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Wirtschaftskrise 2009: Ein Interview mit Charles Darwin

31. März 2009, 08:17 Uhr

Was würde Charles Darwin zur aktuellen Wirtschaftskrise sagen? Und was würde er uns raten? Obwohl der bekannte Wissenschaftler aus nahe liegenden Gründen seit Jahren nichts mehr geschrieben hat, lieferte er doch im australischen Darwin ein brisantes Exklusivinterview für den Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt" - mit durchaus diskutierbaren Antworten.

 

 

Mr. Darwin, Sie ausgerechnet hier zu treffen, freut mich und alle Leser des Ihnen erfreulicherweise gut bekannten Reiseführers durch die Arbeitswelt. Stichwort Australien: War das ein Auslöser für Sie, unter anderem über Leben und Arbeiten der Menschen nachzudenken?

Ich habe außer einem Kurzbesuch 1839 keine wirkliche Beziehung zu der Stadt mit dem Namen Darwin, in der wir uns hier befinden. Ich habe mich auch nicht unmittelbar mit der Arbeitswelt beschäftigt. Das ist aber nicht schlimm.

Denn meine Evolutionstheorie ist eine Theorie, die für alle Populationen und damit zwangsläufig auch für die Arbeitswelt gilt, also für die gesammelten Populationen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern, Arbeitsrechtlern, Arbeitspolitikern, Arbeitspsychologen und vielen mehr.

 

Warum sind Sie sich da so sicher?

Evolution basiert auf Veränderungen und darauf, dass sich langfristig diejenigen Populationen und ihre Ideen als „Standard" durchsetzen, die sich am besten an neue Gegebenheiten anpassen. Die aktuelle Wirtschaftskrise ist eine derartige Veränderung. Und wir werden sehen, wer und was sich durchsetzen wird, damit also zu neuem Standard wird.

 

Nun hat der „Markt" mit seinen diversen Auswüchsen versagt und deshalb bekommen wir mehr staatliche Regulation. Das hat aber dann doch nichts mehr mit Evolution zu tun?

Völlig falsch. Der Markt hat überhaupt nicht versagt. Er hat Verhalten aufgedeckt, das offenbar in der praktizierten Form zu Krisen führt. Nur war es ein Fehler der Regierungen, derartig massiv einzugreifen: Denn auf diese Weise konnte vieles überleben, was normalerweise nicht überlebt hätte.

 

Sie hätten also nicht versucht die Hypo Real Estate zu retten?

Natürlich nicht - zumindest nicht als Staat. Es ist nicht die Aufgabe der Regierung, Investoren und Managern zu helfen, die durch überzogene Renditeforderungen und abenteuerliche Geschäftsmodelle Unternehmen in den Ruin treiben. Die HRE hätte in die Insolvenz gehen müssen! Dann hätte man mit Steuergeldern immer noch die sozialpolitisch brisanten Risiken übernehmen und im Übrigen aus den Resten etwas Neues bauen können - und hier auch den betroffenen Mitarbeitern neue Perspektiven eröffnet.

Jetzt aber hilft man primär Investoren und kann nur mehr versuchen, über Notgesetze die schlimmsten Konsequenzen des Regierungshandelns abzumildern.

 

Und Schaeffler und alle anderen Fälle?

Auch hier hätte man überhaupt nie an Staatshilfen denken sollen, nur weil sich eine politisch gut vernetzte Milliardärin verspekuliert hat. Das Gleiche gilt für die Managementfehler der Allianz - und danach der Commerzbank - bei der Übernahme der Dresdner Bank. Das war alles betriebswirtschaftliche Stümperei, die der Steuerzahler jetzt finanziert.

 

Ist Ihr Plädoyer gegen Staatshilfen nicht brutal für die Arbeitnehmer?

Überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil! Insolvenz bedeutet nicht automatisch den Verlust von Arbeitsplätzen. Es gibt neue Eigentümer und neue Besitzmodelle. Hier kann man an Beteiligung der Mitarbeiter denken und an vieles andere. Aber die aktuelle Lösung ist grotesk, die einzelnen Branchen mit guten Lobbyisten (wie Automobilindustrie) oder einzelnen Firmen (wie Commerzbank) helfen will, die sich selber in eine Schieflage gebracht haben.

 

Warum können Insolvenzen für Mitarbeiter sinnvoll sein?

Hätte man Firmen in die Insolvenz entlassen, dann hätte man sich auch von Investoren und einigen Managern trennen können. Das hätte Raum gemacht für neue Unternehmensmodelle. Also: Wenn Conti und Schaeffler wirklich so ein Traumpaar sind, dann werden sich Interessenten für weitere Investitionen finden. Wenn sie es nicht sind, dann ist es auch nicht schade. In beiden Fällen hätte allerdings Frau Schaeffler das Nachsehen - was aber zumindest in der Evolutionstheorie niemanden stört, sondern allenfalls das Entstehen eines neuen Musters von Eigentümern fördert.

So aber werden durch die unzähligen Staatshilfen hauptsächlich die Investitionen der Spekulanten sowie Einkünfte der Manager gesichert, Mitarbeiter aber trotzdem entlassen beziehungsweise als Steuerzahler zur Kasse gebeten. Gleichzeitig bleiben zunächst die alten Denkmodelle erhalten, nach denen Erfolg ausschließlich über die Rendite definiert wird, die ihrerseits vor allem durch Arbeitsplatzvernichtung geschaffen wird.

