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Planckton

Kritik der reinen Physik (1): Der Geist der Revolution

25. Februar 2011, 11:29 Uhr

In Nordafrika greift der Geist der Revolution um sich. In meinem Büro ist alles friedlich und auf Systemerhalt ausgerichtet. Bereits zwei Stockwerke über mir sind die Fronten allerdings weiter weit weniger klar. Wenn man sich mit Professor Pavel Kroupa unterhält, ist der Geist der Revolution plötzlich auch in unserem Argelander Institut für Astronomie greifbar. Pavel Kroupa redet oft vom Scheitern des etablierten Systems, von der Notwendigkeit von Alternativen und von den Mechanismen, mit denen Systemgegner an ihrer Arbeit gehindert werden.

  Die "Freiheitsgöttin", Vorbild der Marianne. Quelle: Education Civique Juridique et Sociale

Wenn sich Pavel Kroupa derart in Rage redet, diskutiert er allerdings nicht über Politik. Sein Thema ist die so genannte „Dark matter crisis", d.h. die Krise des etablierten, kosmologischen Standardmodels, dem so genannten „Lambda Cold Dark Matter Concordance Cosmological Model" (LCDM CCM). Dieses Modell macht Aussagen über die Entwicklung und Zusammensetzung des Universums, und scheint überaus gut mit der Mehrzahl kosmologischer Beobachtungsdaten überein zu stimmen. Die in ihm enthaltenen freien Parameter konnten in den letzten Jahrzehnten sehr präzise bestimmt werden, so dass die Geschichte unseres Universums im Großen und Ganzen recht gut verstanden zu sein scheint. Der Schönheitsfehler ist bekanntlich die Notwendigkeit zweier bisher völlig unverstandener Größen: der dunklen Energie und der dunklen Materie, die zusammen etwa 96% des Energie-Materie Inhalts des Universums ausmachen.

Dunkle Materie ist insbesondere notwendig, um die Rotationskurven von Galaxien zu erklären und zusätzliche Masse in Galaxienhaufen zu liefern. Man braucht dunkle Materie, damit sich die beobachtbare Materie in Galaxien so bewegt, wie sie es nach Newton sollte. Dennoch gibt es auf der Skala von Galaxien Probleme mit dem CCM Modell. Insbesondere die Eigenschaften von Satelliten-Galaxien, kleinen Galaxien, die größere Galaxien wie die Milchstraße begleiten, können durch das Standardmodell nicht erklärt werden. Hier setzt Pavel Kroupa an. Er nimmt die Probleme des Standardmodells zum Anlass, sich für alternative kosmologische Modelle einer modifizierten Gravitation auszusprechen, wie z.B. MOND (modifizierte Newtonsche Dynamik) oder MOG (modifizierte Gravitation). In seinem Streitgespräch mit Prof. Simon White im letzten November hier in Bonn, in dem Argumente für und gegen eine Abkehr vom Standardmodell diskutiert wurden, verglich Pavel Kroupa die heutige Situation der Kosmologie mit derjenigen der Kopernikanischen Wende. Auf seiner Homepage führt er darüber hinaus als Analogien die Entwicklung der Quantenmechanik und den Übergang zur Relativitätstheorie an. Dies alles sind klassische Beispiele wissenschaftlicher Umbrüche, wissenschaftlicher Revolutionen. Aber wie kommt man überhaupt darauf, als Wissenschaftler im Kontext der Physik über Revolutionen zu sprechen?

Quelle: "Garching Simulation", Jenkins et al. 1998, Astophysical Journal

 

Der Begriff der wissenschaftlichen Revolution wurde geprägt durch Thomas Kuhn und sein 1962 erschienenes Buch „The Structure of Scientific Revolution". Eine der Hauptthesen des Buches ist, dass die Entwicklung der Wissenschaft nicht so verläuft, dass durch Wissenschaft kumulativ einfach immer mehr Wissen angehäuft wird. Stattdessen sieht Kuhn radikale Brüche in der Geschichte der Wissenschaft, die verhindern dass man sagen kann, dass man immer mehr weiß. Man weiß einfach „anderes". Es ändern sich wissenschaftliche Methoden, der wissenschaftliche Gegenstandsbereich, wissenschaftliche Begriffe und wissenschaftliche Maßstäbe. Dies alles führt gemäß Kuhn dazu, dass es keine Verständigung zwischen vor- und nachrevolutionärer Wissenschaft gibt. Man ist in Hinsicht auf bestimmte Fragen einfach verschiedener Meinung, und es gibt keine Instanz, die in der Lage wäre zu entscheiden, wer Recht hat. So gibt es beispielsweise sowohl im Rahmen des Standardmodells als auch im Rahmen modifizierter Gravitationstheorien Beobachtungen, die nicht erklärt werden können. Welche sieht man als die entscheidenden an? Ist es „schlimmer", wenn die Eigenschaften von Satellitengalaxien nicht erklärt werden können, als wenn die Theorie gegebenenfalls komplizierter wird und Schwächen auf großen Skalen hat?

