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Das Pop-Tagebuch

Fretless-Bässe zu Flugsimulatoren oder Dilettantische Mittelalter-Musik in der Reclam-Edition

06. Juli 2011, 11:46 Uhr

Wie die Bundesregierung eben verkündet, müssen die Jubiläumsfeierlichkeiten zu Ehren von 35 Jahren Punk aus Kostengründen leider mit den Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich des 40. Todestags von Jim Morrison zusammengelegt werden. Rockminister Bosbach bedauere dies selbst am meisten, heißt es weiter in einem soeben veröffentlichten Papier.
Auf Antrag der FDP soll im Zusammenhang mit der Feierei auch noch eine Geburtstagskerze für Paul Young („Come Back and Stay") gezündet werden, der ebenfalls kürzlich jubilierte - und zwar zum fünfundfünfzigsten Mal. Ein paar kauzige Separatisten kündigten unterdessen an, am betreffenden Tag anstelle von Paul Young lieber dessen Achtziger-Jahre-Bass-Sound huldigen zu wollen. Solcherlei Vorhaben finden meinen Zuspruch nicht, ich dislike ausgesprochen, ist der Paul Young-Basssound doch noch vor dem John Farnham-Schlagzeugsound in meinen Ohren als ekligster Popklang der sogenannten Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts zu brandmarken. Pino Palladino heißt der Mann, der diesen auf einem sogenannten Fretless-Bass exekutierten Gruselsound zur kurzzeitigen Popularität brachte, was zur Folge hatte, dass für ein, zwei Jahre jede Menge ehedem achtbarer Bassisten mit Fretless-Bässen herumliefen und ansonsten brauchbare Platten mit diesem blöden Geknöse nachhaltig verunstalteten.
Gibt es das Wort Geknöse? Ich weiß es nicht, aber ich finde der im vorangegangenen Absatz zunächst Paul Young-, dann aber Pino Palladino-Basssound genannte Klang verdient kein anderes Wort als dieses.

***

Freunde sind zu Besuch.
Beim Essen kommt das Gespräch auf Österreich.
„Das Österreichischste, was ich im Haus habe, ist Ludwig Hirsch" sage ich und bin schon auf dem Weg zum Plattenschrank.
Ich berichte davon, wie ich im Alter von zehn Jahren einer Musikkassette des Liedermachers anhörig wurde, die ich mir nach dem Sonntagsgottesdienst aus der Pfarrbücherei Odenthal (meiner frühesten Bildungsstätte in popmusikalischen Belangen) ausgeliehen hatte. Ich finde es bemerkenswert, wie viel Gewese in den vergangenen zehn Jahren um die vermeintlich jugendverderberische Wirkung irgendwelcher HipHop-Radauheimer gemacht wurde, während man in deutschen Pfarrbüchereien sorglos Ludwig Hirsch-Kassetten an Zehnjährige verleiht. Ich übertreibe keineswegs, wenn ich sage: Mir hat Ludwig Hirsch mit seinen moribunden Liedern zweifelsohne die Jugend, wenn nicht gleich das ganze Leben verdorben. Das Stück „Die gottverdammte Pleite", das ich meinen Gästen an diesem Abend vorspiele, ist weiß Gott nicht dazu angetan, um jungen Knaben, die, vom Gottesdienst mürbe geprügelt, einen verregneten Sonntag hinter sich bringen müssen, Mut und Hoffnung für die bevorstehende Woche mitzugeben.
Ja, Ludwig Hirsch hat mir lebenslang die Laune verdorben. Von daher: Hören Sie „Die gottverdammte Pleite" oder „Komm, großer schwarzer Vogel" nur, wenn sie halbwegs sittlich gefestigt sind.