 

Wieso „zunächst"?

Gegenwärtig gilt bei Ihnen in Deutschland insgeheim als guter Topmanager, wer möglichst in einer Investment-Firma gearbeitet hat, in Geschäftsmodellen denkt, an Mergers&Acquisitions Spaß hat, alles auf Cash-Flow herunterrechnen kann, auf Outsourcing und Benchmarking schwört, Mitarbeiter als Fixkostenblock ansieht und die Arbeitswelt als ein großes Monopoly begreift, bei dem im Zweifelsfall der Staat durch Sonderzahlungen hilft, wenn man nur laut genug schreit.

Dieses Muster wird zwar jetzt durch die Staatshilfen auf der ganzen Welt noch etwas länger am Leben erhalten. Spätestens aber bei der nächsten wirklichen Krise wird es zur wirklichen Veränderung kommen. Denn das aktuelle Muster wird dann, da es für die gesellschaftliche Gesamtpopulation keine ausreichenden evolutionären Vorteile bietet, ausgelöscht. Und diese Krise wird angesichts der extremen Staatsverschuldung nach einem kurzen Aufschwung sehr bald und sehr heftig kommen. Da sollten Sie sich nichts vormachen lassen.

 

Wird erst gelernt, wenn es zu spät ist?

Nein, nicht zwingend. Ich spreche von notwendiger Variation, oder anders ausgedrückt: Viele neue Ideen müssen ausprobiert werden, um zu sehen, welche davon überlebensfähig sind.

Erste Anzeichen dafür, dass neue Denkmuster entstehen, sieht man zum Beispiel in den USA, wo Obama öffentlich die Geldgier von Managern anprangert und sogar diejenigen namentlich an den Pranger stellen will, die Staatshilfe und gleichzeitig exzessive Gehälter beziehen. Das wäre auch bei Ihnen in Deutschland eine interessante Liste, auf der nicht nur Banken stehen würden.

 

Aber es haben doch auch in Deutschland Vorstände freiwillig auf Ihre Bonuszahlungen verzichtet!

Richtig, und das zeigt, dass Bewegung im Spiel ist - auch wenn das wenige, was passiert ist, letztlich erst aufgrund öffentlichen Druckes zustande kam. Auch ist nicht in allen Fällen, wo Ihre Vorstände jetzt weniger bekommen, ein Verzicht im Spiel, sondern sie haben 2007 lediglich im Größenwahn Bezugsgrößen festgelegt, die für 2008 zu weniger Geld geführt haben - ein Fehler, den viele Manager nicht noch einmal machen werden. Andere Vorstände waren da geschickter und haben sich auch 2008 finanziell weiter optimiert, obwohl es ihren Unternehmen nicht so gut ging.

Von einem wirklichen Umdenken sind Sie in Deutschland noch weit entfernt - aber Sie folgen bereits dem Grundmuster einer auf soziale Systeme übertragenen Evolution nach der Formel: Transparenz plus öffentlicher Druck führt zur Variation und dann zur Selektion.

Aber noch einmal: Es geht nicht nur um ausgewählte Bankvorstände. Es geht um diverse opportunistische Manager auf vielen Ebenen in vielen Branchen, die alle irgendwie von Hilfen aus Berlin profitieren. Ob Abwrackprämie, Konjunkturpaket oder verlängertes Kurzarbeitergeld: In allen diesen Fällen hilft der Staat und verhindert damit Anpassungsprozesse durch Selektion.

Solange Ihre Politiker mit ihrem trügerisch-bizarren Glauben an ihre unfehlbar-schöpferische Universalkraft weitermachen, haben wir nicht die Selektion zwischen „schlechten" und „guten" Managern (die es nämlich auch gibt). Wir haben eine Selektion zwischen „opportunistischen" (die gewinnen werden) und „eigentlich dummen" Managern (als Verlierern), die ohne Staatshilfen und Millionengehälter versuchen, gute Arbeit zu machen.

 

Was raten Sie Unternehmen, wie sie am besten aus der Krise herauskommen können?

Unternehmen sollten möglichst rasch über neue Verhaltensmuster nachdenken, also ebenfalls Variation schaffen. Das gesamte System der Personalarbeit gehört auf den Prüfstand, von Personalauswahl über Personalentwicklung bis zur Entlohnung. Auch brauchen Unternehmen weniger kreative Finanzierungsmodelle und Kostensenkung, sondern mehr wirkliche Wertschöpfung, wo es um Produktion und Innovation geht.

Überhaupt braucht man neue Visionen für die Arbeitswelt der Zukunft, die sich mit der aktuellen Wirklichkeit befassen. Dazu gehören sicher nicht die populistischen Sonntagsreden auf Kongressen, die schönfärbenden Bildergeschichten in der personalwirtschaftlichen Presse und ganz sicher nicht die Karrieremuster von so genannten High Potentials, die sich insgeheim an Lebenszielen wie „mehr Geld als Ackermann" und „größeres Schloss als Zumwinkel" orientieren. Auch wenn derartiges Denken in der aktuellen Krise noch einmal überlebt hat, langfristig wird es aussterben - wie die viel zitierten Dinosaurier.

