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Sanchos Esel

Die sonderbare Geschichte vom eitlen Einbrecher

10. November 2009, 19:41 Uhr

Gestern morgen hörte ich im Radio eine Geschichte, deren Ende ich zu gern erfahren hätte. Ein dreiundzwanzigjähriger Mann, der wegen Einbruchs gesucht wurde, war nicht zufrieden mit dem Foto, das die Zeitungen von ihm druckten. Er fand, er sei darauf nicht gut getroffen. Also schickte er der Zeitung ein besseres, aktuelles mit der Bitte, künftig nur noch dieses zu verwenden. Die Moderatorin bei Radio Nacional lachte, als sie davon erzählte. Ich musste auch lachen. Aber dann wurde ich sofort wieder ernst. Meine Gedanken gingen in zwei verschiedene Richtungen. In der einen Richtung sah ich Szenen von Fahndern, Polizeiwagen und Gesichtskontrollen, in der anderen sah ich den Einbrecher allein, mit sorgenumwölkter Stirn und so von Eitelkeit zerfressen, dass er sich lieber der Polizei ausliefert, als einen Tag länger das schlechte Foto hinzunehmen, das von ihm im Umlauf ist. Hoffentlich sagt mir jemand, wie die Geschichte weitergeht. 

Vorhin habe ich draußen im Pardo wieder einen dieser Madrider Abendhimmel gesehen, die es im Herbst fast täglich gibt. Selbst wenn fette tiefgraue Wolken über der Stadt hängen wie heute, erwischt die untergehende Sonne fast immer die Bauchseite dieser Wolken und färbt alles rotorange. Einen wirklich bedeckten Himmel bekommen wir fast nie zu sehen. Normalerweise spielt sich über unseren Köpfen zur Abendstunde ein kleines Drama ab, das so schön ist, dass man Eintritt dafür nehmen könnte. Ich sage das nicht, um irgendjemandes Neid zu wecken. Ich stand selbst noch vor einigen Tagen in Frankfurt und habe am Römer ein Würstchen gegessen. Es war drei Uhr nachmittags, und im Café brannten schon dicke weiße Kerzen, alle außer mir trugen warme Winterkleidung, manchmal Wollmützen, und jeden Augenblick erwartete ich, dass sich ein paar Leute im Café in den Arm nehmen, sich aneinanderkuscheln und gegenseitig wärmen. Ich dachte an deutsche Weihnachtsmärkte, die mir ein wenig fehlen, und die vielen Tassen Glühwein, die ich nicht getrunken habe. Genug davon. Wir werden sicherlich noch über Weihnachten sprechen. Weihnachten hatten wir hier im Blog noch nie. 

Neulich hatte ich das Vergnügen, einen Vortrag vor einer gemischten deutsch-spanischen Gesellschaft zu halten. Was immer gut ankommt, um die kulturrelle Differenz zu illustrieren, ist mein Orangensaft-Beispiel. „In Deutschland", sage ich, „könnnen Sie im Café einen Orangensaft bestellen, und Sie bekommen ein Glas Orangensaft. Ein Glas. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist eine reelle Sache. Sie bestellen etwas und bekommen es. Können Sie mir soweit folgen?"
Im allgemeinen wird an dieser Stelle genickt.
„In Spanien dagegen", sage ich und mache eine weitere Pause, um die Spannung zu steigern, „in Spanien bekommen Sie, wenn Sie einen Orangensaft bestellen, nicht eine Sache, sondern fünf. Fünf! Stellen Sie sich das einmal vor. Und auch wenn ich keine dieser zusätzlichen Sachen benötige, liebe ich sie alle. In einer spanischen Bar kommt der Orangensaft meistens in einem langstieligen Glas (1), welches auf einem Papierlätzchen steht (2), das seinerseits auf einem Unterteller ruht (3). Auf dem Unterteller liegen ferner ein Tütchen Zucker (4) und ein Löffel (5). Wie gesagt", wiederhole ich, „keine dieser Sachen benötige ich, denn ich trinke meinen Orangensaft ohne Zucker, und auch das Papierlätzchen müsste nicht unbedingt sein, womit ich sagen will: Dafür sollte kein Baum sterben. Aber..."
Hier mache ich wieder eine kleine Pause.
„Aber all diese nutzlosen Gegenstände, von 1 bis 5, definieren für mich die kulturelle Leistung der Spanier. Die Eleganz, den Stil, die Formen. Das wollte ich unbedingt einmal sagen." 

Trinken Sie viel Orangensaft. Es könnte ein langer Herbst werden.

Veröffentlicht 10. November 2009, 19:41 von Paul Ingendaay
Kommentare

abfeldmann

10. November 2009, 20:10

'eitelkeit'.... - das ist nun endlich wieder ein thema fuer mich. - doch ach und weh... - der anstand gebietet mir zu schweigen.

Chus

10. November 2009, 21:58

Olé, don Paul!

Genau an dem Tag, wo mein kleiner Bruder, na gut, ich habe ja auch keinen anderen, von seinem deutschen Besuch nach Madrid zurückkommt, bekomme ich so etwas Schönes über Spanien und überhaupt zu lesen… Danke. Übrigens bekommen Sie bestimmt noch eine sechste Sache dazu, IMMER in Spanien und NIE in Deutschland: Servietten. Und DIE sind wirklich notwendig. Geschweige denn, wenn man mit Kindern unterwegs ist…

Chus

10. November 2009, 22:01

abfeldmann, bitte, bitte, sperren Sie den Anstand in die Ikea Truhe, neben der kaputten Spülmaschine (don Paul, unsere Hände sind müde...) und erzählen Sie weiter...

Paul Ingendaay

10. November 2009, 22:28

Chus, denken Sie daran, dass man Spülmaschinen auch ausräumen muss.

mugabarru

10. November 2009, 22:42

Die merengues sollten sich langsam zur Republik bekennen, das "Real" fallen lassen und die Copa del Rey entweder umtaufen oder einfach vergessen. So kann das doch nicht weiter gehen!

Giselakemper

10. November 2009, 23:51

Es gibt auch noch eine siebente Sache zum Orangensaft: Mindestens drei Eiswürfel!

Paul Ingendaay

10. November 2009, 23:59

Über Nummer 6 (Serviette) und Nummer 7 (Eiswürfel) habe ich nachgedacht. Servietten gibt es in spanischen Bars ja selten; sie stecken doch meistens im Spender, man muss sie sich also herausziehen. Eiswürfel wiederum bekomme ich in der Mehrzahl der Fälle nicht angeboten; damit will ich nicht sagen, es gebe sie nicht. Nur eben, dass sie nach meiner Erfahrung die Ausnahme sind.

Dulcinea

11. November 2009, 00:14

Don Paul. Ich muß gestehen, daß ich die visuellen, illustrativen Elemente dieses Blogs doch sehr liebgewonnen habe in letzter Zeit! In Ihrem neuen Eintrag fehlen diese Elemente. Vollkommen! Sehen Sie das? Es fehlt ein Foto von der lachenden Moderatorin bei Radio Nacional. Es fehlt ein Foto des Madrider Abendhimmels. Ein Foto des Frankfurter Würstchens. Oder der Wollmützen. Ein Foto eines Glases Orangensaft in einer spanischen Bar. Kurz gesagt -- Herbstfotos, die das Rotorange der Madrider Wolkenbäuche mit dem Orange in bauchigen Gläsern in Beziehung setzen. Das draußen mit dem drinnen. Die Natur mit der Kultur. Und so fort! Nur eine kleine Anmerkung. Nur ein kleiner Wunsch für das nächste Mal.

Paul Ingendaay

11. November 2009, 00:29

Dulcinea. Ich habe diesen Eintrag unterwegs geschrieben. Und gesendet. Man kann das. Ich hatte allerdings weder eine Kamera noch ein Übertragungskabel für Bilder vom Telefon dabei. Abgesehen davon, dass der Akku schlappmachte. Das mag erklären, warum es diesmal keine Fotos gibt.

