Groupon: Weltmarktführer mit deutscher Hilfe
22. Juni 2010, 12:07
Uhr
Gemeinsam billiger kaufen: Mit der Idee, die Kaufkraft der Menschen im
Internet zu bündeln, war einst das niederländische Internetunternehmen
Letsbuyit spektakulär gescheitert. Das Modell feiert nun eine fulminante
Wiederauferstehung. Groupon heißt
der amerikanische Pionier der zweiten Generation, der sich für die Eroberung
des Weltmarktes ausgerechnet deutsche Hilfe geholt hat. Für einen mittleren
zweistelligen Millionenbetrag (gezahlt allerdings in Anteilen) hat Groupon den
deutschen Klon Citydeal übernommen. Was Groupon besonders beeindruckt hat: In
nur sechs Monaten hat das Citydeal-Team, hinter dem als treibende Kräfte die
Brüder Marc und Oliver Samwer stehen, das Modell in 15 weiteren Ländern
gestartet. "Die Samwers sind die beeindruckendsten Gründer, die ich je
getroffen habe", sagte Andrew Mason (Foto), der Groupon-Gründer, der FAZ.
Weil Groupon selbst noch keine Auslandsniederlassung aufgebaut hat, sollen
nun die Samwers den Job machen. Der Vertrag zwischen Groupon und Citydeal sieht
vor, Groupon-Seiten in zehn weiteren Ländern an den Start zu bringen, bevor die
Konkurrenz zum Zug kommt. "Wir starten demnächst in Lateinamerika, zuerst
in Brasilien", sagte Mason. Mexiko steht danach auf der Liste. Damit das
Citydeal-Team die Expansion mit Elan vorantreibt, enthält der Vertrag eine
"Earn-out"-Klausel. Ein Teil des Kaufpreises wird erfolgsabhängig
erst zu einem späteren Zeitpunkt fließen. Auf zwei Jahre ist diese Phase
angelegt.
Das Geschäft hat den Samwers und den weiteren Investoren
(Holtzbrinck-Ventures, Otto-Gruppe/eVenture Capital Partners und dem
skandinavischen Investor AV Kinnevik) Anteile am zurzeit wohl heißesten
Internet-Start-up eingebracht. Der Einstieg der Investoren DST und Battery im
April, die 135 Millionen Dollar investierten, hat Groupon mit einer Milliarde
Dollar bewertet - gerade einmal 20 Monate nach der Gründung. Die Gefahr, das
Letsbuyit-Schicksal zu erleiden, besteht wohl nicht mehr: "Seit Juni 2009 ist
Groupon profitabel", sagte Mason. Daher gebe es auch keine Notwendigkeit, neues
Kapital aufzunehmen. "Es gibt auch keine Pläne für einen Börsengang", sagte
Mason. Bei der Wahl des geeigneten Partners für die Auslandsexpansion war die
Wahl für Citydeal wohl schnell getroffen. "Wir haben uns Citydeal ebenso wie
alle anderen Copycats von Groupon angeschaut. Ausschlaggebend war die Qualität
des Teams, das allen anderen weit voraus war. Sie sind nicht nur die Besten in
Deutschland, sondern auch schon in 15 anderen europäischen Ländern vertreten.
Das war für Groupon der beste Schritt, eine Präsenz in Europa aufzubauen", sagte
Mason.
Ein 4-Gänge-Menü für 55 statt 120 Euro oder drei Stunden
Kartfahren für 39 statt 78 Euro: Wenn nur genügend Käufer zusammenkommen, lässt
sich auf Groupon gemeinsam gut die Hälfte sparen. Für die Anbieter der
Gutscheine scheint Groupon mehr als nur eine einmalige Werbeaktion zu sein. "Als
ich anfing, hatte ich auch die Befürchtung, die Händler könnten nicht
wiederkommen. Doch das Gegenteil ist der Fall. 97 Prozent der Händler, die vor
zwei Monaten dabei waren, sind auch heute noch aktiv", sagte Mason. "Unser
Problem ist ein anderes, vor allem in größeren Städten: Wir haben eine lange
Warteliste. Zum Beispiel warten in Chicago mehrere hundert Händler auf einen
Platz auf der Groupon-Seite", sagte Mason.
Während in Deutschland oft Restaurants versuchen, ihre
Lokale auf diese Weise zu füllen, ist die Bandbreite in Amerika größer. "Groupon
funktioniert für die ,verhinderten Champions' ebenso wie für große Unternehmen.
Zum Beispiel hatten wir Mitgliedschaften für ein Museum in Chicago auf der
Seite, 50 Prozent billiger als normal. In seiner 100-jährigen Geschichte hat das
Museum 80000 Mitglieder gewonnen. Ein einziger Tag auf Groupon hat 6000 weitere
Mitglieder gebracht", sagte Mason. Die stärkste Nutzergruppe sind 21 bis 35
Jahre alte Frauen, die in Städten leben. Groupon hat 7,5 Millionen Besucher im
Monat auf seinen Seiten, davon 6 Millionen in den Vereinigten Staaten und 1,5
Millionen in Europa. In Amerika gewinnt das Unternehmen nach Angaben von Mason
eine Million neue Mitglieder in einem Monat. Da die Markteintrittshürden
allerdings gering und Netzwerkeffekte nicht relevant sind, besteht noch genügend
Platz für Konkurrenten wie Dailydeal. Das Unternehmen ist zwar kleiner, wächst
aber ebenfalls schnell. Händler haben somit die Wahl.
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