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Generation G: Computerspieler als Sicherheitsrisiko?
08. April 2009, 18:29
Uhr
Nachdem inzwischen sogar DER SPIEGEL das
Computerspiel „World of Warcraft" in die verdammenswerte Nähe von Killerspielen
gestellt hat, muss der Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt" wieder
einmal aufklärerisch tätig werden und der Frage nachgehen: Sollen Unternehmen Computerspieler
überhaupt einstellen oder aus Sicherheitsgründen lieber gleich vor dem Werkstor
aussortieren?

Für die, die es nicht wissen: „World of Warcraft"
(WoW) ist ein in einer Fantasy-Welt angesiedeltes Computerspiel, bei dem
Spieler künstliche Figuren („Avatare") darstellen, die ganz bestimmte Rollen
mit ganz bestimmten Fähigkeiten einnehmen, die sie permanent weiterentwickeln
können. Im Zusammenspiel mit anderen Charakteren und deren Fähigkeiten ist es
dann möglich, „eher das Böse in dieser Welt", wie zum Beispiel einen Drachen,
zu besiegen.
Egal ob Business
Week, Harvard
Business Publishing oder WIRED: Alle
diese Zeitschriften sind sich darüber einig, dass gerade WoW wichtige Aspekte
für die Arbeitswelt der Zukunft vermittelt. Dazu gehören laut Business Week vor
allem die Ideen der klaren Ergebnisorientierung, der permanenten
Leistungssteigerung, der intrinsischen Motivation und der Gedanke von Teamwork,
speziell charakterisiert durch Verantwortungsteilung, deutliches Feedback und
wechselseitige Belohnung.
Gleichzeitig gibt es prominente Beispiele für WoW,
darunter Steffen Gillett, zunächst erfolgreich bei Yahoo und seit Anfang 2009
als CIO tätig bei Starbucks: Steffen Gillett ist bekennender WoW-Spieler und ein
erfolgreicher Gildenleiter, also quasi „CEO" einer WoW-Gilde. Für ihn ist es klar, dass gerade
dieses Spiel dazu prädestiniert, in der aktuellen Arbeitswelt zu überleben.
Aus diesem Grunde gilt es zu notieren: „World of Warcraft' (WoW) ist ein
Computerspiel, das (1) als Trainingsinstrument wichtige Fähigkeiten wie Team-
und Leistungsorientierung vermittelt, (2) prognostische Qualitäten für
zukünftige Topmanager hat, (3) durch die eingenommenen Rollen Hilfestellung bei
der Eignungsdiagnostik leistet und (4) durchaus Spaß macht."
Also: Durch WoW lernt man Einiges. Gleichzeitig wird
auch rasch deutlich, wie gut man abgeschnitten hat, da jeder WoW-Spieler ein
klares Leistungsprofil hat. Interessant dann auch die Rolle, die jemand spielt:
Danach dürften gerade Gildenmeister für die Rolle von Top-Managern geeignet
sein, während Klassenleiter eher als hochspezialisierte Team-Manager und als
Kommunikationsschnittstelle zwischen Top-Management und Mitarbeiter dienen
können.
Einschub:
Falls einem im Berufsleben stehenden (ehemaligen?) WoW-Spieler dieser
Reiseführer-Beitrag in die Hand fällt, würden wir alle uns über einen kurzen
Hinweis im Feedbackteil auf seine WoW-Rolle und seine aktuelle Rolle im
Unternehmen freuen!!
Doch jetzt kommt der ernste Teil: Als Reaktion auf
den Amok-Lauf von Tim K. in Winnenden brachte natürlich auch DER SPIEGEL
einen entsprechenden Artikel und machte WoW zu einem „Monsterspiel mit
Suchtgefahr". Auf die eher dürftigen Zusammenhänge zwischen WoW und Amok-Läufen
braucht hier ebenso wenig eingegangen werden wie auf die an anderer
Stelle diskutierte Problematik dieses Artikels.
Unabhängig von Seriosität und Richtigkeit des
SPIEGEL-Artikels drückt dieser aber einen Zeitgeist aus: Es ist einfach hip,
gegen Computerspiele zu argumentieren, und es existiert auch schon eine Aussage,
wonach Arbeitgeber bewusst WoW-Spieler nicht einstellen! (Anmerkung: Bezieht sich nicht auf IBM!)
Da dieser Reiseführer aber als Reiseführer
Ratschläge vermitteln soll, gilt es, folgende zwei Fragen zu beantworten: Was
sollen Unternehmen im Umgang mit WoW-Spielern richtigerweise machen? Und: Was
sollen WoW-Spieler im Umgang mit Unternehmen richtigerweise machen?
Noch relativ einfach ist die erste Frage zu
beantworten: „Unternehmen sollten einen Hinweis
im Bewerbungsschreiben auf WoW dann positiv bewerten, wenn dieser (1) durch
Rolle sowie Ergebnis konkretisiert ist und (2) Suchtgefahr auszuschließen ist."
Zumindest bei Berufseinsteigern, die ja schon etwas älter sind, ist eine
Suchtgefahr nicht (mehr) wahrscheinlich. Auch bei Starbucks wird man sich im Hinblick
auf Steffen Gillett nicht gefragt haben, ob seine früheren WoW-Aktivitäten
gegen die CIO-Position sprechen.
Schwieriger aber ist es beim Bewerber und hier muss
der Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt" eine defensive Empfehlung
aussprechen: „Bewerber sollten den Hinweis auf ihre WoW-Aktivitäten nur dann in
den Lebenslauf aufnehmen, wenn diese (1) argumentativ klar zu der Stelle
passen, auf die man sich bewirbt, und (2) sicher ist, dass alle Leser der
Bewerbung positiv zu WoW eingestellt sind." Und das dürfte (leider) selten der
Fall sein.
Also sollte man es wie ein Gnom im WoW machen und
seine Fähigkeiten nicht an die große Glocke hängen, sie aber dann offensiv
ausspielen, wenn es nötig wird.
PS: Douglas Adams kommt in seinem Reiseführer „Per
Anhalter durch die Galaxum gleichen Ergebnis, wenn er schreibt:
„ Bis wir nicht irgendwas in diesen Apparat reinkriegen, sind unsere Chancen
gleich Null. Vielleicht ist es irgendein komischer Effekt durch stehende Wellen
des Planeten und deshalb sollten wir einfach herumreisen."
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