***

Wo ich schon von Österreich schreibe:
Mein neuer Lieblingsautor ist Heinrich Steinfest (den ich Freunden schon oft als Harald Steinfels empfahl, was für lustige Buchhandlungsbesuche mit anschließendem Pfeil-Verwünschen gesorgt haben dürfte).
Heinrich Steinfest, ein in Australien geborener Österreicher, schreibt Kriminalromane, die von einer so schönen Abschweifungsfreudigkeit geprägt sind, dass etwas eintritt, was ich eigentlich gar nicht so sehr schätze: Der eigentliche „Fall" wird zur Nebensache. Und auch wieder nicht, denn das Mäandern, die bösen Daseinsbetrachtungen, die Seitenwege, Idiosynkrasien und Ausschmückungen passen perfekt zur komplexen Natur der Fälle, um die es in seinen Büchern geht. Mein Lieblingsbuch von ihm ist „Mariaschwarz", das ich hier einfach mal so aus der Hüfte als den besten deutschsprachigen Kriminalroman aller Zeiten bezeichnen möchte. Um das Abfeiern eines Autors in einem mit Musik und ihrem Drumherum befassten Blog zu rechtfertigen, sei hier jedoch nun eine kurze Passage mit Musikbezug (wenngleich klassischer Ausprägung) aus Steinfests Roman „Cheng" zitiert (in dem, aber das nur am Rande, der titelgebende Ermittler nach knapp einhundert Seiten auf bizarre Art und Weise einen Arm verliert).
Die betreffende Stelle spielt kurz vor dem Armverlust. Cheng fährt Auto und legt eine Scarlatti-Kassete ein.
Horowitz gab sein Bestes, und sein Bestes war gar nicht so schlecht. Wenngleich es wenig mit Scarlatti zu tun hatte, sondern eigentlich nur mit Horowitz. Horowitz spielt Horowitz, so wie ja auch jeder andere weltbekannte Klavierturner stets immer nur sich selbst spielt und kaum Chopin oder Skrjabin oder wen auch immer. Und so geschickt ein Fingerkünstler wie Horowitz auch sein mag, Scarlatti hat die besseren Klavierstücke geschrieben, und es ist nicht gerade vornehm, dass Horowitz sein eigenes Zeug aufmotzt, indem er die Trademark Scarlatti verwendet. Wer wirklich Scarlatti hören möchte, muss sich das von einem Amateur vorspielen lassen, von irgend so einem angeblich minderbegabten Kerl, dem sein jungfräuliches Pianistenhirn noch nicht zwischen den Handflächen Abertausender begeisterter Freunde der Klavierakrobatik zu Brei geschlagen wurde.

In der Popmusik liegt der Fall natürlich ganz anders. Hier gilt es gerade als besonders schätzenswert, wenn in einer Coverversion, also einer Interpretation, deutlich die Handschrift des Covernden zum Ausdruck kommt. Was mich veranlasst, hier mal eben meine drei Lieblings-Coverversionen aufzuschreiben:

1.    „Super Trouper" in der Version von Camera Obscura
2.    „I Can't Get No) Satisfaction" in der Version von Cat Power und
3.    „It Must Be Love in der Version von Madness.

Wie immer werden mir heute Nacht kurz vorm Einschlafen vermutlich drei noch weitaus famosere Versionen einfallen und ich werde mich grämen. Aber Cover-Listen sind ja eigentlich langweilig. Langweiliger noch als Kriegsspielzeug aus Holz. Nein, das ist ein blöder Vergleich. Besser: Cover-Listen sind langweiliger als sogenannte Album-Konzerte, auf denen Musiker besonders hochgeschätzte Alben in ihrer Gänze zur Aufführung bringen. Wem ist diese Unart wohl als Erstes in den Sinn gekommen? Vermutlich Roger Daltrey, äh, Waters. Bessere Listen müssen also her. Demnächst liste ich daher an dieser Stelle meine liebsten eingedeutschten Versionen italienischer Achtziger-Schnulzen auf. Oder die zehn langweiligsten Album-Konzerte. Seien Sie dabei!

***

Nachtrag:
Als Pionier des Fretless-Bass muss wohl der im Januar verstorbene ehemalige Japan-Bassist Mick Karn betrachtet werden, der mit dem hier ausgiebig gescholtenen Instrument noch die anmutigsten Ergebnisse zu zeitigen wusste.
Werden heute eigentlich noch Fretless-Bässe eingesetzt? Ich glaube nicht. Vielmehr dürfte es wohl so sein, dass sich leidenschaftliche Fans des Fretless-Sounds in grauen Mehrzweckhallen mittelgroßer Städte treffen, um dort Fretless Bass Fan Conventions abzuhalten. Diese Conventions dürften ungefähr so eklig sein wie die Formulierung „Fretless Bass Fan Convention" aussieht.