Ich freue mich natürlich, dass Sie meine schlechten Bilder liebgewonnen haben. Wirklich. Ich gebe mir ja auch die größte Mühe, Ihnen die schlechtesten zu liefern, die man im Internet findet. Auf Frankfurter Würstchen möchte ich mich jetzt nicht festlegen, Dulcinea, aber den Abendhimmel werde ich Ihnen demnächst nachliefern. Versprochen. Ein eigener Eintrag für den Madrider Abendhimmel. Vielleicht wird es ja auch einen eigenen Eintrag für Orangensaftgläser in Madrider Bars geben. Das wäre eine schöne Serie. Ich werde anfangen zu sammeln. Dulcinea, Sie haben meinem Leben wieder eine Richtung gegeben.

mugabarru

11. November 2009, 01:16

Zum Madrider Himmel, dem kastilianischen Himmel, gehören natürlich auch Velázquez mit seinem "azul noche" und Antonio López. Eigentlich mag ich seinen Stil nicht unbedingt, doch muss ich zugeben dass er die Farben des Madrider Himmels am abend aber auch am morgen, sehr gut wiedergegeben hat. Ganz ausserordentlich finde ich das Bild dass er jahrelang von Avenida de América - María de Molina gemalt hat. Dieses zarte rosa und gold, dass ja leicht kitschig sein kann, das gibt es wirklich in Madrid und in Kastillien. Solche Farben gibt es an den Küsten nicht.

P.S.: Dulcinea, kein Kommentar zur heutigen Blamage der Gegner ihrer Jungs? Zugegeben, ihre Jungs waren auch nicht so perfekt in den letzten Tagen, doch im Vergleich.......

Dulcinea

11. November 2009, 01:27

Die Dame, mugabarru, genießt und schweigt.

mugabarru

11. November 2009, 01:28

Bitte Herr Ingendaay, nach dem Orangensaft wäre es doch mal an der Zeit etwas über die "copas" zu bringen. Madrid ist ha interessant, aber echte und gut servierte "copas" gibt es nur im Norden. In Madrid wird der Gin-Tonic in diese ästhethisch unmöglichen und vielleicht sogar unhygienischen schmalen und langen Gläsern, den "tubos" und ganz lieblos serviert: zwei, drei oder mehr Eiswürfel, Gin rein und die Flasche tónica hinterhergereicht. Wenn man Glück hat kriegt man die tónica noch ins Glas serviert. Im Norden schnappt sich jede/r Kellner/in der was auf sich hält erst mal mit der Zange ein Zitronenscheibe und reibt den Glasrand damit, dann kommen die Eiswürfel, der Gin, die tónica.... und die fahren auch ein-zweimal ganz energisch mit dem Stengel (ich weiss nicht wie das auf deutsch genannt wird) herein, damit es wirklich zum Gin-Tonic wird. Kein Vergleich.

mugabarru

11. November 2009, 01:34

Habe noch vergessen beizufügen: immer in niedrigen und breiten Gläsern serviert, MIT Zitrone, was in Madrid nicht immer dazu gehört. Ich muss meinen Arbeitskollegen morgen unbedingt erzählen wie ich mich heute gegen die Madrilenen abreagiert habe. Gute Nacht

Paul Ingendaay

11. November 2009, 02:00

Ob es echte und gut servierte copas nur im Norden gibt, mugabarru, weiß ich nicht. Der Gegenbeweis ließe sich wohl leicht antreten. Meinen Sie nicht?

Melibea

11. November 2009, 09:42

Ich bin zur Zeit in Madrid und konnte Montag Abend diesen tollen Himmel in Chinchón geniessen...

Mugabarru, ich mag es, wenn sie hier einem das Tonic in der Flasche gesondert dazugeben; weil man die Longdrinks in Deutschland immer schon gemixt bekommt. Deshalb finde ich es lustig und mag es in Madrid so wie es ist! Vielleicht eine dieser romantischen Verklärungen ausländischer Touristen, über die sich einer meiner Freunde hier immer lustig macht...

Mugabarru, Sie wollte uns doch noch vom Bosque de Oma erzählen!

pardel

11. November 2009, 10:22

Mugabarru: Ich dachte, Sie interessieren sich gar nicht für Fußball? Aber die Schadenfreude, die man dabei empfinden kann, die kennen Sie offenbar! Schauen Sie auf Dulcinea: Geniessen und schweigen, klingt edel. Ich schliesse mich an :-) Ich wollte mich noch für die Mundwässrigkeit bedanken, die Sie mit Ihren Artischocken, Pilzen und handgeangelter Merluza bei mir ausgelöst haben. Was ist denn aus dem Bosque de Oma geworden? Wenn abfeldmann darauf besteht, weiterhin zu gackern ohne zu legen (das schreibe ich in aller Freundschaft, Herr abfeldmann!), müssen wir uns anderweitig vergnügen. Herr Ingendaay will ja offenbar auch nicht auf die Anregung von Anna Maria vom Goethe Inst. eingehen, dem FC Alcorcón eine Monographie zu widmen. Dabei wäre es doch so interessant, die Sicht eines Kulturkorrespondenten über den nahen Süden Madrids zu erfahren.

Paul Ingendaay

11. November 2009, 11:19

pardel, Anna Maria vom Goethe Institut weiß, wie sehr ich sie schätze. Aber man muss Prioritäten setzen. Der wahre Fan leidet und schweigt.

pardel

11. November 2009, 12:37

Ach, Herr Ingendaay: Ich habe doch nicht danach gefragt, ob Sie jemanden schätzen oder ob diese Person es weiß, sondern nach dem Madrider Vorort Alcorcón. Wie war der Himmel gestern abend im Süden Madrids? Darf ich mir granatrote Wolken unter dunkelblauem Himmel mit Feuerwerksbegleitung vorstellen? Feierten die Menschen auf den Straßen? Manche Spieler des FC Alcorcón sollen Dauerkarten für Reals Spiele haben. Wie überwinden sie diese entgegengesetzten Gefühle? Das sind alles natürlich nur kulturell-soziologische Fragen.

Paul Ingendaay

11. November 2009, 13:02

Hätte unsere Sportredaktion ein Sitten- und Stimmungsbild von Alcorcón haben wollen, wäre ich hingefahren. So aber war es mir erlaubt, mich zurückzuziehen und den Himmel im Nordwesten zu betrachten. Pardel, der prophet freut sich nicht, wenn er bestätigt wird. Er hätte allerdings gern gehabt, dass es nicht so schnell geht.

pardel

11. November 2009, 14:09

Gut, angenommen. Dann erzähle ich einen Schwank zum alten Thema "Missverständnisse", das spielte hier auch einst eine Rolle. Hier in der faszinierenden Metropole Luxemburg trifft sich begeistert allerlei Volk aus ganz Europa. Fragen Sie lieber nicht nach der Farbe des hiesigen Himmels! In der Kantine erkundigte sich heute ein Deutscher bei der Spanierin neben mir auf Deutsch, ob der Stuhl neben ihr noch frei sei. Die Spanierin verstand kein Deutsch, aber die Geste war ihr klar genug um zu antworten. Sie meinte allerdings, der Deutsche hätte gefragt, wie man es auf Spanisch macht, ob der Stuhl schon besetzt sei (¿está ocupado? - nicht la silla, sondern el sitio. Eine schwierige Konkordanz). Ist doch klar, was soll er denn sonst gefragt haben? Auf ihre bejahende Antwort ergriff der Deutsche kurz entschlossen den Stuhl, den die Spanierin für eine Kollegin freihalten wollte, und entfernte sich. Die Spanierin meinte, der Deutsche sei das unverschämteste, was ihr lange untergekommen sei. Der Deutsche meinte, die Spanierin spinne: Zuerst sagt sie ja, dann giftet sie ihn an, wenn er den freien Stuhl nimmt. Beide meinten es gut und wähnten sich im Recht. Und wenn sie nicht aufgeklärt wurden, erzählen sie noch daheim, wie unmöglich die Deutschen/Spanier sind.

Paul Ingendaay

11. November 2009, 14:20

Wunderbares Beispiel, pardel. In solchen Augenblicken ist das Leben eine unlösbare Aufgabe.

sanjandro

11. November 2009, 16:10

mugabarru, war das mit den Gin Tonics schon immer so im Norden? Ich beobachte in den letzen Jahren eine zunehmende Liebe zum Detail. Während  anfangs in tubos Schweppes und Gin einfach zusammengeschüttet wurde, wird mittlerweile allenorts frischer Zitronensaft in ein grossvolumiges Glas gegeben, dann nach der gewünschten Gin- und sogar nach der Tonicmarke gefragt und zuletzt wird... gerührt! Allerdings hat der tubo früher auch 350pts gekostet nun kostet der Drink 4,50€!

Chus, ein interessanter Unterschied zwischen Deutschland und Spanien sind immer wieder die Kinder: Während in Spanien die Kinder Orangensaft oder was auch immer bestellen dürfen (bei uns meist Trina de manzana, da es die bevorzugte Apfelschorle ja leider noch nicht nach Spanien geschafft hat), holen deutsche Mütter meist eine Siggflasche aus den Tiefen Ihrer Jack-Wolfskin-Kinderversorgungsrucksäcke. Und Servietten hat man natürlich auch immer dabei.

pardel, mein schönstes Missverständnis ist das einer Freundin aus Barcelona, die uns besuchte und in einem Café um Feuer gebeten wurde. Sie verstand nur etwas wie "Foia?" und war doch etwas über die direkte Art der Deutschen verwundert...