Denn nach der Evolutionstheorie werden nicht die Stärksten überleben, sondern die, die sich durch Veränderung am besten und am schnellsten an die veränderte Umwelt angepasst haben. Genau das aber ist die große Chance für intelligente Unternehmen und Mitarbeiter.

Aber das können wir ja bei Gelegenheit einmal vertiefen. Ich muss mich jetzt wieder mit Flusskrebsen, mit Riesenschildkröten und mit fleischfressenden Pflanzen beschäftigen - womit wir eigentlich schon wieder beim Thema sind.

 

Mr. Darwin, danke für das Interview!

 

www.per-anhalter-durch-die-arbeitswelt.de

 

 

Veröffentlicht 31. März 2009, 08:17 von Christian Scholz
Kommentare

Herb

31. März 2009, 10:02

http://nuttales.blogspot.com/

*lächel* eine charmante Art mal offen und ehrlich die Wahrheit zu sagen! Schade dass es immer noch viele Banker gibt, die sagen, dass ohne die Lehman Pleite alles nicht so schlimm geworden wäre, ergo der Staat ist schuld, da nicht früher eingegriffen hat.

Ich denke auch lasst die Raffkes Pleite gehen, hat nicht Kostolany mal gesagt: Greife nie in ein fallendes Messer! Jetzt fassen wir alle in ganze Schwerter, die fallen und dazu noch glühend heiß sind!

Urgh

31. März 2009, 13:56

"Denn meine Evolutionstheorie ist eine Theorie, die für alle Populationen und damit zwangsläufig auch für die Arbeitswelt gilt". Das klingt doch sehr nach Sozialdarwinismus, der, wie sich inzwischen herumgesprochen haben sollte, auf einem groben Missverstaendnis der Evolutionstheorie beruht. Was ist das ueberhaupt fuer eine Unsitte, in Form von fingierten Interviews Leuten, die sich nicht mehr wehren koennen, irgendwelche Aussagen in den Mund zu legen?

heidelpaul

31. März 2009, 13:59

Der Markt kann nie versagen, genau wie die Evolution nie 'versagt' hat. Allerdings könnte das Verhalten von Märkten dazu führen, daß die Spezie 'Mensch' ausstirbt (weil z.B. soziale Unruhen ausgelöst durch die Finanzkrise zu globalen Krigen führen), sowas soll auch in der Evolution vorgekommen sein. Soweit also alles in Ordnung ? Na Prima, dann auf in den totalen Markt.....

Freiheitsdenker

31. März 2009, 15:12

Endlich einmal ein sinnvoller Beitrag zur Wirtschaftskrise und nicht dieses ständig sich wiederholende Palaver der sogenannten Witschaftseliten und High Potentials, welche die Gutgläubigkeit und Naivität der Mehrzahl der Menschen bewußt oder unbewußt ausnutzen, um nichts anderes zu produzieren, als das System an die Wand zu fahren, eskortiert von unseren sogenannten Politikereliten, die schleimend im Namen des Volkes Geld ausgeben welches nicht ihnen gehört und viel schlimmer noch, gar nicht vorhanden ist, nur um zuvor beschriebenes Fehlverhalten zu zemetieren. Dieser Artikel gibt Hoffnung, dass nicht alle schon geistig so degradiert sind wie A. Will, M. Illner & Co., die nichts anderes zu tun haben als unseren ---eliten eine Plattform zu bieten, ihren Schwachsinn auch noch 24/7 verbreiten und die Bürger einlullen und verdummen zu können. Hoch lebe der Schwachsinn und die Dummheit, oder gibt es doch noch Hoffnung?

Neoliberaler

31. März 2009, 16:48

Fantastischer Artikel!

Ich finde es nachdenkenswert, dass die Gesellschaft die Evolutionstheorie für die Vergangenheit des Universums und der Menschheit akzeptiert, aber für die Gegenwart ablehnt. Vielleicht ist das auch ein Problem der Demokratie. Politiker, die GM, Opel, Schäffler, etc. bewusst dem Markt überlassen, werden nicht wiedergewählt werden.

Etwas habe ich jedoch zu bemängeln. Obwohl Obama in den USA versucht einen neuen Weg zu gehen ist auch sein Weg der von Konjunkturprpgramm und Bankenrettung. Für die USA ist es etwas neues, aber im Grunde orientiert er sich ein ganzes Stück am europäischen Modell einer wirtschaft/Gesellschaft, welche stark vom Staat dominiert ist.