***

Das neue Album der Ganglians ist da.
Was habe ich mich im letzten Jahr über das Debüt dieser Beach-Hippies gefreut. Wie die vier Männer aus Sacramento, Kalifornien psychedelische Spukigkeit und muntere kalifornische Langhaargesänge vermählten, das war einfach fabelhaft. „Blood On The Sand" hieß eines ihrer Stücke (das allerdings nicht auf jenem Album enthalten war), und man könnte finden, dass die Ganglians exakt so klingen wie das musikalische Gegenstück zu in einer Blutlache im Strandsand.
Zum Konzert der Band in Köln kam es im vergangenen Sommer leider nicht, da sich der Gitarrist den Finger oder irgendetwas anderes zum Gitarrespielen zwingend Notwendiges gebrochen hatte. Bei aller Sympathie für die Band: Ich kann nur müde lächeln, wenn ich höre, was Menschen für ein Getue um ein einziges gebrochenes Gliedmaß machen, schließlich habe ich mir einmal beide Arme gleichzeitig gebrochen. Ich spreche daher aus Erfahrung, wenn ich sage: Im demütigen Ertragen der Einschränkungen, die einem das Dahinvegetieren mit zwei angewinkelten Gipsarmen auferlegt, liegt wahre Größe. Auch glaube ich, dass einen eine solche Situation in höhere Bewusstseinssphären katapultiert, die für dahergelaufene Ein-Gips-Träger schlicht nicht zu erreichen sind. Ich darf das einfach ganz ohne jede Arroganz hier so behaupten, denn zwei Gipsarme gleichzeitig sind ein Privileg, in dessen Genuss nur wenige Menschen gekommen sein dürften. Man möge es also unterlassen, mir Selbstherrlichkeit vorzuwerfen. Außerdem möge man sich mit einem gebrochenen Finger nicht so anstellen und, sofern man Gitarrist in einer Rockband ist, eben rasch das Mundgitarrenspiel erlernen. Ein gebrochener Finger - dass ich nicht lache: Was hätte ich damals um einen gebrochenen Finger gegeben!
Zurück zum Album. Es ist gut, aber nicht mehr ganz so faszinierend wie das Debüt. Das liegt freilich ein wenig am gängigen Kenn-ich-schon-Effekt. Ein bisschen liegt es auch daran, dass die Ganglians den Freak-Anteil etwas zurück- und den Strandjungs-Appeal dafür emporgeschraubt haben. Man könnte auch sagen: Ganglians klingen jetzt wie The Drums mit langen Haaren. Was ja gar nicht so unvorzüglich wäre.

***

Im Radio sagt jemand, der in dieser Sache kundig zu sein scheint, es gebe jede Menge guter mittelalterlicher Musik, aber auch etliche dilettantische Beispiele. Das klingt interessant. Ich würde sofort Siebenachtel meiner Promo-CDs dafür hergeben, in den Genuss dilettantischer Mittelaltermusik zu kommen. Vielleicht verspreche ich mir ja zuviel davon, aber dilettantische Mittelaltermusik, das könnte zur Abwechslung mal wieder etwas sein, in das ich mich lustvoll versenken könnte. Falls also jemand zu hause CDs oder Schallplatten mit dilettantischer Mittelaltermusik herumfliegen hat und beim ständigen Dagegenstoßen mit dem Staubsauger oder dem in Ermangelung guter Hausschuhe allenfalls besockten Fuß immer wieder aufs Ungebührlichste flucht: „Diese gottverdammten, mein Dasein stets aufs Neue zu einem irdischen Jammertal bereitenden Dilettanten-Mittelalter-CDs!", dem sei anempfohlen, sie mir zu schicken. Im Gegenzug bekommt der freundliche Spender von mir ein Exemplar der Mike Krüger-Reclam-Edition. Oder meinen neuen Fitness-Ratgeber „Morgengymnastik am Lebensabend". Oder irgendetwas Österreichisches mit Fretless-Bass.

