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Holz und Hund

17. November 2009, 03:04 Uhr

Seit es etwas kühler geworden ist und der Wind über die Heidelandschaft außerhalb des Pardo fegt, ist die Holzbeschaffung für das tägliche Kaminfeuer ein Thema. Aber vielleicht ist das gar nicht der wahre Grund, warum ich jetzt über Holz schreiben will; vielleicht sind es die Pilze, über die hier so ausgiebig gesprochen wurde, die mich an die Landschaft im Nordwesten Madrids denken lassen. Ich sehe ja auch Pilzesammler dort; außerdem Reiter, Falkner und große Kinder mit Modellflugzeugen; Läufer wie mich; hin und wieder Fahrradfahrer, die aussehen, als trainierten sie für die Dreharbeiten zu Terminator 5; dann gelegentlich Autos, deren Fahrer zwei Galgos neben sich herlaufen lassen, die Tiere brauchen einen Auslauf, den ein einzelner Mensch unmöglich bewältigen kann; und hin und wieder leider auch Motorradfahrer, die das wilde Gelände dort draußen für ihre halsbrecherischen Fahrten nutzen.



Die Landschaft... ich kann sie eigentlich gar nicht beschreiben. Hügelig. Struppig. Karg. In den letzten Tagen wollten sich keine spektakulären Sonnenuntergänge zeigen, so dass ich nur ein paar Wölkchen in der Dämmerung fotografieren konnte. Aber sie gefallen mir auch. Jeder Lichtwechsel ist schön. Die einsamen Wege sind schön. Dort, wo Leute ihren Müll weggekippt haben, schaue ich weg.

Ich selbst komme in drei Funktionen, als Läufer, Spaziergänger und Holzsammler. Gern wüsste ich, wie man die Bäume mit der schwarzen Rinde nennt, die im und außerhalb des Pardo wachsen, wenn das die korrekte Bezeichnung ist, denn mir fällt vor allem auf, dass sie sehr schnell verdorren, so dass sie irgendwann umfallen und in verschiedenen Graden der Zersetzung in der Landschaft liegen. Dort bleiben sie also und modern vor sich hin, wenn die Jahreszeit gerade danach ist; irgendwann trocknen sie wieder und werden leicht und spröde wie Pulver; und dann komme ich, um sie einzusammeln und für unseren kleinen Kamin zu verwenden. Es ist ein hübscher Kreislauf, in welchem ich mich als Müllabfuhr des Holzabfalls betrachte, den das erbarmungslose Klima der Meseta hinterlässt. Und weil in dieser herb-poetischen Landschaft ganz offensichtlich niemand aufräumt, wenn ich es nicht tue, habe ich das erste Jahr hindurch kaum einen Gedanken an die Frage verschwendet, wem dieses ganze Holz, das ich regelmäßig abtransportiere, eigentlich gehört.



Das ist öffentliches Land, dachte ich wieder einmal, als ich letzten Winter ein paar alte Äste mit energischen Fußtritten zu Kleinholz verarbeitete. Was sollte es anders sein als öffentliches Land?

„Das Land gehört mir."
Der Mann von Ende Fünfzig stand plötzlich hinter mir. Vielleicht hatte er schon länger dagestanden und mir zugeschaut. Seine Miene war misstrauisch.
„Es gehört Ihnen?"
„Ja", sagte er. „Und das Holz auch. Das Land und das Holz."
„Oh. Ich verstehe. Kann ich das da" - ich zeigte auf den Haufen Kleinholz - „noch mitnehmen?"
„Nein", sagte er. „Das nutze ich."
„In Ordnung. Tut mir leid mit dem Holz. Ich wusste nicht, dass dies Privatgrund ist."
Er zeigte nach oben auf den Hang, wo sein Haus stand.

Ich fuhr, und unterwegs wurde mir klar, was gefehlt hatte. Der Mann hatte nichts Prinzipielles gesagt und mich nicht belehrt. Er war grummelig und unfreundlich gewesen, aber er hatte nicht gesagt: Wie kommen Sie dazu, hier Holz wegzuholen? Das ist Diebstahl. Ich könnte Sie anzeigen. Ihr Wagen steht auf meinem Grund und Boden. Sie zeigen keinen Respekt vor fremdem Eigentum. Wie kommen Sie eigentlich dazu, durch die Gegend zu fahren und Holz einzusammeln?

Spanien, dachte ich. Man wird nicht gern prinzipiell. Vielleicht glaubt man nicht daran, die Menschen seien reformierbar. Vielleicht ist man einfach zu träge dafür, sich die Mühe zu machen. Vielleicht auch zu klug! Ich weiß nicht, ob überhaupt ein Motiv dahintersteckt. Aber ich weiß, dass ich das Unprinzipielle der Spanier mag.

Das Kleinholz, das ich vorbereitet hatte, blieb die nächsten zwei Monate dort liegen, wo ich es aufgehäuft hatte. Der Mann rührte es nicht an. Er schien es nicht eilig zu haben.

Ich sollte ein paar Sätze zu unserer Mischversorgung sagen. Der Kamin ist nicht besonders groß. Man braucht also nicht viel Holz, um ein anständiges Feuer zu machen. Wenn man allerdings jeden Abend eins anzündet, sollte man sich einen Vorrat anlegen. Die Basis ist das Holz, das ich auf dem Land einsammele, sofern mich niemand daran hindert. Vor acht Monaten erzählte ich davon, dass ich mit der Säge durch die Gegend fahre und es in handliche Portionen zerlege. Manchmal transportiere ich auch größere Stücke ab, die ich dann zu Hause mit der Elektrosäge zerteile. Eine Motorsäge zum Mitnehmen kommt für mich nicht in Frage. Sie würde Benzin brauchen und sehr viel Krach machen. Beides will ich nicht. Hier sehen Sie meine wesentlichen Werkzeuge: Säge und Handschuhe.



Eine Axt! hieß es damals. Don Paul, Sie brauchen eine Axt!