Hephaistos

31. März 2009, 16:55

http://www.rz.uni-karlsruhe.de/%7Elh71/

Auch wenn ich vieles hier unterstützen kann, ist die geschilderte Sicht der Evolution leider völlig deterministisch. Wenn man sich stochastische Modelle ansieht, wie ich das in meiner Dissertation gemacht habe, stellt man fest, daß die sich teilweise vollkommen anders verhalten. Ist die Populationgröße endlich und fest, d. h. nicht unendlich, dann führt die Evolution dazu, daß sich die Individuen sowohl in ihrer "Fitness" als auch ihrer genetischen Repräsentation (Genotyp) sehr schnell angleichen. Die Eintrittsbarriere für neue bessere Individuen ist außerordentlich hoch. Einzelne neue bessere Individuen haben praktisch keine Chance, mehrere Selektionsgenerationen zu überleben, auch wenn sie deutlich besser sind als der Rest. Dieser Effekt ist in sehr kleinen Populationen noch nicht ganz so ausgeprägt, aber in großen kommt er voll zur Geltung. Erst wenn sich eine genügend große Gruppe neuer besserer Individuen gebildet hat, setzt die sich mit großer Wahrscheinlichkeit durch und dominiert dann nach einiger Zeit selbst die Population. Die Ursache für dies alles ist die genetische Drift, die wiederum durch die Zufallsauswahl verursacht wird. Der vielzitierte Terminus "Survival of the Fittest" stammt nicht von Darwin und ist deshalb auch einfach grottenfalsch, weil er eine total deterministische Sicht repräsentiert. Die stochastischen Modelle sind etwas komplizierter und mit Schulmathe nicht zu packen, aber gerade die Uniformität der Managementtheorien, das gleichartige Verhalten sehr vieler Unternehmen und vieles andere auch läßt sich so sehr schön erklären (auch daß sich Microsoft mit dem schrottigen Windows durchgesetzt hat). Außerdem wird immer nur nach dem selektiert, was gerade wichtig ist. Andere Eigenschaften ohne Selektionsdruck werden durch die Drift zufällig uniform, d. h. da geht viel Information verloren, die noch nützlich sein könnte. Der Staat muß daraus lernen, daß er die Entwicklung von Nischen fördern muß, in denen andere Anforderungen herrschen, damit Uniformität verhindert wird. Ganz wichtig ist es vor allem auch, durch die Kartellgesetzgebung zu verhindern, daß einzelne Unternehmen zu groß werden (die Schweiz hätte UBS niemals größer als das BIP werden lassen dürfen). Ich halte eine Beschränkung in einem Markt auf ein Viertel für ein Unternehmen für notwendig. In dieser Hinsicht ist auch in Deutschland extrem viel schief gelaufen. Aber Leute mit etwas Kenntnissen in Populationgenetik sind dünn gesäät. Der Autor eines wirklich tollen Bio Buches zur Evolution vertaute mir an, er sei froh gewesen, daß er im Studium keine Mathe mehr brauchte. So ist die deterministische Irrsicht auf die Evolution eigentlich nicht weiter verwunderlich.

Rüdiger Kalupner

31. März 2009, 20:11

http://www.die-kreativen-partei.de

"Evolution basiert auf Veränderungen und darauf, dass sich langfristig diejenigen Populationen und ihre Ideen als „Standard" durchsetzen, die sich am besten an neue Gegebenheiten anpassen. Die aktuelle Wirtschaftskrise ist eine derartige Veränderung. Und wir werden sehen, wer und was sich durchsetzen wird, damit also zu neuem Standard wird."

Diese Aussagen zur Evolutionstheorie sind nicht-operational, d.h. sie taugen nicht für eine erfolgreiche Politik und Unternehmens- und Lebensführung,  und sie bleibt weit hinter meinem Erkenntnisstand zur Evolutionsprozess- und Chaosphysik zurück. Dieser ist operational und politikprojektfähig und erlaubt es, die vorhandenen, steigerungsfähigen Durchsetzungspotenziale-für-Veränderungen im aktuellen Evolutionsprozess, d.h. in der akutellen Systemkrise des weltindustriellen Evolutions-/Fortschrittsprozess  zu nutzen.

Meine Formulierungsalternative lautet: Sein ist Wechselwirkung (= WW) und Evolution ist ein Steigerungsprozess of everything, was wechselwirkt. Die flexibelsten, kreativsten, dominomächtigsten (= stärksten)  Wechselwirkungspotenziale setzen sich ö r t l i c h durch und an ihnen kristallieiseren sich neue Wechselwirkungseinheiten mit höheren WW-Potenzialen. Kurz:  Evolutionsprozess wird organisiert durch das Prinzip/Evolutionsziel: wegemaximale Steigerung der Wechselwirkung.

Wer nach der Durchsetzungslogik der Wechselwirkungspotenziale im Evolutionsprozess (= Konkurrenzprozess der WW-Optionen)  fragt, dem antwortet die Chaosphysik, mit dem Hinweis auf kleinste Änderung/Potenziale/Anstöße usf. Kurz: mit dem 1. Hauptsatz der Chaosphysik . Meine Formulierung lautet:_Je komplexer ein System  ist, umso geringer ist der notwendige Steuerungsaufwand/Änderungsanstoß. Erfolgreiche Akteuere suchen sich das umfassendste, komplexeste aller Systeme (= Weltprozess, macht also Weltinnenpolitik) für ihr Handeln aus. Für die aktuelle Weltwirtschaftssystemkrise tendiert die Durchsetzungsmacht für das evolutionsprozess-logische Ende der Systemkrise gegen Null. Allein die Erkenntnis u n d Diskussion der folgenden Evolutionsprozess-Ordnung und des Tipping-Points für den Exodus aus der alten Ordnung reicht aus, die Machtwiderstände des Ancien Régimes zu überwinden.