PLAYLIST

François de Roubaix - Les Aventuriers (Soundtrack zu dem gleichnamigen Delon/Ventura-Film. Der Argentinier de Roubaix hängt irgendwo zwischen Morricone'scher Unruhe und Barry'schem Sentiment. Sehr schöner Soundtrack zu einem nicht minder guten Film, demnächst mehr dazu)
Locas In Love - Lemming (Seit letztem Freitag im Handel. Tolles Popalbum mit schön daseinsfremdelnden Texten)
Little Dragon - Ritual Union (Konsens-Pop-Album. Ich hüpfe gerne mit)
New York Dolls - „Streetcake" (Der Auftaktsong zum letzten Album der wiederauferstandenen Knautschgesichter)
Alexander - „Truth" (Der beste Song vom vorzüglichen Solo-Album des Vortänzers von Edward Sharpe & The Magnetic Zeros)
Andreas Dorau - „Größenwahn" (Das kann nur Dorau: Ein Phil Spector-Elektroschlager, textlich angesiedelt im Szenekneipen-Milieu)
Abba - The Visitors (Popmusik aus Schweden, wird man noch viel von hören)
Cashier No.9 - „Goldstar" (Fabelhafter Donner-Pop, wie ich ihn alle paar Wochen ganz gerne höre. Produziert von David Holmes)
Paul McCartney - „Coming Up" (Der Auftaktsong von „McCartney II". Toller Superstar-Homestudio-Quatsch)
Konstantin Wecker - "Wenn der Sommer nicht mehr weit ist"

 

 

 

 

Veröffentlicht 06. Juli 2011, 11:46 von Eric Pfeil
Kommentare

Klaus

06. Juli 2011, 12:48

Seh'n se, das unterscheidet uns.

Ich spielte meinen Eltern als erstes einen langsamen Titel von meine EP "The Modern Jazz Quartet with Sonny Rollins" vor. Seit diesem Zeitpunkt vor über 50 Jahren behelligte und behellige ich niemanden mehr mit "meiner" Musik, die inzwischen reichlich erweitert wurde. Die Musik, die Sie hier vorstellen ist allerdings meist nicht dabei. ... Abba, Wecker... man glaubt's nicht.

Eric Pfeil

06. Juli 2011, 13:02

Klaus, Sie waren Mitglied beim Modern Jazz Quartet?

kaktus

06. Juli 2011, 13:33

die veröffentlichung von locas in loves "saurus" dürfte schon einige freitage her sein. ich nehme mal an, hier läuft das grandiose neue album "lemming".

Mythmaker

06. Juli 2011, 14:14

Albumkonzerte sind doch auch nur ein Teil der Verwertungskette - neben normalen Konzerten, Best-of Konzerten, Akustik-Konzerten (hach!), Konzerten mit Klassikorchester...

Neuester Schrei: Konzerte mit ehemaligen Bandmitgliedern, mit denen man sich eigentlich ordentlich verkracht hatte (nicht zu verwechseln mit der mittlerweile kaum noch abzuwendenden Reunion).

Listen mit Coverversionen sind fast noch schlimmer als die Versionen selbst. Für mich immer wieder erstaunlich, dass Menschen über gute (!) Coverversionen ganze Listen aufstellen können. Zum Thema Cover-Versionen fällt mir immer noch der erstaunte Foreneintrag eines Musikkenners ein, der bemerkte, dass Kraftwerk ja Rammsteins "Das Model" gecovert haben.

Wenn mit diletantischer, mittelalterlicher Musik Mittelalter-Rock gemeint war. Dann lieber Mike Krüger - oder Ludwig Hirsch.

Eric Pfeil

06. Juli 2011, 14:42

Kaktus: Natürlich, oje, handelt es sich um "Lemming". Das Locas-Vorgängeralbum "Saurus" kann man aber auch nicht oft genug besitzen.

Mythmaker: Nein, keinesfalls geht es um Mittelalter-Rock. Die Schmähung von Mittelalterrock finde ich ähnlich billig wie das Beleidigen von wackeren Trash-Schlagersängern. Mittelalterliche Musik (also Musik, die vom 9. Jahrhundert an in Europa komponiert wurde)ist gemeint, um diese ging es im zitierten Radiobeitrag (der leider auf das Spielen dilettantischer Beispiele verzichtete).

sven

07. Juli 2011, 09:58

Die Schmähung des 80er Jahre Fretless-Basses ohne Erwähnung des frühen Quitsch-Synthesiser (Umhänge Keyboard!) ist zumindest unvollständig, entstammen doch beide demselben Höllenkreis.

kcw1

07. Juli 2011, 11:48

Doch lieber bei Popmusik bleiben! Die Einlassungen zu Horowitz`s Scarlatti zeugen von recht biederem Geschmack und/oder Erfahrungsmangel in Punkto Interpretation. Vielleicht sollte man sich, wenn die Nerven für Horowitz (Pogorelich, Gould etc.) zu schwach sind Zacharias anhören bevor man sich dem Klavierschüler von nebenan anvertraut.

