HR-Consulting: Berater-Bashing als Fata Morgana
14. September 2009, 13:28
Uhr
Ob bei Millionen-Boni für
Milliarden-Verluste, ob bei krass-fehlbesetzten Führungspositionen, ob bei
kläglich-gescheiterten Outsourcing-Versuchen oder bei kümmerlich-dilettantischen
„Web2.0"-Lösungen: In vielen Fällen haben Unternehmensberater ihre Hände im
Spiel und haben versagt. Doch zumindest in personalwirtschaftlichen
Fachzeitschriften ist Kritik an Beratern weitgehend tabu und wird - falls doch
einmal schüchtern vorgetragen - reflexartig unterdrückt. Irgendwie komisch?

Nicht nur die 6.753 Leser des Reiseführer-Eintrags vom 15. Dezember
2006, sondern auch die
Millionen Leser von Douglas Adams wissen, dass ein Handtuch so
ungefähr das Nützlichste ist, was der interstellare Anhalter besitzen kann. Ein Handtuch hat praktischen Wert, wenn man beispielsweise über die kalten Monde von Jaglan
Beta hüpft. Man kann aber auch darunter schlafen und es als Segel an einem
Minifloß verwenden. Doch wenn man als
aufmerksamer Anhalter durch unsere
Arbeitswelt reist, dann gibt es noch eine viel wichtigere Funktion: Denn man kann
mit diesem Handtuch die Tränen der Rührung trocknen, die einem unwillkürlich in
die Augen steigen, wenn man
am Schreibtisch die wunderschön-emotionalen
Editorals aus den wunderschönen Personalmagazinen liest.
Besonders ergreifend ein
kleines Stück Poesie mit dem Titel Schluss mit dem Berater-Bashing!
Da heißt es
dann unter anderem „Berater haben es
schwer. In Online-Foren werden sie nicht gern gesehen, auf Veranstaltungen und
in Netzwerken ist ihre Zahl kontingentiert, in Witzen werden sie aufs Korn
genommen."
Dieses moralisierende Jammern klingt gut
und rührend, weshalb der Rat mit dem Handtuch wirklich auf Lebenserfahrung mit
Tränen schließen lässt.
Damit ist dieser Eintrag in den
Reiseführer eigentlich schon fertig: „Wanderer durch die Arbeitswelt, vergiß
das Handtuch bei der Lektüre bestimmter Personalmagazine nicht, denn die Tränen
der Rührung sind so zwingend, wie die Kollisionsfreiheit der oben
angesprochenen kleinen Monde von Jaglan Bata."
Weil die Seite für diesen Eintrag heute
aber noch nicht voll ist, sollte man eine kosmisch-kleine Sekunde für die Frage
investieren, ob wir eigentlich wirklich ein Berater-Bashing haben. Also: Wie
sieht es in unserer Arbeitswelt wirklich aus?
Zumindest für Personalmanagement-Berater
stimmt das Märchen vom armen Berater natürlich nicht! - was der aufmerksame
Leser dieses Reiseführers natürlich sofort erkannt hat.
Diese HR-Berater leben in einer
absoluten Komfortzone, selbst diejenigen, die nicht nach einem kleinen
unbedeutenden Sternzeichen benannt sind: Kunden wie Medien fressen ihnen aus
der Hand und bejubeln jede neue kleine „Studie" - wenngleich diese
„Expertenbefragungsstudie" nur genau das propagiert, was das betreffende
Beratungshaus verkaufen möchte. Und dann wird ein uralter Vorschlag zur
Bewertung von Personalarbeit zur innovationen Jahrhundertleistung hochgejubelt
und ganz übersehen, dass es ihn ohne öffentliche Fördermittel nicht geben und
ihn Unternehmen ohne Zwang aus Berlin nur bedingt nachfragen würden. Dass dann
auch noch unsinnige und kontraproduktive Produkte massenhaft unter Nutzung des
Lemmingen-Effektes an den (Personal-)Mann gebracht werden, ist unter Insidern
durchaus bekannt.
Und wie sieht es mit der angeblichen
Kritik aus, die angeblich als permanentes „Berater-Bashing" geäußert wird?
Fehlanzeige. Ganz im Gegenteil! Sobald alle paar Jahre einmal eine schüchterne
Kritik an den armen HR-Beratern vorgetragen wird, springen amtsbekannte
Journalisten für sie in die Bresche.
Nein. Dieses angebliche Bashing von
Personalmanagement-Beratern ist ein Mythos, der in Wirklichkeit nur die
Umsatzinteressen der Beraterzunft bedient.
Das alles macht den aufmerksamen Beobachter stutzig und er fragt
sich: Was ist denn eigentlich so schlimm, wenn man Berater hinterfragt, die mit
Flops viel Geld verdienen und Unternehmen plus Mitarbeiter ins Unglück treiben?
Erinnert sei an Millionen-Boni
für Milliarden-Verluste, an krass-fehlbesetze Führungspositionen, an
kläglich-gescheiterte Outsourcing-Versuche und an kümmerlich-diletantische
„Web2.0"-Lösungen. Sind da nicht überall
„unsichtbare und ungenannte" Berater im Spiel (gewesen)?
Die Flops der letzten 12 Monate liegen auf
der Hand. Wieso ist es anstößig, einmal wissen zu wollen,
welche Beratungsfirmen dahinter stecken. Wir müssen im ureigensten Interesse
Berater entzaubern und die Spreu vom Weizen trennen. Berater sind keine Mittler
zwischen Theorie und Praxis. Sie haben interessengeleitete Filterfunktion.
Sicherlich kann man von der Art, wie Berater sich „verkaufen", lernen. Nur
wollen und sollen wir das wirklich - wie es uns das zuvor erwähnte Editorial
vorschlägt?
Um es ganz klar zu machen: Hier geht es um keine Neid-Debatte. Im Gegenteil: Einige - und besonders einige der
sehr hoch bezahlten - Consultants sind jeden Cent wert! Viele andere haben aber
Flops geliefert, die jeder mitbekommen und mehrfach mitbezahlt hat.
Also: Bitte statt sich über ein
angebliches Berater-Bashing echaufieren, ist es die Aufgabe der
personalwirtschaftlichen Leitmedien, diese falschen Berater ausfindig zu
machen, beim Namen zu nennen und als warnendes Beispiel an den Pranger zu
stellen.
P.S. Übrigens ist eine solche kritische Haltung bei
IT-Fachjournalisten durchaus üblich. Warum nicht bei uns? Die Reise durch die
Arbeitswelt wäre viel einfacher!

(Foto: cts)
P.P.S Für das, was
wir hier in unserer Arbeitswelt mit den HR-Consultants ich bei
Douglas Adams in seinem Reiseführer „Per Anhalter durch die Galaxis" eine
wunderschöne Formulierung, die von Zaphod Beeblebrox zum besten gegeben wird: „Wir befinden uns
mitten im Pferdekopfnebel. Einer einzigen gewaltigen dunklen Wolke. Der einzige
Ort in der ganzen Galaxis, wo man einen leeren Bildschirm sieht. Überall ein
klares unverwechselbares NICHTS."
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