Planckton
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Grünes Klimagrab - im Meer verblüht

23. März 2009, 16:10 Uhr

 Für ein eigentlich schon totgesagtes Großexperiment, das nach dem Auslaufen der „Polarstern" in Kapstadt am 7. Januar  als „gestoppt" angekündigt wurde und mindestens zweimal vom Berliner Bundesumweltministerium  für quasi illegal erklärt wurde, zeigt das deutsch-indische Eisendüngungsprojekt „Lohafex" im Südmeer erstaunlich vitale Lebensfunktionen. Heute um die Mittagszeit präsentierte einer der Fahrtleiter, Victor Smetacek, und seine verantwortlichen Kollegen vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung  (AWI) die ersten Ergebnisse des Experiments. Und die hatten es in sich. Weniger  der alten oder neuer politischer Scharmützel wegen, sondern aufgrund der alles in allem doch sehr  überraschenden Beobachtungen und Messungen, die - Ironie der Geschichte - am Ende   vor allem denen gefallen dürften, die das Forschungsprojekt am stärksten attackiert haben.

 

  •   „Die Ergebnisse dämpfen die Hoffnungen, bedeutende Mengen Kohlendioxid aus der Atmosphäre langfristig im Südozean binden zu können, um die Erderwärmung abzumildern."

 

In diesem Satz gipfelt das erste Kommuniqué zur neuesten Düngungsexpedition der Polarstern-Crew, an der sich diesmal  Fachleute aus immerhin sieben Staaten beteiligten. Das Projekt hatte aber nicht nur einen internationalen Zuschnitt, es hat innerhalb kürzester Zeit auch international für Aufsehen gesorgt. Denn zu dem Unmut einiger Umweltschutzgruppen, die gegen eine „Verseuchung" des Südatlantiks mit zwanzig Tonnen Eisensulfat wetterten und hinter der Treibhausgas-Entsorgung durch künstlich angetriebene Algenblüten auch eine gefährliche Alternativstrategie zu den klimapolitisch korrekten Emissionsreduktionen vermuteten, kam noch während der Polarstern-Fahrt in den Südatlantik das plötzliche Aufbegehren einiger Umweltschutzbürokraten  im Bundesumweltministerium, die - obwohl seit Wochen ins Benehmen gesetzt - einen Verstoß gegen das in Bonn ausgehandelte De-facto-Moratorium für bestimmte "großskalige" Ozeandüngungsexperimente witterten.  Am Ende behielt Bundesforschungsministerin Schavan als das für die Wissenschaft zuständige Kabinettsmitglied nach dem Einholen einiger unabhängiger Umweltgutachten die Oberhand. „Lohafex" wurde - wenn auch wegen ungünstiger Strömungen einige hundert Kilometer östlich  des ursprünglichen Versuchsgebietes - in den berüchtigten „"Roaring Forties" im Südatlantik durchgezogen.

 

Zweieinhalb Monate verbrachten die Lohafex-Forscher in dem Untersuchungsgebiet. Ein annähernd 300 Quadratkilometer großes Gebiet innerhalb eines Meereswirbels mit hundert Kilometern Durchmesser wurde mit einigen Tonnen Eisen gedüngt und 39 Tage lang kontinuierlich - mit einigen sturmbedingten kleineren Unterbrechungen - stichprobenartig analysiert. Die gesammelten Daten wurden regelmäßig in Wochenberichten veröffentlicht.

 Foto Modis/Envisat/Lohafex

Die Bilanz von Ko-Fahrtleiter Smetacek  nach dessen schneller Rückkehr viel beeindruckend klar aus: Vieles war diesmal anders als in vorangegangenen Eisendüngungsexperimenten, und gerade deshalb vielleicht auf lange Sicht so wichtig für die richtige Einschätzung dieser immer wieder ins klimapolitische Spiel gebrachte CCS-Strategie („Carbon Dioxide Capture and Storage").

