Twitter plant mobile Offensive in Deutschland
14. März 2011, 16:14
Uhr
Der Kurznachrichtendienst Twitter plant die Einführung
seines SMS-Angebotes in Deutschland. „Wir verhandeln mit den deutschen
Netzbetreibern und wollen den Dienst so schnell wie möglich einführen", sagte
Kevin Thau (Foto), der für das mobile Geschäft zuständige Vizepräsident von Twitter, der
FAZ. „Diesen Dienst gibt es inzwischen in 60 Ländern, aber nicht in
Deutschland. Für Twitter ist Deutschland einer der Kernmärkte in Europa". Der
SMS-Dienst ist vor allem für einfache Handys sinnvoll, die nicht über ständigen
Datenverbindungen ins Internet verfügen. „SMS ist Teil unserer globalen
Benachrichtigungsplattform. Damit lassen sich Tweets abonnieren, selbst wenn
man gar keinen Account bei Twitter hat", sagte Thau.
Die 140-Zeichen-Nachrichten lassen sich dann einfach per SMS
empfangen. Der SMS-Dienst soll auch helfen, Twitter in Deutschland auf die
Sprünge zu helfen, denn der Kurznachrichtendienst wächst hierzulande deutlich
langsamer als in vielen anderen Ländern. Nach Berechnungen von Comscore
besuchen in Deutschland jeden Monat etwa drei Millionen Menschen die
Twitter-Seite. Viele Nutzer twittern allerdings nicht selbst, sondern lesen
lediglich die Informationen.
Das mobile Internet hat für Twitter höchste Priorität. „Auch
für uns gilt: „Mobile First", denn Twitter ist perfekt für mobile Geräte
geeignet. 50 Prozent aller aktiven Nutzer nutzen Handys für Twitter", sagte
Thau, der in aller Welt mit Netzwerkbetreibern und Geräteherstellern verhandelt.
„Ein Ziel ist es, Twitter tief in die Geräte zu integrieren. Was immer die
Menschen auf Ihrem Handy tun, sollte es immer eine einfache Möglichkeit geben,
das mit anderen auf Twitter zu teilen, zum Beispiel ein gerade aufgenommenes
Foto zu publizieren oder eine Link zu teilen", sagte Thau. Umgekehrt seien die
Netzbetreiber auf das Suche nach Datendiensten, die den sinkenden Sprachumsatz
kompensieren können. „Die Netzbetreiber brauchen Anwendungen wie Twitter, um
ihre Netze zu füllen", sagte Thau.
Einen Grund, warum Twitter in Deutschland bisher nicht die
Wachstumsraten wie in anderen Ländern erreicht hat, sieht Thau in der
vergleichsweise geringen Nutzung in den Medien. „Neben den Gesprächen mit den
Netzbetreibern sind wir in Verhandlungen mit Medienunternehmen, um sie von
Twitter als Instrument für den Journalismus zu überzeugen. Aber in vielen
Ländern haben wir beobachtet, dass die Nutzung zuerst ein gewisses Niveau
erreicht und erst ein Ereignis die Twitter-Nutzung dann hochtreibt. Aber es
gibt für Twitter ja nicht nur eine Nutzungsart, sondern viele. Für
Medienunternehmen liegt die Nutzung auf der Hand: Sie können ihre Inhalte sehr
schnell und weit verbreiten", sagte Thau.
In anderen Ländern werde Twitter viel stärker von
Journalisten genutzt als in Deutschland. Das gelte auch für Unternehmen. „Mein
Rat für den ersten Schritt: Mehrere Accounts für die verschiedenen Aufgaben im
Unternehmen eröffnen. Es gibt aber große Unterschiede zwischen einem
PR-Account, um Pressemitteilungen zu versenden, und der Twitter-Nutzung als
eine authentische Stimme im Web. Den größten Erfolg haben Unternehmen, wenn der
Account personalisiert ist, also die Menschen dahinter sichtbar sind. Die
Nutzer erwarten das auf Twitter", sagte Thau.
Zum 5. Geburtstag hat Twitter einige Zahlen zum Wachstum veröffentlicht:
- - Vor einem Jahr wurden 50 Millionen Tweets am Tag gesendet, heute 140 Millionen.
- - Jeden Tag werden 460000 Accounts eröffnet.
- - Am 11. März wurden 177 Millionen Tweets gesendet. Der Rekord in der Kategorie "Tweets per Second" wurde an Neujahr in Japan aufgestellt: 6939 TPS.
Genaue Nutzerzahlen hat Twitter bis auf den heutigen Tag aber nicht veröffentlicht.
Foto: Holger Schmidt
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