherten, dass das Nexus One nur der erste Schritt sei, zumal die neue Softwareversion Android 2.1 in wenigen Tagen allen Herstellern als Open Source zur Verfügung steht. Weitere Geräte werden also schnell folgen, auch weitere Netzbetreiber (neben T-Mobile und Verizon in Amerika und Vodafone in Europa, die bereits feststehen) werden das Google-Phone vertreiben. Im Frühjahr wird das Gerät auch in Deutschland zu haben sein, allerdings nur im Online-Shop von Google. Der Preis in Europa steht noch nicht fest. Zunächst verkauft Google das Nexus One in seinem neuen Online-Shop in den Vereinigten Staaten und liefert probehalber auch nach Großbritannien, Singapur und Hongkong.
Im großen Wettstreit Google gegen Apple wird es also entscheidend darauf ankommen, ob die Hersteller die Vorteile der Google-Software wie die Spracherkennung oder die Navigation mit einem wirklich schönen Gerät kombinieren können. Die Gefahr für Apple, seinen Vorsprung (auch auf dem App-Markt) zu verlieren, ist somit gewachsen. Aber Apple ist die passende Antwort mit dem iPhone 4G durchaus zuzutrauen. Echtes Multitasking wäre schon mal ein Anfang.
Doch viel wichtiger als der kurzfristige Verkaufserfolg ist für Google sowieso die langfristige Strategie dahinter. Das mobile Internet wird in einigen Jahren größer als das stationäre Web sein, weil es zusätzlich den lokalen Bezug hat. Google treibt diesen Markt wie kein anderes großes Internetunternehmen voran. Die Entwicklung des frei verfügbaren Handy-Betriebssystems Android war der erste Schritt, der jetzige Einstieg in den Verkauf der Geräte sicher nicht der letzte. Schon bald wird es viele (günstige) Google-Geräte mit vielen (kostenlosen) Google-Programmen geben, in denen das Unternehmen seine Werbung plazieren kann. Das Ziel ist der Aufbau eines mobilen Werbenetzes, das ähnliche Dimensionen wie im stationären Web hat. Google ist ein Werbeunternehmen, kein Hardwareverkäufer - schon aufgrund der geringen Margen im Hardwaregeschäft. Konkurrent Apple will in dieselbe Richtung, wie der Kauf des Online-Werbenetzes Quattro Wireless gezeigt hat. Dann kann Apple - ähnlich wie Google - auch mit den kostenlosen Apps Geld verdienen. Andere Gerätehersteller scheinen in diesem Wettbewerb der Technikgiganten schon heute nicht mehr mithalten zu können. Wenn Google aber erst anfängt, Geräte mit Werbeeinnahmen zu subventionieren, wird es für die Konkurrenz erst richtig düster.
UPDATE: Der erste Check
Das Nexus One ist sehr schnell und fühlt sich trotz der Plastikhülle hochwertig an. Die Spracheingabe funktionierte (leider nur auf englisch) überraschend gut; auch das Wörterbuch, das während des Tippens Vorschläge unterbreitet, ist eine Hilfe. Die Fotos waren eher schlecht; auch die Bedienung ist gewöhnungsbedürftig. So schnell wie auf dem iPhone war ich nicht.

iPhone vs Nexus One
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