AOL zieht sich aus Deutschland zurück
11. Januar 2010, 16:02
Uhr

Paukenschlag zum Jahresanfang: Der Internet-Konzern AOL zieht sich
weitgehend aus Europa zurück und schließt seine vier Büros in Deutschland. Alle
140 Mitarbeiter von AOL in Deutschland müssen das Unternehmen ebenso verlassen
wie mehr als 500 Beschäftigte in den Vereinigten Staaten. In Europa bleiben
wohl nur die Büros in London und Dublin erhalten.
Mit dem Rückzug scheidet AOL auch aus dem Online-Werbemarkt
in Deutschland aus, nachdem der Internet-Pionier bereits im Jahr 2006 sein Internet-Zugangsgeschäft für 675 Millionen Euro an Hansenet verkauft hat. "AOL verabschiedet sich nach 15 Jahren als Top 5 AGOF Player aus dem deutschen Online-Markt", heißt es in einer Mitteilung. Das AOL Media Netzwerk, das zuletzt rund 16 Millionen Internetnutzer erreichte und das neben AOL.de auch Seiten wie StayFriends, Finanztreff.de, Gutefrage.net, Netzwelt.de und Seiten der Fußballvereine 1.FC Nürnberg, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, Hamburger SV, Hannover 96 und Hertha BSC vermarktet, ist damit Geschichte. Die Internetseite AOL.de, die im Monat von etwa gut 4 Millionen Menschen aufgesucht wird, soll in reduzierter Form mit
Basisfunktionen wie E-Mail oder Messenger erhalten bleiben, sagte ein Sprecher. Die Tochtergesellschaft Adtech in Dreieich bei Frankfurt bleibt von den Streichungen unberührt.
Der Rückzug aus Deutschland gehört zum Plan des AOL-Vorstandsvorsitzenden Tim Armstrong (Foto), der das Unternehmen erst im Dezember an die Börse geführt hat. Dafür sollten 2500 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, aber nur 1100 sind freiwillig gegangen. Armstrong will AOL zu einem Medienunternehmen ausbauen, zu dem viele Medienseiten wie das Technikblog Engadget, die lokale Seite Patch.com oder Mapquest gehören. Zuletzt gab es Gerüchte, AOL wolle das Technikblog Mashable kaufen. Noch im September sagte Armstrong, das Unternehmen wolle sich als Inhalteproduzent auch in Europa etablieren. Inzwischen sind die Bedingungen aber offenbar schlechter geworden. AOL hat im vergangenen Jahr mehr als 11 Millionen Nutzer in aller Welt verloren.


Dazu passt das Video, das zum Verkauf des Zugangsgeschäftes an Hansenet erstellt wurde.
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