Dabei sah zunächst alles aus wie gehabt: In den ersten Tagen nach der Eisensulfatinjektion ins Oberflächenwasser  kam es zur Algenblüte innerhalb des Meereswirbels, die Biomasse verdoppelte sich innerhalb von zwei Wochen. Zooplankton, vor allem Ruderfußkrebse (Copepoden) stoppten dann allerdings das weitere Wachstum der Mikroalgenpopulation. Ein Großteil des Phytoplanktons wurde also gefressen. Die Copepoden „grasten" die Algenteppiche offenbar emsig ab, so dass wenig von der Algenbiomasse abstarb, zum Meeresboden sank und damit wie von CCS-Auguren erhofft langfristig dem Kohlenstoffkreislauf und der Atmosphäre entzogen ist. Von den Copepoden, die sich an dem Algenteppich labten, landete der von dem Phytoplankton gebundende Kohlenstoff direkt  in den Mägen der größeren Räuber: Flohkrebse oder Amphipoden, zwei bis drei Zentimeter lange garnelenartige Gliedertiere und ihrerseits Beute für viele größere Meerestiere, verspeisten zuhauf die sich vermehrenden Ruderfußkrebse. Am Ende dieser Nahrungskette stand die Erkenntnis, dass das meiste Kohlendioxid aus der Luft, das von den Kleinalgen aufgenommen  wurde, ebenso wie das zugefügte Eisen in den oberen Wasserschichten recycelt  wurde - und damit keineswegs wie in früheren Experimenten in größeren Mengen sank und am Meeresboden quasi entsorgt wurde.

Was aber war in der Verwertungskette diesmal anders? Die Forscher sind sich da recht sicher: Während früher durch die Eisendüngung vor allem Kieselalgen (Diatomeen) zum Wachstum angeregt wurden, die mit ihrem festen Silikatskelett über einen guten Fraßschutz gegen die kleinen Räuber aus der Reihe der Ruderfußkrebse besitzen, blühten in dem subantarktischen Gebiet auf dem 48. Grad südlicher Breite, südlich von Gough Island, hauptsächlich leicht verdauliche „weiche" Mikroalgen, hauptsächlich winzige Flagellaten. Zur Kieselalgen-Blüte sei es in dem Wirbel nicht gekommen, so die Forscher, weil die Kieselsäure in dem Gebiet bereits vorher aufgezehrt worden war - verursacht vermutlich durch vorhergehende Diatomeenblüten, die durch natürliche Eisendüngung (Eisen aus Eisbergschmelzen oder Staub) ausgelöst worden sein könnten.

Eine zweite Eisendüngung zwei Wochen nach der ersten Injektion hatte jedenfalls keinerlei Effekt.

Am Eisendünger sollte es also nicht liegen. Das Ökosystem war gewissermaßen einfach nicht entsprechend präpariert, als „Klimaretter" einspringen zu können.

 

Damit ist nach diesem nun international größten Eisendüngungsexperiment eines wenigstens klar: Die (ja durchaus kostspielige) Entsorgung von Kohlendioxid aus der Luft über künstlich ausgelöste, großflächige Algenblüten lässt sich keineswegs nach Belieben kontrollieren. Und nach diesen Erfahrungen wegen Unkalkulierbarkeit wohl schon gar nicht kommerziell nutzbar machen.  Die Dinge, so Smetacek, „liegen offensichtlich viel komplizierter, als dass man daraus ein marktfähiges Industrieprodukt machen könnte".

 

Ob dies allerdings schon das endgültige Aus für die Eisendüngung als CCS-Option ist, lässt sich  schwer voraussehen. Das wird international sicher heiß diskutiert. In den nächsten Monaten will man beim AWI die während der Expedition erzielten Ergebnisse im Labor überprüfen und weiter erforschen. Soviel zumindest ist klar: Gelohnt hat sich die Forschungsfahrt für das deutsch-indische Team allemal. Und am Ende werden wir erleben, dass sogar die Umweltschützer jubilieren und „Lohafex" in den kommenden Monaten als Kronzeuge im Kampf gegen die alternativen Kohlendioxid-Vermeidungsstrategien ins Feld  geführt werden.

 

Veröffentlicht 23. März 2009, 16:10 von Joachim Müller-Jung
Kommentare

Jean-Carlo

23. März 2009, 21:01

Es war abzusehen. Aber größenwahnsinnige Wissenschaftler sind wohl blind für sowas.

T-Rem

23. März 2009, 21:44

Lieber Jean-Carlo,

wieso war das abzusehen? In einer Kristallkugel? Oder hatten Sie persönlich so ein Gefühl? Und wieso sind die Wissenschaftler größenwahnsinnig, wollten die in ein Nachbarland einmarschieren?