Ich habe eine Axt. Aber sie ist klein, und eine kleine Axt bringt nicht sehr viel. Hätte ich eine größere Axt, ja, das wäre etwas. Aber dann brauchte ich auch einen richtigen Block. Und hätte ich den richtigen Block, müsste ich mir eigentlich auch einen größeren Kamin bauen. Und warum nicht gleich ein größeres Haus? Und warum kein Haus in Kanada? Ich könnte mein ganzes Leben austauschen. Als ich mir das so überlegte, schaute ich meine kleine Axt an und dachte: Ich lasse es vorläufig dabei.

Das also ist der Grundstock: Naturholz, selbst gesammelt. Brennt wie Zunder. Ich nehme auch dünnere Äste. Man wirft den ganzen Abend Holz nach, aber es knistert schön und riecht gut.

Holz Nummer zwei ist die Ware aus dem Baumarkt. Der Zehnkilosack kostet 2,90 Euro. Der Preis, heißt es, soll stabil bleiben bis Weihnachten. Weihnachten! Ich habe keine Lust, jetzt schon daran zu denken.

Holz Nummer drei ist... nun ja, nur im eingeschränkten Sinne Holz. Es ist Holzersatz. Wir nennen es Pressholz. Es sind regelmäßig geformte Stämme aus Holzbrei, die sich mit den Händen in kleine Stücke brechen lassen. Leider brennen sie nicht gut an, man wirft sie also am besten drauf, wenn das Feuer schon richtig in Gang gekommen ist. Dann brennen sie ordentlich. Diese Pressholzstämme... sie riechen nicht, sie knistern nicht, sie knacken nicht, sie machen auch keinen Spaß. Sie sollen nur vernünftig sein. Ökologisch sinnvoll. Optimale Energieausnutzung und dergleichen! Also sind wir vernünftig und ziehen mit. Etwas Traurigeres kann man sich eigentlich nicht vorstellen. Aber wir kennen das ja und sind daran gewöhnt. Um als vernünftig zu gelten, sind wir hin und wieder bereit, die Ästhetik über Bord zu werfen.



Ich habe einen Test gemacht und die Holzqualitätsprüfung dem Urteil unserer Hündin Estrella unterworfen. Estrella hat viel Erfahrung mit Holz, weil sie mich auf meinen Holzsammeltouren begleitet und abends gern einen Ast zernagt. Das erste Bild zeigt sie vor einer Holzprobe aus dem gekauften Sack, Sie wissen schon, der Baumarktware für 2,90 Euro. Sehen Sie sich das Bild genau an.



Ich glaube, Estrellas Körpersprache lässt nur eine Deutung zu. Die Pfoten gehen auf Distanz zu dem gekauften Holz. Es ist ein Produkt, das nicht gejagt oder gefangen, nicht erlegt oder gesammelt wurde. Ein Industrieprodukt. Instantware. Eine Art Fertigspeise. Es riecht künstlich. Die feine Nase hat kein Interesse daran. 



In der nächsten Sekunde drückt Estrella ihr Missfallen noch deutlicher aus. Sie wendet sich ab. Noch immer berühren ihre Pfoten das Holz nicht. Wenn jemand käme, um die Stücke abzutransportieren, es wäre ihr egal. Um dieses Holz würde sie nicht kämpfen. Selbst wenn ich ihr sagte: „Estrella! Dieses Holz ist gar nicht so schlecht. Ich habe zehn Säcke davon gekauft und bin zufrieden. Es brennt leicht an. Es hat sogar einen gewissen Geruch. Musst du so wählerisch sein?" Selbst wenn ich ihr das alles sagte, würde sie zur Seite schauen und das Holz ignorieren. Was sie wirklich will... Sie ahnen es... was sie wirklich will, sehen Sie hier:



Es ist das selbst gesammelte Holz. Unsere Beute, für die wir einige Kilometer zurückgelegt haben, ich im Auto, Estrella zu Fuß. The real thing. In Ermangelung eines besseren Begriffs nenne ich es das Einssein des Hundes mit dem Holz. Man könnte auch sagen: Holz und Hund. Das Foto dokumentiert eine innige affektive Beziehung, die sich nicht analysieren und nicht zerreden lässt. Estrella ist, um es im modernen Seelenjargon auszudrücken, im höchsten Maß zugewandt. Sie mag das Holz, berührt das Holz, schützt das Holz und kaut das Holz, wenn die Stunde dafür gekommen ist. Dies, um es knapp zu sagen, ist Estrellas Holz. Also ist es auch meins.

Veröffentlicht 17. November 2009, 03:04 von Paul Ingendaay
Kommentare

abfeldmann

17. November 2009, 09:50

sehr fein, paul ingendaay. lebensnah, relevant, poetisch. ihr bei weitem bester beitrag.

HenryCharms

17. November 2009, 09:55

Don Paul, wie ich Sie beneide! Ein schoenes knisterndes Kaminfeuer ist etwas, was wir gegenueber Deutschland wirklich vermissen. Zwar haben wir hier auch einen Kamin im Haus, der eigentlich auch funktioneren sollte. Leider tut er das aber nicht, und unsere Versuche ein schoenes Feuer zu machen endeten damit, dass ich im verqualmten Wohnzimmer die angekohlten Holzstuecke  auf einem Backblech nach draussen getragen habe, wo sie dann vorbildlich abgebrannt und durchgeglueht sind. Am Holz lags also nicht. Der Vermieter konnte uns leider auch nicht weiterhelfen und erklaerte nur, dass er den naechsten Mietern sagen wuerde, dass der Kamin nicht zieht.

Das ueberschuessige Holz haben wir dann im Sommer zum Grillen verbraucht, weil wir keinen Hund haben, der es zernagt.

Paul Ingendaay

17. November 2009, 11:18

Danke, abfeldmann.