Letztendlich endet man bei Fragen der persönlichen Gewichtung, und das macht die Stimmung im Umfeld wissenschaftlicher Revolutionen gerade so stark emotional aufgeladen. Wo es keine eindeutigen Argumente mehr gibt, kann man nicht mehr überzeugen, sondern nur noch überreden. Dazu kommt, dass sich das Potential neuer Theorien erst voll entfalten kann, sobald der Wissenschaftsbetrieb ausreichend Ressourcen für eine detaillierte Ausarbeitung des neuen Ansatzes bereitstellt. Der Grund, dies zu tun, kann aber immer nur der Glaube an das Potential der neuen Theorie sein. Ob dieser Glauben wirklich gerechtfertigt ist, kann sich erst im Nachhinein herausstellen. Um das „Wagnis" einer neuen Theorie wirklich einzugehen, und sich vom Etablierten abzuwenden, muss die Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen groß genug sein. Sich vom Mainstream abzuwenden birgt immer ein Risiko, es bringt Unsicherheit und die Gefahr, für immer aus der wissenschaftlichen Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden.

Die Notwendigkeit einer allgemeinen Unzufriedenheit mit dem bestehenden System ist neben der Aufspaltung der Community in verschiedene Lager nach Kuhn einer der Punkte, der die Analogie zu einer politischen Revolution passend macht. Auch in der Politik muss die Unzufriedenheit einen gewissen Wert erreicht haben, damit das Volk keinen anderen Ausweg mehr sieht, als auf die Straße zu gehen.

 

Die Debatte: Simon White (links), Pavel Kroupa (rechts) und Hans-Peter Nilles im November's Bethe Colloquium 2010. Quelle: Marcelo de Lima Leal Ferreira

Und genau wie in der Politik versucht das etablierte Wissenschaftssystem seine Stellung möglichst lange zu verteidigen. So wie Mubarak versuchte, durch minimale Zugeständnisse an die Demonstranten seinen Präsidentenstatus möglichst lange zu verteidigen, gibt es auch in Wissenschaft die Strategie, den Gültigkeitsbereich der in Frage stehenden Theorie einzuschränken und Probleme durch ad hoc Annahmen zu entschärfen. Ob die Einführung von dunkler Energie und dunkler Materie auch bereits als solche ad hoc Annahmen und damit als Anzeichen zukünftig schwindender Macht des CCM Modells zu sehen sind, oder ob es einfach nur eine Frage er Zeit ist, bis sich im Rahmen der etablierten Theorie eine Antwort auf die Frage nach deren Natur finden wird, muss sich zeigen.

 

In Ägypten ist Mubarak gestürzt, Gaddafi wackelt. Das Standardmodell hingegen ist bislang fest an der Macht. Man wird sehen, ob und falls ja wann die Unzufriedenheit innerhalb der Kosmologie so stark sein wird, dass wir auch hier eine Revolution erleben können, oder ob sich das Standardmodell dauerhaft als zutreffende Beschreibung des Universums erweisen wird.

 

Veröffentlicht 25. Februar 2011, 11:29 von Sibylle Anderl
Kommentare

Devin08

25. Februar 2011, 21:29

http://www.herold-binsack.eu

Das Standardmodell wackelt!

Die Beziehung zwischen einer politischen Revolution und einer im wissenschaftlichen Denken, ist genau genommen enger als man denkt. Nur dürfen wir die politischen Revolutionen nicht aus dem Gesamtkontext reißen, in dem auch das wissenschaftliche Denken revolutioniert wird. So ist Einsteins spezielle Relativitätstheorie nicht nur nicht von dem ihm dann folgenden Nuklearzeitalter zu trennen, auch wenn Einstein genau diese Beziehung verabscheute, sondern mehr noch auch nicht von der eitlen Hoffnung des Kapitals, dem tendenziellen Fall der Profitrate, wie Marx einem prosperierenden Kapital prognostizierte, das 2. Gesetz der Thermodynamik, nämlich das der Entropiezunahme blog.herold-binsack.eu, entgegen zu setzen.