Chus

11. November 2009, 16:22

pardel, das mit dem Stuhl war auch mir bekannt (ich war ja mehrmals diese Spanierin, die Nichts mehr versteht) . Lange nicht mehr präsent (die so genannte Anpassung lässt leider mit der Zeit Vieles verloren gehen).

Heute ist Sankt Martin. Ich musste DREI Laternen basteln (wer das kauft, ist ja bekanntlich eine Rabenmutter und dies bin ich ja sowieso für viele meiner Bekannten, bestimmt). Und dann, ab in die Dunkelheit hinein! Immerhin ist das Wetter schön (Sonne!) und sogar "warm" (9 Grad PLUS). Glühwein mag ich leider nicht, werde aber viel Kaffee trinken und Würstchen essen. Prost!

Chus

11. November 2009, 16:28

sanjandro. Auch ich habe so einen Jack-Wolfskin-Rücksack (allerdings keine Jacke, so tief muss ich noch sinken... Alles kommt nocht. Spätestens in der Rente, ha!) und habe immer alles parat WEIL es so sein muss in diesem Land...

Allerdings bestelle ich meinen Kindern immer etwas anstatt das selber zu tragen. Das sieht unmöglich aus. Vor allem in Spanien! Das nennt man in Galicien "ir a la portuguesa" = billig ausgehen. Das könnte man aber mittlerweile genau so gut "ir a la alemana" nennen.

sanjandro, zwischen foia und folla ist wirlklich ein rieser Unterschied. Ob Ihre Freundin das so verstehen wollte?

pardel

11. November 2009, 16:31

Vielen Dank sanjandro, köstliche Anekdote.

Paul Ingendaay

11. November 2009, 16:33

Am Wochenende hörte ich für diese praktischen Dinge - nicht nur Rucksack, sondern auch regenschützende Jacken und Hosen - den Begriff "Funktionskleidung". Gibt es jemanden unter Ihnen, der das Wort a) kannte, b) benutzt?

pardel

11. November 2009, 16:38

Übrigens, Chus, bedeutet "foia" auf Italienisch "Brunst" und im übertragenen Sinn "Begierde". Was bedeutet es auf Galizisch?

Chus

11. November 2009, 16:47

pardel, wir haben das Wort "Foia" nicht. "Folla" ja, un das heißt bloß "Hoja", also "Blatt".

Paul Ingendaay

11. November 2009, 16:48

Nicht zu verwechseln mit der "folia", der alten Musikgattung, die aus einem portugiesischen Bauerntanz hervorging.  

pardel

11. November 2009, 16:51

Don Paul: Nie gehört, schon gar nicht benutzt. Mir kommt es wie eine wortwörtliche Übersetzung aus dem Englischen "functional clothing" vor, was für mich eher strapazierfähige Arbeitskleidung für rauhe Umgebungen bedeuten würde. Jeans fingen auch so an, und siehe heute...

Chus

11. November 2009, 16:55

don Paul, der Bergriff "Funktionskleidung" kennt jeder, der mal einen Laden von Tchibo besucht hat... Für uns Spanier im Exil wird immer das Wort als Etikett für „hässlich aber bequem“ also „ir vestido a la alemana“. Neulich habe ich einer sehr guten Freundin aus dem Baskenland  (wohnt aber auch hier) erzählt, ich hätte mir beinah so eine Jack gekauft. Zugegeben, ich wollte testen, wie sie reagiert. Sie hat gleich gesagt: „Sí claro, maja, te pones una de esas (chaquetas) y te tiras al monte, como los alemanes“. Also, sie gab mir kein Plazet. Und ich friere weiter in meinem chicen, spanischen Mantel… Dumm.

Dulcinea

11. November 2009, 17:01

Multi! Liegt nicht die Betonung auf Multifunktionskleidung? Ich glaube, das gibt es oft in deutschen Kaffeeläden.

Paul Ingendaay

11. November 2009, 17:04

Chus und pardel, genau in diese Richtung ging meine Frage: Soll man, darf man sich alles anziehen, nur weil es praktisch ist? Wie weit gehen die Konzessionen an die Ästhetik? Trotz strengerer klimatischer Bedingungen in Deutschland glaube ich manchmal, die Menschen dort gingen etwas zu weit. Dasselbe denke ich übrigens, wenn ich im Sommer in Madrid bei ausländischen Touristen kurze Hosen und Gesundheitssandalen sehe.

Paul Ingendaay

11. November 2009, 17:08

Multi? Ich weiß es nicht. Ich glaube, ich habe seit Jahrzehnten keinen Tchibo-Laden mehr betreten. Ich bin aber auch kein Kaffeetrinker. Es scheint sich hier um ein urdeutsches Kulturphänomen zu handeln. Nicht wahr, Dulcinea?

Dulcinea

11. November 2009, 17:19

Ich weiß es nicht, Don Paul, ob es ein urdeutsches Kulturphänomen ist, daß Sie kein Kaffeetrinker sind und seit Jahrzehnten keine Tchiboläden mehr betreten. Ich müßte darüber nachdenken! Gerade jetzt muß ich aber Laternen basteln. Eigentlich sollten das ja die Töchter machen. Chus, irgend etwas läuft da ganz verkehrt.

sanjandro

11. November 2009, 17:20

Die Funktionalität scheint aber zu Gunsten der Mode zu weichen. Die in den letzten Tagen hier im kölner Regen stattfindenden Martinsumzüge gleichen jedenfalls eher einer Modenschau. Wer als Familie etwas auf sich hält, trägt zu solchen Gelegenheiten seine Wolfshaut oder sein Nordgesicht zur Schau. Was diese Kleidung wirklich kann, weiss ich leider nicht, für einen Martinszug reicht jedenfalls eine normale Regenjacke aus.

Unsere Freundin arbeitete früher als Türsteherin einer Disco in Barcelona. Daher glaube ich nicht, dass sie sich um ein Blatt gebeten oder zu einem protugiesischen Bauerntanz aufgefordert fühlte - was allerdings auch recht interessant gewesen wäre.

Chus, ich freue mich schon darauf, Sie im Rentenalter in Galizien zu treffen - ich werde Sie an Ihrer Jacke erkennen! Die von Ihnen erwähnte Ablösung des früheren "a la portuguesa" durch "a la alemana" ist jedenfalls interessant. Es scheint als habe aus der Sicht der Spanier das Deutsche das herkömmliche Portugiesische abgelöst, wenn es um Geschmacksverirrungen und kulturelle "Faux-pässe" geht.

rocinante

11. November 2009, 17:24

Ich finde die spanische Variante viel lächerlicher: Sonntagsspaziergänger die in "Coronel Tapioka" Montur In Manzanares tapas essen gehen. Wobei die Hemden und Hosen immer perfekt gebügelt sind und auch die Stiefel noch nie Matsch gesehen haben. Aber man muss sich ja der Gelegenheit passend einkleiden.

Chus

11. November 2009, 17:24

Don Paul, bei Tchibo trinkt man mittlerweile keinen Kaffee (oder kaum). Stattdessen kann man dort u.a. Funktionsunterhosen (welcher ein lustiger Name!) ergattern.

Paul Ingendaay

11. November 2009, 17:28

Dulcinea ist heute sehr lustig. Ich glaube, sie will sich um das Thema Tchibo herumdrücken. Wollen Sie das, Dulcinea? Zugunsten Ihrer Martinslaternen?

pardel

11. November 2009, 17:29

Gute Frage, Don Paul. Wissen Sie, ich kannte einst eine Frau, die war so hübsch, der hätte ein Kartoffelsack gut gestanden. Andere wiederum... naja, sagen wir, das Ästhetische ist eine sehr persönlich Angelegenheit, und manchmal eine misslungene Gratwanderung. Deutsche sind bekannt dafür, dass sie in Kleidungsangelegenheiten immun oder blind gegen vergüenza ajena sein können. Aber es gibt schlimmeres, Briten zum Beispiel. Aber die haben den Thypus des Exzentrikers ja erfunden. Italiener können es ins andere Extrem übertreiben. Und in Spanien sagt man zur Not: Ande yo caliente y ríase la gente.

Chus

11. November 2009, 17:30

"Wie weit gehen die Konzessionen an die Ästhetik?". Bei mir gar nicht weit. Umso weniger weit, wenn ich in Deutschland unterwegs bin. Man wolle sich ja doch nicht so arg anpassen. In Spanien dagegen, genieße ich das mal ein wenig "lockerer" zu erscheinen, denn dort wird es sofort anders (in meinem Freundeskreis) verstanden. Also-. Hauptsache: "Llevar la contraria". mugaburru wird mich sicherlich verstehen...