*

HenryCharms, das tut mir leid. Mit den Geheimnissen schlecht ziehender Kamine kenne ich mich nicht aus. Übrigens zernagt Estrella keine großen Mengen. Und danach muss auf einigen Quadratmetern gründlich gefegt werden. Es ist keine Müllbeseitigung, sondern Müllproduktion.

mugabarru

17. November 2009, 11:35

Pilze, Holz, Kamin... was für ein schönes Thema. Ihr Holzeinsammeln ist eine äussert wertvolle und sehr ökologische Aktivität. Und der Kommunalbesitz von Wäldern ist auch der Grund warum es in bestimmten Gegenden Spaniens weniger Waldbrände gibt. Der Wald wird eben gesäubert und das Feuer findet nicht so viel Nahrung. Leider gibt es immer mehr Heizungen und die Leute werden bequemer, so dass diese Säuberungsaktionen nicht durch Menschen die einen kleinen, eigenen Nutzen davon haben durchgeführt werden. Irgendwann werden wohl richtige Brigaden eingesetzt werden müssen um die Wälder zu säubern.

Mein Lieblingsholz sind Kastanien. Da riecht das Feuer bezw. der Rauch besonders gut.

Paul Ingendaay

17. November 2009, 11:52

Ungefähr das hatte ich hören wollen, mugabarru. Dass ich nicht hedonistisch, sondern nützlich bin. Danke.

mugabarru

17. November 2009, 12:23

Sehen sie es doch nicht so einseitig. Es ist viel schöner hedonistich und nützlich zu sein. Lo cortés no quita lo valiente.

Paul Ingendaay

17. November 2009, 12:25

Chapeau.

Dulcinea

17. November 2009, 13:27

Feuerchen machen, das ist ja ein wenig eine männliche Domäne und Eigenheit. Von früher her. Richtig ist, daß das Feuermachen nicht nur schön, sondern auch beschwerlich sein kann, nämlich, wenn man gar kein anderes Heizsystem zur Verfügung hat. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang gern an meinen alten Badeofen, der mir jahrelang schönste Dienste leistete. Ich testete immer meine Herrenbesuche an ihm. Besonders vorteilhaft wurden Herren beurteilt, die noch am Abend auf den Gedanken kamen, mir den Badeofen zu heizen. Es gab nämlich auch welche, die ihn zwar schön und romantisch fanden, sich dann aber wunderten, warum in der Früh kein warmes Wasser da war. Diese hatten es natürlich schwerer. Heutzutage kommt das warme Wasser aus der Wand. Das hat auch Vorteile, vor allem im Sommer. Den Badeofen muß man nämlich auch bei 30 Grad Außentemperatur heizen.

Melibea

17. November 2009, 14:31

Im Dorf meiner Grosseltern wird seit geraumer Zeit wieder mit Holz geheizt, wegen der gestiegenen Kosten für Öl und Gas. Das sind sehr unromantische Beweggründe aber seitdem riecht es wieder stärker nach Kindheit, das ist schön. Aber: den Geruch eines spanischen Waldes, das würzig-kräftige, das liebe ich! Am Wochenende waren wir u.a. in Santa Cruz de los Cuérragos (Zamora): laut Internetseite leben dort noch 7 Seelen, wir sind mehr als die Hälfte von ihnen begegnet; Hunde waren aber keine zu sehen oder zu hören. Herr Ingendaay, dort finden Sie und Estrella auf jeden Fall eine Menge Holz! Und am Sonntag kamen dutzende Störche nach Zamora und besetzten alle Türmchen und Spitzen der Altstadt...

Ihr Beitrag ist für mich ein sehr schöner Epilog zu meinem Wochenende!  

Dulcinea

17. November 2009, 14:32

Ich habe mich noch gar nicht für die schönen Fotos bedankt! Danke für die schönen Fotos! Besonders schön finde ich das nächtliche Sägenbild mit dem abgearbeiteten Blatt. Die wievielte Säge ist das?

Paul Ingendaay

17. November 2009, 15:32

Melibea, leider ist Zamora ein bisschen weit für mich, um dort Holz zu sammeln. Danke für den Hinweis.

*

Dulcinea, das ist die erste Säge. Wir haben noch eine andere. Die Motorsäge allerdings könnte ein neues Blatt gebrauchen.

Giselakemper

17. November 2009, 20:32

Es war wieder ein Hochvergnügen, Don Paul, von Ihren Streifzügen und Überlegungen zu lesen. Ich freue mich an Ihrer Unbefangenheit als Sammler, die mir vor Jahren abhanden kam. Am Bodensee, zur Apfelernte, als Bäume sich beugten unter der Last ihrer Früchte, viele Früchte schon im Gras lagen und die Wespen auf ihnen Orgien feierten, stellte mich und meine Kinder ein Landwirt am Wanderweg. Wir erfreuten uns kauend an dem köstlichen Apfelgeschmack , bis uns der Bissen buchstäblich im Halse stecken blieb unter den Verwünschungen, Beschimpfungen und Drohungen .... Ein Vivat auf seinen gelasseneren spanischen Kollegen..... mit dem der Badner gemeinsam hat, Eigentumsverhältnisse zu klären, ohne die Ernte einzufahren. Seltsam.

Chus

17. November 2009, 20:35

Tübingen brennt leider ohne Holz und ganz lebensnah...

Leider ist mir heute nicht nach poetischen Beiträgen...

Giselakemper

17. November 2009, 20:38

Dulcinea, wie beneide ich Sie um den ehemaligen zu heizenden Badeofen! Der Test war sicher validiert! Hat er Ihnen auf Ihrem weiteren Lebensweg geholfen? Wie nützlich doch ein solches Gerät sein kann! Darüber habe ich bis heute nicht nachgedacht.

Was ich in Spanien vermisse: Den Geruch im hohen Eichen- oder Buchenwald nach einem Regenschauer, wenn es noch von den Bäumen tropft....

Chus

17. November 2009, 20:53

Giselakemper, Sie müssen nur nach Lugo oder Ourense. Deutschland liegt doch so nah...