(...)

Die Wissenschaft, die sich diesem Forschungsauftrag offenbar widerstandslos unterworfen hat (so scheint der Wissenschaftler der einzige zu sein, der sich widerstandslos ausbeuten lässt!), kann diesem Missverständnis nur entkommen, wenn sie das eigene Denken revolutioniert. Also den Standpunkt, hier: den Klassenstandpunkt, radikal wechselt.

(...)

Und wenn ich mir da die aktuellen Geschehnisse, eben nicht nur in Arabien anschaue, würde ich sagen: das Standardmodell wackelt!

[Der Kommentar wurde gekürzt. Mehr dazu ist in der angegebenen Link zum Blog des Kommentators zu lesen] 

 

microplan2002

26. Februar 2011, 11:38

In meinen Leserkommentaren zu den gelegentlichen Beiträgen aus dem Bereich Astrophysik hier auf FAZ.NET äußere ich mich schon seit Jahren immer wieder kritisch zum "Standardmodell" mit seinen schwergewichtigen Krücken, die es ja überhaupt erst tragen ... und ernte dafür regelmäßig tiefrote Negativbewertungen.

suprafluid

27. Februar 2011, 04:13

http://www.thp.uni-koeln.de/natter/

A knowledge of philosophy does not seem to be of use to physicists always with the exception that the work of some philosophers helps to avoid the errors of other philosophers.

                                                                                                Steven Weinberg

jangrothe

27. Februar 2011, 20:47

Natürlich kann das Standardmodell nicht alles erklären. Kein Modell kann das. Auch nicht das Nachfolgemodell des Standardmodells. Egal ob es nun ein modifiziertes oder ein völlig neues Modell ist.

Jeder seriöse Wissenschaftler weiß das. Von daher sollte man da nicht so einen Bohai drum machen. Vor allem, wenn man nur Bohai macht, ohne eine Alternative zu präsentieren. Im Artikel erhält man nämlich nicht den Eindruck, Pavel Kroupa würde irgendetwas Konstruktives beitragen. Viel eher begnüge er sich mit prophetischem Geraune, wobei zu seiner "Weissagung" nur ein Blick in die Geschichtsbücher der Wissenschaft nötig ist.

Peter_Tailor

01. März 2011, 15:00

@jangrothe: Auch wenn man lediglich auf Probleme bei einem Modell aufmerksam macht, ist das schon ein wertvoller Beitrag zum Fortschritt in der Wissenschaft. Zumal, wenn die Kritik umfangreich und fundiert ist.

In Bonn wurde übrigens bereits der Versuch unternommen, Forschung an Alternativen zum Standardmodell zu finanzieren. Das wurde aber Ende letzten Jahres gestoppt, und zwar mit Methoden, die zumindest fragwürdig erscheinen. Einige Leute verteidigen das Standardmodell also auf eine Weise, die mit wissenschaftlicher Argumentation nichts mehr zu tun hat. Man ist versucht zu glauben, das diese Leute sich anders nicht mehr zu helfen wissen.

sherbst

01. März 2011, 21:30

@Peter_Tailor: Du hast wohl recht. Doch leider scheint es mittlerweile so, dass wenn selbst das kleinste Gegenargument gegen eine Mainstream-Theorie aufkommt, dieses entweder ignoriert wird, oder versucht wird, den Urheber mit allen möglichen Mitteln zu blockieren oder gar aus der wissenschaftlichen Gemeinschaft auszuschließen.

Mittlerweile geht das ganze ja auch soweit, dass selbst Studenten, die gerademal am Anfang ihrer wissenschaftlichen Laufbahn stehen nicht Steine und Stöcke, sondern regelrecht Baumstämme und Felsbrocken in den Weg gelegt bekommen um ihre Arbeit an alternativen Modellen zu sabotieren. Dabei werden offenbar nicht nur finanzielle Mittel plötzlich abgeschnitten. Auch andere Möglichkeiten, die die seriöse Arbeit an Alternativen ermöglichen würden, werden durch Leute blockiert, die besser Politiker geworden wären als Wissenschaftler und deren wissenschaftliche und insbesondere in diesem Zusammenhang auch menschliche Souverenität und Seriösität immer stärker zu schwinden scheint. Solche Leute ziehen es scheinbar vor, statt wissenschaftlich etwas beizutragen, lieber klein-politische und teils kindische Intrigen selbst auf dem Rücken von Studenten auszutragen. Tja und dann wird von von ernsthafter Wissenschaft gesprochen.