Eric Pfeil

07. Juli 2011, 11:50

Sven: Ich dachte mir, der Achtziger-Synthie wird ihm Mainstream ohnehin ständig geschmäht und mit Jux-Kommentaren bedacht, da hebe ich lieber mal auf zwei andere Fies-Sounds jener Phase ab. Ansonsten haben Sie natürlich Recht. Wobei es auch toll eingesetzte Achtziger-Synthies gibt. S. Prefab Sprout. Ich finde im Übrigen, der Synthesizer begann erst ab etwa 1984 eklig zu klingen (ähnlich wie die feucht und hallig abgemischten Schlagzeuge). Der Palladino-Bass hingegen ist, mehr noch als das Herumgeslappe Mark Kings (?) von Level 42, einfach eine Verwirrung. Die Verwirrung eines Klang-Schnösels, um genau zu sein.

San

07. Juli 2011, 12:57

In Richtung dilettantischer Mittelaltermusik habe ich schon einiges mitgemacht und kann sagen, dass man nach dem Hören von 2 Gruppen keinen Unterschied mehr feststellt.

Sie könnten beispielsweise hier einsteigen: de.wikipedia.org/.../Die_Dudelzwerge

sven

07. Juli 2011, 14:57

Jetzt muß ich die alte Narbe wieder aufkratzen und den alten Schrecken unter dem Teppich des Vergessens herzerren: "The final Coutdown" von "Europe". Dieses Stück hat mich nachhaltig allen Tasteninstrumenten entfremdet. Die notwendig gewordene langjährige Musiktherapie, die meinen Ohren ermöglichte bei plötzlicher Konfrontation mit diesem Machwerk selbsttätig zu schließen, haben als traurige Nebenwirkung auch alle Erinnerungen an Prefab Sprout gelöscht. Und ja, laut Wikipedia stammt das Höllenjaulen aus dem Jahre 1986.

.

Level 42 Geplummer - nee, der war jetzt fies. Slappen dann bitte auf einem Kontrabass - wenn möglich von den Sting-Rays.

krusty20

08. Juli 2011, 14:53

Werter Herr Pfeil, auch wenn Sie Cover-Listen eigentlich langweilig finden, muss ich nach Lektüre Ihrer Mini-Liste trotzdem Bob Dylans 'All Along the Watchtower' in der Version von Jimi Hendrix in den Ring werfen.

HankHinterseer

11. Juli 2011, 03:30

Der Fretless-Bass hat auf alle Fälle seine Berechtigung und Bedeutung sowie auch der 5- und 6-Saitige Bass. Wie wir aus der Klassik wissen, sind alle Streicher Fretless-Instrumente. Warum?

Weil die Streicher die einzigen Instrumente sind, die naturrein, quasi bio, spielen können. Ein Bass mit Bünden ist schon eine temperierte Angelegenheit. Pop hat sich viel von der Klassik abgeschaut bzw. kommen viele Popstars aus der Klassik - Jon Lord von Deep Purple. Oder Falco, ein typischer Fretless-Bass-Angeber in seiner Drahdiwaberl-Zeit.

Eine typische 70er und 80er-Jahr Unart waren allerdings diese Handclaps vom Drumcomputer bei jedem möglichen und unmöglichen Stück, das ein bisschen auch Disco getrimmt werden wollte.

Es gibt übrigens Original-Aufnahmen aus der Michelangelo-Zeit aus der Sixtinischen Kapelle - die Stuckateure usw. haben auch wegen der tollen Akustik  aus voller Brust bei der Arbeit gesungen und über die Metallspachteln wurde dieser Sound in die Gemäuer wie in eine Schallplatte reingeschnitten.

Mit hochempfindlichen Lasern konnten scheinbar einige Soundfragemente rekonstruiert werden. Stand jedenfalls vor einiger Zeit in "Grammophone", dem Fachmagazin für Alte Musik.

HankHinterseer

11. Juli 2011, 03:35

Ergreifenste Coverversion: Bob Dylans "Tomorrow is a long time" von Elvis. Dylan meinte selber, eine der schönsten Coverversionen, die jemals jemand von einem seiner Songs gemacht hat.

Eric Pfeil

11. Juli 2011, 10:24

HankHinterseer:

Das sind defnitiv mal Kommentare, für die sich das Einrichten der Kommentarfunktion definitiv gelohnt hat. Ich finde allerdings, daß das Aus-der-Klassik-kommen gewisser Rock-Schnauzbärte (Jon Lord) nicht dafür spricht, daß die zunehmende Verquickung von Klassik und Pop eine gute Idee ist. Andererseits: Ich freu mich über jeden, der einigermaen frei im Kopf ist und seinen ganz eigenen Unsinn veranstaltet. Und wenn dies zu wildem Herumgeorgel in Hardrock-Kontexten führt, will ich das nicht verspotten.