Mehr dazu ist auf meiner Webseite zu lesen. Angela Merkel hat übrigens diese chaos- und evolutionsphysikalischen Erkenntnisse voll drauf. Ihre Charta-für-nachhaltiges-Wirtschaften und ihr Mut den deutschen ORDOliberalismus als  Weltmodell anzubieten und in die Diskussion zu bringen, zeugt von ihrem Erkenntnisvorsprung, den ich den Lesern hiermit anbiete. Die Durchsetzung des NEUEN Standards ist in Systemkrisen (= durch Turbulenzen aufgeschaukelte Prozessstrukturen mit höchster Komplexität) denkbar einfach. Man muß nur  die hinreichenden Prinzipien von Evolutionsprozess- und Chaosphysik erkannt haben und in einem Trial-and-Error-Verfahren den Geniepunkt und die Geniepunktänderung erkannt haben und machtpolitisch  im relevanten Evolutionsprozess getestet haben. Und das habe ich getan. Auf meiner Webseite '/Erfolgsgeschichte' sind die Testergebnisse nachzulesen.

Bedenker

31. März 2009, 21:29

Sollte man Darwin nicht auch einmal zu unserem Gesundheitssystem zu Wort kommen lassen? Da ist doch auch einiges schiefgelaufen und der Evolution ins Handwerk gepfuscht worden, nicht nur in Deutschland sondern weltweit. Aber in Europa würde es den ganz und gar unnatürlichen Altenüberhang, der sich nun unausweichlich entwickelt, rein evolutionär gedacht, nicht geben.

mephisto

01. April 2009, 13:39

Soweit ich weiß, hat sich Darwin immer dagegen gewährt seine Theorie auf eine "zivilisierte Welt" anzuwenden. Grunz Grunz

Der Markt funktioniert langfristig mit all seinen negativen und positiven Folgen. Die negativen Folgen der Marktwirtschaft im Zusammenhang mit dem Kapitalismus sollte man niemals ausklammern, da wir sonst im Ideologen-Zeitalter des Kalten Krieges stecken bleiben.

Webersch Gung

01. April 2009, 13:50

Ich halte den obigen Artikel für zu einfach gestrickt. Es wird eine bestimmte vorgefasste Meinung ("man sollte den Markt das Ganze bereinigen lassen") mit einer der Allgemeinheit bekannten Theorie verknüpft und so die Glaubwürdigkeit des vorgegebenen Satzes scheinbar belegt. Dabei werden ganz andere Argumentationslinien, die das genaue Gegenteil beweisen könnten, ausgeblendet. Sehe ich zum Beispiel die Unterstützung der Banken/der Wirtschaft durch die Politik nicht als Störmanöver gegen den selbstregulierenden Markt an, sondern als Ausdruck der Verflechtung von Wirtschaft und Politik, so ist das politische Vorgehen nur folgerichtig und ganz im Sinne der Lobbyisten, die sich das politische System zurechtbiegen. Man kann also sagen, es setzen sich die wirklichen Machthaber durch, was im Sinne der Evolutionstheorie ja ganz natürlich ist. Die Blasenwirtschaft wird allerdings irgendwann völlig zusammenbrechen, und diejenigen, die das erkannt und während des Hinauszögerns vorgesorgt haben (Investition in physische Werte oder Zukunftstechnologien z.B.), werden die besten Grundlagen für den Neustart nach dem Zusammenbruch haben. Mit Darwin lässt sich einfach alles begründen, auch eine soziale, verantwortliche Gesellschaft, die nachhaltiges Wirtschaften fördert und sich deshalb positiver für alle Beteiligten auswirken würde.

Haselbier

01. April 2009, 14:08

Sehr netter Artikel. Allerdings finde ich es fraglich,das ganze Herrn Darwin in den Mund zu legen. Der kann sich wirklich nichtmehr wehren!  Außerdem finde ich den Übergang von Australien-> der Stadt Darwin -> zur Wirtschaftskrise etwas plump. Inhaltlich aber natürlich völlig richtig.

hans0488

01. April 2009, 14:20

Diesen Beitrag kann ich begeistert zustimmen. Dies obwohl ich eigentlich nie

begriffen habe, daß wir alle in einer Krise sein sollen. In den in meiner Zeit noch

bildenden und erziehenden Schulen habe ich gelernt das eine Krise dann herrscht, wenn die Allgemeinheit hungert oder den hungernden dauern ausgesetzt ist. Für mich war bisher alles in Ordnung, die Reichen verteilten ihre

Vermögen um oder berichtigten ihre Buchwerte. Jetzt aber machen sich die

Staaten arm und haben Ihre Handlungsfähigkeit zur Vermeidung von sozialer

Schieflage eingebüßt. Ich bin gespannt wie es weitergeht.

Michael Anton

01. April 2009, 14:37

http://www.die-faire-rendite.de

Im Gegensatz zur Natur, ist der Mensch mit einer Intelligenz ausgestattet, die ihm ermöglicht, Entwicklungen und ihre Auswirkungen mit einer gewissen Präzision "vorauszusehen." Demnach unterliegt es dem freien Willen und der Vernunft,  sich -großes Leiden vermeidend - rechtzeitig auf Veränderungen einzustellen. Demnach würde heute Ihr Herr Darwin auf Hinweise der Vergangenheit zurückgreifen, in denen das Szenario unserer Krise sehr treffend und rechtzeitig beschrieben wurden. Da wir seinrzeit die Anpassung auf freiwiliger Basis ausgeschlagen haben, zahlen wir heute einen höheren Preis dafür.

