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Verbrennungen durch Employer Branding
02. September 2008, 08:22
Uhr
In den
unendlichen Weiten der Arbeitswelt gibt es immer wieder Sternschnuppen, die
hell aufleuchten, dann aber doch wenig bewegen und wieder verschwinden. Das
aktuelle Highlight: „Employer Branding". Doch diese Sternschnuppe hat einen
fatalen Nebeneffekt: Sie hinterlässt gefährliche Brandwunden, auf die selbstredend
der Reiseführer durch die Arbeitswelt warnend hinweist.
Um gleich das Wichtigste
an der wichtigsten Stelle und damit am Anfang zu sagen: Ja, Employer Branding
ist wichtig. Nein, Employer Branding ist nichts Neues. Ja, Employer Branding
ist in vielen Fällen eine Katastrophe. Nein, Employer Branding ist nicht primär
eine Kommunikationsaufgabe.
Was man auf der
Vielzahl entsprechender Kongresse und in vielen Publikationen zum Thema
Employer Branding sieht und liest, klingt völlig einfach und scheinbar trivial.
Dass dies alles aber vielleicht doch nicht so einfach ist, merkt man spätestens
dann, wenn man sich einmal im Reiseführer durch die Arbeitswelt die Definition
anschaut.
Der Reiseführer „Per
Anhalter durch die Arbeitswelt" definiert dementsprechend: „Employer Branding ist (1) im günstigsten Fall eine ganzheitliche
Personalmanagementaktivität, bei der das wirklich Besondere des Unternehmens
erarbeitet, erkannt und nach innen sowie außen kommuniziert wird. Employer
Branding ist (2) gleichzusetzen mit kommunikationstechnischer Scharlatanerie,
bei der es nur um Design und Corporate Identity geht. In jedem Fall
ist Employer Branding erfolgswirksam, nämlich (3) im positiven Sinne durch
bessere Werte für Akquisition, Motivation und Retention, oder aber (4) im
negativen Sinne, wenn Mitarbeiter Employer Branding nur als plumpe Werbung
ansehen, die nichts mit der Realität zu tun hat."
Geradezu rührend
naiv ist es, wenn man Employer Branding als Aufgabe ansieht, mit der man eine
Kommunikationsagentur beauftragen kann, die mit Personalmanagement aber nun
wirklich überhaupt nichts zu tun hat und deren einzige Leistung darin besteht,
sich selber gut zu vermarkten. Sicher, manche Werbeetats sind geschrumpft und Personaler
erscheinen als bereitwillige Opfer. Da zahlt man dann schon seine 10.000 € für
die Teilnahme an einem der vielen kommerziellen Arbeitgeberwettbewerbe, um
neben 100 anderen als Spitzenarbeitgeber mit seiner Spitzenarbeitgebermarke
aufzutreten. Zudem gilt: Wer wirklich Druck macht, kann auch das Ranking um das
beste Betriebsklima gewinnen - die Mitarbeiter müssen nur wissen, dass man von
ihnen „Glücklichsein" erwartet.
Doch was ist mit
den „Verbrennungen", die in der Überschrift so reißerisch angekündigt werden
und den Leser zum Lesen dieses Beitrages animieren?
Falsches Employer
Branding führt zu drei Arten von Verbrennungen:
(a) Mitarbeiter im Unternehmen sind gebrannte Kinder, wenn ihnen immer wieder
kommunikativ-schön die schöne heile Welt versprochen wird, die dann aber doch
nie kommt.
(b) Soeben eingestellte Mitarbeiter werden zu gebrannten Kindern, wenn sie erst
den Werbebroschüren mit Gütesiegeln glauben, dann aber das Gegenteil erleben.
(c) Schließlich werden auch Personalmanager zu gebrannten Kindern: Wer einmal
der Rhetorik eines Kommunikationsberaters „der falschen Art" aufgesessen und
sich innerbetrieblich lächerlich gemacht hat, wird die Finger von dieser Spezies
Mensch und seinen Ideen lassen.
Zum Glück floppen
allein schon wegen (c) derartige Versuche fast schon zwangsläufig und zum Glück
gilt das aber nicht für alle Personalmanager.
Deshalb kann man
inzwischen wie in einem Kochbuch die Zutaten eines erfolgreichen Employer
Brandings auflisten. An dieser Stelle soll diesmal aus Gründen der
Vereinfachung nur ein Ergebnis jahrhundertelanger Forschung präsentiert werden,
nämlich folgende Zahlenregel: (Sie ist selbstredend empirisch nach allen Regeln
der intergalaktischen Forschung validiert und exakt zu befolgen.)
Die 70-20-10-Regel für das
Employer-Branding besagt: 70%
ist interne Analyse und interne Strategiearbeit. Denn: Das Unternehmen muss
wissen, was es kann und wofür es als Ganzes sowie hinsichtlich seiner Personalarbeit
steht. Also: Gefragt ist der absolute Klassiker, nämlich Strategisches
Personalmanagement. 20% ist interne
Kommunikation, wobei es hier nicht auf Design und CI-Richtlinien ankommt,
sondern ausschließlich auf Authentizität. 10%
ist externe Kommunikation - wobei es hier weniger auf das Design, als auf die
Botschaft ankommt.
Spätestens jetzt
ist Employer Branding nicht mehr so lustig, aber jetzt ist es erfolgswirksam.
Abschließend der
obligate Ratschlag: „Bewerber in der
wunderbaren Arbeitswelt, höre die Warnung! Wenn die Kommunikationsbotschaft des
Unternehmens pure Werbung und mit Autowerbung zu verwechseln ist, dann Finger
weg von dem Unternehmen! Denn Arbeitgeber, die für so etwas Geld ausgeben,
werden es an anderer Stelle einsparen!"

P.S. Auch wenn
der Hyper-Bestseller und unnachahmbare Reiseführer von Douglas Adams „Per
Anhalter durch die Galaxis" tatsächlich unnachahmbar ist - und deshalb zum
Vorbild für den hier vorgelegten „Reiseführer durch die Arbeitswelt" wurde, so
bleiben doch manche seiner Charakterisierungen rätselhaft: Oder was soll es
bedeuten, wenn er auf „ein hirnverbranntes, sinnloses Wunschdenken der
Marketingabteilung, mit freundlicher Unterstützung der Buchhaltung" hinweist?
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