Paul Ingendaay

11. November 2009, 17:31

Chus, Ihre "Funktionsunterhosen"... die sind ein Witz, nicht wahr? Ein guter, das gebe ich sofort zu. Aber... ein Witz. Oder?

Dulcinea

11. November 2009, 17:42

Multi! Don Paul! Multifunktionsunterhose! Und nein, es sind ja nicht MEINE Laternen, wissen Sie? Es sind die Laternen meiner Töchter. Ich für mich würde normalerweise nicht mit einer selbstgebastelten Laterne im Dunkeln durch einen spanischen Park laufen und "Durch die Straßen auf und nieder" in Endlosschleife singen. Warum sollte ich das tun?

Chus

11. November 2009, 17:43

www.tchibo.de/.../TdTchDisplayProductInformation-Start

La realidad supera a la ficción, don Paul.

Paul Ingendaay

11. November 2009, 17:48

Danke, danke. Ich werde das studieren. Bitte entschuldigen Sie mich für zwei Stunden. Auch hier, beim Freischalten. Danke.

pardel

11. November 2009, 17:53

Chus: Thermofunktionsunterwäsche, 14,99 €. Ihr Link: Unbezahlbar. Hautsympathisches Polyester! Sauber!

Giselakemper

11. November 2009, 17:58

Funktionsunterwäsche: das braucht Kind, Frau, Mann schon seit etwa 20 Jahren zum Skilaufen. So fing es an. Rosa oder hellblau geringelt. Scheußlich. Aber niemand fror mehr. Später wurde diese Unterwäsche dünn und leicht wie Seide- und wärmte dennoch. Und schöner wurde sie auch. Aber nicht nach spanischen Maßstäben- eher die sportliche als die aufregende Variante.

Dann gab es das alles auch fürs Radfahren, Laufen, Wandern, drunter und drüber. Zu den Zeiten, als man bei Tchibo noch Kaffee trinken konnte, gabs nur teure. Und seitdem die billigen. Und keinen Kaffee mehr.

Was ist eigentlich mit dem eitlen Einbrecher?

danismile

11. November 2009, 20:19

Funktionskleidung: Damit musste sich der bescheidene, nicht literarische Übersetzer (Gebrauchsübersetzer, Bedarfsübersetzer, Funktionsübersetzer?) schon vor längerer Zeit auseinandersetzen www.proz.com/.../1731800-technical_clothing.html

pastora-marcela

11. November 2009, 20:28

Mir fallen die Unterschiede, was die „Bekleidungsphilosophie“ angeht, nicht nur bei den Erwachsenen, sondern vor allem bei den Kindern auf, was natürlich die Widerspiegelung der Ansätze der Eltern ist. Manche spanische Kinder am Spielplatz sind so bekleidet, als wären sie zu einem Fest eingeladen. Ich bin dankbar, dass ich die Jeans meines Sohnes, die er seit Jahren beim Fußballspielen mit Löchern an den Knien verziert, auf Kinderbasaren kaufen konnte (er macht jetzt nicht mehr mit, die Löcher sind auch weniger geworden…). Kann jemand sich so etwas wie „Kinderbasare“ in Spanien vorstellen?

Chus

11. November 2009, 20:46

pastora-marcela, Ihre letzte Frage ist wohl rhetorischer Art, oder? Ich teile auch Ihre Meinung. Kinder sollten andere Klamotten zum spielen anhaben. Allerdings geht es nicht immer, denn in Spanien kommen die Kinder richtig spät aus der Schule raus und dann essen sie noch die "merienda" meistens im Spielplatz. Das die dabei die Schuluniform oder eben die alltäglichen Klamotten tragen ist unvermeidbar. Meine Kinder sind übrigens die einzigen, die in Santiago barfuss im Sandkasten spielen (sie können sich die Blicke der entsetzlichen Mütter bestimmt vorstellen).

Ich kaufe regelmäßig bei eBay. Das hat immer mehr Erfolg in Spanien weil sie anders als die Basare sind: a) Es sieht sehr schlecht aus, Kleider zu verkaufen. Das wird i.d.R. weiterverschenkt, b) Es sieht noch schlechter aus in der Öffentlichkeit Sekondhandklamotten zu kaufen. Aber alles kann sich ändern. Manchmal ist Globalisierung doch ein guter Ratgeber.

Chus

11. November 2009, 20:48

danismile, Sind Sie es auf dem Foto? ;-)

Chus

11. November 2009, 20:50

abfeldmann, Wo sind Sie? Nun reden wir hier ALLE offen über Eitelkeit u.a. Sie brauchen also keinen Anstand mehr zeigen. Wir sind dabei, alle "trapos sucios y limpios" auszustellen und Sie vertecken sich immer noch?

Dulcinea

11. November 2009, 21:06

Ich möchte in die Unterwäschediskussion an dieser Stelle kurz einflechten, daß es lange Unterhosen aber doch schon sehr lange gibt. Erinnern Sie sich daran? Früher bezeichnete man sie als Liebestöter, wenn das noch etwas sagt. Sie waren aus anderem Material und man kannte das Wort "Funktion" noch nicht. Sonst sehe ich keine Unterschiede.

pardel

11. November 2009, 21:51

Giselakemper: Ich finde es großartig, dass Funktionsunterwäsche drunter und drüber geht, Abgründe tun sich auf. Das stell ich mir wie bei Superman vor, nur rosa geringelt. Klingt wie die Ruhla Uhren aus DDR-Produktion, die bekanntlich nach wie vor gingen.

danismile: Funktionsübersetzer klingt beinahe wie Analogkäse, ich finde den Ausdruck schaurig schön. proz.com gibt es noch? Kann man als Mitarbeiter (freier, nehme ich an) einer virtuellen Agentur über die Runden kommen? Oder ist es was für Anfänger, damit sie sich ihre Sporen verdienen, während sie wie Praktikanten ausgebeutet werden? Ich frage, weil ich damals bei ihrer Gründung eine mail von denen bekam, aber die Bedingungen schienen mir nicht akzeptabel. Seitdem habe ich sie völlig aus den Augen verloren, ich frage nur aus Neugierde.

Paul Ingendaay

11. November 2009, 22:10

Ich bin bezaubert. Sanjandro erzählte von dem Saft, den Mütter aus den Jack-Wolfskin-Kinderversorgungsrucksäcken holen. Chus sagte dann, sie habe auch so einen. Ich fragte unschuldig nach "Funktionskleidung". Und schon haben wir eine völlig entfesselte Unterwäschendebatte, in deren Verlauf ich Unerwartetes gelernt habe. Früher hieß es ja mal "Skiunterwäsche" oder "Sportbekleidung" oder dergleichen. Und ja, auch ich habe Skiunterwäsche. Und Laufbekleidung. Jetzt stellt sich heraus, dass das alles Funktionskleidung ist, ohne dass ich mir dessen bewusst gewesen wäre. Das einzige, was ich nicht verstehe: Wo bleibt abfeldmann?

*

Dulcinea, bevor sich das Wort ändert, ändert sich immer die Sache. Meine Erfahrung. Ich vermute also, die langen Unterhosen von damals sehen heute etwas anders aus. Auch hier würde sich natürlich ein Fotoblog anbieten.

danismile

11. November 2009, 22:26

Und es gibt sie natürlich doch, die "ropa funcional" in Spanien, bei mit 5.590 Treffern zu bewundern ... und sogar made in Spain! www.pequechic.com/.../mi-pequeno-lucas-ropa-funcional-made-in-spain allerdings nicht immer in dem hier diskutierten Sinne gemeint.

@pardel: Proz.com gibt es immer noch, ich kenne die nur als Börse für Übersetzungsarbeiten, die Bedingungen bei Gründung sind mir nicht bekannt. Seit mindestens 4 Jahren sind sie denkbar einfach: Wer das Portal nutzen möchte, sollte sich möglichst gegen Zahlung einer Jahresgebühr von ca. 100 USD registrieren und seine Dienste anbieten, oder die anderen Funktionen nutzen, wie das kollegiale gegenseitige Helfen bei Terminologiefragen.

@chus: kein Kommentar.

danismile

11. November 2009, 22:27

Saft aus den Wolfshautrucksäcken? Wird hier die Legende der Gründung Roms millionenfach nachgestellt?