Doch gerade als Student, sind die Mittel und Wege in einer solchen Situation mehr als begrenzt. Schließlich läuft es eher darauf hinaus, dass man selbst als Lügner dargestellt wird. Da frage ich mich wirklich ob man sich als junger Wissenschaftler überhaupt an Alternativen wagen sollte, da man fürchten muss das Ende siner wissenschaftlichen Karriere erreicht zu haben, bevor diese überhaupt begonnen hat...!?

astroklaus

15. März 2011, 15:47

Immerhin gibt es in der Astrophysik noch die Möglichkeit, abweichende Theorien zu veröffentlichen (habe gerade einen Artikel von P. Kroupa besorgt) und Streitgespräche wie das beschriebene oder Vorträge z.B. im allgemeinen Kolloquium der ESO zu halten. Je nach Teilbereich ist dabei allerdings der Ton mehr oder weniger rauh, und es wurden leider auch Wissenschaftler mit bekannt abweichenden Ansichten von Konferenzen ausgeschlossen (Bonner werden sich denken können, wen ich meine).

Auf der anderen Seite gibt es auch Selbstverstärkungsmechanismen von Theorien - und die haben nicht unbedingt mit ihrer Stichhaltigkeit zu tun. Ein extremes Beispiel ist mE die heutige theoretische Teilchenphysik, wo es wohl tatsächlich wissenschaftlicher Selbstmord ist, irgend etwas anderes als Stringtheorie zu betreiben - und das, obwohl sie nach weit über zwanzig Jahren intensiver Arbeit bislang keine einzige der Forderungen erfüllt, die man traditionellerweise an eine physikalische Theorie stellt.

Der ständige Zwang, für Drittmittel und Evaluationen einen hohen "Paper count" bzw. "Impact Factor" vorzuweisen, führt nicht nur zu Ideenrecycling sondern auch zu angepaßten Mainstreamarbeiten, die weniger Aufwand bei der Diskussion mit den Herausgebern und Referees bedeuten. In der Zeit, die wir mit solchen Diskussionen über einen Umrechnungsfaktor zugebracht haben (bei einer Arbeit, die hauptsächlich Beobachtungsergebnisse beschrieb), hätten andere zwei oder drei Artikel mehr geschrieben - nun gut, es war für Nature, da hat es sich gelohnt...

In einem anderen Gebiet, das ich kenne, ist seit gut 15 Jahren nichts passiert, obwohl die dort übliche Theorie die Beobachtungen schon seit langem nicht annähernd erklären kann (nun gut, es gilt als Randthema - sagen wir wie vielleicht Bahrain -und alle sind sich darüber einig, daß ein neuer Ansatz außerordentlich schwierig ist).

Ein Status wie die deutsche Professur oder auch ein gesicherter Schreibtisch kann da die notwendige Unabhängigkeit geben - ich denke da zB an Persönlichkeiten wie Hoyle, die Burbidges, Arp... eine "politische Person" wie oben beschrieben auf einer Professur kann aber auch dank ihrer "Unangreifbarkeit" die gesamte wissenschaftliche Entwicklung in einem Institut blockieren.

