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Planckton

Krebsimpfung: Erweiterte Kampfzone

06. Dezember 2008, 11:30 Uhr

 

 

Über den Titel „Unsichere Krebsimpfung?" (mit Fragezeichen!!) in meinem Blog zur HPV-Impfung hat sich der Mitunterzeichner des kritischen Manifestes, Professor Oliver Razum aus Bielefeld, im Telefongespräch mächtig aufregen können. Schließlich gehe es in dem Manifest um den Vorwruf des fehlenden Wirksamkeitsnachweises, nicht um mangelnde Sicherheit der Impfstoffe. In einem Kommentar wollte er es dann aber trotz meiner Einladung dazu offenbar nicht klarstellen. Auch nicht, wie er im Gespräch zugestand, dass man eigentlich „gar nicht contra HPV-Impfung ist", sondern nur gegen die übertrieben optimistische Werbung der beiden Vakzin-Hersteller. Der Gedanke, dass die behauptete Unsicherheit womöglich vor allem darin besteht, mit dem Manifest Verunsicherung zu schüren, war den Initiatoren dabei offenbar nicht gekommen.  Was man meint und wie es ankommt, sind eben manchmal zwei Paar Stiefel.

 In Sachen Vakzin-Sicherheit  ist jetzt eine neue Studie von australischen Medizinern im „British Medical Journal" erschienen, in der es vor allem um die Frage allergischer Reaktionen nach der Impfung mit dem Vierfach-Impfstoff Gardasil geht. Nach der Gabe von mehr als 300.000 Impfdosen im Jahr 2007 wurden bei 35 Schulmädchen zwischen 12 und 19 Jahren allergische Reaktionen registriert. Es handelte sich um Hautausschläge, Quaddeln, Schellungen und teilweise auch anaphylaktischen Reaktionen.  Die Nachuntersuchungen von 25 dieser Mädchen hat ergeben, dass die meisten Symptome bei der zweiten Impfgabe nicht wieder aufgetreten sind,  in drei Fällen war es aber tatsächlich zu allergologischen  Überempfindlichkeitsreaktionen gekommen, in einem Fall traten die Quaddeln auch nach der zweiten Spritze auf. Insegsamt sei das Allergierisiko als sehr gering einzuschätzen, so die Wissenschaftler um Sharon Choo vom Royal Children's Hospital in Melbourne. Impflinge aber, die nach der ersten Impfdosis allergisch reagieren, sollten vor der zweiten Injektion vorsichtshalber Allergietests vornehmen lassen. Seit ein paar Monaten werden Nebenwirkungen wie diese, die man mit einer gewissen statistsichen Häufung  üblicherweise erwartet, in einem speziellen HPV-Register in Australien aufgelistet.

 Auch die kritisierten Impfstoffhersteller von Gardasil und Cervarix haben inzwischen auf das Manifest reagiert. Sie wehren sich wie nicht anders zu erwarten in Pressemitteilungen gegen die Vorwürfe des fehlenden Wirksamkeitsnachweises und auch gegen den Einwand, vor der Zulassung durch die Ständige Impfkomission (Stiko) seien wesentliche Daten aus Studien gar nicht vorgelegt worden. Die Stiko selbst bestätigt das in einem „Leserbrief", den sie inzwischen auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts veröffentlicht hat. Noch unpublizierte Erkenntnisse aus den entscheidenden Studien hätten für den internen „Diskussionsprozess", der zur Zulassung der Impfstoffe führte, bereits vorgelegen.

 Wenn man diese und andere  Stellungnahmen, etwa auch die neuen Berichte aus der Heidelberger Pressekonferenz mit Nobelpreisträger zur Hausen liest, kommt man - die Richtigkeit der Aussagen vorausgesetzt - zu dem Schluß, dass da auf Seiten der Impfskeptiker doch offenbar um der Vergewisserung der eigenen kritischen Überzeugung willen manche Lücke bewußt nicht geschlossen wurde. So kommen einige berechtigte Fragen, etwa die nach der (noch)  ungeklärten Langzeitwirksamkeit, der Frage nach Auffrischungsimpfungen oder der Preisgestaltung, gleich mit unter die Räder. Jedenfalls dürfte die Impfkritik auf die Art kaum an Glaubwürdigkeit  dazu gewinnen. So viel zumindest lässt sich wohl jetzt schon nach den ersten Tagen der wieder aufgeflammten Debatte sagen.     

  

Veröffentlicht 06. Dezember 2008, 11:30 von Joachim Müller-Jung
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