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Sanchos Esel

Die Beine von Carles Puyol oder: Der schönste Fußball der Welt ist auch der beste

28. Mai 2009, 02:01 Uhr

Wir sollten nicht alles glauben, was in der Zeitung steht. Zum Beispiel, dass Manchester United ein knallhartes, oberprofessionelles, mit allen Wassern gewaschenes Team sei, einen ausgekochten Trainer habe und diesen feingliedrigen Schönwetterfußballern aus Barcelona todsicher zeigen werde, wo es langgeht. Nun, Sir Alex Ferguson hat in 23 Jahren zweimal den wichtigsten europäischen Pokal geholt, das ist nicht gerade berauschend. Und dieses Jahr ist es wieder nichts geworden. Seine Leute leisteten den Katalanen deutlich weniger Widerstand als der FC Chelsea. Cristiano Ronaldo hat wieder einmal in einem großen Finale versagt und ist auf dem Weg, ein zweiter Michael Ballack zu werden. Und was ich schon seit langem unter Freunden und in der Familie erzähle, hat sich abermals bestätigt: Ein Mann mit Ohrknopf, theatralischen Gesten und konstant tränenfeuchten Augen... Es liegt einfach kein Segen darauf.

Erinnern Sie sich, wie viel wir hier von den Beinen von Iniesta, Messi und Xavi geredet haben? Nun, es hatte doch alles seinen Sinn. Diese Beine... haben die meistgefürchtete Mannschaft weit und breit schwindelig gespielt.

Den Tag des Finales habe ich in Córdoba verbracht, bei den Stieren. Doch um 20:30 Uhr musste ich schnell eine Bar mit großem Bildschirm finden, um mich warmzumachen, wie es im Fußballjargon heißt, und ich fand sie gleich gegenüber der Stierkampfarena. Den ganzen Abend hindurch waren wir sieben Leute, davon zwei Alkoholiker, von denen wiederum einer sein altes Ronaldinho-Trikot mit der Rückennummer 10 trug. Das hat mich so gerührt, dass ich ein Bier auf die Vergangenheit trinken musste. Er auch.

Nach Barcelonas Führungstreffer sagte Nummer 10 zu mir:
„Wissen Sie, was jetzt gut wäre?"
„Nein", sagte ich.
„Wenn Barça ganz schnell das 2:0 machen würden."
„Wirklich?"
„Ja", sagte Nummer 10. „Das würde dem Spiel eine Richtung geben."
Wir prosteten uns zu und warteten auf das 2:0.

Was mir auffiel: Der schönste Fußball der Welt war auch der beste. Als hätte mir jemand beweisen wollen, dass die Welt, allem Anschein zum Trotz, sinnvoll geordnet ist. Ich kann gar nicht sagen, wie beruhigend das ist. Fast so beruhigend, wie Silvio Berlusconi auf der Tribüne beim Nickerchen zu beobachten. Ich bin sicher, die Bilder des fest schlafenden italienischen Ministerpräsidenten gehen um die Welt. Was muss auf dem Rasen denn noch passieren, um den Mann wachzuhalten? Und alles nur, weil sein eigener Verein nicht mitgespielt hat?

Nach dem Schlusspfiff musste ich mich schütteln, um die Gesichtsstarre zu lösen. Ich hatte die ganze Zeit gelächelt, weil Barcelona so unbeeindruckt und mutig gespielt hat. Messi hatte vielleicht die schwierigste Aufgabe. Wie er immer wieder durch die Mitte ging und diese einen Kopf größeren Leute stehenließ, war ein ästhetischer Genuss. Und dann sein Kopfballtor. Gut, das sollen die Sportkommentatoren analysieren.

Einen anderen muss man noch hervorheben, und das ist der Kapitän Carles Puyol, der nicht gerade für seine feine Technik berühmt ist. Ausgerechnet im Finale als Flügelstürmer aufzutreten und sich in jeden Kampf zu werfen war eine Heldentat. Ich habe mich sogar an seinen Haarschnitt gewöhnt. Puyol ist ein echter Rocker, einer der wenigen, die uns geblieben sind. In Gedanken führte ich darüber ein Gespräch mit Nummer 10. Es ging ungefähr so:
„Wissen Sie", sagt Nummer 10, „was ich an diesem Puyol so toll finde?"
„Nein."
„Diesen irren Schnitt, den er trägt. Wie ihm die Haare an der Nase kleben, wenn er schwitzt."
„Wirklich?"
„Ja. Echt irre."
„Und warum?"
„Er erinnert mich an meine eigene Jugend. Puyol ist ein echter Rocker."
„Einer der wenigen, die uns geblieben sind?"
„Ja, Mann", sagt Nummer 10. „Woher wussten Sie das?"