Giselakemper

17. November 2009, 21:03

Lassen Sie mich noch etwas zu Bauschan sagen, Don Paul, und zu Deutung seines Blickes auf Ihren wunderbaren Photos. Auf dem ersten Bild glaube ich eine ernsthafte Irritation in Bauschans Blick zu bemerken. Taktvoll - vielleicht, um seinen Herrn nicht zu verletzen -, schaut er zur Seite, will das vor ihm Liegende "über"sehen, kann es vielleicht gar nicht glauben, was ihm der Herr dort anbietet. Und auch noch mit dem Photoapparat würdigt!  Auf dem nächsten Bild wird er dann eindeutig: Abwendung, Nase weg vom Produkt und Herrn. Da sehen Sie mal, was Sie jetzt davon haben! Doch endlich die Erlösung in Bild 3: Hundeglück in Bauschans Augen! Er hat den Glauben an seinen Herrn wieder gefunden. Aber es bleibt etwas Skepsis: Was sollte das jetzt wieder?

Paul Ingendaay

17. November 2009, 22:16

Sehen Sie, Giselakemper, womit ich meine Zeit verbringe? Mit der Deutung der Blicke unserer Hündin. Zu anderen Gelegenheiten gebe ich zu, dass sie sehr leicht zu interpretieren sind.

danismile

17. November 2009, 23:02

Funktionsholz, das ist nichts für Estrella. Das jedenfalls wird aus den - willkürlich oder gesteuerten - Momentaufnahmen deutchlich. Verständlich fände ich die Verachtung für das Pressmehl schon, analog z.B. zu dem Vergleich von Formfleisch mit Hähnchenflügeln "wie gesachsen". Und, Don Paul, die Zusicherung, dass die Preise bis Weihnachten stabil bleiben, kann auch bedeuten, dass sie danach fallen ... was dem Pressholz etwas mehr Attraktivität verleihen könnte. Denken Sie aber auch daran, dass Holzsplitter zwischen den Zähnen nicht immer ein Vergnügen sind, nicht für das liebe Tier und nicht für das Herrchen.

mugabarru

18. November 2009, 00:26

Giselakemper, es stimmt was Chus sagt. Gute Wälder gibt es nur im grünen Norden Spaniens. Der würzig-kräftigeGeruch an dem sich auch Melibea ergötzt, der kann doch nur aus feuchter und fruchtbarer Erde kommen, beigemischt mit der leichten Fäulnis von Blättern und nicht eingesammelten Früchten. Das kann ich mir in der kastillische Steppe mit der steinharten Erde einfach nicht vorstellen. Und was halten sie von den sardinas oder chuletillas de cordera a la brasa, die natürlich nur mit sarmientos, das Holz das nach der Weinernte vom Rebstock abgeholzt wird?

Dulce Dulcinea ich wäre auch bei 40º C ihr ergebener Badesklave und hätte noch ihr beliebtestes Badesalz in die Wanne geschüttet. Ich bin mir sicher, dass sie mit ihrem Charme immer heisses Badewasser hatten. Schade nur dass sie mit keine Chance gegeben haben ihnen zu dienen.

Herr Ingendaay spazieren sie eigentlich mit der Säge in der Hand durch die Umgebung Madrids? In welcher Hand? Mit oder ohne Handschu? Sind sie noch nie der Guardia Civil begegnet? Schön dass ich in Madrid immer viel zu sehen habe und kaum aus der Stadt herauskomme. Eine Begegnung mit ihnen mit diesen Accesoires würde micht möglicherweise unruhig stimmen. Aber das mit der Axt wäre noch viel schlimmer.

mugabarru

18. November 2009, 00:35

Und mit danismile stimme ich auch überein. Ich hoffe sie sind bei Frauen einfühlsamer als mit ihrem Hündeweibchen, und bieten etwas Besseres. Was zum Beispiel??? Sie kennen ja meine rein wissenschaftliche Neugier inzwischen.

Paul Ingendaay

18. November 2009, 00:40

mugabarru, das Urteil über meine Einfühlsamkeit wollen wir anderen überlassen, einverstanden? Säge und Handschuhe liegen im Auto. Kleinholz wird übrigens in den großen blauen Ikea-Tüten transportiert. Die sind sehr praktisch.

Dulcinea

18. November 2009, 00:49

Jetzt wollte ich Frau Gisela gerade fragen, ob der oben abgebildete Hund nicht Estrella heißt -- und jetzt das, mugabarru! Ja! Was soll ich sagen! Ich glaube Ihnen. Sofort. Jedes Wort. Ich habe Ihren bisherigen Beiträgen entnommen, daß Sie ein sehr gewissenhafter, gleichsam ein systematisch vorgehender Herr sind. Doch haben wir uns zu einer falschen Zeit... kennengelernt, wenn man so sagen darf. Sehen Sie, Giselakemper, es nutzt doch nicht immer etwas.

Paul Ingendaay

18. November 2009, 02:12

"Den Geruch im hohen Eichen- oder Buchenwald nach einem Regenschauer, wenn es noch von den Bäumen tropft..."

Ja, Giselakemper, den Geruch kann man vermissen. Dafür muss man dann in den Norden fahren. Da gibt es dann aber nicht mehr unser Licht. Es gibt ein anderes, das auch schön ist. Aber nicht dieses gleißende Madrider Licht. Wir können eben nicht alles zugleich haben. Auch wenn es schon... ziemlich viel ist. Finde ich.

Giselakemper

18. November 2009, 08:10

Ja, liebe Dulcinea, natürlich haben wir es heute mit Don Pauls Hündin Estrella zu tun..... Aber in der Ferne wurde ich an den berühmten Münchner Hühnerhundmischling erinnert, nicht nur wegen des Hundes, sondern auch wegen seines sprachgewaltigen Hernn. Und wegen der Überschrift.

abfeldmann

18. November 2009, 10:16

obwohl ich ja ein passionierter spaniennoergler bin, bin ich anderseits nicht sonderlich heimatverbunden. - "Geruch im hohen Eichen- oder Buchenwald nach einem Regenschauer, wenn es noch von den Bäumen tropft..." sagt mir garnichts, keiner erinnerungspuren haben meine sinnesorgane hier gespeichert. keine. darunter kann ich mir garnichts vorstellen. - wie, liebe freunde, wie riecht das denn? helft bitte meiner erinnerung auf die spur...

mugabarru

18. November 2009, 10:21

Meine Bemerkung über ihr Einfühlvermögen ist wirklich unglücklich geraten. Entschuldingen sie.