Jean-Carlo

23. März 2009, 21:50

Sie sind leicht naiv, wie?

Und warum gilt ein Wissenschaftler nur dann als Größenwahnsinnig, wenn er in ein Nachbarland einmaschieren will?

T-Rem

23. März 2009, 21:59

:=)

Nein, ich bin nicht leicht naiv. Und ich nehme nicht an, daß man nur durch Einmarschpläne zum Größenwahnsinnigen wird, aber es wäre ja eine Möglichkeit - ich hatte ja gefragt, warum. Und nun antworten Sie? Oder stellen Sie weitere Fragen?

Jean-Carlo

23. März 2009, 22:18

Nun, ich stelle Fragen, um die Antworten besser an Ihre Person anzupassen.

Ich empfinde es als Größenwahnsinnig, weil diese Meeresbiologen vom Meer ungefähr soviel wissen und verstehen, wie Astronomen vom Universum - nur einen kleinen Bruchteil - und trotzdem meinen, kontrollierbar in dieses System eingreifen zu können.

Das ist, als wollten Sie einen Kaiserschnitt bei einer Gebärenden Frau vornehmen, weil ein Schnitt in den Bauch mit anschließendem herausholen des Kindes Ihrer Ansicht nach ja nicht so schwer sein kann.

Gut, vielleicht sind Sie ja nun zufällig Arzt, aber evt. wird trotzdem klar, was ich meine ;-)

Und somit finde ich den Ausgang des Experiments logisch. Es war zumindest abzusehen.

s_forstar

25. März 2009, 13:08

Um vielleicht auch etwas von fachlicher Seit dazu zu sagen:

Der Ausgang dieses Experimentes war für Sie vielleicht logisch (das sei dahingestellt), aber da dies keine Aussage ist, die harte Fakten über das System Meer liefert, muß es trotzdem untersucht werden - gerade vor dem Hintergrund potentieller wirtschaftlicher Nutzung sind empirische Daten zwingend erforderlich. Größenwahnsinnig wäre zu glauben, daß ein solches System sich nach Ihren "logischen" Prinzipien verhält. Eben weil wir (wir alle und wir Meeresbiologen) vom Meer noch so wenig wissen und verstehen sind derartige, fachlich sehr gut ausgearbeitete und kleinskalige Untersuchungen (siehe z.B. Fachgutachten von IFM Geomar, etc: www.bmbf.de/.../2453.php) von besonderer Wichtigkeit!

Traurig an dieser Geschichte ist, daß Wissenschaftler und ihre Forschung für politische Zwecke eingespannt werden und die eigentlich zu bearbeitende Fragestellung aus politischem Kalkül in den Hintergrund rückt. Wenn dann Forschungsschiffe wie "Polarstern" noch mitten auf dem Meer gestoppt werden und tagelang auf grünes Licht warten müssen, kostet das letztendlich den Steuerzahler viele Tausend Euro!

Jean-Carlo

26. März 2009, 22:20

Kurze Klarstellung: Ich sehe nicht das tatsächliche Ergebnis als logisch an. Dennoch war es vorraussehbar, dass nicht das eintritt, was sich die Forscher erhofft haben.

Und so wichtig Forschung auch sein mag: man sollte dabei nicht an einem Ökosystem herumspielen, von dem man so wenig versteht und welches so unermesslich wichtig für uns ist. Zudem ist Forschung im Zuge einer Prüfung wirtschaftlicher Nutzbarkeit immer etwas, dem eine gewisse Verwerflichkeit anhaftet.

Der Wirtschaft sind evt. Folgen gerne mal egal, solange der Profit stimmt und sich slogans wie "Für weniger CO2 in der Atmosphäre" vorschieben lassen.

MarineBiologist

29. März 2009, 20:05

@Jean-Carlo

Sie gehen von der Annahme aus, dass die Polarstern-Expedition dem Zweck dienen sollte, den zukünftigen Wirtschaftszweig des "Eisen-Dumpings" zur zweifelhaften Klimarettung den Weg zu ebnen.

Gehen wir aber mal eine Sekunde davon aus, es gäbe schon Firmen, die industriel Eisen düngen

www.spiegel.de/.../0,1518,535983,00.html,

dann wäre es von enromer Wichtigkeit mit eben genau solch einem Experiment, wie es das AWI durchgeführt hat, nun endgültig die Sinnlosigkeit solch eines Vorhabens zu beweisen.