Dulcinea

11. November 2009, 23:11

Ich habe hier bislang zwar keine "völlig entfesselte Unterwäschendebatte" lesen können -- vielleicht wäre sie auch gar nicht erstrebenswert! -- aber, Chus, Ihre "entsetzlichen Mütter", das ist schon wieder sehr, sehr schön. Vielen Dank!

***

"Bevor sich das Wort ändert, ändert sich immer die Sache." Darüber werde ich heute nacht nachdenken.

pardel

11. November 2009, 23:24

@danismile: Danke für die Klarstellung, entschuldigen Sie meine ungeschickte Wortwahl: Eine Tauschbörse ist keine virtuelle Agentur. Mir ist damals nicht aufgefallen, dass dieses Portal der Grundidee des Web 2.0 in Ansätzen vorweg genommen hat. Ich hatte sie falsch eingeschätzt, vergessen und in meiner mentalen Schublade "abgehackt" entsorgt, Ihr Link hat sie wieder an die Oberfläche gebracht. Jetzt sehe ich das klarer.

danismile

11. November 2009, 23:50

@pardel: für mich ist das Interessanteste an Proz.com der virtuelle Austausch mit Kolleginnen und Kollegen - also sozusagen der "Funktionschat".

mugabarru

12. November 2009, 01:27

Das war ja ein wirklich aktiver Tag im Blog. Ich bin etwas spät dran, aber ich habe den ganzen Abend über alle meine Unterhosen anprobiert und nicht wie üblich nach Modell (Slip, Boxer usw.) und Farben sortiert, sondern gemäss den neuen Erkenntnissen aus diesem Blog. Ich bin erschöpft und kann zu dem Thema nur wenig beitragen. Mir kommt in Bezug auf Unterwäsche halt nur der Rat meiner amatxu in den Sinn, der in jeder Lebenslage anwendbar ist: zieh immer die Socken vor der Hose aus: es gibt nichts grässlicheres in der Welt als ein Mann in Unterhosen und Socken. DEN Rat habe ich immer befolgt.

Sanjandro ich hatte sie immer im Süden platziert. Liege ich falsch? Oder fahren sie über die "ruta de la plata" bis Salamanca und von dort nach Galizien? Und zu ihrer Frage, ja, im Norden gab es immer bessere und professionellere Kellner als in Madrid. Und auf Aufmachung und Details wurde immer geachtet. Aber Madrider Kellner sind viel lustiger, das gestehe ich gerne.

Melibea das Problem der Long drinks in Deutschland ist, dass der Gin in so homöopatischen Mengen ausgeschenkt wird dass ich immer alle meine Sinne konzentrieren muss um festzustellen ob überhaupt Gin im Glas ist. In Deutschland muss man einen 3-fachen Gin-tonic ordern damit der Drink etwa einem spanischen Gin-tonic entspricht. Wie mischen sie ihre Madrider Gin-tonic damit sie nicht zuerst nur tónica und danach hauptsächlich Gin trinken? Gehen sie ins Bad um sich die Hände zu waschen und stecken danach den Finger ins Glas? Wenn ja, wieviele? Nutzen sie (wie ich oft in meiner Verzeiflung) den Hals der Flasche um die Eiswürfel in Bewegung zu setzen? Ich habe keine Lösung für dieses Problem gefunden. Die einzige Alternative ist der Whisky, aber ich würde gerne etwas über ihren Trick erfahren.

Pardel es ist Pilzzeit ich werde sie in den nächsten Tagen an meinen Gaumesfreuden teilnehmen lassen. Übrigens kennen sie die Pilze "lengua de vaca"?  Ich spiele selbst Fussball und geniesse auch ein schönes Spiel. Nur kann ich die Leidenschaften der Clubs nicht verstehen, dafür habe ich mir als Berater den Sportredakteur angelegt. Er/wir trinken viel während er versucht mich in die Geheimnisse des Sports als Massenspektakel einzuweihen. Aber es bleibt mir keine Alternative als diese finanzielle Bürde auf mich zu nehmen. Als Mann wäre ich am Montag augeschmissen und könnte an keinem Gespräch teilnehmen. Und das elegante Schweigen so sehr der Geniesser - sie und meine dulce Dulcinea - als auch des Propheten und Leider (waren das nicht die Anhänger des Atlético de Madrid - ich werde das nie lernen...) liegt mir wenig. Ich bin ein sozial veranlagter Mensch und muss mich austauschen.

Über den Bosque werde ich lieber morgen erzählen. Ich habe meine Tantieme mit dem baskischen Tourismusbüro noch nicht ausgehandelt, ausserdem ist es spät, ich bin müde, muss meine Unterhosen wieder einräumen.... Und Chus ich bin genau das Gegenteil von jemandem der sich auf "llevar la contraria" konzentriert. Ich bin eher von der Liga der apaciguadores. Ich bin halt Mann und faul. Good night good luck.

P.S. : Auch ich warte auf abfeldmanns Ei. Ich hoffe es kommt bald.

Dulcinea

12. November 2009, 01:53

Warten wir nicht zu lange auf jenes Ei, mugabarru. Um unsern abfeldmann mache ich mir keine Sorgen. Bald ist er wieder da und legt.

***

Nun zu meiner abendlichen Erkenntnis:

"Bevor sich das Wort ändert, ändert sich immer die Sache."

Stellen Sie sich einmal vor, Don Paul, Sie nennten Ihren Blog ab morgen nicht mehr länger "Sanchos Esel", sondern, sagen wir, "Windmühlenkämpfe des 21. Jahrhunderts" oder "Don Quijotes süßer Traum" oder gar "Las dos Españas - Spanische Schatten an meiner Wand". Was meinen Sie! Der Blog würde sich wohl verändern, oder nicht?

Paul Ingendaay

12. November 2009, 02:01

Sie rühren da an einen sonderbaren Umstand, Dulcinea. Sanchos Esel ist ja ein ziemlich freies Wesen. Er hat keinen Namen. Manchmal verschwindet er. Dann kommt er wieder. Außerdem ist er erfunden. Vielleicht haben Sie gesehen, daß in diesen Blog alles hineinpasst. Von Geschichtsdebatten über Fußballdebatten bis zu... Unterwäschedebatten. Ein offenbar animierendes Thema. Also. Um ganz ehrlich zu sein. Ich weiß nicht, ob der Blog sich mit einem anderen Namen verändern würde. Der Namen wurde gewählt, weil er mir gefällt. Und so ähnlich will ich es im Blog halten. Es soll hinein, was mir gefällt. Habe ich Ihnen damit geantwortet? Ich weiß es nicht. Sehen Sie? Der Blog ist voller Unbestimmtheiten. Wie das Leben.

Paul Ingendaay

12. November 2009, 02:05

mugabarru, das ist eine lustige Vorstellung. Sie als Unterhosen anprobierender Mann. In einem Roman las ich neulich, wie der Held die Männer - also die Hälfte der Menschheit - in Träger von Boxershorts und Träger von Slips einteilte. Auch eine Kategorie.

mugabarru

12. November 2009, 11:08

Diese Katalogisierung der Männerwelt aufgrund der Wahl der Unterwäsche... darab könnte was dran sein. Gestern habe ich meine Unterwäsche 1.) aus Eitelkeit  anprobiert - war ja das Thema des Blogs - und 2.) um die bestimmten Stücke auf ihre Funktion zu testen. Da Boxershorts und Jeans so wenig zusammen passen wie Slips und Anzug bezw. klassische Hosen, glaube ich schon dass Kleidung unser Verhalten prägt, oder zum Ausdruck bringt, oder wir uns entsprechend unserer Gemütsverfassung kleiden und manchmal auch verkleiden

Nun, die ewige Frage: Kleider machen Leute?

Dulcinea

12. November 2009, 11:41

Don Paul, ich bin etwas verwirrt jetzt. Sanchos Esel ist erfunden? Wie meinen Sie das? Ich wollte eigentlich darauf aufmerksam machen, daß auch Wörter die Sachen beeinflussen können, nicht nur andersherum... Erinnern Sie sich doch bloß einmal an die gepflegte Erscheinung (faz-community.faz.net/.../eine-gepflegte-erscheinung.aspx)!

Paul Ingendaay

12. November 2009, 13:03

Ja, Dulcinea, da haben Sie recht. Wirklichkeit und Fiktion, das ist ein großes Thema. Ich halte die Fiktion ja für mindestens so wirklich wie Vieles, was tatsächlich geschieht. Aber jetzt muss ich... wie sagen Sie immer? Pökeln. Da warten noch einige Schweinehälften.

MartijnV

12. November 2009, 13:21

@Chus: Sie gebrauchten gestern den Ausdruck „ir vestido a la alemana“. Ist das ein fester Ausdruck unter Auslandsspaniern? Ich hatte ihn nämlich noch nie gehört und mein Spanischlehrer, den ich vorhin gefragt hatte, kannte ihn auch nicht.