Falco hat bei den Kostüm-Ösis damals auch Fretless-Bass gespielt? Das wusste ich nicht. Auch eine interessante Info.

Und mit dem Elvis-Cover haben sie auch Recht. Elvis hätte ohnehin viel mehr Dylan singen sollen, z.b. "I Threw It All Away".

Brother in Arms

11. Juli 2011, 14:18

Werter Herr Pfeil,

ja, die Kommentarfunktion kann eine wertvolle Errungenschaft sein, auch wenn Sie dieses Gefühl nun womöglich relativieren müssen, denn ich möchte auf Ihre ehedem gebrochenen Arme zu sprechen kommen. Zwei Exemplare meiner drögen Verwandtschaft haben dieses Kunststück zur gleichen Zeit vollbracht. Man kann damit dem Elend ganz prima Probe sitzen (um den glorreichen Max Goldt zu zitieren) und sieht des Beschwernissen des Alters danach eher gelassen entgegen.

Im Übrigen muss Ihre Wertschätzung für Heinrich Steinfest uneingeschränkt geteilt werden.

HankHinterseer

12. Juli 2011, 15:34

...wobei man eigentlich zwischen Coverversion und Remake unterscheiden müsste, denn bis in die späten 70er Jahre hinein erschienen parallel zum notierten Hit oft unzählige identische Versionen von ein und derselben Nummer.

Warum? Weil man damals noch mit dem Tonträgerverkauf allein glücklich werden konnte bzw. in den 50er  und frühen 60er Jahren das Live-Repertoire auch der Stars mehr oder weniger kollektiv war, siehe "Blue Suede Shoes" oder die Little Richard- und Chuck Berry-Versionen sowohl von Elvis Presley als auch von den Beatles.

Da die Live-Band die Regel und der DJ die Ausnahme war, war es dem durchschnittlichen Musikkonsumenten scheinbar noch egal, ob das Original oder eben das Cover am Plattenteller lag oder aus der Jukebox kam.

Das Remake wiederum kam mit der Nostalgie-Welle ab ca. Mitte der 70er Jahre auf, z.B. MUD mit "Oh Boy" von Buddy Holly oder Alvin Stardust, Shakin' Stevens, Showaddywaddy bzw. fiel den Musikern oft nichts Besseres ein, als eine New-Wave oder Punk-Version eines Klassikers herauszugeben, z.B. DEVO's "I can't get no satifaction" oder "C'mmon everyboady" von den Sex Pistols, "Brandnew Cadillac" von The Clash, was als Pioniertaten noch irgendwie originell rüberkam.

Die Remake-Welle hatte vor allem im Bereich des Soul eine wichtige Bedeutung, denn das große Ergebnis der Punk-Bewegung war eigentlich die Liebe der Weißen zur Schwarzen Musik - ABC, Wham!, Madness, Kajagoogoo und viele andere begaben sich auf die Suche nach Rare Grooves.

Der erste und einzige Nummer 1-Hit von Paul Young war ja "Wherever I lay my Hat", auch so eine Soul-Ausgrabung, wobei man sagen muss, dass es Phil Collins war, der "You can't hurry love" originaler als das Original machte, besser noch als vorher "This ole Heart of mine" von Rod Stewart oder "Sunny" von Boney M.

HankHinterseer

12. Juli 2011, 15:45

Jon Lord - Schnauzbart ist nur schlimm mit Bundesliga-Frisur, oder?

HankHinterseer

12. Juli 2011, 20:17

...wobei der Einfluss der Klassik auf die Pop-Musik sich im wesentlichen nur auf die klassische Harmonielehre beschränken sollte und gerade in diesem Bereich gebrach und gebricht es der Pop-Musik an Glaubwürdigkeit. Deswegen konnte  dieser Konservatoriums-Rock-Virus überhaupt erst einreißen, was u.a. bis heute die Fretless-und Doppelhals-Welle, bestuhlte Konzerte und Rock-Opern zur Folge hatte.