Ich zitiere Margit Kennedy "Geld ohne Zinsen und Inflation" :

"Nach Aussage vieler Wirtschafts- und Bankfachleute war der Börsenkrach 1987, bei dem innerhalb weniger Tage ein Verlust von 1,5 Miiliarden Dollar hingenommen werden mußte, nur ein kleiner Vorgeschmack von dem, was uns bei einer erneuten weltweiten Wirtschaftsdepression bevorstünde - wenn wir das System nicht innerhalb der nächsten Jahre grundlegend ändern. Das Geldsystem umgestalten bedeutet eine Möglichkeit, eine solche Katastrophe zu vermeiden.

Geschrieben am 03.04.1996 -(heute) vor 13 Jahren - tempi passati.

Viele Grüße und ein herzliches Danke-Schön an alle, die mitgeholfen haben, die Anpassung seinerzeit zu verhindern - ein weiteres Danke-Schön - im Namen meiner Kinder, die jetzt (wiederum) einer notwendigen Korrektur bewußt im Wege stehen.

Michael Anton 01-04-2009

wrkp

01. April 2009, 19:13

http://wrkp

Der Artikel kann nicht unwidersprochen bleiben:

1. Die Evolutionstheorie ist immer noch eine Theorie, die die Großmutationen nicht erklären konnte ebensowenig wie die missing links zwischen den Arten, die in rauen Mengen vorhanden sein müßten, wenn die Theorie stimmte. Darwin hat mit Mutation und Selektion nur den Wandel innerhalb der Arten erklärt, nicht das Auftreten neuer Arten (die ganz plötzlich erscheinen.)

2. Darwin war mit Recht skeptisch, seine Theorie auf die Gesellschaft anzuwen-den. Ein gutes Beispiel eines Sozialdarwinisten war Hitler. Logische Folgen da-von waren sein Rassenwahn und sein Ausspruch kurz vor seinem Selbstmord:

"Wenn Deutschland nicht fähig ist, zu siegen, verdient es nicht, zu überleben."

3. Die These des Artikels ist aber in Wirklichkeit keineswegs der Sozialdarwinis-mus, sondern Marktradikalismus reinster Sorte. Wenn man diesen konsequent zu Ende dächte, ergäben sich diese Folgen:

a) Wen der Markt nicht "braucht", den sollte niemand unterstützen, weil es nur

   hinausgeworfenes Geld wäre: also kein Hartz IV, sondern die Arbeitslosen,

   die offenbar unnütz sind, einfach verhungern lassen. Das wäre systemkon-

   form. Unterstützung hieße, sie nur durchzufüttern.

b) Wenn Lehman Brothers vergeigt und versungen hatte, hätte man diese Firma

   - wie wir es mit Kleinbetrieben auch machen - pleitegehen lassen sollen. Es

   gibt genug andere Banken, die in die Bresche springen, und umso bessere

   Geschäfte und Profite in der Zukunft machen könnten.

c) Da muß man allein wegen der Gleichbehandlung aller auch GM, Chrysler, Opel

  und und und pleitegehen lassen.....

Ich hoffe, jeder hat gemerkt, welche brutale Auffassung dahintersteckt: der Mensch ist für das Geld da. Aber in Wirklichkeit sollte das Geld dem Menschen dienen. Wenn wir nicht humanistischer werden, wird es mit uns allen ein böses Ende nehmen - bei der nächsten Krise, die im Kapitalismus so sicher wie das Amen in der Kirche ist. Wenn erst mal die Derivateblase platzt, die nach Berech-

nungen von Dr. Weiß (Gutachter für den amerikanischen Kongreß und Inhaber der bestbewerteten Rating-Agentur) weltweit um die 310 Trillionen Dollar aus-macht, dann Gnade uns Gott, wenn "Evolutionisten" oder besser Marktradikali-

sten an den Schalthebeln der Macht sitzen sollten!

Christian Scholz

02. April 2009, 17:48

@Michael Anton

Richtig. Die Anpassungskosten werden immer größer. Interessant ist die Zahl „1,5 Mlliarden“ für 1987, wenn man sie mit den Summen vergleicht, über die wir heute sprechen. Was wird dann erst 2018 passieren??

Christian Scholz

02. April 2009, 17:50

@ hans0488

Auf jeden Fall müssen wir die Möglichkeit mitbedenken, dass irgendetwas und irgendjemand aufgrund evolutionärer Nachteile im Gesamtsystem seine Position verschlechtert oder sogar „aussortiert“ wird. Es kann aber vielleicht noch gesteuert werden, wie lange dieses Aussortieren dauert und nach welchen Regeln es geschehen soll.

Christian Scholz

02. April 2009, 17:51

@ Haselbier

Herr Darwin wird es überleben. Und der Hinweis mit der Stadt Darwin: Der Berichterstatter hat nur brav seine Pflicht erfüllt und darauf hingewiesen, wo und wie dieses Interview geschrieben wurde.

Christian Scholz

02. April 2009, 17:52

@ mephisto

Darwin hat vor einer simplen Übertragung auf soziale Systeme gewarnt. Das ist richtig und deshalb würde er auch nie normativ argumentieren gemäß dem Muster „nur totaler und unkontrollierter Markt ist richtig und sollte geschaffen werden“. Allerdings wissen wir auch, dass zentrale Planwirtschaft ohne individuelle Leistungsanreize nicht funktioniert, sich also auf einer Meta-Ebene doch bestimmte Systeme durchsetzen – und damit hätte Darwin doch Recht behalten.