Paul Ingendaay

18. November 2009, 10:39

Nichts passiert, mugabarru.

*

Schon als Jugendlicher, Giselakemper, musste ich beim Gedanken an Thomas Manns "Herr und Hund" lächeln. Der Grund ist der erste Satz, der mir früh unvergesslich wurde: "Er kommt um die Ecke." Natürlich sympathisiere ich auch mit dem Mischlingshaften, das Bauschan eigen ist. Bei anderer Gelegenheit erzähle ich von Estrellas Herkunft.

Dulcinea

18. November 2009, 10:56

Ich hatte ja keine Ahnung!

***

Abfeldmann, im deutschen Mischwald riecht es nach Regen süßlich-faul, dann aber auch wieder würzig und nach Pilzen. Moosig und feucht, aber das sagt Ihnen vermutlich nichts... Hm. Stellen Sie sich einmal den salzigen Geruch des Atlantiks vor, Sand, Strand, Wind und so fort, können Sie das? Und davon dann das Gegenteil.

mugabarru

18. November 2009, 13:29

Mit Kastilliens (und Madrids) Licht kann wirklich keine andere Region in Spanien mithalten. Wahrscheinlich hängt dies mit der Trockenheit zusammen. Vor allem im Frühling, Herbst und Winter gibt es keinen Vergleich mit dem cielo sobre Madrid (Castilla). Im Winter kann es klirrend kalt sein, aber die Sonne strahlt und erleuchtet das belebende blau des Himmels so sehr, dass die niedrigen Temperaturen vergessen werden. Im Norden sind die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht nicht so extrem, dafür müssen wir und in den genannten Jahreszeiten wochenlang nur mit einer knappen 40W Sonne begnügen, die - kraftlos - nicht gegen Nebel und Wolken ankommt. Besonders schön sind auch die Nachthimmel Kastilliens. Beim Anblick der Sterne - mit etwas Glück sogar der Milchstrasse - dann ist es ganz egal ob dafür -7ºC oder noch weniger in kauf genommen werden müssen.

Chus

18. November 2009, 14:30

mugabarru, jetzt breche ich auch eine Lanze für Sie (ob man das auf Deutsch sagen kann?). Don Pauls Hündin hat mindestens eine chuletilla de cordero verdient. Allerdings eine aus Kastillien. Bei uns in Norden fressen die Viecher leider zu viel grünes Gras. Das kommt dem Fleisch nicht zu Gute. Sorry, Vegetarier der Welt!

Und TÜ brennt weiter. Und immer noch ohne Holz. Auf meinem Weihnachtswunschzettel: Ein neuer Rektor, ohne, dass wir Elektrosäge mit oder Handschuh parat haben müssen…

sanjandro

18. November 2009, 16:42

Vor ein paar Tagen habe ich gelesen, dass sich eine Situation zusammen mit einem Geruch wie ein Fingerabdruck im Gehirn festsetzt, wenn man den Geruch zum ersten Mal wahrnimmt. Wenn man also später an einen Geruch denkt oder etwas riecht, kommt einem immer wieder die damalige Situation in den Sinn.  abfeldmann, wollen Sie uns wirklich erzählen, Sie hätten nie eine unvergessliche Situation in einem feuchten Eichenwald gehabt?

Wenn wir schon im Norden sind empfehle ich die Eukalyptuswälder der Costa da morte. Herrliche Luft, egal ob nach Regen oder bei Sonne. Und auch als Kaminholz bestens geeignet. Ich bin sicher, dass Sie, Don Paul, mit Ihrem Einfühlungsvermögen die richtige Situation schaffen werden, mit dem Ihr Gehirn den Geruch von verbrannter leña de eucalypto in Zukunft assoziieren wird.

Und hätte nur einer der Herren den Badeofen mit Eukalyptus angefeuert, Dulcinea müsste bei jedem Hustenbonbon an ihn denken.

Paul Ingendaay

18. November 2009, 17:04

sanjandro, das mit der Wiedererkennung des Geruchs, der Erinnerungen freisetzt, haben Sie sicherlich richtig gelesen. Wenn Ihnen dergleichen gefällt, lesen Sie unbedingt Proust, er hat den Vorgang so genau wie niemand anders beschrieben. Nicht nur in der berühmten Madeleine-Szene. Diese unbeabsichtigte und unwillkürliche Erinnerung (mémoire involontaire) taucht bei ihm häufiger auf. Jetzt sollten wir aber eine Minute des Bedauerns für abfeldmann einlegen: Er weiß nicht, wie ein nasser Wald riecht!

Dulcinea

18. November 2009, 17:29

Doch, er weiß es, er weiß es! Tief drinnen sitzt es! Abfeldmann, suchen Sie nach Ihrer Madeleine!

***

Wenn ich Eukalyptus rieche, muß ich immer an meine Großmutter denken, welche diese kleinen Hustenbonbons, die Sie erwähnen, sanjandro, mit Vorliebe aß. Immerzu. Sie erntete die Brennesseln für die Schweine mit bloßen Händen, weil dies gut gegen Rheuma wäre. Das Brennesselbrennen auf der Haut. Sie hatte auch wirklich nie Rheuma. So eine war meine Großmutter.

Chus

18. November 2009, 17:51

Dulcinea. Mein Uropa hat immer genau dasselbe gemacht (ganz geläufig ist es bei uns in Galicien). Trotzdem hat es nicht viel gebracht. Aber bei so einer Feuchtigkeit, was soll denn da helfen? Auch Eukalyptus musste ich immer von einem Topf, der im Zimmer lag inhalieren. An Feuchtigkeit und Eukalyptus ist kein Mangel bei uns. Eine Koalaplage könnte unserem Ökosystem bestimmt nicht schaden. Leider zu kalt und zu feucht…

Ich persönlich vermisse den Steingeruch nach einem leichten Regen im Spätsommer, da wo es noch nicht so feucht ist, eher noch trocken.