Die Gegenströmungen waren dann die genialen Dilettanten des Punkwunders bzw. New Wave, Techno und HipHop - noch nie in der Musikgeschichte musste man so wenig Ahnung von den Gesetzmäßigkeiten der Musik haben wie heute.

Es gibt für jede Unfähigkeit ein Gerät im Studio. Wenn man einmal selber erlebt hat wie man Gesangsnoten dort hinsetzt wo sie hingehören, dann kann man CDs usw.  als nicht viel mehr anderes als als Wegwerfartikel betrachten.

Viele Klassiker, außer vielleicht Karajan, der ja auch ein Aufnahmevirtuose war ("Die Zauberflöte" von Karajan auf Vinyl ist ultimativ), hören sich ihre CD-Mitschnitte erst gar nicht an. "When it's in the air, the music's gone" sagen viele Jazzer - Jazz und Klassik sind so gesehen ein ganz gutes Gespann, siehe Keith Jarret, weil der hat wirklich beides drauf.

Man sieht: Der nie versiegende Einfluss in der Pop-Musik muss über Jazz, Rhythm und Blues kommen, die Pop-Musik selber kann kaum vernünftig Country- oder Ethno-Einflüsse verarbeiten, außer im Studio natürlich.

Nur die allerbesten klingen nicht Retro. A Night at the Opera, Rock me Amadeus, Roll over Beethoven, Camper van Beethoven!

HankHinterseer

16. Juli 2011, 00:22

...wobei man zu Elvis Presley und weiteren Dylan-Interpretationen sagen muss, dass Elvis immer auf der Suche nach perfekten Songs war, da er ja selber bis auf einige ganz wenige Ausnahmen kein Songwriter war.

Zahlreiche Komponisten und Autoren wurden erst durch Elvis so richtig bekannt - Arthur Crudup, Jerry Reed, Tony Joe White... - wird also für Elvis im Dylan-Fundus nichts Geeignetes mehr dabeigewesen sein - "I threw it all away" entspricht nicht Elvis' Mentalität, "Patch it up" hieß bezeichnerweise ein großer Hit aus 1970.

"Bridge over troubled Water" wiederum war eine typische Coverversion (von seiner LP "That's the way it is"), nämlich zur gleichen Zeit wie das Original von Simon & Garfunkel aus 1970.

Elvis hatten eben einen perfekten und untrüglichen Geschmack:  "Sweet Caroline" war 1971 nicht nur ihn und Neil Diamond ein Riesenhit, sondern wurde zur amerikaweiten Sporthymne, so wie bei uns "We are the Champions" von Queen.

...wobei man hinzufügen darf, dass Freddie Mercury ziemlich sicher der bessere Sänger bzw. überhaupt einer der besten (weißen) Sänger und Performer der  bisherigen Popgeschichte war.

HankHinterseer

16. Juli 2011, 20:17

...wobei Elvis u.a. auch deswegen so sympathisch war, weil er als Multimillionär nur ein normales Girokonto besaß und nicht wie Bob Dylan sein Geld in Aktien und Ölfirmen anlegte, sondern großzügig verjubelte.

Elvis war insgesamt vielleicht das bessere Medium für amerikanische Musik und Tradition. Und: Er blieb verschont von Englisch-Lehrern - und von Musik-Kritikern.

So wie der späte Elvis alles auf den Plan rief,  was Übergewicht und keine Bildung hatte, zieht Bob Dylan alles an, was sich nicht anziehen kann, keine Frisur hat, sich nicht waschen will, nicht singen und Gitarre spielen lernen will.

Wobei man sagen muss, dass der geniale 17-minütige Talking Blues "Highlands" seriell wie Techno oder TripHop ist. Bob Dylan steht scheinbar überall und jederzeit mit den Grundkräften der Weltgeschichte in Verbindung.

Flaming Heart + Lips

29. Juli 2011, 23:24

Wobei ich noch sagen muss, dass bei mir, während ich all die schönen Kommentare lese und mich freue, dass sich um Herrn Pfeil so viele Musikfreunde sammeln, die Flaming Lips laufen, und zwar in einer wunderbaren Livefassung: The Soft Bulletin - Live La Fantastique de Institution 2011

