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Der LHC läuft wieder!
22. November 2009, 00:13
Uhr
Am europäischen Zentrum für Elementarteilchenforschung Cern bei Genf ist die Freude groß. Seit Freitagabend 22:00 Uhr kreisen wieder Wasserstoffkerne im Large Hadron Collider (LHC), dem weltweit leitungsfähigsten Teilchenbeschleuniger und Speicherring. „Es großartig, wieder einen Teilchenstrahl im LHC umlaufen zu sehen", sagte Rolf-Dieter Heuer, der Generaldirektor des Cern, sichtlich erleichtert, auch wenn er einräumen musste, dass noch ein großes Stück Arbeit zu bewältigen ist, bevor erstmals physikalische Experimente durchgeführt werden können.
Am 10. September des vergangenen Jahres hatte man erstmals versucht, den 27 Kilometer langen Speicherring in Betrieb zu nehmen, Protonen einzuspeisen und umlaufen zu lassen. Zunächst mit Erfolg. Doch neun Tage später, als man das Magnetfeld der supraleitenden Magnete, die die Teilchenstrahlen auf Kurs halten, langsam hochfahren wollte, war es zu einem Kurzschluss gekommen, in dessen Folge einige der mehr als tausend Magnete beschädigt wurden. Länger als ein Jahr hat es gedauert, die beschädigten Magnete auszutauschen, alle supraleitenden Kontakte zwischen den Magneten zu testen und das Sicherheitssystem des LHC zu verbessern. Ganz zu schweigen vom zeitaufwändigen Erwärmen und Abkühlen der Anlage von Raumtemperatur auf ihre Betriebstemperatur von minus 271 Grad. Rund 30 Millionen Euro haben die Reparaturarbeiten am LHC gekostet, dessen Baukosten sich auf etwa drei Milliarden Euro belaufen. Der LHC ist das teuerste Projekt der Teilchenphysik, von dem sich die etwa 6000 am LHC tätigen Forscher aus aller Welt, neuen Erkenntnisse über den Aufbau der Materie und den Vorgängen erhoffen, die sich während der ersten Milliardstel Sekunde nach dem Urknall abgespielt haben.
Die Protonen waren am Freitagabend zunächst noch mit einer recht moderaten Energie und in einer Richtung zirkuliert - mit 450 Gigaelektronenvolt (Milliarden Elektronenvolt), statt der maximal möglichen 7000 Gigaelektronenvolt. Man will nun recht schnell dazu übergehen, zwei Protonenstrahlen, die gegensinnig in dem Beschleunigerring umlaufen, zur Kollision zu bringen. Das soll bereits in einer Woche erfolgen.Verläuft alles nach Plan, wird die Energie der jeweils zirkulierenden Teilchenstrahlen schrittweise auf 3500 GeV erhöht. Bei der Kollision von zwei Protonenstrahlen wird dann eine Energie von 7000 GeV freigesetzt. Das, so hoffen die Betreiber des LHC, wird im Januar kommenden Jahres sein. Einen genauen Terminplan hat der Cern nicht genannt, da wegen der Komplexität des Beschleunigers man durchaus mit Verzögerungen rechnen muss.
Anders als im vergangenen Jahr ist der Starttermin des LHC kurzfristig bekannt gegeben worden. Auch hat man dieses Mal keine Medienvertreter zur Inbetriebnahme eingeladen. Erst wenn erstmals energiereiche Protonen kollidieren, darf die Presse den Experimenten beiwohnen. Offenkundig möchte man sicher sein, dass alle Systeme stabil laufen. Manfred Lindinger
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