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Lernen für die Wirtschaftskrise: Heiner Brands kleiner Handballfehler
02. Februar 2009, 18:42
Uhr
Eigentlich sollte an dieser Stelle der Hinweis auf die
erfolgreiche Verteidigung des WM-Titels aus 2007 durch die deutsche
Handball-Nationalmannschaft stehen. Das hat (ganz knapp) nicht geklappt und
deshalb Gratulation an Frankreich. Allerdings gibt es eine kleine Kleinigkeit,
aus der man etwas für eine noch bessere Navigation in der aktuellen Wirtschaftskrise
lernen kann.

Da jede noch so kleine Kritik an Idolen - vor allem, wenn
sie diesen Ehrenplatz zu Recht einnehmen - immer in den richtigen Rahmen zu
stellen ist, drei Anmerkungen vorab:
(1) Der Berichterstatter ist bekennender Fan der deutschen
Handball-Nationalmannschaft und ihres Trainers. Dies hat er sowohl im direkten
Gespräch mit Heiner Brand (DGFP-Kongress) als auch in Printmedien
(Wirtschaftspsychologie) und natürlich auch im Reiseführer "Per Anhalter durch
die Arbeitswelt" (siehe
Eintrag aus dem Jahre 2007 mit dem Titel "Ein Wintermärchen zum Feiern und
Lernen") mehrfach unter Beweis gestellt.
(2) Der Berichterstatter hat ein mehr als kritisches Verhältnis
zu manchen Personen, die als Schiedsrichter manchmal einen mehr als nur
unglücklichen Einfluss auf den Ausgang eines Spieles haben (siehe dazu die
Erläuterungen zur "Vinckenliste
als Karrierefalle" in einer älteren Ausgabe dieses Reiseführers).
(3) Der Berichterstatter weiß, dass eine gewisse "Beeinflussung"
von Schiedsrichtern durch Spieler und Offizielle im Handball fast schon genauso
dazu gehört wie im Fußball.
Aber jetzt konkret zu dem kleinen Punkt, um den es hier und
heute gehen soll. Für alle, die nicht zu den 10 Millionen Zuschauern des
(leider) entscheidenden Spiels gegen Dänemark gehörten, noch einmal zur
Erinnerung: In den letzten Minuten gab es - wie auch in den Spielen zuvor -
einige Entscheidungen von Schiedsrichtern, über die man durchaus diskutieren
kann.
Allerdings diskutierten Spieler und Trainer bereits seit dem
vorangehenden Spiel (gegen Norwegen) etwas zu viel über die Schiedsrichter. Genau
hier setzt der Merkposten an: Wenn ein Trainer quasi via Bildzeitung über eine
Schiri-Verschwörung gegen Deutschland spekuliert und eine Videodokumentation
ankündigt, dann führt dies dazu, dass Spieler viel zu sehr dieses Thema in den
Kopf bekommen - und weniger die Antwort auf die Frage, wie man vielleicht doch
einen Siebenmeter verwandelt. Wenn die Kritik an den Schiedsrichtern dann noch dazu
führt, dass wegen von der Bank kommenden "Anmerkungen an den Schiedsrichter" eine Zeitstrafe gegen die Mannschaft verhängt
wird (die dann erst einmal mit einem Spieler weniger spielen muss), wird es
problematisch. Dies gilt auch für die Schlussminuten, als wegen Ärger über die
(skandalös agierenden) Schiedsrichter jede Konzentration und damit das Spiel
verloren gingen.
Der Reiseführer durch die Arbeitswelt definiert deshalb: "Emotionaler Verfolgungsgefühlabschirmer
ist eine (1) durch die Führungskraft vorzunehmende Funktion, bei der (2) die Aufmerksamkeit
des Teams auf die eigene Leistung konzentriert und (3) von den durchaus
ungerechten Aktionen der Umwelt abgeschirmt wird."
Genau das gilt auch für die aktuelle Wirtschaftskrise. Sie
ist natürlich ein Problem und natürlich ist es ein Skandal, dass beispielsweise
ganz bestimmte Berufsgruppen und Branchen gegenwärtig geschützt, andere dagegen
zum Ertrinken in den Regen gestellt werden.
Es hilft aber nichts, wenn Unternehmen,
Handballmannschaften, Privatpersonen ohne Zugang zu den Rettungsmilliarden, aber
auch Institute an Hochschulen (die sich zurzeit mindestens genauso und genauso zu
Recht verfolgt fühlen wie die Deutsche Handball-Nationalmannschaft ) diese
Probleme (noch dazu in einer meistens rein internen) Diskussion forcieren und
zum zentralen Gegenstand ihrer Gedanken beziehungsweise ihres Handelns machen. Dies
alles beschleunigt nur noch das Ertrinken.
Deshalb müssen alle Führungskräfte zu „Emotionalen
Verfolgungsgefühlabschirmern" werden. Das ist leicht gesagt, schwer getan,
trotzdem aber nötig.
Gut in diesem Zusammenhang das Beispiel des dänischen
Schilderherstellers Nonbye: Er hat seinen Mitarbeitern einfach untersagt, das Wort „Krise" in den Mund zu nehmen. Ob das
hilft, ist noch nicht bekannt. Es wird aber sicher nicht schaden.
Gut dann natürlich auch das Beispiel der französischen
Handball-Nationalmannschaft, die ebenfalls unter einigen (vielen) merkwürdigen
Entscheidungen zu leiden hatte, diese aber - nicht zuletzt durch ihren Trainer
- von ihrem Spiel abschirmte, was mit der Weltmeisterschaft belohnt wurde.
Gratulation!

P.S. Douglas Adams beschäftigt sich in seinem Buch "Per
Anhalter durch die Galaxis" auch mit diesem Thema, wenn er Zaphod Folgendes erzählen
lässt: "Ich wollte mir nicht einreden lassen, es würde sich nur um einen Anfall
von Verfolgungswahn handeln. Doch dann sah ich es: Irgendein Mistkerl hatte
alle Synapsen im Gehirn weggeätzt und die beiden Kleinhirnteile elektronisch
traumatisiert." Was uns Adams verschweigt, ist die Fähigkeit des in diesem
Reiseführer vorgestellten „Emotionalen Verfolgungsgefühlabschirmers", genau
diesen Effekt auszuschalten.
P.P.S. Im Jahr 2011 ist Deutschland wieder
Handball-Weltmeister! Egal mit welchen Schiedsrichtern!
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