Vielen Dank bereits für die Antwort.

pardel

12. November 2009, 14:07

@mugabarru: Willkommen nach der langen Nacht gestern! Selten habe ich diesen Blog so lustig erlebt. Die Lengua de vaca kenne ich nicht, leider. Haben Sie die lateinische Bezeichnung? Damit findet man alles leichter, Pilze haben die Neigung, regional sehr unterschiedlich genannt zu werden. Als Auslands(halb)katalane vermisse ich besonders die rovellons (oder níscalos: Lactarius deliciosus), aber die finde ich um Berlin nicht. In Polen werden die durchaus angeboten, aber nicht nach Deutschland exportiert, sondern direkt nach Katalonien oder vor Ort gegessen. Schade! Und dann: Llanegas, fredolics, ceps (na gut, die gibt es sogar in Berlin, die Steinpilze oder Boletus edulis)... Ach je, ich kriege Hunger!

Zur Realität und der Fiktion fällt mir ein, dass Picasso einst gesagt haben soll, "Tout ce qui peut être imaginé est réel." Da ist was dran.

Kleider machen Leute? Ja sicher, aber auch: Aunque la mona se vista de seda, mona se queda. Redewendungen gibt es für jeden Geschmack und für jede Situation, auch das Gegenteil.

Chus

12. November 2009, 14:21

MartijnV, so weit ich weiß hat sich der Ausdruck noch nicht festgelegt. Also höchste Zeit zu agieren! ;-) Der Sprachwandel ist noch zu stoppen!

sanjandro

12. November 2009, 15:24

mugabarru, Longdrinks mit dem Flaschenhals gerührt? Dann ist es ja fast einfacher, Tonic und Gin separat zu trinken und dann drei Kniebeugen zu machen. Und das ist in Boxershorts einfacher als in Slips. Sind dann Boxershorts Funktionsunterwäsche? Dann doch lieber Whisky solo, da entfällt das Problem. Meine "ruta de la plata" heisst übrigens Autovía del Cantábrico und führt direkt nach Galizien und endet nördlich von Chus' Santiago.

pardel, "alles, was man sich vorstellen kann, ist real"... mag sein, aber kann man sich alles vorstellen, was real ist? Ich meine, mugabarru, der seine Unterhosen anprobiert hat, das mag real gewesen sein, aber will ich mir das wirklich vorstellen?

Chus& MartijnV, meiner Erfahrung nach ist das "a la alemana" doch schon recht belegt als Ausdruck genau dessen, was Sie beschrieben haben: eher praktisch als elegant, eher funktional als geschmackvoll.

Paul Ingendaay

12. November 2009, 16:06

Sanjandro, zwischen Sichvorstellenkönnen und Sichvorstellenwollen liegt auch noch einmal ein kleines Terrain. Und was mugabarrus Unterwäschepräferenenzen betrifft, muss ich es deutlich sagen: Es gibt Boxershort-Männer und Slip-Männer. Den Wechsel zwischen diesen Weltanschauungen kenne ich nicht. Es sei denn, bei Funktionsunterwäsche. Dort erweist sich der Slip manchmal als praktisch.

pardel

12. November 2009, 16:38

Und dann gibt es Schiesser-Doppelripp-mit-Eingriff-Liebestöter-Männer. Können SIe sich das vorstellen, wollen Sie es gar, sanjandro & Don Paul?

Paul Ingendaay

12. November 2009, 16:52

pardel, den Schiesser-Doppelripp-mit-Eingriff-Liebestöter-Mann könnte ich mir durchaus vorstellen. Aber ich will es nicht. Haben Sie bitte Verständnis.

*

Dulcinea: Ich bin froh, dass wir uns diesmal in einem bilderlosen Blog bewegen.

Giselakemper

12. November 2009, 17:56

Da mögen Sie Recht haben, Don Paul, mit Ihrer letzten Bemerkung an Dulcinea. Dennoch bitte ich Sie zu bedenken, dass es durchaus für den weiblichen Teil der Leserschaft aufregend sein könnte, würde sich hier der eitle Einbrecher dahingehend outen, welche Art der Unterwäsche er bevorzugt.  - Sie sehen mein verzweifeltes Bemühen, zum Ausgangsthema zurück zu führen!

mugabarru

12. November 2009, 18:05

Dulce Dulcinea ich hoffe ihre Freude über einen bilderlosen Blog ist nicht auf mich gemünzt.

sanjandro

12. November 2009, 19:00

Giselakemper, die Frage der Unterwäsche ist offen, aber die Geschichte des eitlen Einbrechers hat ihr vorläufiges Ende gefunden: www.thisissouthwales.co.uk/.../article.html

Chus

12. November 2009, 19:02

mugaburru,  don Paul hat sich über den bilderlosen Blog gefreut. Ich bin mit Giselakemper einer Meinung. Habe mich sehr über danismiles Erscheinung gefreut...

Paul Ingendaay

12. November 2009, 19:24

Sie ahnen, Giselakemper, dass ich froh um sanjandros Hilfe bin. Ich hätte wirklich nicht gewusst, was ich noch sagen soll. Ich wusste noch nicht einmal, in welchem Land die Sache spielte. Jetzt wäre nur noch die Frage, ob unser Einbrecher ein Mann für Feinripp ist?

Chus

12. November 2009, 19:40

Dem Einbrecher ging Alles offensichtlich in die (Unter)Hose...

mugabarru

12. November 2009, 19:41

Stimmt Chus! Ich habe zu flüchtig reingeschauft. Übrigens eine Frage, bin ich der Einzige Bi im Blog was Unterhosen angeht? Ich benutze wirklich Boxershorts UND Slips und fühle mich ganz normal dabei. Sollte ich mich um Hilfe bemühen?

Chus

12. November 2009, 20:01

mugaburru. JA. Das müssen Sie sich behandeln lassen. Allerdings Sind Sie Baske. Bestimmt herrschen bei Ihnen andere Maßstäbe ;-) SO wie bei den Longdrinks

pardel

12. November 2009, 20:02

Don Paul, ich fürchte, "unserem" Einbrecher würde im Gefängnis in Wales etwas warmes nicht schaden, ich stelle es mir dort feucht vor. Liebestöter ist zwar ein rein Deutscher Ausdruck, auf Englisch heissen die Dinger Long Johns, aber je nach dem, wie Gefängnisse in Wales in Sachen Mitbewohner sind, kommt es in der Deutschen Bedeutung auch ganz gelegen. Ich wünsche ihm alles Gute, er hat uns einen Tag lang prima unterhalten, hoffentlich ist sein Anwalt gerissener, als er. Auch wenn die Geschichte in sanjandros Link (vielen Dank, wäre ich nie draufgekommen!) etwas anders klingt, als Sie es im Radio gehört haben. Unterwegs durch die Medien ist die Geschichte etwas ausgeschmückt worden.

Paul Ingendaay

12. November 2009, 20:09

pardel, ich staune allmählich, wie nahe die im Radio gehörte Geschichte an der Wirklichkeit ist. Sollte mugabarru dem Mann nicht schreiben, um ihm ein paar Bekleidungstips zu eben?

pardel

12. November 2009, 20:18

Oder die gestern aussortierten Unterhosen als Care-Packet spenden. Der wird staunen.

Giselakemper

12. November 2009, 20:23

Sanjandro, herzlichen Dank für die erlösende Aufklärung! Ich habe meine Aufmerksamkeit ganz dem Photo des Einbrechers gewidmet, habe seine weiten Hosen - fast bin ich mir sicher, dass es sich um Funktionsbekleidung handelt- betrachtet  und kann nicht anders als mir darunter Boxershorts vorzustellen.

Dulcinea

12. November 2009, 20:45

Ja. Wir haben bestimmt alle ganz moderne Unterwäsche. Schick und fesch und ganz besonders Anti-Feinripp und Anti-Eingriff. Bestimmt. Ich glaube Ihnen allen. Nur, das möchte ich zu bedenken geben, wenn wir den Menschen, der in dieser feschen, modernen Unterwäsche steckt, nicht auch ein wenig lieben, dann nützt das schönste Höschen nichts. Und wenn wir verliebt sind, dann ist es auch wieder egal.

Paul Ingendaay

12. November 2009, 22:56

Jetzt, zwei Stunden später, wage ich zu sagen, dass Dulcinea uns zum Schweigen gebracht hat. Wir schweigen aus Ehrfurcht.

