Artikel-Services
Kollabieren die Meere? Die „Monaco-Deklaration"
30. Januar 2009, 23:05
Uhr
Dieser Text läßt an Klarheit nichts zu wünschen übrig, er hat eindeutige Adressaten - die Mächtigsten der Mächtigen - und er endet mit einem ganz fetten Ausrufezeichen! Und wären wir alle nicht schon längst an die Lektüre höchst alarmistischer Klimamanifeste gewöhnt, könnten wir sicher sein, dass morgen der zweite Teil des Weltuntergangs in den größten Lettern angekündigt würde. Zum Beispiel mit: Die Weltmeere kippen um! Oder: Poseidons Reich vor dem Untergang!
Was ist passiert?

Knapp drei Monate nach einem großen Meereskunde-Symposium, das in Monaco stattgefunden und die Versauerung der Meere durch den Kohlendioxid-Eintrag zum Thema hatte, werden die Ergebnisse als „Monaco-Deklaration" mit PR-Unterstützung des Fürsten von Monaco, Prinz Albert II., unters Volk gebracht. Vor allem aber soll der Text ein weltumspannendes politisches Beben erzeugen. Die mehr als 155 Unterzeichner aus 26 Nationen sind nämlich davon überzeugt, wie man hier und in diversen anderen englischsprachigen Pressemitteilungen der beteilgten Organisationen (darunter Unseco , das Internationale Biosphären-Geosphären-Programm und die amerikanische National Science Foundation) nachlesen kann, dass die Versauerung der Meere „mittlerweile ebenso gefährlich ist wie die Klimaerwärmung". Weiter im Originalton der Mitteilung: „Steigt der Säuregrad weiter, droht das weltweite Zusammenbrechen ganzer Ökosysteme. Fischerei und Tourismus wären bedroht, Küstenschutz durch Korallenriffe wäre nicht mehr gegeben, mögliche biologische Rohstoffe für Medizin und Ernährung könnten verloren gehen."
Das ist schon starker Tobak, den hier die Kieler Forscher um Ulf Riebesell vom IFM-Geomar stellvertretend für ihre Wissenschaftsgemeinde zur Meeresrettung aufbieten. Doch immerhin gibt es auch ein paar Fakten: Seit Beginn der Industriealisierung sei der Säuregrad (pH-Wert) des Oberflächenwassers um ein Drittel gestiegen, sagen die Kieler Meeresbiologen. Er habe Werte erreicht, wie sie sie zuletzt vor mehreren Millionen Jahren erreicht wurden. Und wenn es mit der beschleunigten Versauerung so weiter gehe, wird in der Deklaration ein Säuregrad prognostiziert, könne Ende des Jahrhunderts ein Niveau erreicht werden, das dreimal so hoch liegt wie der vorindustrielle Wert. Schon viel früher, nämlich in vierzig Jahren, könne ein Kohlendioxidkonzentraion in der Luft - rund 560 ppm - und erreicht werden, bei der sich schon ein Drittel der Korallenskelette buchstäblich aufgelöst hätten. In Polnähe würden die Schalen der Kalkbildner schon bei 450 ppm chemisch angegriffen werden. Das alles muß sicher zu denken geben!
Quelle: NOAA
Hier übrigens Versuchsergebnisse mit Kalkalgen in Kieler Labors:
Zwei Rasterelektronenmikroskop-Aufnahmen der Kalkalge Calcidiscus leptoporus. Gezeigt sind jeweils sechs Zellen, die im Labor unter verschiedenen CO2-Bedingungen gehalten wurden. Die linke Aufnahme zeigt die Kalkalge unter CO2-Bedingungen, wie sie heute im Ozean vorherrschen. Die rechte Aufnahme zeigt die Kalkalge unter den CO2-Bedingungen, wie sie bei unverminderten CO2-Emissionen für das Jahr 2100 erwartet werden. Kalkalgen Calcidiscus leptoporus leben als Einzeller. Die Experimente und Aufnahmen wurden am IFM-GEOMAR gemacht. Quelle: IFM-GEOMAR
Sicher, das sind sicher artifizielle Bedingungen, die da in Versauerungsexperimenten erzeugt wurden. Und was häufig noch fehlt bei diesen Versuchen, ist die am besten mehrfache, glasklare Bestätigung durch andere Gruppen. Aber zur Entspannung laden die Ergebnisse sicher nicht ein.
Die Unterzeichner der Monaco-Deklaration jedenfalls scheinen das Vierteljahr seit Ende des Symposiums für intensive PR-Übungen genutzt zu haben. Sie gehen die Politik frontal an: „CO2-Ausstoß reduzieren - Jetzt!" Keine Zeit also mehr zu verlieren. Das ist plakativ und unterscheidet sich nicht fundamental von den Forderungen der Klimapolitik, die bis zur COP15-Klimakonferenz in Kopenhagen Ende des Jahres sicher noch öfter zu hören sein werden. Aber sie kommt in dieser Unumstößlichkeit diesmal halt von einer anderen Seite.
Und das ist der politischen Wahrnehmung des Klimaschutzes in diesen krisengeschüttelten Zeiten sicher nicht abträglich.
Wenn Sie diesen Beitrag kommentieren möchten, bitten wir Sie, sich vorher anzumelden.
Nutzen Sie dazu das Login-Feld oben im Kopf rechts. Dort können Sie sich auch neu
registrieren, falls Sie noch kein Passwort haben.