In der Nacht, als ich durch die Altstadt von Córdoba lief, kam plötzlich ein Auto mit einer katalanischen Fahne vorbei, und von irgendwoher hörte ich zaghaftes Hupen. Nun ja, Spanien ist groß, und hier ist Andalusien.

Ich höre jetzt auf, möchte nur noch zweierlei sagen: Einerseits, dass ich verspreche, in nächster Zeit weniger vom Fußball zu reden, denn die Saison ist vorbei, und neue Schrecken sind nicht in Sicht, wenn ich mal von Real Madrid absehe. Und andererseits, dass Don Quijote und Sancho Panza bis nach Barcelona gekommen sind. Sanchos Esel also auch.

Kommentare

derherold

28. Mai 2009, 02:29

http://dermakler.blogger.de

Überraschend vor allem, wie überlegen Barca war. Während des Spiels mußten die Fans der Mannschaft nur befürchten, daß irgendein launischer Fußballgott das sträfliche Umgehen mit Chancen ahndet und Manchester irgendein "dummes" Tor schenkt. (So ein klitzekleinwenig dürften auch die Bayern-Fans Verständnis für das Debakel ihres Teams gefunden haben).

Paul Ingendaay

28. Mai 2009, 02:40

So sind wir, derherold, wir denken nur an uns. Auch ich fühlte mich getröstet, dass Manchester chancenlos war - wie Bayern und leider kürzlich auch Real Madrid.

JorgeValencia

28. Mai 2009, 08:25

Nur zwei Anmerkungen:

1) Ich stimme völlig dem ersten Satz zu. Ich hätte es nur drastischer gesagt.

2) Ich sympathisiere völlig (in diesem Fall) mit Berlusconi. Ich hoffe nur, er schnarcht nicht.

anjoh

28. Mai 2009, 09:48

Schade, dass wir nun weniger von  Ihren Fußballberichten  zu lesen bekommen.  Ich lese sie mit größerem Genuß als die Ihrer Fachkollegen, obwohl die auch nicht schlecht schreiben.

Doch noch ein Gedanke zum Spiel:  Ich verstehe nicht, warum diese fantastische technische Beherrschung des Balles, welche fast alle Spieler von Barca in meinen Augen auszeichnet, nicht nachgeahmt wird.  Wenn es der Jugendabteilung von Barca gelingt, Spielern diese Fertigkeit zu vermitteln, warum schafft es beispielsweise die Jugendabteilung vom FC Bayern nicht?  Hat es etwas mit genetischer Vorbestimmung zu tun?  Oder vielleicht doch eher mit Gedankenfaulheit?

Dulcinea

28. Mai 2009, 10:20

Ein Freudentag reiht sich an den nächsten! Im wunderschönen Monat Mai! Den Stieren ist das egal, würde abfeldmann jetzt vielleicht sagen -- dennoch, ich bin ergriffen. Da wir nicht alles glauben sollen, was in der Zeitung steht, anjoh, sollen wir natürlich auch nicht alles glauben, was Don Paul in diesem Blog erzählt. Er wird bestimmt bald einmal wieder über den Fußballsport schreiben, ich bin sicher. Seine Partei, Real Madrid, wählt ja am 14. Juni einen neuen Präsidenten. Und dann kommen neue (und alte?)  Parteimitglieder nach Madrid. Das alles kann einen fühlenden Mann ja nicht kalt lassen.

Paul Ingendaay

28. Mai 2009, 10:22

Vielen Dank, anjoh. Ich bin kein Experte für diese Dinge, aber ein paar Sätze lassen sich sagen. Jugendarbeit erfordert Geld, sehr viel Zeit und auf allen Vereinsebenen ein genaues Wissen darum, was man erreichen will - hohe Hürden, wenn man den Erfolgsdruck der Manager und Präsidenten und Trainer bedenkt. Das hat seit den frühen siebziger Jahren immer wieder bei Ajax Amsterdam funktioniert, wobei die Ajax-Spieler nach der Ära Cruyff kaum noch dem Mutterverein, sondern eher finanzstarken Klubs aus dem Ausland nützlich sind - als Spieler, meine ich, denn als Geldbringer war dieses Modell ja immer wieder erfolgreich, sogar die Grundlage für die wirtschaftliche Existenz.