Dulcinea

18. November 2009, 18:09

Chus! Ihnen wollte ich ja noch sagen, daß man es sehr schön verwenden kann im Deutschen: romper una lanza - eine Lanze brechen. Ja. Und diesen eher trockenen, noch nicht ganz feuchten Steingeruch, den Sie beschreiben, das ist wirklich ein sehr spanischer Geruch, wie ich finde.

Giselakemper

18. November 2009, 18:34

Don Paulo, erzählen Sie uns von Ihrer Hündin? Kommt sie auch stürmisch um die Ecke gefegt? Ist sie Ihnen auch schon einmal untreu geworden in ihrer Anhänglichkeit? Bei so einem Supermann, der sie noch mehr beeindruckt hat als ihr Herr es normalerweise tut? Die Mischlingshunde sind übrigens die besten, in Bezug auf Nasen, Gesundheit, Zuverlässigkeit, Zähigkeit und Treue. Als ich in der Strasse "Am Ratmerstein" wohnte, hatte ich einen echten Ratmersteiner. Er war über 17 Jahre mein zuverlässigster Begleiter, während so manch anderer auf der Strecke blieb.....

mugabarru

18. November 2009, 19:29

Nur ganz kurz sanjandro, ich bin ihnen ja sehr dankbar für die wichtigen und pragmatischen Tipps die sie mir geben. Doch was den Eukalyptusbaum anbelangt muss ich sie sehr warnen. Gerade während der Francozeit wurden diese Bäume ja massenweise in Galicien gepflanzt weil die sehr produktiv sind. Aber die ökologischen Nachteile sind bedeutend, und diese Bäume brennen auch sehr leicht. Deshalb kommt es ja in Galicien immer wieder zu diesen unverständlichen Bränden. Also bleiben wir lieber beim Kastanienbaum, der Eiche oder anderen autochtonen Bäumen. Und was Geruch und Erinnerungen angeht, eine meiner verankertsten Geruchseindrücke von Madrid ist der Geruch der frischgespritzen Strassen entweder Nachts oder ganz früh am Morgen. Damals glaubte ich die Stadt würde auch duschen. Wird das heute noch gemacht?

Chus

18. November 2009, 20:29

Sanjandro, wirklich...

mugaburru hat so ein Recht!

Wenn Sie gerne brennende Euklypten Riechen, Brauchen Sie bloß nächsten Somemr zu uns fahren. Irgendeiner brennt ja immer. DIese verfluchten Bäume sind aber die Fenix  der Bäume, leider.

Paul Ingendaay

18. November 2009, 20:35

mugabarru, die Straßenwäsche im Sommer morgens um vier... gehört zu den poetischsten Dingen, die man in Madrid erleben kann. Dort, wo ich früher wohnte, gab es sogar Straßenwäscher, die gesungen haben. Einmal hörte ich (cuesta creerlo) italienische Opernarien.

*

Giselakemper, ich erzähle sicherlich im Lauf der Zeit etwas ausführlicher von Estrella. Heute nur soviel: Sie ist treu, zuverlässig, ausdauernd und alles. Und wie Sie richtig vermuten, gesund.

Melibea

18. November 2009, 20:38

Mugabarru, ja die Stadt duscht weiterhin! Und vor den Bars benutzt sie auch immer noch Duschbad und Shampoo, das mag ich besonders. Am besten ist aber der Geruch in meinem geliebten Haus, in dem ich ein Jahr lang gewohnt habe und in dem ich gerade wieder weile: diese ganz spezielle Mischung aus frischer Wäsche, spanischem Essen und dem besonderen Extra... Nach meiner Rückkehr nach Deutschland rochen meine ganzen Sachen danach und es hat mich so traurig gemacht. Aber jetzt bin ich hier und sehr glücklich.

pardel

18. November 2009, 20:45

Die Eukalyptusbäume sind (nicht nur in Spanien, sondern weltweit) Australiens Rache für die Kaninchen und die Aga-Kröte: Eine unausrottbare Plage. Chus Traum von einer Koalagegenplage teile ich, ich fühle mich erneut bestätigt, danke. Leider ist eine solche Plage sehr unwahrscheinlich: Koalas sind so träge, langsam und schlicht, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie sie zum Problem für die Eukalypten egal wo auf der Welt vermehren können. Selbst in Australien schaffen sie es nicht.

Mein Proust´scher Geruch ist Bohnerwachs im Haus meiner deutschen Großeltern. Als sie starben uns es nicht mehr gebohnert wurde, verlor das Haus seine Seele für mich, obwohl es weiter bewohnt wurde. Mein Waldgeruch ist Pinie, aus der Madrider Sierra. Da, wo man Pilze findet, wenn es regnet. Wenn es heiss ist, ist es harzig, bei Regen moosig-modrig. Und die Pilze, wenn man sie findet, haben wieder je einen ganz eigenen Geruch.

Sarmientos sind auch nicht schlecht.

mugabarru

19. November 2009, 01:26

Keine Sorge sanjandro wir alle vergeben ihnen ihre etwas leichtsinnige Sympathie für Eukalyptus, wenn sie versprechen einzusehen dass diese Bäume nie hätten Australien verlassen dürfen.

Pardel ich assoziiere Pinien immer mit den Ferien am Mittelmeer. Unverständlicherweise hat sich das gesamte Harz immer auf meiner Badehose versammelt. Sobald ich Pinienharz rieche, kommt mein Pavlovscher Reflex und ich fange an meine Klamotten auf Flecken zu untersuchen: Kindheitstrauma.

