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Vorsicht Kündigung! Der Weiße Raum
20. Januar 2009, 16:37
Uhr
Dass in der aktuellen Wirtschaftskrise Unternehmen massiv
Arbeitsplätze abbauen, ist sicherlich kein Geheimnis und allenfalls eine
betrüblich-betroffene Notiz wert. Viel interessanter erscheinen dagegen konkrete
Hinweise auf Mechanismen, die Firmen bei der Personalfreisetzung einsetzen.
Deshalb braucht jeder gute „Reiseführer durch die Arbeitswelt" auch dazu
mindestens einen Eintrag, um auf ein solches Ereignis vorzubereiten.

Manchmal lohnt es
wirklich, den Abend vor dem Fernseher zu verbringen. Eine derartige Sendung war
„Marie und der Charme des Bösen" im ZDF. In diesem Krimi spielte Harald
Krassnitzer den „Dr. Tilmann", einen angesehenen Anwalt, der gnadenlos
Arbeitgeberinteressen vertritt und unkündbare Angestellte mit dubiosen Methoden
freistellt. Ein Hilfsmittel dazu ein aus der Tierschlachtung bekannter „Weiße
Raum". In ihn werden Schweine und Rinder vor der Schlachtung gebracht, damit
sie sich entspannen, an nichts Böses denken, sie leichter zu schlachten sind
und ihr Fleisch besser schmeckt. Das Prinzip ist auch aus der Fernsehserie
Southpark - allerdings mit den Truthähnen - bekannt und im Internet
[bei 16:30] abrufbar.
Genau das Gleiche schlägt
„Dr. Tilmann" in diesem Film in einem exquisiten Seminar „im kleinen Kreis" den
Unternehmen vor. Also: Nicht brutal mit den Mitarbeitern umspringen, sondern sie
lieb und nett behandeln, sie in Sicherheit wiegen und dann - wenn sie es am
wenigsten erwarten - gnadenlos und erfolgreich schlachten.
Der Reiseführer definiert dementsprechend: „Der Weiße Raum ist eine aus der
Tierschlachtung bekannte Tötungsvorbereitung, deren Analogie sich nach Ansicht
ihrer Protagonisten auch für die Kündigung von Mitarbeitern eignet!"
Falls es derartige Seminare wirklich gibt, wird natürlich
nicht offen über sie gesprochen. Wer aber einmal „Seminar"+"Kündigung unkündbarer Mitarbeiter" in Google eingibt,
wird feststellen, dass durchaus zumindest in diesem Bereich Einiges angeboten
wurde. Auch im Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt" gibt es unter
dem Stichwort "Der Schwarze Mitarbeiterabbauplanet" erste Andeutungen.
Nicht erst seit der Wirtschaftskrise sind Unternehmen dabei,
massiv Mitarbeiter abzubauen: Seit Frühjahr 2008 baut sich eine
Entlassungswelle auf, die eigentlich nichts mit der Finanzkrise zu tun hat, die
aber jetzt mit der Finanzkrise quasi entschuldigt und als Grund für
weitreichende „Flexibilisierungsforderungen an die Mitarbeiter"
instrumentalisiert wird.
Die Konsequenz für
Mitarbeiter: Sich auf keinen Fall sicher fühlen, egal, was einem versprochen
wird! Wir leben - auch wenn das nicht jedem gefällt und wenn es in Weißen Räumen
nicht jeder wahrnehmen will - in einer Arbeitswelt ohne Stammplatzgarantie.
Übrigens: Der Personalvorstand eines großen deutschen Unternehmens
verkündete am 16. Januar 2009 das Memorandum „Krise meistern - Beschäftigung
sichern", wonach Mitarbeiter keine Angst haben sollen, durch voreiliges
Kostendenken auf Seiten der Unternehmen ihren Arbeitsplatz zu verlieren. (Über
die Farbe des Raumes, in dem dieses Versprechen abgegeben wurde, ist allerdings
nichts bekannt.)

PS In seiner unübertrefflichen Weitsicht schrieb bereits
Douglas Adams in seinem Reiseführer Per Anhalter durch die Galaxis
vorausschauend: „Der Raum war fast völlig weiß, rechteckig und ungefähr so groß
wie ein kleineres Restaurant. Das heißt richtig rechteckig war er nicht: die
beiden Längswände krümmten sich in einer sanften parallelen Kurve, und alle
Winkel und Ecken des Raumes waren in enervierend viele Brechungen zerlegt.
Arthur hatte plötzlich das Gefühl, dass ihm der Boden aus dem Hirn fiel. Seine
Augen kehrten das Innere nach außen. Der Raum um ihn herum faltete sich flach
zusammen, drehte sich um seine Achse, flutschte aus dem Sein und ließ Arthur in
seinen eigenen Nabel gleiten."
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