Beim FC Barcelona hat - nicht ganz zufällig mit Johan Cruyff - eine Spielphilosophie Einzug gehalten, die so sehr als Teil der katalanischen Identität begriffen wird, dass auf viele Jahre hinaus keine Vereinsführung dagegen verstoßen wird. Nachwuchsspieler werden schon als Kinder damit vertraut gemacht - Xavi, Messi, Iniesta, Piqué, Bojan und viele andere. Wenn sich diese Systematik mit guten Talentspähern, weitsichtiger Planung, dem richtigen Trainer, einem zumindest nicht im Wege stehenen Präsidenten, grandiosem individuelem Talent und sehr harter Arbeit und etwas Glück verbindet - ein paar Kleinigkeiten, wie Sie sehen -, dann kann manchmal - manchmal! - so etwas dabei herauskommen wie Barcelonas Erfolg im Jahr 2008. Wenn wir nach Madrid schauen, läuft die Sache oft umgekehrt. Talente wie Raúl und Casillas haben wir aus dem Nachwuchs schon lange nicht mehr gesehen; Jahr für Jahr werden viele Millionen für angebliche Stars investiert, die nach zehn Monaten wieder abgestoßen werden müssen; und der neue Präsident Florentino Pérez wird auch nichts anderes wollen als sehr schnellen Erfolg: Das Finale der Champions League 2010 fndet in Madrid statt.

Mutwil

28. Mai 2009, 10:50

an anjoh: mit verlaub, sie gehen für mein empfinden von einer falschen grundannahme aus. spieler wie xavi, iniesta oder messi sind nicht in erster linie das ergebnis einer sicherlich wunderbaren jugendarbeit bei barca. diese spieler sind künstler, genies, die nicht beliebig zu "produzieren" sind. dies wäre auch eine ganz fürchterliche vorstellung. diese spieler haben so unglaubliches talent, das extrem selten vorkommt, in der regel schon im kindesalter nicht zu übersehen ist und durch entsprechende ausbildung zur blüte gebracht werrden muss. dafür bietet barca offensichtlich einen hervorragenden nährboden. herr ingendaay hat dazu weiter oben richtiges geschrieben.

es ist ja nicht zufällig so, dass spaniens nationalmannschaft zum ersten mal seit menschengedenken einen titel gewonnen hat. sie haben mit xavi und iniesta nun einmal zwei der aktuell besten mittelfeldspieler der welt in ihrer mannschaft - großartige fußballkünstler, die aber in den vergangenen jahren in barcas jugendabteilung auch nicht auf den bäumen wuchsen. und zum fc bayern: die haben mit philip lahm immerhin auch einen spieler aus der eigenen jugend hervorgebracht, der das zeug hat, bei barca mitzukicken. und hätten die münchner eben drei oder vier spieler dieser qualität, hätten sie auch international vielleicht wieder ein wörtchen mitzureden. eher aber sehen sie im nächsten jahr philip lahm im barca-trikot in madrid im champions-league finale spielen. aber nur vor dem fernseher. und, lieber herr indendaay, ich wage trotz aller einkäufe, die da noch kommen mögen, die nicht so gewagte prognose, dass der gegner nicht real heißen wird.

Paul Ingendaay

28. Mai 2009, 11:00

Sie haben recht, Dulcinea, es werden interessante Zeiten auf uns zukommen. Wenn es so bleibt, wie es jetzt steht, wird Florentino Pérez schon am 1. Juni Präsident sein. Die Scheckbuch-Gerüchte jagen sich ja schon seit längerem, der Name Kaká erklingt dabei oft. Immerhin ein Spieler, der mir wirklich gefällt.

Das Geniale von Messi und Xavi und Iniesta... ja, Mutwil, das sehe ich auch so. Aber bedenken Sie, dass Xavi viele Jahre lang sehr gut gespielt hat und außerhalb Barcelonas nicht als großer Star galt. Er braucht ein Umfeld, das ihm Platz verschafft. Und Iniesta ist ebensfalls sehr behutsam aufgebaut worden. Man erkennt solche Fälle erst nachträglich, wenn der Erfolg ihnen rechtgegeben hat. Auffällig ist ja, dass selbst ein Künstler wie Messi ein Mannschaftsspieler ist, der seinen Platz im System Guardiola genau beachtet.