Damit haben die Politiker die Grundlage die sie brauchen, um das Ausstellen von CO2-Zertifikaten für Eisendüngung zu verhindern.

Das Experiment war also extrem wichtig und das Ergebnis zwar von den Wissenschaftlern erwartet, aber nun auch bewiesen.

AchimLand

30. März 2009, 21:34

Völlig krankes Experiment, noch dazu in dieser extrem windigen Gegend!

uwe.holz

30. März 2009, 23:03

http://uwe.holz@kabelbw.de

Ich resümiere: Die Seeschlachten der letzten 150 Jahre waren vergeblich. Aus den Kriegspötten hätte man besser Bratpfannen gemacht. Versenkt hatte man ja genug.

Selten so gelacht über dieses, durchaus ernste Thema - vor allem wegen der politischen Beachtung. Aber sicher ist wohl: Die Forschunbgsreise war vernünftig und begründet.

Uwe Holz

Plochingen

MarineBiologist

01. April 2009, 21:28

@AchimLand:

Naja, über das "Völlig Krank" wollen wir hier mal nicht reden. Irgendwie dünkelt es mir, dass Sie das nicht beurteilen können.

Aber ein Wort zu der Lokation. Bei dieser, wie sie sagten "sehr windigen Gegend" handelt es sich um ein sogenantes HNLC-Gebiet. Soll heißen: Hohe Nährstoffkonzentrationen aber wenig Chlorophyll, sprich Pflanzen. Dieses Paradoxon hatte Wissenschaftler schon vor einigen Jahrzehnten sehr verwundert. Mittlerweile weis man, dass dort Eisen als Spurenelement fehlt. Es bringt also nichts tonnenweise Eisen mitten in den Atlantik zu kippen, man muss schon wissen, wo man solche Experimente durchführt.

Jean-Carlo

03. April 2009, 10:53

@MarineBiologist

Diese Firma ist glücklicherweise nie über ein Teststadium hinausgekommen.

Gerade auch weil diverse Verbände dagegen vorgegangen sind, ohne vorher mit Experimenten die Schädlichkeit eines solchen Vorhabens bewiesen zu haben.

Man muss nicht immer mit Experimenten beweisen, dass etwas schädlich ist. Manchmal reicht auch einfach ein bisschen nachdenken.

Zudem ist das Egebnis nicht von den Wissenschaftlern erwartet worden.

MarineBiologist

03. April 2009, 13:53

@Jean-Carlo:

Sie haben vollkommen Recht, bei vernünftigen Menschen sollte ein bisschen nachdenken reichen. Und weil wir ein bisschen nachgedacht haben, ist es natürlich nur logisch, dass die Menschheit folgende Dinge abgeschaft hat:

Kriege

religiösen Fanatismus

Mülldumping

Finanzkrisen etc.

Dieser etwas ironisch, bis zynische Komentar soll nur darauf hinweisen, dass die Menschen schon immer gemacht haben, was sie wollten. Sie haben recht, die Firma Planktos ist jetzt zum Glück pleite, aber es stehen schon weitere in den Startlöchern. Die letzten großen Eisen-Experimente (es gab ja schon einige vorher), konnten nie die Stoffbilanz, bzw. den Kohlenstofftransport richtig nachweisen. Auf dieser Basis, konnten Firmen also argumentieren, um ihr Eisen-Geschäft aufzunehmen. Es musste daher nochmal jemand raus fahren und beweisen, dass es nicht geht. Damit, wie bereits erwähnt, die Politiker das nötige Werkzeug haben um dem Treiben Einhalt zu gebieten.

Desweitern stelle ich mir die Frage, woher sie wissen, was die Wissenschaft erwartet hat? Als Wissenschaftler der in diesem Bereich tätig ist, möchte ich Ihnen hiermit nochmal sagen: Wir haben schon seit Jahren vermutet, dass der Recycling-Prozess, den fragwürdigen Kohlenstofftransport in die Tiefsee zunichte machen könnte. Beweisen konnte es bis jetzt allerdings niemand.