Schon wieder muss ich gestehen dass ich sie beneide Herr Ingendaay, doch bitte bekommen sie keinen falschen Eindruck von mir. Frisch gewaschene Strassen und Gesang muss ja fast.... Sind sie sicher dass sie es nicht geträumt haben? Amatxu meint ja dass je mehr Leute Musik hören und lieben, desto weniger wird musiziert und gesungen. Sie erzählt dass früher die Hausfrauen beim Putzen gesungen haben, genau wie die Kinder die auf den Strassen spielten, die Freunde auf Ausflügen, oder bei irgendeinem sozialen Treffen. Es soll auch immer jemanden gegeben haben der, mehr oder weniger, Guitarre spielen konnte und dies auch in die Tat umsetzte. Doch jetzt wird viel Musik konsumiert, doch wenig produziert. Ein italienischer Bekannter von ihr, der seit jahrzehnten jedes Jahr nach Andalusien reist, der behauptet auch (es ist für beide ein Lieblingsthema), dass jetzt nicht mal die Bauarbeiter in Andalusien singen. Deshalb frage ich nach.

Paul Ingendaay

19. November 2009, 03:00

Von den Bauarbeitern in Andalusien, mugabarru, wüsste ich jetzt nicht zu sagen, ob sie singen. Kommenden Montag werde ich in Sevilla nach welchen Ausschau halten. Ich hoffe, montags singen sie. Von meinen Madrider Straßenwäschern habe ich aber ganz sicher nicht geträumt. Sagte Melibea nicht dasselbe? Sagte sie nicht: "Die Stadt duscht weiterhin." ? Ich glaube, das sagte sie.

*

Ja, pardel. Bohnerwachs. Ein ganz alter Geruch. Ein schöner Geruch.

HenryCharms

19. November 2009, 10:44

Da wir Sie, abfeldmann, dafuer bedauern, dass Sie nicht wissen, wie  ein feuchter Wald riecht, koennen Sie das vielleicht mit einer anderen Assoziation erwecken: mancher gute Cabernet Sauvingnon riecht auch nach feuchter Erde. Nicht gerade der typische spanische Wein aber vielleicht schlummert da doch eine Erinnerung.

In einen Parallel-Blog gibt es ueberigens gerade eine nette Geschichte zu unserem Ex-Thema, der Plastiktuete:

faz-community.faz.net/.../im-toten-winkel-der-poesie-die-plastiktuete.aspx

abfeldmann

19. November 2009, 10:56

dulcinea, danke fuer den weiteren ausbau des waldduftes. das hilft. ich glaube ich bekomme ihn in die nase.

chus. perfekt. der spanische steinduft, den kenne ich auch. es gibt auch den geruch des spanischen schattens, in dem alles leicht abgekuehlt wieder wahrnehmbar wird und jetzt eine kopfnote von faulheit und einen strich rettender verwesung traegt.

ansonsten - nie vergessen werde ich den herrlichen geruch von englischem asphalt und die poesie von italienischem chlor. auch die deutsche bahn hat eine sehr feine olfaktorische hausmarke - mischung aus dem geruch von kunstleder, staub, reiniger und einem schuss maschinenoel (oder in der vintage-ausgaben nochmal alles schoen abgehangen in kaltem zigarettenrauch). an madridschliesslich - und das ist jetzt erstaunlicherweise garnicht skuril - liebe ich den geruch von schnee unterlegt mit einem hauch von pinien und pferdeaepfeln. wunderbar. ich kann ihn kaum erwarten.

Paul Ingendaay

19. November 2009, 11:17

HenryCharms, ja, das bleibt interessant mit der Plastiktüte.

*

Frau Diener, wir sollten uns gegenseitig verlinken, um die Plastiktütensoziologie zu vervollständigen.

Dulcinea

19. November 2009, 11:34

Ja, andere Wohnküchen haben auch lustige Töchter, das stimmt. In diesem Zusammenhang hätten Sie sich vielleicht auch gleich mit Don Alphonso verlinken sollen, Don Paul? Er scheint das Holz ja auch zu lieben.

abfeldmann

19. November 2009, 11:43

... die sinfonie von kohleheizungen, feuchtem muff und autoabgasen der alten neuen bundeslaender - herrlich! - so etwas schoenes gibt es heute garnicht mehr.... - die basisnote von menschenmassen in china, aus der sich bei naeherem kontakt zart ein individuum schaelt. - wunderbar.

Paul Ingendaay

19. November 2009, 12:52

Ja, Dulcinea, in beiden Fällen handelt es sich um Holz. Aber unsere Aufgaben unterscheiden sich doch sehr. Die größten Ähnlichkeiten erkenne ich in der Funktionskleidung, in diesem Fall den Handschuhen.

Dulcinea

19. November 2009, 13:12

Ja, bestimmt. Damit kennen Sie sich besser aus, das ist klar.  --  Aber wie wir dem abfeldmann und seiner Nase auf die Sprünge geholfen haben... ich bin ganz begeistert! Der Geruch des spanischen Schattens. Wunderbar.

abfeldmann

19. November 2009, 14:03

danke, dulcinea.

frisch angespornt werde ich versuchen mich in erinnerung dem deutschen wald zu naehern: in der kuehlen jahreszeit scheint der dominante geruch eher von oben zu kommen, von den von wipfeln geharkten wolken, von der frische der umwindeten, leicht mosigen borke. in der warmen jahreszeit kommt er mehr von unten, aus dem unterholz und blumengrass.  

Dulcinea

19. November 2009, 15:06

Ja, abfeldmann! Was Sie so schön beschreiben, das erklärt sich daher, weil die warme Luft ja immer nach oben steigt! Im Winter gibt es keine warme Luft. Im Sommer ist sie dafür voller Heidelbeeren.

Stoeffler

20. November 2009, 17:33

Schon lange wollte ich Herrn Ingendaay für seine wunderbaren Beiträge in diesem blog danken. Jetzt aber Chapeau an alle in dieser Kommentar-Runde für die Poesie der Geruchsbeschreibungen. Damit entwickelt der (an sich schon schöne) Beitrag noch ganz neue Qualitäten.... Ein spannender Punkt (für mich) dabei ist, dass die Qualität von Gerüchen selbst sich kaum in Worte fassen lässt. Meist landet die Sprache dann doch bei Vergleichen mit anderen Gerüchen ("dieser Geruch erinnert an xy"). Falls das jetzt nicht zu banal wirkt:  Es ist physiologisch ja auch unmittelbar einleuchtend, dass Gerüche so direkt an unser persönliches emotionales Erleben rühren. Schließlich ziehen die Geruchsnerven aus der Nase direkt ins "Riechhirn", den stammesgeschichtlich alten Teil unseres Gehirns, wo sie vielfache Verbindungen mit den Zentren für emotionales Erleben eingehen.