Fanila

28. Mai 2009, 11:08

Also, ich bin auch keine Expertin für Fußballtraining, aber ich glaube ja, dass die von anjoh erwähnte fantastische technische Beherrschung des Balls unnachahmlich ist. Das ist im Grunde wie Schreiben - man kann es, oder man kann es eben nicht. Klar spielen die von Herrn Ingendaay angesprochenen Aspekte ebenfalls eine wichtige Rolle, aber eigentlich sind die Barça-Spieler in erster Linie große Künstler. Bei Toren, wie bei Zwerg Messis Kopfballkunststück fällt mir jedenfalls nur die Kinnlade herunter vor ehrfurchtsvollem Staunen.

Mit Pujols Haaren geht es mir, wie der Nummer 10 aus Córdoba - sie passen zu ihrem Träger, den ich außerdem dafür bewundere, dass er trotz seiner vor den Augen und auf der Nase klebenden Haarsträhnen nie den Durchblick und noch weniger den Kampfgeist verliert. Das soll ihm erstmal einer nachmachen!

abfeldmann

28. Mai 2009, 11:35

im fall des heute hier gefeierten ereignisses, liebe dulcinea, ist es sogar schwer zu sagen, wem das egaler ist: den stieren oder a.b.f.

rocinante

28. Mai 2009, 12:15

Doch das schönste an diesem Sieg ist doch, dass sich ganz Spanien freut. Dass auch eingefleischte Real Madrid, Atletico und Valenica Fans gestern vor dem Fernseher sassen und sich vom Spiel begeistern liessen. Selbst in Cibeles wurde gefeiert und die ist Merengue

GranadaCF

28. Mai 2009, 15:02

Hat mich gefreut, dass endlich mal eine deutsche Stimme, Paul Ingendaay, nicht wie immer ueber die ueblichen "topicos" der Spanier spricht! Ab heute bin ich dabei! Im uebrigen, der Granada CF wird in den naechsten Jahren von sich hoeren lassen! (Auch wenn ich das nun in diesem Blog anzetteln muss!)

Als Madrid Fan war ich gestern natuerlich gegen ManU - gegen CR7 und gegen kaugummikauende Ueberflieger! Da lobe ich mir die Jungs wie Iniesta, Puyol, Pique, Xavi!

Saludos de Granada

HenryCharms

28. Mai 2009, 17:50

Der Sieg war zweifellos verdient. Dass sich ganz Spanien darueber freut, rocinante, wage ich zwar zu bezweifeln, aber es waren doch etliche Jubelschreie bei den Toren und anschliessende Feuerwerksboeller in Madrid zu hoeren. Und sogar der eine oder andere eingefleischte Real (und damit temporaere ManU) Fan hat heute zugestanden, dass der Sieg verdient war.

Huuh.rrah

28. Mai 2009, 21:29

Kam Messi bei dem Kopfball vom Rasen? Oder eher von oben?

dieseldust

28. Mai 2009, 21:49

Voller Bescheidenheit: der FC Barcelona ist - auch aufgrund eines Puyol - momentan das Maß aller Dinge. Glückwunsch von Herzen! Da wird nicht lange gefackelt, sondern "gewundergekerzt" - sehr schön. Natürlich ist es schwer, solch eine Spielkutur zu implementieren, jedoch: es lohnt sich, den Mühlstein mit vereinten Kräften ordentlich anzu drehen. Und dazu gehört auch eine systematisch betriebene Aufbauarbeit, die zum Ziel hat, Talente frühzeitig zu erkennen, zu fördern und ihnen Freiraum für Visionen zu gewährleisten. Das ist, bei aller Bescheidenheit (und dem multimedialem Umfeld), mehr als eine Lebensaufgabe...

Respekt also vor den Herren, die es trotzdem wagen!

dietafelrunde

29. Mai 2009, 12:24

Hier mal was ketzerisches. Xavi, Iniesta und die vielen anderen dieser Mannschaft können nur in einem System, wie es bei Barca vorherrscht, so genial spielen. Ausgenommen vielleicht Messi.

In England beispielsweise würden sie untergehen, weil der Fußball dort ganz anders interpretiert wird.

