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Netzökonom

Für 60 Prozent der Deutschen ist das Internet unverzichtbar

01. März 2010, 11:25 Uhr

Drei Viertel der deutschen Internetnutzer haben bisher nur positive Erfahrungen mit dem Netz gemacht. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie (PDF), die der IT-Branchenverband Bitkom vor Eröffnung der Computermesse Cebit in Hannover vorgestellt hat. Danach nutzen inzwischen 71 Prozent der Bevölkerung in Deutschland das Internet jeden Tag durchschnittlich 140 Minuten. „Die junge Generation bis 29 Jahre ist rund 200 Minuten online, also fast dreieinhalb Stunden täglich", sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer.

Als Informationsquelle im Internet nutzen die meisten Befragten die Webseiten klassischer Medien wie Fernsehsender, Radiostationen, Zeitungen und Zeitschriften. Die Startseiten der großen Portale wie T-Online werden von 20 Prozent als Infoquelle genutzt, während soziale Netzwerke und Twitter schon auf einen Anteil von 13 Prozent kommen (siehe Grafik unten). Eine „Kultur-Flatrate" zu Finanzierung von Inhalten lehnen drei Viertel ab; nur 10 Prozent der Befragten waren dafür.

Sechs von zehn Deutschen könnten sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen; bei den Jüngeren seien es neun von zehn. Der „digitale Graben", also die Altersgrenze zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern, habe sich nach hinten verschoben und liege jetzt bei 65 Jahren, sagte Scheer. „Wir müssen im Internet alle auf Augenhöhe bringen, alle Generationen miteinander vernetzen", mahnte Scheer, denn gerade für ältere Menschen biete das Netz viele Vorteile. Zur aktuellen Diskussion, das Internet mindere die Denkfähigkeit der Menschen, meinte der 1941 geborene Bitkom-Präsident: „Ich beschäftige mich seit 35 Jahren mit dem PC. Ich habe das selbst noch nicht festgestellt."

Knapp zwei Drittel der Befragten gaben an, das Internet habe ihre Allgemeinbildung verbessert; jeder zweite Nutzer hat schon Vorteile im Beruf erreicht. „Die Stechuhr hat ausgedient", sagte Scheer. Die Trennung zwischen Arbeits- und Privatleben weiche zunehmend auf. Zwei Drittel der Berufstätigen seien auch in ihrer Freizeit regelmäßig für Chefs, Kollegen oder Kunden erreichbar. Im Gegensatz nutzen 43 Prozent das Web auch während der Arbeitszeit für private Dinge.

Die Mehrheit der Nutzer plädiert in dieser Umfrage für mehr Netzpolitik. 55 Prozent möchten, dass der Staat den Datenverkehr im Internet stärker überwachen soll und sogar 60 Prozent sind für strengere staatliche Regeln im Netz. Zensur finden die Älteren nicht so schlimm, die Jüngeren dagegen schon. Entsprechend stimmen 77 Prozent der jungen Generation der Aussage zu, die Freiheit im Internet müsse erhalten bleiben, während dies in der Gruppe der Menschen über 65 Jahre nur für 39 Prozent der Befragten wichtig ist. Der digitale Graben ist also weiterhin vorhanden und offenbar recht tief.

 

 

 

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Veröffentlicht 01. März 2010, 11:25 von Holger Schmidt
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