Dulcinea

12. November 2009, 23:07

Ich finde, es ist nun an der Zeit für mugabarrus Märchenwald, in welchem die größten und schönsten baskischen Pilze wachsen. Ist es nicht?

Chus

12. November 2009, 23:09

Ja, don Paul, ich muß zugeben, vor einiger Zeit fing ich an meinem an Boxershorts zu kaufen... Damit sehen (meiner Meinung nach) Männer einfach flotter aus. Meine Jungs dürfen ja keine anderen anziehen... Mein Mann findet aber leider, Slipps seien bequemer und am liebsten auch noch weiß. Also Dulcinea, es kann ja wirklich nur Liebe sein...

Paul Ingendaay

12. November 2009, 23:24

Ich hatte vergessen, den anwesenden Männern einen Link zur Orientierung weiterzugeben: www.best-underwear.de/.../schiesser.html

Man achte auf die Wortwahl. Ich lerne ständig etwas Neues.

Chus

12. November 2009, 23:33

Ich dachte, Schiesser existiert nicht mehr! Ich gehe ins Bett. Nicht einmal Harald Schmidt schafft es mich wach (zwei Laternenfeste innerhalb 24 Std.) zu halten. Buenas noches a todos. El último, que apague la luz de la cocina, porfa.

mugabarru

13. November 2009, 00:27

Entgegen meinem Versprechen schaffe ich es auch heute nich über Ibarrola und seinen Wald zu berichten. Habe mich mit dem wissenschaftlichen Eifer der mich auszeichnet auf die Untersuchung von Dulcineas letzter Behauptung, die ja auch von Chus - als Erfahrungsbericht - unterstützt wird. Heute teste ich schwarz/weiss bedruckte Slips, und habe die Socken auch schon ausgezogen. Morgen mehr.

mugabarru

13. November 2009, 02:53

Beim ersten praktischen Versuch hat der Slip leider versagt. Die Socken hatte ich ja, wie angekündigt nicht mehr an, so dass es nicht daran kann liegen konnte. Keine Sorge ich werde weiter forschen.

Nun kann ich mit aber dem Bosque de Oma widmen. Bevor ich zum ersten Mal hinfuhr hatte ich schon viele Fotos von den bemalten Bäumen gesehen, doch konnte ich diesen wenig abgewinnen. “Una imágen vale más que mil palabras” wird ja behauptet. Das ist nicht immer der Fall. Zwar gibt es wirklich gute, sogar ausgezeichnete  Bilder die viel aussagen. Aber Bilder lassen uns auch in vielen Aspekten Waise, was wir dank den diesbezüglich didaktischen Bemühungen unseres lieben Gastgebers im Blog auch gelernt haben. Deshalb drängte ich ja so auf eine Beschreibung von Jelenas Rücken, und youtube war einfach ungenügend und kein Ersatz. Also, amatxu hat darauf bestanden mich hinzuschleppen, hauptsächlich wegen Agustín Ibarrola. Er ist ein echter Baske, ein erklärer Kommunist der für die Freiheit in diesem Land gekämpft und mehere Jahre in Francos Gefängnissen verbracht hat. Trotzdem oder gerade deshalb ist er kein Nationalist und hat sich immer gegen Fanatiker und Verklärungen gestellt. Dafür ist er bedroht und auch bestraft worden. Als ich zum ersten Mal hinfuhr wusste ich nur, wie gesagt, dass es bemalte Bäume sind. Der Bosque de Oma liegt in der Nähe von Gernika (Guernica) und der bekannten Eiche (Gernikako Arbola), Symbol der Sonderrechte von Bizkaia, die später zum Symbol für das gesamte Baskenland aufstieg, was mich auch nicht besonders mystisch stimmte, sonder eher dagegen. Ibarrola hat die Bäume individuell und als Gruppe schemenhaft und in lebendigen Farben bemalt mit primitiven Formen: Jäger mit Bogen, Augen und andere archaische Formen. Es gibt/gab/gibt verschiedene Kennzeichungen am Boden auf die man sich stellen muss um den Gesamteindruck den der Künstler vermitteln wollte als Einheit zu erfassen. Ibarrolas Werk, die Standplätze und manche Bemalungen wurden von den Radikalen mehrmals beschädigt um gegen den unbaskischen Basken zu protestieren. Die Basken sind Frühaufsteher, so dass sie um halb zehn Uhr morgens schon wieder abtanzen. Dank dieser Angewohnheit habe ich den Bosque immer einsam erlebt. Der erste Eindruck ist, dass die Bäume wirklich lebendiger aussehen als auf den Fotos. Dann gehst du auf das von Ibarrola angebotene Spiel ein, stellst dich immer brav dahin wo der Künstler es vorgesehen hat, und bald merkst du dass sich das Werk nicht nur auf die Bemalung der Bäume beschränkt. Plötzlich drängt sich der Wald, die Natur, als Mitspieler auf: der Geruch der feuchten Erde, der Wind der durch die Bäume fegt, die Stille, oder die Geräusche der Tiere des Wind, dein eigener Atem, das Licht/Schattenspiel der Sonne…. Alles verändert den Schauplatz, und der wird magisch. Du stehst bis zum Knöchel im Schlamm, die Sonne spielt mit den Schatten der Bäume und die Jäger mit ihren Bogen werden lebendig, die Augen vefolgen dich, du spürst dass du nicht allein bist im Wald, obwohl nur amatxu irgendwo unterwegs ist. Du schaust über deinen Rücken zurück und erspähst die Gefahr: einen Bogen, das Auge dass dich bewacht, der Jäger der auflauert.... Die Figuren die du als Einheit erlebt und bewundert hast, werden plötzlich ganz reell, zersetzen sich und setzen sich wieder zusammen. Ich kann es nicht besser erklären, Doch möchte ich einen Besuch im Bosque de Oma unbedingt empfehlen, zu jeder Jahres- oder Tageszeit. Da ist immer was los, vor allem wenn Nichts los ist, wenn niemand da ist. Und diese Chance hat man leider oft.

Ibarrola hat auch im Hafen von Llanes die “cubos de la memoria” bemalt, die mich weniger beeindrucken, vielleicht weil das magische Element der Einsamkeit in der Natur fehlt. Jetzt, da er viele Monate im Jahr Euskadi verlässt, schafft er z.Z. in Avila an einem Werk das ich leider noch nicht kenne, da er auf dem Privatgelände eines Freundes von ihm arbeitet. Trotzdem bin ich gespannt auf das Ergebnis.

Zum Thema Bilder nur noch eine kurze Bemerkung: auch das herrliche Gebäude des Kursaal in Donosita (San Sebastián), wo sich Herr Igendaay seinen Unterhalt bitter verdienen muss indem er Filme anguckt, liess mich auf Fotos kalt. Doch als ich es nachts sah, beleuchet, war ich schwer beeindruckt von der scheinbaren Leichtigkeit und Eleganz des Baus. Es ist kein fotogenes Gebäude. Und ich bin kein bisschen neidisch auf die Arbeit des Kulturkorrespondenten der FAZ, und hoffe nur er schmeisst mich nicht aus dem Blog weil ich zu viel Platz beansprucht habe. Danke für die Geduld.

mugabarru

13. November 2009, 03:11

Sanjandro ich folge ihrem weisen Rat, habe Boxershorts angezogen um diese Nacht so schnell wie möglich wieder zu vergessen und schenke mir einen Whisky ein. Nur eine Bitte, erzählen sie mir endlich in welcher Ecke sie leben.

Paul Ingendaay

13. November 2009, 03:26

mugabarru, vergessen Sie jetzt einmal die Unterwäsche und gehen Sie schlafen. Morgen ist auch noch ein Tag.

mugabarru

13. November 2009, 08:35

Tatächlich, heute ist auch ein Tag. Schön. Doch ich muss zur Arbeit,und verstehe nicht ganz wie sie das meinten als sie sagten ich solle die Unterwäsche vergessen. Soll ich keine anziehen? Funktions......? Ich konnte kaum früstücken so allein vor diese wichtige Entscheidung gestellt.

Dulcinea

13. November 2009, 11:56

Danke, mugabarru, für die schöne und poetische Schilderung Ihres Waldes! "Du stehst bis zum Knöchel im Schlamm, die Sonne spielt mit den Schatten der Bäume und die Jäger mit ihren Bogen werden lebendig, die Augen verfolgen dich, du spürst, dass du nicht allein bist im Wald, obwohl nur amatxu irgendwo unterwegs ist." Wunderbar, wirklich, ich spüre es auch! Ich möchte diesen Wald gern einmal besuchen. Was nun die andere Frage angeht, mugabarru -- das ist ja immer eine etwas komplizierte Gradwanderung zwischen Innen- und Außentemperatur. Nur soviel: seien Sie nicht leichtsinnig! Es ist November.

sanjandro

13. November 2009, 15:14

ja, mugabarru, vielen Dank für die Schilderung, ich werde, wenn wir zu Weihnachten von Köln nach Galizien pilgern, mal rechts abbiegen, und den Jägern einen Besuch abstatten. Zur Unterhosenwahl kann ich Ihnen einen pragmatischen Tip geben. Waschen Sie weniger. Dann nehmen Sie einfach die erste Unterhose, die auf der Leine trocken ist oder Sie im Wäschetrockner finden.