Christian Scholz

02. April 2009, 17:53

@ Bedenker

Durch die fatalen Anreizwirkungen von Besteuerungssystemen,  Versicherungen, Wohnraumgestaltung, Versorgung etc. ist in der Tat eine Situation eingetreten, die langsam schwierig wird (um es harmlos auszudrücken).

Christian Scholz

02. April 2009, 17:54

@ Kalupner

Da gibt es jetzt natürlich viel zu diskutieren und zu thematisieren, beginnend mit dem Zusammenhang zwischen Chaos und Stochastik.

Analog auch zwischen Komplexität und Stabilität – denn nur, wenn mit zunehmender Komplexität die Stabilität abnimmt, gilt Ihr oben skizzierter Chaos-Hauptsatz.

Sicherlich interessant wäre es, einmal mit Frau Merkel – jenseits der Wahlkampfsituation – in einem geschützten Raum über diese Themen zu sprechen!

Christian Scholz

02. April 2009, 17:55

@ Hephaistos

Spencers „Survival of the fittest“ ist zwar so deterministisch auch wieder nicht, weil es ja von vornherein nicht feststeht, welche (mehrerer möglicher) Umweltanpassung letztlich die kritische Populationsmasse erreichen wird.

Ansonsten: Ja. Vollste Zustimmung. Bereits aus der Allgemeinen Systemtheorie her ist bekannt, dass die Basis des Universums stochastisch ist. Vielleicht hat es sich Darwin in seiner Antwort etwas zu einfach gemacht. Aber vollkommen richtig: Gerade diese Stochastik ist wichtig und richtig und darf auch nicht ausgeschaltet werden. Wir brauchen diese Stochastik bereits bei der Variation, genauso aber bei der Selektion und schließlich auch zumindest eingeschränkt bei der Retention.

Gerade deshalb ist es gefährlich, durch Zentrale Planwirtschaft alles regeln zu wollen, weil dann die Stochastik allenfalls in der stochastischen Begrenztheit der Zentralplaner liegt. So muss vermutlich auch das Plädoyer im obigen Interview verstanden werden, bis hin zur These, dass Insolvenz ein Nährboden für Stochastik ist, wo dann beispielsweise die Fa. Märklin an die Modelleisenbahnfans verkauft wird.

Christian Scholz

02. April 2009, 17:56

@Neoliberaler

Das ist ein interessanter Punkt, an welchen Stellen genau Obama erstaunlich wettbewerbsorientierter agiert als die Europäer. Insgesamt sind – wie aktuell beim G20-Gipfel erkennbar – Deutschland und Frankreich zumindest marginal (aber auch nicht viel) „neoliberaler“, wenngleich sie selbst vom Gedankengut der Sozialen Marktwirtschaft (zu) stark abgerückt sind.

Christian Scholz

02. April 2009, 17:57

@ Freiheitsdenker

Hier ist der Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ eindeutig und antwortet mit „Ja!“ ... und fügt dann allerdings ein kleines „aber“ hinzu: Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber es muss irgendwann mal damit begonnen werden zu definieren, was die Mehrzahl der Menschen unter „sinnvoller Nachhaltigkeit im Wirtschaften“ verstehen will und kann.

Christian Scholz

02. April 2009, 17:58

@ heidepaul

Die gegenwärtige Explosion der Verschuldungsquote (zu Lasten der nächsten Generation) und der absolute Bruch mit jeglichem Gerechtigkeitsempfinden könnten noch zu mehr sozialen Unruhen führen, als es durch das marktorientierte Korrigieren passieren würde.

Trotzdem: Gerade soziale Systeme brauchen Regeln. Das gilt für die Tierwelt wie für die Menschen. Und deshalb ist es durchaus vernünftig, auch über Regeln im Finanzbereich nachzudenken.

Christian Scholz

02. April 2009, 17:59

@ Urgh: Darwin selber hat in späteren Überlegungen die Gefahr thematisiert, dass eine falsche Übertragung seiner Ideen auf soziale Systeme zu Problemen führt, die man vielleicht inzwischen als Sozialdarwinismus bezeichnen würde. Dennoch: Diese Probleme gibt es inzwischen, und sie lassen sich auch nicht ignorieren. Und: Dies ändert nichts daran, dass sich gegenwärtig ein ganz bestimmtes opportunistisch-unethisches Verhaltensmuster einiger weniger durchsetzen wird, das zu Lasten von uns allen geht und das vielleicht bei einer reinen Marktlösung gescheitert wäre.

Christian Scholz

02. April 2009, 18:17

@ Webersch Gung

Nun, ein kurzes Interview in einem kleinen Blog ist immer ein wenig einfach gestrickt.

Trotzdem geht es um die zentrale Botschaft: Was lernen wir daraus und welches Verhaltensmuster setzt sich durch? Ist es das Muster der Spekulanten und Opportunisten oder ist es ein anderes?

Auf der Titelseite der heutigen Berliner Zeitung standen nebeneinander zwei Artikel: (1) Massive Schwierigkeiten bei Daimler, Gehaltskürzungen bei Mitarbeitern – aber nicht bei Managern und Vorständen. (2) Der Strategievorstand von Daimler wird Chef der Bahn AG.