spicesurprise

06. August 2011, 23:14

Mein je….da ist es wieder, diese typisch deutsche, kleinliche  Nörgeln, zudem noch mit eiseitigen Sichtweisen – in diesem Fall  nörgeln wir mal einen der gefragtesten Studiomusiker in den USA an, (So geht das aber nicht mit Ihrem Sound, Herr Palladino) und degradieren  ihn mal eben zum „Klangschnösel“.  SO hat ein Bass zu klingen, genau SO! …und alles andere ist „geknöse“. Könnt ihr nicht mal locker mit den Experimentierphasen hervorragender Musiker umgehen.  Paul Young  war nie meine Ding, aber ich  habe trotzdem  Respekt vor guten Musikern, welcher Stilart auch immer. Fretless,  Slap - wenn es überboardend eingesetzt und zur Masche wird , kann man es vergessen aber da, wo dem dem Titel Fretless- oder Slap  gut bekommt, warum nicht?  Der Kollege Palladino spielt noch mind. 26 andere,  non fretless, Bässe  und vielleicht  EINEN oder zwei fretless…… da wird er natürlich drauf  festgenagelt.  Ach ja,  nicht zu vergessen, der Kollege Pastorius! Einer der genialsten Bassisten, wegweisend und prägend beim Einsatz des bundlosen Bassess ( aber auch er „beherrschte“  den non-fretless) und  u.a. ein Vorbild von Mik Karn……..auch son  Klangschnösel.

bassless

11. August 2011, 17:53

Eric Pfeil will Musikkritiker sein?

Also von Fretless-Bässen hat er keine Ahnung. Es war Jaco Pastorius der sich in den 60ern die Bünde herausnahm und Generationen bis heute damit prägte. Das war keine Zeiterscheinung. Bill Laswell spielt auch fast nur fretless. Millionen von anderen Bassisten ebenfalls...

Eric Pfeil

16. August 2011, 17:23

Millionen von Bassisten, ja ja ...

Von Fretless-Fans werde ich ja am liebsten gescholten.

Martin

24. August 2011, 12:16

Werter Herr Pfeil,

wann geht`s denn endlich weiter??

Florian

28. August 2011, 00:24

Ich werfe mal noch ein paar provokante Cover-Thesen in den Raum:

Phil Collins' Tomorrow Never Knows & The Cardingans' Iron Man Versionen sind besser als die Orginale, die zugegebener Massen nicht ganz schlecht sind!

(Obwohl im Falle von Iron Man ein gewisser Reiz vielleicht auch nur darin besteht, sich vorzustellen, wie Ozzy Iron Man in der Version der Cardigans spielt).

So!

HankHinterseer

06. September 2011, 20:05

...wobei man sagen muss, dass Eric Pfeil eher ein Pop-Barometer ist - und wie geht's denn der Pop-Musik? - Licht an, Party aus, wildes Pferd spreng nach Haus'...

Hier in der Altstadt wo ich wohne war am Samstag das "Hidden Downtown"-Straßenfest und seit drei Tagen will niemand die Europalette im Innenhof mit zig-originalverpackter CDs unterschiedlichster Musiker abholen.

Eine Kellnerin hat soeben genervt gemeint "zur freien Entnahme", ihrem Chef war es hörbar wurscht - "am Freitag ist Sperrmüll". Zustimmendes Gelächter. Freitag früh ist nämlich wirklich Sperrmüll.

Ich packe also, wie schon einige vor mir,  ungeniert  - d.h. die bunten CDs tun mir eigentlich leid - gleich einmal sechs Stück appetitlich verpackte CDs meine Aldi-Einkaufstüten,  z.B. Mauro Ferrarese, Caroline de Rooij , Edu Weber  - kennt die wer? - und einen Lyrik-Band "Zeitlos lang" vom unverpackten Stapel als Draufgabe.

Aus einer anderen Schachtel nahm ich zur Erinnerung noch eine Hochglanzkarte heraus "Bitte unterstützt die Musiker mit Eurer Spende".

Ich werde den Musikern mein Beileid ausrichten und auf den F.A.Z.-Pop-Blog hinweisen - dem ergeht es auch nicht besser, oder?

cortazar

21. September 2011, 17:08

http://www.facebook.com/kulturempfehlungen

Lieber Ercic Pfeil, warum schreiben Sie nichts mehr hier. Ihre heutige Rezension inder FAZ Kitty, Daisy & Lewis war umwerfend und für mich schon die 2 € für die Zeitung wert.

vanvliet

24. September 2011, 17:44

Hallo? Noch jemand da? Echo?

Stefan

27. September 2011, 17:47

Tut sich hier noch etwas? Oder ist Herrn Pfeil gar etwas zugestoßen?

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