Barca spielt absolut einzigartig auf seine ureigenste Weise. Basis ist deren Ballsicherungsschule. Das wird immer wieder bis zum Erbrechen geübt. Aus dieser Ballzirkulation, die, um auch erfolgreich zu sein, stets sehr schnell vonstatten gehen muss, schiebt sich die Mannschaft immer weiter auf das gegnerische Tor zu. Bis dann, im passenden Moment, der überraschende Pass kommen kann. Das Konterspiel ist dabei auch nur die letzte Phase in diesem Grundaufbau, das durch scharfe, präzise, meist kurze Pässe gekennzeichnet ist.

Das schnelle, risikoreiche Spiel, oft mit langen Bällen nach Balleroberung, auf der Insel ist dagegen grundverschieden von der Spielanlage. Dazu ist dann auch eine entsprechende Physis vonnöten, die die Spieler von Barca einfach so nicht haben.

Neben Barca fallen einem da nur noch 2 andere Mannschaften ein, die eine ähnliche Interpretation vom Spiel pflegen: Die argentinische Nationalmannschaft von 2006 und die spanische Nationalmannschaft 2008. Aber Barca spielt dieses System am konsequentesten.

Barca hat sich in diesem Spiel eindrucksvoll durchgesetzt, allerdings erst nach 10 Minuten. Gegen Chelsea wären sie mit ihrer Spielphilosophie fast gescheitert.

Behauptung: Wenn Manchester das 1:0 macht, nimmt dieses Spiel einen total anderen Verlauf!

Paul Ingendaay

29. Mai 2009, 12:38

So ketzerisch finde ich Ihre Sätze nicht, dietafelrunde. Aber geht es nicht genau darum? Dass eine Mannschaft ihren Stil findet und damit den Erfolg anstrebt? Es scheint allenthalben Erleichterung darüber zu herrschen, dass neben den bekannten athletischen Voraussetzungen auch Inspiration, Eleganz und Leichtfüßigkeit zählen. Und die geringe Körpergröße eben nicht. Manche Klischees über den modernen Fußball und die Dominanz der Premier League haben sich als falsch erwiesen.

Barcelona hat sich "erst" nach zehn Minuten durchgesetzt? Hat sein Tor "erst" in der zehnten Minute gemacht? Vielleicht haben wir hier andere Auffassungen über zeitliche Proportionen, doch ich finde das ziemlich früh.

dietafelrunde

29. Mai 2009, 13:15

Vielleicht hätte ich hier deutlicher machen müssen, dass sich durch das Tor in der 10.Minute das psychologische Momentum schlagartig zugunsten von Barca verschob. Die Ballzirkulationsmaschine lief erst von diesem Punkt an. Bei einem Tor von ManUtd. wäre es anders gekommen. Auf Seiten von Barca wahrscheinlich analog zu den Spielen gegen Chelsea, in denen die Katalanen nie richtig ins Spiel fanden.

Interessant wäre zu lesen, welche Lobeshymnen auf Manchester geschrieben worden wären, bei einem Sieg. Und wie dann Barca beurteilt worden wäre.

Ein schönes Zitat noch: "Wir haben den Ball laufen lassen und dem Gegner so den Schneid abgekauft, dass er irgendwann nicht mehr weiter wusste." Das stammt nicht von Gardiola, sondern von Michael Oenning nach dem Spiel gegen Cottbus.

Paul Ingendaay

29. Mai 2009, 13:24

Nun ja, dietafelrunde, mit "hätte" und "wäre" kommt man doch nicht weiter. Manchester hätte eben besser spielen müssen, um das Match zu gewinnen. Wie dieser Abend verlief, das hatte eine schöne Stimmigkeit. Ich gebe ja zu: nachträglich betrachtet. Und noch etwas: Da Tore im Fußball das einzige Zahlungsmittel sind, sehe ich eine gewisse Logik darin, dass die mit weitem Abstand treffsicherste Mannschaft auch alle Titel gewinnt.

Albero-Amarillo

30. Mai 2009, 09:58

Ich komme gerade aus Paris zurück, wo ich das Spiel in einem Hotel verfolgen musste. Da hätte mir die Bar in Cordoba mehr zugesagt. Aber ein wunderbares Spiel.