Da ist schon die Frage angebracht, ob irgendjemand dazugelernt hat: Daimler hatte sich massiv u.a. mit Chrysler verzockt, hat eine diskutierbare Modellpolitik und vieles andere mehr, aber offenbar keine zukunftsweisende Strategie. Und der angesprochene Vorstand hat 2008 für sich eine durchaus respektable Gehaltssteigerung ausgeweisen (über 60%). Aber offenbar sind das die „Verhaltensmuster“, die man aufweisen muss, um ausgewählt zu werden.

Christian Scholz

06. April 2009, 09:18

@ wrkp

Darwin würde sich vermutlich über Ihre Antwort freuen, zeigt sie doch sehr schön die generelle Gültigkeit seine Theorie ebenso wie die leider manchmal etwas verkürzte Interpretation:

Natürlich geht es nicht um Großmutationen. Hier geht es darum, dass die Wirtschaftskrise deutlich Probleme der bisherigen Verhaltensmuster aufgezeigt hat. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten:

(a) Wir lernen, indem wir auf neue Verhaltensmuster umstellen. Das bezieht sich dann auf etwas mehr Regularieren mit Finanzmärkten,  was dann aber neue Ideen in Richtung auf Nachhaltigkeit, Diversity, Ökologie, Partnerschaft und vieles bedeutet. Wir brauchen neue Methoden der Personalarbeit ebenso wie eine neue Logik für die Gewerkschaften. Wichtig aber: Wir lernen aus den Problemen und interpretieren die Zeichen der Zeit.

(b) Es setzt sich altes Denken durch, bei dem der Staat "die Großen, die Reichen,  die Vernetzten" etc. unterstützt. Das bedeutet auch, dass wir weiterhin Zockermentatiltät und überzogenen Opportunismus akzeptieren, einer Frau Schaeffler und einem Herrn Flowers ihre Investitionen sichern, Vorstände mit Millionenbezügen hoffieren, normale Mitarbeiter entlassen und in ihrem Einkommen (und ihrem Selbstwertgefühl) beschneiden etc.

Nur durch die aktuelle zentrale Planwirtschaft konnte das Verhaltensmuster (b) noch einmal überlegen. Da passt die Besetzung des Bahnvorstandes mit einem Daimler-Vorstand gut ins Bild. Es fehlt noch, dass man das ganze bei der Bahn ergänzt um einen Finanzvorstand der HRE, einen Personalvorstand aus einem der "Jeder-Mitarbeiter-Braucht-Eine-Überwachungskamera"-Unternehmen, Gehaltskürzungen, Entlassungen, Strategien vom Type "DaimlerChrysler" und um Eisenbahnzüge, die so unsinnig/unökologisch sind wie die S-Klasse von Daimler.

Und damit kann man sich nur einigen anderen Diskutanden aus diesem Blog anschließen: Es wird eine Variation in Richtung auf ein neues Muster geben - nur je später wir uns umstellen, umso schwerer wird es werden.

Rüdiger Kalupner

06. April 2009, 17:07

http://www.die-kreativen-partei.de

@ Christian Scholz

Da gibt es jetzt natürlich viel zu diskutieren und zu thematisieren, beginnend mit dem Zusammenhang zwischen Chaos und Stochastik. Analog auch zwischen Komplexität und Stabilität – denn nur, wenn mit zunehmender Komplexität die Stabilität abnimmt, gilt Ihr oben skizzierter Chaos-Hauptsatz." Ihre 'Labilitätsbedingung / abnehmende Stabilität' ist besonders in vermachteten Gesellschaften, die alle fern vom 'Stabilitätsgewinn' sind, immer gegeben. Deshalb crashen erfolgreiche, akzelerierende  Macht-Gegenmachtsysteme ja auch immer. Neuestes Beispiel ist die globale Rumpelstilzchen-Macht von Wall-Street und London-City mit ihren Regierungsanhängseln. Ein kreativer Weltrevolutionär kann sich auf die heranwachsende Übergangsmacht-im-Geniepunktszenario verlassen - wie ich es tue.

Sie können davon ausgehen, dass Angela Merkel via Kurt Biedenkopf und Prof. Sauer  informiert ist.  Herr Prof. Sauer arbeitet ja auf dem Gebiet Katalysatoren. Sie sind im Bereich der chemischen Prozesse das, was Kreativitätsoptionen in kulturellen Prozessystemen sind.  Bis zu einer öfffentlichen Stellungnahme bleibt uns nur, uns zu wünschen, was Sie ausgesprochen haben:"Sicherlich interessant wäre es, einmal mit Frau Merkel – jenseits der Wahlkampfsituation – in einem geschützten Raum über diese Themen zu sprechen!"

Stefan Wehmeier

08. August 2009, 14:53

http://www.deweles.de

Schon seit fast zwei ganzen Jahrtausenden gibt es nur genau eine Möglichkeit für eine globale menschenwürdige Gesellschaft: die ideale Makroökonomie.

Bis 2010 muss die echte Soziale Marktwirtschaft (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus) verwirklicht sein, um die globale Liquiditätsfalle (Armageddon) noch rechtzeitig abzuwenden:

freiwirtschaftler.blog.de

Die institutionalisierten Mangelerscheinungen Religion und Politik sind dann obsolet.

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