Evolution in Rom (VI)
07. März 2009, 23:04
Uhr
Das Discovery Institute - eine amerikanische Organisation von Intelligent-Design-Anhängern - ist sauer auf den Vatikan. Das heißt, nicht explizit auf den Vatikan, sagen sie (man muß ja auch auf die katholischen Sympathisanten Rücksicht nehmen, die es durchaus gibt), sondern auf die Organisatoren der Darwin-Tagung an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, weil von ihresgleichen niemand eingeladen worden sei. Daß das nicht passieren würde, hatte der Chef des päpstlichen Kulturrates allerdings schon vergangenen Herbst wissen lassen. Nun aber überrascht uns das Discovery Institute mit der Theorie, die Jesuiten der Gregoriana seien bei der Zusammenstellung der Rednerliste dem Druck des Hauptsponsors der Konferenz, der John Templeton Foundation nachgegeben, einer Stiftung, welche sich dem Dialog zwischen Naturwissenschaften und Religion verschrieben hat. Weiter lassen die Intelligenten Designer wissen, daß die auf der Konferenz diskutierten Ansichten nicht die Position der Kirchenspitze repräsentiere. Dazu sei nur auf unseren Blog-Eintrag vom Dienstag („Evolution in Rom (II)") verwiesen. Der Mann, den wir dort zitieren (Kardinal Levada) ist Präfekt der Glaubenskongregation. Das ist der Job, den Benedikt XVI vor seiner Wahl innehatte.
Am Samstag Mittag ging die Konferenz zu Ende. Erstaunlicher Weise hatte von der biologischen Prominenz noch ein großer Anteil im Saal ausgeharrt, obgleich es ab Freitag Nachmittag nur noch um theologische Fragen ging - mehr dazu morgen im Wissenschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, auf Seite 61, wer es genau wissen will. Das Interesse der Biologen am theologischen Zugang, noch dazu einem unter überwiegend (aber nicht ausschließlich) katholischer Perspektive, hat die Veranstalter nach Aussage des Konferenzleiters, des Jesuiten Marc Leclerc, dann doch ziemlich überrascht. Offenbar war das Interesse der Theologen an dem, was nun wirklich Sache ist an der Evolutionsbiologie, nicht einseitig. Auf eine sehr eigentümliche Art war es schließlich doch eine schöne Geburtstagsparty für den alten Darwin.
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