Vorher konnte ich auch nicht in diese Fussballtertulia reinschauen. Da wird mir ja ganz schwindlig, wie hier die Spielphilosophien gehandelt werden. Sicher stimmt alles, ich ziehe aber die einfachen Analysen von Ferguson (Wir hätten ihnen nicht den Ball überlassen sollen) und Ronaldo (Sie waren besser) vor.

Ihre Überschrift finde ich sehr nett, Herr Ingendaay - Carles Puyol hätte es sich sicher NIE träumen lassen, dass er jemals in Zusammenhang mit Schönheit erwähnt wird.

Dulcinea

30. Mai 2009, 21:31

Guten Abend, Albero-Amarillo. Es ist schön, daß Sie wieder da sind! Aber sagen Sie einmal: Paris. Die Stadt der Liebe! In einem Hotelzimmer! Das klingt doch sehr romantisch! Zumal wir gewonnen haben! Das hätten Sie gegen Nummer 10 eintauschen wollen? Das verstehe ich nicht -- ganz im Gegensatz zu Ihren anderen Bemerkungen, denen ich ausdrücklich beipflichten möchte.

Paul Ingendaay

30. Mai 2009, 22:12

Sie haben da etwas gesagt, Albero-Amarillo. Das mit den Beinen von Carles Puyol. Glauben Sie mir, dass ich ihn immer respektiert habe. Aber was er diesmal auf der rechten Seite an Kampfgeist und Spielfreude verbreitet hat, fand ich phänomenal. Gerade, weil ich nicht darauf vorbereitet war. Und haben Sie auch gehört, dass Iniesta schon in der 9. Minute, nach seinem Pass auf Eto'o, wieder ein Zwicken im Muskel gespürt hat? Gut, ich höre jetzt wieder auf.

Dulcinea, mein Abend mit Nummer 10 war toll! Ich hoffe, daran besteht kein Zweifel. Es erscheint mir sehr einleuchtend, dass Albero-Amarillo - mit dem Namen - lieber in Córdoba gewesen wäre als in Paris.

Dulcinea

30. Mai 2009, 22:14

Gut, Don Paul, es hat eben ein jeder andere Vorstellungen von einem schönen Abend. Ich freue mich, daß Sie es nach Ihrem Geschmack getroffen hatten, dort, wo Sie waren. Und schließlich zählt ja sowieso nur eins: meine Partei. Und die Schönheit!

Paul Ingendaay

30. Mai 2009, 23:41

Nun ja, Dulcinea, manche Menschen sitzen im Hotel - selbst in Paris - und finden das nicht so aufregend. Ihnen fehlt da einfach etwas. Dann würden sie gern hinausgehen und sich eine schöne Bar suchen, um das große Finale zu gucken. Verstehen Sie? Und dann ist die Frage, ob sie eine finden. Selbst in Paris.

Ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich unserern großen Sieg vor elf Jahren, das 1:0 gegen Juve, auch im Hotel gesehen habe. In San Sebastián.

Albero-Amarillo

31. Mai 2009, 09:44

Ach, Dulcinea und Herr Ingendaay, alles ist richtig, was Sie sagen. Auch dass Paris noch wunderbarer ist als das Fussballspiel vor drei Tagen. Aber! Gerade Sie beide sollten wissen - um im Blog zu bleiben: der Ritter könnte in Toledo sein, in Paris, auf dem Mond, wenn Dulcinea nicht dabei ist, fehlt der Glanz an allem und er will nach Toboso. So einfach ist es. Und, etwas prosaischer, Paris ist groß. Und diesmal war es nicht das barrio Chatelet oder Passy, sondern Ivry sur Seine, wo viele abgefacklte Autos rumstehen (von Wettbüros ganz zu schweigen). Und wenn Sie um viertel vor neun in der dortigen etwas finsteren Umgebung ankommen, da hat Herr Ingendaay recht, wissen Sie wirklich nicht, ob Sie noch rechtzeitig eine halbwegs dezente Bar finden.

Dulcinea

31. Mai 2009, 15:51

Albero-Amarillo, Sie haben sehr poetische Zeilen verfaßt an diesem Morgen. Ich beginne zu verstehen. Es tut mir für Sie und Don Paul sehr leid. Ich ahnte ja nichts von den Leiden eines einsamen Hotelgastes! Das muß sehr schlimm sein. Dann ist natürlich das schönste Fußballspiel nicht mehr... schön. Das sehe ich ein. Sie müssen Ihre Reisen besser planen!

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