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Netzökonom

Kartell gegen Monopol: EU genehmigt „Anti-Google-Allianz" deutscher Online-Werber

22. Januar 2010, 12:21 Uhr

Die EU-Kommission hat das Gemeinschaftsunternehmen der vier deutschen Online-Werbeunternehmen Gruner + Jahr EMS, SevenOne Media, IP Deutschland und Tomorrow Focus ohne Auflagen genehmigt. Damit kann die „Targeting-Allianz" der Medienhäuser ihre Online-Reichweiten bündeln, um im hart umkämpften Markt für grafische Online-Werbung besser aufgestellt zu sein und vor allem dem Konkurrenten Google besser Paroli bieten zu können. (-> Vermarkter planen Anti-Google-Allianz).

Die Unternehmen werden Teile ihrer Internetseiten künftig von dem Gemeinschaftsunternehmen vermarkten lassen. Erstmals werde es möglich sein, mit Werbung aus einer Hand 75 Prozent aller deutschen Online-Nutzer in qualitativ hochwertigen Umfeldern zu erreichen, sagte Stefan Krötz, Verkaufsleiter von SevenOne Media, einer Tochtergesellschaft des Fernsehsenders ProSieben Sat.1. Mit diesen Reichweiten lassen sich gewünschte Zielgruppen besser als bisher erreichen. Dieses sogenannte Targeting gilt als vielversprechende Methode, um graphische Online-Werbung nur den Menschen zu zeigen, die sich für das Produkt interessieren.

Die einzelnen Reichweiten der vier Online-Werber schwanken zwischen 27,3 Prozent der Internet-Nutzern, die G+J EMS erreicht, bis zu 46 Prozent, die Tomorrow Focus mit Werbung versorgen kann. Alle vier Unternehmen haben jedoch im vergangenen Jahr ihre Reichweite kaum ausbauen können und sind gezwungen, neue Wege zur Erhöhung ihres Umsatzes einzuschlagen. Google erreicht in Deutschland dagegen mehr als 90 Prozent der 40 Millionen Internetnutzer.

Die EU-Kommission sieht keine Gefahr einer Einschränkung des Wettbewerbs im Europäischen Wirtschaftsraum, teilte die Behörde am Freitag mit. Angesichts der geringen Marktanteile der Unternehmen in der Online-Werbung und der Präsenz starker Wettbewerber wie Google gebe es keinen Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken, heißt es. Diese Formulierung bedeutet, dass die EU den gesamten Online-Werbemarkt (einschließlich des Suchmaschinenmarketings) als relevant ansieht und nicht nur die grafische Werbung. Als die EU Googles Kauf von Doubleclick genehmigte, wurden offenbar die beiden Teile des Werbemarktes noch getrennt voneinander betrachtet. Doubleclick ist der Weltmarktführer in der Auslieferung grafischer Werbeflächen auf die Internetseiten. Im gesamten Online-Werbemarkt ist Google mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent klarer Marktführer in Deutschland.

Der Umsatz von geschätzten rund 2 Milliarden Euro in Deutschland kommt aber fast ausschließlich aus dem Suchmaschinengeschäft. In der grafischen Online-Werbung spielt Google bisher keine große Rolle, aber der Kauf von Doubleclick und des Videoportals Youtube zeigt klar die Ambitionen von Google, auch in diesem Markt Fuß fassen. Dazu passt auch die Aussage des Google-Vorstandschefs Eric Schmidt, der die grafische Werbung als größten Wachstumstreiber für Google in diesem Jahr sieht.

Die Allianz der vier Vermarkter könnte noch größer werden, denn hinter den Kulissen werden auch Gespräche mit den beiden Platzhirschen Interactive Media, der Vermarkter der Deutschen Telekom, und United Internet Media geführt. Beide Unternehmen erzielen erhebliche höhere Werbeumsätze als die vier Mitglieder der Allianz. Zudem hat sich United Internet Media an Wunderloop beteiligt, dem bevorzugten Targeting-Dienstleister der Allianz. Mit diesem Schritt hat sich United Internet automatisch ins Gespräch eingebracht.  

 
Die Reichweiten der Online-Vermarkter im dritten Quartal 2009. Quelle: AGOF

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