MarineBiologist

03. April 2009, 14:10

Noch eine kleine Ergänzung:

Nehmen wir zum Beispiel die Firma Climos

http://www.climos.com/

Auf deren Web-Seite werden schon jetzt die Fehler des Lohaf-Experiments beklagt, um die eigene Existenz und das zukünftige Eisen-Dumping-Geschäft nicht zu gefährden.

Nachdenken alleine ist zwar schön, reicht in unserer Welt allerdings nie aus.

HeinzThieme

03. April 2009, 17:40

http://freenet-homepage.de/klima/index.htm

Benebeln kann man Leser mit anscheinenden Nebeninformationen: "Die Ergebnisse dämpfen die Hoffnungen, bedeutende Mengen Kohlendioxid aus der Atmosphäre langfristig im Südozean binden zu können, um die Erderwärmung abzumildern." ---- Die Erderwärmung abzumildern? Es ist physikalisch unmöglich, daß sich durch einen steigenden CO2-Gehalt der Atmosphäre die Erde erwärmt. Die Erde wird von der Sonne beheizt. Die Absorptions- Refkexions- und Emissionseigenschaften der Erdoberfläche einschl. der umgebenden Atmosphäre beeinflussen die Aufnahme der von der Sonne in Form von Strahlung zugeführten Wärme, aber sie regeln auch die Abgabe der Wärme ins All. Und eim Mehr an CO2 verändert diese Eigenschaften nicht. Dabei ist CO2 nun glücklicherweise einer der Stoffe, der für Wärmeabfuhr aus der Atmosphäre mit zuständig ist. Von dieser Wirkung kann sich jeder überzeugen, in dem er sich die mittels Aufzeichnung aus der Satellitenposition festgestellten Emissionsspektren der Erde/Atmosphäre ansieht. Die vom CO2 verursachte Strahlung geht aus größerer Höhe ab und kühlt die Atmosphäre auch in größerer Höhe. Mittlerweile spricht man sogar von einer verstärkten Abkühlung der Atmosphäre durch einen steigenden CO2-Gehalt.

Das hier stattgefundene Experiment war offenbar ein solches, wo Forschungsmittel ausgegeben werden sollten, ohne dass den Beteiligten ausreichend klar war, was sie da zu welchem Zweck machen. Hauptsache ist nun mal auch für Jobs in der Forschung, dass das persönliche Einkommen gesichert ist.

Jean-Carlo

05. April 2009, 00:35

@MarineBiologist

Sie schreiben, das Ergebnis sei erwartet worden. Was ich interessant finde. Aus den vorhergehenden Experimenten sind anscheinend Ergebnisse zutage getreten, welche auf einen positiven Ausgang des Versuches hoffen ließen. Nun misslingt das Vorhaben und die Wissenschaftler haben es erwartet? So kann man sich seine Forchungsergebnisse auch schönreden.

Zu Ihren Beispielen von Dingen, die abwendbar gewesen wären , hätte man nachgedacht. Gerade weil die Menschheit die Fähigkeit des Nachdenkens zu selten trainiert, zu selten ausspielt, kommt es zu derartigen Auswüchsen. Das sollte uns eher anspornen, mehr nachzudenken und viele dieser Dinge zu verhindern. Wie können doch nicht ankommen und sagen: Ach, in der Vergangenheit hat die Menschheit immer gemacht was sie wollte, Tod und Elend sind die Folgen, aber egal, machen wir weiter. War doch immer so. Das können Sie nicht wirklich gemeint haben.

Ich finde dieses Experiment einfach überflüssig. Es geht in die Richtung: alles was möglich ist, muss ausprobiert werden. Das ist aber keine Grundlage für ein weiteres fortbestehen der Menschheit, vor allem nicht, wenn die Möglichkeiten immer mächtiger werden.

MarineBiologist

07. April 2009, 13:32

@Jean-Carlo

Ich freue mich sehr über ihre Komentare, denn sie veranschaulichen in einem wunderbar einfachen Beispiel Ihre Fehler.

Es sieht so aus, als hätte Herr Thieme viel Zeit mit Nachdenken verbracht. Wenn man seine amüsante Web-Seite betrachtet, sogar sehr viel Zeit...