So, jetzt muss ich aber zum Laternenfest. Übrigens auf dem Schulhof, wegen der Schweinegrippe dürfen wir nicht in die Turnhalle. Aber dafür gibt es ja Funktionskleidung. Drunter und drüber.

abfeldmann

13. November 2009, 17:25

leider keine zeit mich zu eitelkeit weiter zu aeussern moechte ich trozdem auf masturbation verweisen

www.guardian.co.uk/.../spain-sex-education

-

wenn ich das ueberfliegend recht wahrnahm, dann wurde hier ja schon ueber slipeingriffe, rumpoekeln etc gesprochen...

Dulcinea

13. November 2009, 17:35

Sanjandro, ich habe mich wirklich gewehrt. Ich bin stundenlang standhaft geblieben. Sehr standhaft! Doch jetzt... kann ich nicht mehr! Es ist wie mit der Bläschenfolie! Erinnern Sie sich an die Bläschenfolie? Ich muß es jetzt einfach tun! Bitte erlauben Sie alle mir, hiermit den einhundertsten Kommentar zu verfassen. -- Danke!

Paul Ingendaay

13. November 2009, 20:38

Es tut mir leid, Dulcinea, dass es nicht geklappt hat. Ich persönlich finde den 101. Kommentar fast noch schöner.

Dulcinea

13. November 2009, 21:45

Oh, ja. Ich verstehe! Abfeldmann lasse ich sowieso gern den Vortritt. Guten Abend, abfeldmann!

Paul Ingendaay

13. November 2009, 23:07

mugabarru, sehr spät danke ich Ihnen für die schöne Schilderung Ihres Waldes, den ich - Schande - nur von Bildern kenne. Sollte ich ändern. Von solchen Dingen dürfen Sie so viel schreiben, wie Sie wollen. (Von anderen natürlich auch, aber von diesen besonders.)

pardel

13. November 2009, 23:59

abfeldmann? Schon wieder weg? Die Briten freuen sich natürlich, wenn sie den Spaniern eins auswischen können: Onanie und The Spanish Inquisition! Das lieben sie. Aber man muss nicht so weit weg gehen, die Katalanen schmunzeln auch gerne über Extremeños: www.elperiodico.com/default.asp Es ist in der Tat lächerlich, die Kampagne, die Reaktion der einen, und die Reaktion der anderen Partei. Dann komme ich ins Grübeln: Wie wird man Lehrer bei einem solchen Symposium? Und wie weist man seine Qualifikation nach?

Chus

14. November 2009, 00:57

pardel, wenn Sie schon ins Grübeln kommen...

mugabarru

14. November 2009, 03:19

Das Thema Unterwäsche ist eine globale Debaatte, auch in Euzkadi grübel ich nicht allein. www.youtube.com/watch

Molinero

15. November 2009, 09:34

@pardel, ihre rovellons (oder níscalos)  gibt es haufenweis im Süden Deutschlands, da wird er aber Edel Reizker, Echter Reizker, Kiefern Reizker( L. deliciosus) genannt.

Bei uns daheim wurde er einfach Reizker genannt, bis ich bei meiner Ankunft in Madrid vor 22 Jahren ihn als níscalo wiederentdeckte.

Bremaneur

15. November 2009, 20:02

http://bremaneur.wordpress.com

Andererseits, es ist sehr streng in Deutschland, einen Orangensaft zu bestellen. Man muss immer eine Vernehmung ertragen. Mit oder ohne Eis? Kalt oder nicht kalt? Zum hier trinker oder zum mitnehmen? usw. Beklemmend!

Paul Ingendaay

15. November 2009, 22:02

mugabarru, noch eine Bemerkung zu Ihren Sätzen vor zwei Tagen, als Sie von Rafaael Moneos Kursaal sprachen. Ich kenne das Filmfestival noch aus den Vor-Kursaal-Tagen. Als er gebaut wurde, gab es Proteste gegen das Großkapital und so weiter. Aber das ist längst vergessen. Gerade am Abend ist der Kursaal von großer Schönheit, so klar und warm wie die Farbe des Mondes. Zu schweigen von diesem Strandabschnitt, den der Kursaal und die mit ihm entstandenen Bars und Läden wiedergewonnen haben. Sie müssen den Korrespondenten also nicht bedauern, mugabarru. Er kennt schlimmere Orte als diesen.

Chus

15. November 2009, 22:19

Hallo Alle!

Habe gerade den besten Tatort meines Lebens gesehen! : …es wird Trauer sein und Schmerz, Folge 747.

Ja, ja. Es passt nicht zum Blogthema und überhaupt. Nach der Spülmaschineaufräumaktion (ich liebe diese Sprache) habe ich mir ein Stündchen TV gegönnt. Nun bin ich wieder da und warte sehnsüchtig auf den nächsten Beitrag.

Don Paul, wir sind gespannt! : )

Paul Ingendaay

15. November 2009, 23:31

Chus, es freut mich, dass Sie Vergnügen hatten. Auf bald!

Dulcinea

15. November 2009, 23:50

Natürlich, Molinero! Reizker! Blutreizker! Ich rieche sie förmlich! Was werden da für Kindheitserinnerungen an die kühlen Tiefen der thüringischen und fränkischen Spätsommerwälder wach... Ach, ach!

mugabarru

15. November 2009, 23:56

Keine Sorge Herr Ingendaay, ich bedaure sie nicht, ich beneide sie nur. Es war nur mein kläglicher Versuch darüber hinwegzukommen.

Molinero

16. November 2009, 08:38

Ja Dulcinea Blutreizker :-) Das war wohl alles vor Tschernobil, Wildpilze gelten ja immer noch im süddeutschen Raum oder Österreich als besonders belastet.

Hier in Spanien jedoch von selbst gesammelten Pilzen besteht kein gesundheitliches Risiko aufgrund der Strahlenbelastung. (dafür andere)

Allerdings muss man auch sagen dass auf einem Flug von Frankfurt  nach Gran Canaria die Belastung durch Höhenstrahlung ein vielfaches höher ist.

pardel

16. November 2009, 14:01

Ja, Herr Molinero, vielen Dank. Ich nehme an, um Berlin herum gibt es auch Reizker, wenn es sie in Polen und in Süddeutschland gibt, sehe ich keinen Grund, warum sie hier nicht vorkommen sollen. Nur angeboten werden sie nicht, weder auf Märkte noch in Läden, selbst im KaDeWe oder Lafayette oder beim sog. Frische Paradies nicht. Ich bin für jeden Tipp dankbar, der mich dort hinführt, wo man sie finden kann, ich würde meine Faulheit sicher überwinden. Ich wäre evtl. sogar bereit zu verraten, wo in der Madrider Sierra, keine 60 km von der Puerta de Sol entfernt, man níscalos und viele anderen Pilze vor 30 Jahre fand. Ich habe in Google Maps nachgeschaut, die Gegend scheint sich kaum verändert zu haben, keine Bausünden weit und breit.

HenryCharms

16. November 2009, 15:37

Und es gibt uebrigens in der Calle Gravina in der Naehe der Plaza Chueca ein sehr gutes Pilzrestaurant, wo man neben den Niscalos auch andere leckere Pilze probieren kann.

Giselakemper

16. November 2009, 15:38

Apropos Pilze:

www.facebook.com/album.php

Das 3. Bild wurde speziell für Chus aufgenommen.....

Chus

16. November 2009, 17:17

Giselakemper, Daaaaanke! Ich habe ein Restaurant (wozu die Anführungszeichen?) und ein Gesicht gewonnen! :-)

danismile

17. November 2009, 22:12

http://Tatort

@Chus: Auch ich habe diese Folge gesehen (ich sehe nur alle 14 Tage fern) und bin immer noch beeindruckt von dem Film - er geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Bisher hatte ich mich nicht für youtube etc interessiert, jetzt aber sehe ich z.B. gerade die in dieser Folge des Blogs reichlich vorhandenen Links zu diesem Portal in einem etwas anderen Licht ... Wie gesagt, verarbeitet habe ich das Theme dieser Tatortfolge noch nicht.

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