Gerd_Petersen

15. März 2011, 16:17

Im Artikel wird gefragt, ob die Einführung von Dunkler Energie und Dunkler Materie bereits "ad hoc Annahmen" seinen. Annahmen? Ja. In beiden Fällen wurde deren Existenz angenommen, um im jeweils allgemein anerkannten physikalischen Weltbild die Beobachtungen in Einklang mit dem Weltbild zu bekommen. Die Annahmen werden aber dann erst zu Gewissheiten, wenn die indviduelle Existenz nachgewiesen ist, d.h. z.B. im Falle der Dunklen Materie muss die Existenz von mindestens einer Teilchensorte nachgewiesen werden, die die erforderlichen Eigenschaften aufweist und auch(!) in der  erforderlichen Menge vorkommt. Gerade der zweite Punkt wird in der Literatur bisher vollkommen vernachlässigt (oder vielleicht gerne übersehen?). Sind die Annahmen "ad hoc"? Das sind sie sicherlich nicht, was man fairerweise anmerken muss. Denn in beiden Fällen handelt es sich durchaus um legitime Plausibilitätsüberlegungen. Fritz Zwicky bemerkte damals halt, dass Galaxienhaufen dynamisch zu heiss sind unter der Annahme(!), dass sie virialisiert seien. Unter der Annahme, dass noch eine dominierende Komponente von nicht sichtbarer Materie vorhanden ist, ist die Dynamik der Galaxienhaufen im Einklang mit dem Virialsatz. So weit, so gut. Problematisch wird es aber dann, wenn ein Weltbild, dass auf Annahmen und eben nicht auf bewiesenen Gewissheiten basiert, weitere Annahmen eingeführt werden, um neu aufgedeckte Diskrepanzen zwischen dem sich entwickelnden Weltbild und den immer detailierter werdenen Beobachtungsergebnissen zu erklären.

Nun reichen selbst Dunkle Materie und Dunkle Energie ja noch nicht einmal mehr aus, um das Universum erklären zu können. So wird z.B. Inflation gebraucht, um

das Horizontproblem in den Griff zu bekommen. Und um die Unterpopulation der Voids mit Zwerggalaxien oder die Existenz von zu schweren Galaxienhaufen bei großer Rotverschiebung zu erklären, wird mittlerweile schon eine  "Dunke Kraft" vorschlagen. Prinzipiell jagt dabei ein Epizykel den nächsten.

Die beliebte und weit verbreitete Argumentation der Kosmologen ist aber, dass unser kosmologisches Weltbild ja richtig sein muss, weil es die Beobachtungen erklärt. Und genau da liegt der Hund begraben. Aus A, dem kosmologischen Weltbild, folgt B, die Beobachtungen. Die Implikation, A->B, ist aber nicht equivalent zu B->A (aus den Beobachtungen folgt das kosmologische Weltbild), sondern nur aus nicht B folgt nicht A.

Dass ein solches Weltbild, dass zunächst einmal mit reinen Annahmen erweitert wird, erforscht wird, ist in der Tat nichts Verwerfliches. Teuflisch wird es aber dann, wenn die Erforschung von Alternativweltbildern mit der Begründung unterdrückt wird, die Ingredienzen des Standard Models seien ja durch die Beobachtungen bewiesen, was sie ja eben nicht sind, und die alternativen Weltbilder hätten ihre Probleme.

Wahrscheinlich ist einer der Gründe für die Unterdrückung der Erforschung von alternativen Weltbildern der Selbsterhaltungstrieb für die eigene Forschung: Wenn der Konkurrent mit seinem Alternativweltbild richtig liegt, dann habe ich mit meinem Standardmodel mein Leben lang einem Phantom nachgejagt. Das kratzt zum Einen natürlich an dem eigenen Ego. Zum Anderen werden dann  natürlich für das falsche Standardmodell keine Mittel mehr bereit gestellt und die Standardkosmologen wären arbeitslos. Dem kann ganz einfach dadurch vorgebeugt werden, wenn die dominierende Mehrheit der Standardkosmologen Finanzierungen von Alternativforschung blockiert. Das ist im gegenwärtigen Begutachtungsverfahren ein Leichtes. Denn ein Antrag für ein alternatives Forschungsvorhaben wird mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit einem Vertreter des Standardmodells zur Begutachtung vorgelegt.

Da im Artikel explizit die Uni Bonn erwähnt wird, möchte ich hinzufügen, dass ich dort diese und ähnliche Arten von Unterdrückung selbst mitbekommen habe. Sie nennt sich eine traditionelle Universität und ist anscheinend  sehr stolz auf die internen Hierarchien, insbesondere auch zwischen den Professoren. Institute werden von der Leitung eher nur bestehend aus den paar W3 Professoren gesehen, alles andere ist irrelevant. Wenn es da also einen "W3 Lieblingsprofessor" der Leitung gibt, dann würde es mich nicht wundern, wenn Geldkürzungen, wie sie hier beschrieben werden (@Peter_Tailor & @sherbst), einfach mal auf Kommando nach Absprache mit der Leitung passieren können. Traurig! Dafür steht ja auch die Uni Bonn nicht hoch in den internationalen

Rankings: www.timeshighereducation.co.uk/.../top-200.html

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