Ohne Fachwissen oder der Angabe jeglicher Quellen oder Experimente behauptet er einfach das Gegenteil, von dem 98% aller beteiligter Wissenschaftler überzeugt sind, kombiniert mit einer Prise Verleumdung (schliesslich verbreitet die Wissenschaft diese Ergebnisse nur aus reiner Geldgier) erhält man hier für den Laien eine richtig schöne Klarstellung der Dinge.

Und genau aus diesem schönen Beispiel herraus brauchen wir Experimente, die den Menschen zeigen, was möglich ist und genaus so wichtig, was nicht möglich ist. Denn einfaches Nachdenken ist, wie man an Herr Thiemes Beispiel erkkent, überaus einfach und in alle Richtungen denkbar. Einzig ein experimenteller Beweis, kann von der Politik genuzt werden, durch Regeln, Vereinbarungen und Gesetze dem bunten Trubel einhalt zu gebieten

HeinzThieme

07. April 2009, 15:16

http://freenet-homepage.de/klima/wspeicher.htm

@MarineBiologist

Nun mal langsam, MarineBiologist, immerhin verfüge ich über eine einschlägige Ausbildung, eine ganze Menge Physik und dazu noch das Spezialgebiet Thermodynamik. Gerade das Defizit in letzterem Gebiet ist bei den Klimakatastrophen-Verkündern phänomenal. Und mein Wissen habe ich bisher erfolgreich anwenden können und werde es weiterhin anwenden.

Mittlerweile sind von mir erkannte Zusammenhänge von der sich hier als allein wissend präsentierenden "Wissenschaft" erst teilweise, aber immerhin teilweise, akzeptiert und übernommen worden.

Ich würde Ihnen, MarineBiologist, ein bißchen mehr Selbstkritik und weniger Selbstüberschätzung empfehlen. Und mit den 98% der Wissenschaftler, die da einig seien, da sei man etwas vorsichtiger, wenn das 30% sind, dann sind es schon viele. Die anderen70% sind anderer Auffassung.

MarineBiologist

07. April 2009, 20:56

Leider wird es an dieser Stelle sehr müssig zu diskutieren. Denn als eingefleischter "Klima-Skeptiker" werden Sie für eine sachliche Diskussion nicht empfänglich sein.

Eine "einschläge Ausbildung" habe wir alle. Auch wenn ich Biologe bin, ein Grossteil der Wissenschaftler die sich mit dem Klimawandel befassen sind Physiker.

Für das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), den Klimarat der Vereinten Nationen arbeiten tausende Wissenschaftler.

Ich gebe zu es ist unglaublich einfach eine Zahl wie 98% in den Raum zu stellen, genauso einfach ist es das Gegenteil zu behaupten. Aus diesem Grund müssen fachliche Studien verglichen werden. Ihre Homepage weist, Ihre Aussage unterstützend einige Internetseiten und dubiose Bücher auf, die Literaturangabe der letzten Sachstandsberichte der IPCC bezieht sich auf hunderte Studien. (gerne nachzulesen unter: www.ipcc.ch/.../ar4-syr.htm)

Da diese Diskussion nichts mit dem eigentlichen Blog-Artikel zu tun hat, möchte ich sie gerne an dieser Stelle abbrechen.

Aber es verdeutlicht noch einmal warum Experiment durchgeführt werden müssen und einfaches Nachdenken nicht wirklich ausreicht.

HeinzThieme

09. April 2009, 11:16

http://freenet-homepage.de/klima/indexAtmos.htm

@ MarineBiologist: "Eine "einschlägige Ausbildung" habe wir alle".  ---  Ich denke, das ist eine erhebliche Selbstüberschätzung, zumindest bezüglich der Prozesse, die in der Atmosphäre ablaufen.  "Die Atmosphäre funktioniert nun einmal wie ein Wärmekraftwerk" hörte ich vor langer Zeit von einem Meteorologie-Professor. Recht hatte und hat er. Und deshalb sind nun mal Leute, die den Kraftwerksprozeß verstehen, ja gestalten (und damit ihr Wissen auf Richtigkeit kontrollieren können), etwas im Vorteil gegenüber jenen, die da nicht so kundig sind. Und falls bezüglich der Aussage des Meteorologie-Professors Zweifel bestehen, die Windmühle ist nichts anderes als eine Niederdruckturbine, wie sie in zahlreichen Prozessen angewendet wird. Zum Sachverstand der vermeintlichen Experten, die da vor allem in den staatlich finanzierten Institutionen sitzen, da darf man schon Zweifel haben. Zu viele Leute treiben sich da herum, die von Thermodynamik keine Ahnung haben, man merkt es an deren Äußerungen. Und wenn man so in die Meteorologie-Lehrbücher sieht, der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik, "Kein Wärmeübergang von selbst von kalt nach warm", findet sich da allenfalls in höchst unverständlicher Form.

