Facebook Places - das "Wo-bin-ich-Internet"
19. August 2010, 20:26
Uhr
Die Nutzer des sozialen
Netzwerkes Facebook können künftig ihren Freunden mitteilen, wo sie sich gerade
aufhalten. Der neue Dienst „Places" ortet den Nutzer über Satellitennavigation
(GPS). Mit „Check In" können die Nutzer dann ihren aktuellen Aufenthaltsort aus
einer Vorschlagsliste umliegender öffentlicher Plätze wie Restaurants oder
Geschäften auswählen oder einen neuen Platz anlegen. Vorerst funktioniert
Places nur in den Vereinigten Staaten und nur auf bestimmten Smartphones wie dem iPhone. Wer seine Facebook-App auf dem iPhone
aktualisiert, sieht die Funktion „Orte" auch in Deutschland auf dem Bildschirm,
kann sie aber noch nicht verwenden. Die Ausweitung für alle 500 Millionen
Nutzer und für andere Geräte ist aber geplant.
Nach dem „Was-mache-ich-gerade-Internet“ kommt also jetzt das „Wo-bin-ich-Internet“. Auf den ersten Blick erleichtert die Funktion lediglich das Auffinden und Treffen mit Freunden, zum Beispiel in Innenstädten. Der zweite Blick ist spannender: Persönliche Empfehlungen von Freunden können nun helfen, den besten lokalen Händler oder den interessanten Ausflugsort zu finden. So wie Bewertungen anderer Internetnutzer schon heute viele Entscheidungen über eine Hotelbuchung oder die Wahl des passenden Fernsehers beeinflussen, können Empfehlungen der Facebook-Freunde künftig viele lokale Entscheidungen mitbestimmen. Für oder gegen ein Restaurant, für oder gegen ein Schuhgeschäft. Damit ist Facebook Places zwar nur ein weiterer Schritt, lokale Werbung ins Internet zu verlagern. Der Schritt könnte aber ein großer sein, da schon 150 Millionen Facebook-Nutzer die mobile Internetseite des sozialen Netzwerkes nutzen und das mobile Internet gerade seinen Durchbruch geschafft hat.
Facebook reagiert mit Places auf die wachsende Popularität der
ortsbezogenen Dienste wie Foursquare oder Gowalla, die mit der raschen
Verbreitung des mobilen Internet schnell Freunde gefunden haben. Marktbeobachter sehen Facebooks Schritt als Durchbruch für
die ortsbezogenen Dienste. Denn während bisherige Anbieter wie Foursquare nur
wenige Millionen Nutzer gewonnen haben, bietet Facebook mit seinen rund 150
Millionen Anwendern, die das soziale Netzwerk von ihren Smartphones aus nutzen,
aus dem Stand heraus eine weit größere Verbreitung. Zudem werden Smartphones
immer populärer. In Deutschland besitzen rund 10 Millionen Menschen ein solches
Gerät für den mobilen Internetzugang; in zwei Jahren wird sich die Zahl schon
auf 20 Millionen verdoppelt haben, schätzt das Marktforschungsunternehmen TNS
Infratest. „Das wird auch der Durchbruch für Location Based Services in Deutschland sein. Auf einen Schlag könnten nach unseren Schätzungen 2 Millionen deutsche Facebook-User, die das Netzwerk bereits mobil nutzen, für Facebook Places gewonnen werden. Und die Masse der User ist der entscheidende Erfolgsfaktor für Location Based Services. Zum Vergleich: Foursquare hat nach Schätzung der Webevangelisten derzeit nur 20.000 deutsche Nutzer", sagt Ben Möhlenhoff von der Agentur Eprofessional in Hamburg.
Facebook verbindet mit Places die Hoffnung, an Orten gezielt zu werben.
Händler können dann zum Beispiel aktuelle Angebote nur an die Menschen richten,
die sich in der Nähe aufhalten. Die Händler können auch eigene Profilseiten einrichten. Facebook Pages und Places können auch zusammengeführt werden. Dann können Unternehmen die Menschen "targeten", die sich als Fan eines Ortes (also eines Unternehmens) geoutet haben. "Unternehmen mit Ladenpräsenz wie Einzelhändler oder auch Gastronomen könnten sich zukünftig viel besser auf Facebook präsentieren. Bislang war eine Brandpage eher sinnvoll für Marken und ortsunabhängige Unternehmen", sagt Möhlenhoff. Facebook könnte mit dieser Funktion seine Werbeeinnahmen, die in diesem Jahr geschätzte 1,3 Milliarden Dollar betragen, deutlich ausweiten.
Places Advertisers
Mit Hilfe einer Schnittstelle können auch andere Unternehmen
die ortsbezogenen Daten nutzen. Erste Partner sind die Pioniere wie Foursquare
oder Gowalla, die aber keine exakten Aussagen machten, wie sie künftig mit
Facebook zusammenarbeiten wollen. Viele Beobachter sehen in Facebooks
Initiative auch schon das Ende der kleinen Wettbewerber. Facebook hatte Anfang des Jahres
erfolglos versucht, Foursquare zu übernehmen.
Die Ortsangaben werden als Standardeinstellung nur den
Freunden mitgeteilt. Wer von einem anderem Facebook-Nutzer mit eingecheckt
werden kann, muss vorher zustimmen. Problematisch ist allerdings die
Möglichkeit, auch nicht-öffentliche Plätze anzulegen. Wenn genügend Menschen
sich zum Beispiel auf einer Party anmelden, erscheint der Ort als öffentlicher
Platz. Der Veranstalter der Party kann den Ort zwar als bedenklich melden, doch
bis der Ort von Facebook wieder entfernt ist, kann es dauern. (Zum Thema Datenschutz gibt es einen guten Beitrag bei Techcrunch).
_________________________________________________________________________________________