Ich bin jedenfalls zuversichtlich, daß meine Sicht, z.B. "Der thermodynamische Atmosphäreneffekt" in absehbarer Zeit die Treibhausideen ersetzt haben wird. Und mir wurde von einem Hochschullehrer, der eigentlich kundig sein sollte, die Veröffentlichung dieser Erklärung atmosphärischer Zusammenhänge verweigert, weil sie nicht mit dem übereinstimmten, was man sich in den letzten 150 Jahren erarbeitet hätte.  Man muß natürlich sehen, daß sämtlich im Dienst befindlichen Hochschulangehörigen ihrem obersten Dienstherrn loyal sein müssen, wenn sie berufliche Schwierigkeiten vermeiden wollen....  

MarineBiologist

09. April 2009, 13:48

Ich möchte mich bei Herrn Müller-Jung entschuldigen, dass die Diskussion leider jeden Bezug zum Thema verloren hat und auch wenn ich im letzten Kommentar schrieb, dass ich die Diskussion gerne abbrechen wollte, so kann ich leider dem Bedürfniss nicht wiederstehen noch einmal zu antworten.

@HeinzThieme:

Ich muss Ihnen leider unterstellen, dass sie das Wesen der Wissenschaft nicht verstanden haben. Ein erfolgreicher Wissenschaftler definiert sich heutzutage durch die Anzahl der Veröffentlichungen in einem Fachjournal. Kann man beweisen, dass die gängige Meinung nicht stimmt würde man in einem Journal veröffentlichen können, dass eine sehr hohen ImpactFactor hat. (Sprich, man würde das grösste Aufsehen erregen) Allerdings muss man mit seiner Veröffentlichung erst durch einen Review-Prozess. Dabei wird jeder Artikel von mehreren Experten irgendwo auf der Welt gelesen und beurteilt. Erst wenn diese Ihre Zustimmung geben kann veröffentlicht werden. Dies dient als Schutz, um zu verhindern, dass unsachliche und unbeweisbare Behauptungen in die öffentliche Meinung einfliessen. Andernfals könnte alles veröffentlicht werden und weder die Experten noch die Laien könnte bei einer FLut von Daten die Wahrheit von einer Lüge unterscheiden. Dennoch ist wichtig ist zu wissen, dass jeder veröffentlichen kann. Daher nun mein Rat an sie:

Wenn sie ihre Behauptungen beweisen können, veröffentlichen sie ihre Daten in einem Fachjournal. Die Reviewer müssten Ihnen wiederum beweisen, warum sie falsch liegen.

Jetzt werden sie natürlich sagen, dass wir in einer ungerechten Welt leben, in der niemand die Wahrheit akzeptieren will, um seinen eigenen Vorteil zu erhaschen. Und sie niemals veröffentlich könnten. Nicht etwa, weil sie falsch liegen (das kann natürlich nicht sein), sondern einzig und alein, weil alle Wissenschaftler verhindern wollen, dass sie mit der Wahrheit ans Licht kommen.

Allerdings, wenn ich es mir recht überlege, so sind ja nach hrer Aussage 70% der Wissenschaftler Ihrer Meinung, daher müsste es natürlich ein leichtes sein Ihr Wissen in einem Fachjoural zu verffentlichen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und ein frohes Osterfest

HeinzThieme

10. April 2009, 10:18

@ MarineBiologist   Man erinnere sich, wie denn Galilei mit seinen Erkenntnissen bzw. Alfred Wegener mit seiner Kontinentaldrift-Theorie durch die seinerzeitigen Review-Prozesse gekommen sind, oder auch Forßmann mit der Entwicklung der Herkatheter-Untersuchung.

Herrschende-Meinungs-Wissenschaft versteht sich in erheblichem Maße als Machtausübung, das sollte man aus der Geschichte gelernt haben. Und ein wunderbares Mittel dieser Machtausübung sind die sogenannten "Peer-Reviews", mittels derer die Vertreter der Herrschenden Meinung das kontrollieren und steuern, was veröffentlicht werden darf.  

view

10. April 2009, 13:54

http://keine webseite

Es ist interessant diese Debatte zu verfolgen, echt. Bin gespannt wer da als erster ausfällig wird. Ich hoffe keiner, denn alles ist sehr korrekt und sachlich debattiert. Logisch vertritt jeder seine Meinung (sein Wissen) und am Ende in einigen Jahren werden wir vieleicht wissen, wer denn nun wirklich recht hatte.

Ich halte mich mit einem Für oder Wider zurück, da ich kein Experte bin auf diesem Gebiet und angewiesen bin auf die Richtigkeiten der verschiedenen Experimente und Wissensäußerungen der Profis. Bitte diese Debatte nicht so schnell beenden, sonder am Kern weiter debattieren. Herzlichen Dank für Eure tollen Beiträge.   Uwe Wagner

MarineBiologist

11. April 2009, 18:13

@view

die Frage ist woran man erkennt wer Recht hat. Woran setzt man die Massstäbe?

Die Temperaturen steigen. Die 10 heissesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen liegen innerhalb der letzten 15 Jahre.

Das arktische Eis verschwindet. Diesen Sommer konnte die Polarstern erstmals in der Geschichte der protokollierten Seefahrt die Arktis umrunden. Die Gletscher Grönlands haben in den letzten Jahren ihre Fliessgeschwindigkeit vervielfacht. Ausserdem durchzieht das Eis dieser Insel mitlerweile ein gefährliches Netz an Schmelzwasserkanälen, ähnliches wurde bei dem Eisschelf "Larsen B" beobachtet, das sich dann innerhalb von 2 Monaten praktisch auflöste.

www.julesvernefestival.com/.../Larsen-B-2.jpg

Ich könnte ewig so weiter machen, aber dazu ist mir die Zeit zu schade.

Ich kenne schon jetzt die Antwort von Klimaskeptikern, die dies als natürliche Schwankung interpretieren und die Erwärmung auf einen Zusammenhang mit der Sonnenaktivität und derer Flecken beziehen. Interessanterweise stimmt dies sogar. Die durchschnittliche Temperatur des Planeten korreliert wunderbar mit der Zahl der Sonnenflecken. Merkwürdigerweise gibt es allerdings keine Graphik mit echten Daten, die über das Jahr 1960 hinausgeht. Denn seit diesem Zeitpunkt war die Aktivität rückläufig, die Temperatur hingegen steigt weiter.

Ich möchte und kann nicht weiter ins Detail gehen, da ich weder Physiker noch Astronom bin. Ich für meinen Teil befasse mich mit der Auswirkung auf den marinen Stoffkreislauf. Denn die zweite grosse Veränderung, neben der Temperatur ist die Ozeanversauerung.

@HeinzThieme:

Nur zwei Kleinigkeiten, da es nun wirklich müssig wird und ich nicht mit Ihnen über die Prinzipe eines Kraftwerks diskutieren möchte und kann.

1. Sie sagten, dass 70% der Wissenschaftler Ihrer Meinung sind (7.April). Dennoch behaupten Sie, dass die anderen 30% das Peer-Review-Verfahren kontrollieren und manipulieren können.  Wie soll dies bei einem weltweiten Prinzip der Kontrolle funktionieren?

2. Sie führten Galileo und Alfred Wegener als Beispiel für "missverstandene" Forscher auf. Da haben Sie recht und wir erkennen, dass sich die Wahrheit immer durchsetzt.

In den 70ern wurden die ersten Studien zum anthropogenen Klimawandel vorgelegt. Damals wurde darüber gelacht und "mächtigere" Institutionen konnten diese Studien für die nächsten 25 Jahre klein reden. Aber: Die Wahrheit setzt sich immer durch.

view

14. April 2009, 13:33

http://keine

Sehr geehrter MarineBiologist,

danke für erneute Anstrengungen mir und allen anderen die Tatsache der Erderwärmung zu erklären.

Ich hoffe dennoch, daß trotz all der Sorge in ihrem Bericht Sie ein schönes Osterfest zelebrieren konnten.

Bin gespannt auf den Weitergang dieser Debatte.

Trackbacks

3vor10

24. März 2009, 10:00
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