Paul Ingendaay

20. November 2009, 18:02

Wenn ich für die ganze WG sprechen darf, Stoeffler: Wir danken Ihnen.

mugabarru

22. November 2009, 00:04

Heute habe ich einen echten Männerabend verbracht: Essen, Trinken, Füsse auf dem Tisch, mit den Fingern essen und Fussball stand auf dem Programm. Wir sind früh - gegen 20h - pintxos essen gegangen, schön aufgeputzt weil Nekane die schönste Kellnerin von ganz Getxo ist, und wir sie beeindrucken wollten. Mein Begleiter bestand darauf einen Schlips anzuziehen, weshalb wir noch extra in seine Wohnung fuhren. Da er länger suchte, rief ich nach ihm, und fand ihn im Badezimmer, das Gesicht gegen einen rosa Bademantel gedrückt. Ich fragte was das denn solle, er meinte: "es riecht nach amá (Mutter auf baskisch). Mein Kumpel ist 5 Jahre alt und verbringt das Wochenende bei mir, damit seine Mutter - Alleinerziehend - mal aufatmen kann. Wir haben also "cordero al chilindrón" gegessen und viel "txistorra", und fragte ich ihn nach Gerüchen und Erinnerungen. Ausser dem Bademantel seiner Mutter wollte ich wissen welche Gerüche ihn beeindruckt haben in seinem Leben. Er erzählte von einem Zirkusbesuch im letzten Jahr. Er konnte mir nicht mehr genau erzählen was Tolles geschah, aber der Geruch der Löwen und der Elefanten hat ihn nachhaltig beeindruckt. Die riechen anders als im Zoo: "wahrscheinlich ist ihre amá nicht da und deshalb baden sie weniger" meinte er, um den Vergleich zu dem Geruch der Tiere im Zoo zu erklären. Ich glaube das hängt eher mit der Distanz zum Tier, die ja im Zoo grösser ist, zusammen. Nachdem wir er mich mehrmals mit der PS2 besiegt hat, haben wir uns dem Fussball gewidmet. Dulce  Dulcinea, sie wissen ja Fussball als Leidenschaft interessiert mich nur in Bezug auf mir nahestehende Personen. Und Unax ist Athletic-Anhänger, also haben wir gemeinsam den Athletic angefeuert. Nun schnarcht er auf dem Sofa nachdem er, seiner Meinung nach einen echten, normbrechenden Männerabend verbracht hat, von dem er seiner Mutter nichts erzählen darf, obwohl alles vorher mit ihr ausgehandelt war. Sie haben recht Herr Stoeffler, Geruch verbindet uns direkt mit emotionalem Erleben. Ich wünsche allen eiin schönes Wochenende.

Dulcinea

22. November 2009, 01:37

Erinnern Sie sich daran, mugabarru, wie ich Sie einmal fragte, ob Sie sich nicht vielleicht dem Schreiben von Drehbüchern widmen möchten? Ich finde das auch heute abend wieder eine sehr gute Idee. Sie führen so eine lustige Feder. Haben Sie einmal darüber nachgedacht?

Paul Ingendaay

22. November 2009, 01:43

mugabarru, vielen Dank für die schöne Schilderung Ihres Männerabends. Jetzt wissen wir, dass Sie in Getxo wohnen. Und dass Sie dort eine schöne Kellnerin namens Nekane haben. Was Sie sonst noch dort haben - es fiel mir auf, als ich Ende September dort war -, ist das elektrische Laufband, mit dem Fußgänger die Steigung einer Ihrer größeren Straßen bewältigen können. Ich war wirklich verblüfft. Gibt es in Getxo so viele alte Menschen? Ganz in der Nähe ist eine Bar, in der ich ein Bier getrunken habe. Eine schöne Kellnerin habe ich dort aber nicht gesehen. Vielleicht hatte Nekane frei?

Chus

22. November 2009, 10:21

Sehr schöne Erzählung, mugabarru. Mir ist sehr wichtig meinen Kindern "gut" zu riechen, denn die Hände meiner Mutter haben meistens nach "lejía" gerochen. Ich konnte den Geruch (immer noch nicht ganz) ausstehen. Trotzdem schleppe ich das Zeug nach Deutschland, damit meine Kinder die weißesten Klamotten der ganzen Gegend vorzeigen können (dieses Wasser wäscht einfach nur Grau). Aber mit genügend Lüftung riecht es nicht mehr. Und meine Hände (hoffentlich) auch nicht.

Chus

22. November 2009, 15:07

Hmmm... mugaburru... Darf die WG erfahren, was zum Teufel der rosa Bademantel Ihrer Ex ?! in Ihrem Badezimmer (noch?!) macht?

Oder suchen Sie sich nur Frauen aus, die gleiche Gerüche entfalten?

Oder (noch merkwürdiger) machen Sie sich gemütliche Männerabende bei ihr zuhause? Dafür muss aber die arme Frau erst das Revier verlassen?

Fragen über Fragen...

mugabarru

22. November 2009, 21:56

Herr Ingendaay, wahrscheinlich haben sie ihr Bier in Begleitung von Ramiro Pinilla getrunken, der ja auch in Getxo lebt, und deshalb hatten sie keinen Blick für "el eterno femenino" wie Alvaro Pombó es nennt. Sie waren bestimmt in Alkorta und haben die Rampen in Salsidu probiert. Diese Rampen sind ja der letzte Trend was mobiliario urbano angeht. Es gibt sie inzwischen in Bilbao und in Toledo, und auch in anderen spanischen Städten wird darüber nachgedacht.

Danke Chus und Dulcinea. Übrigens Chus, das Kind ist nicht von mir, und die Mutter ist eine alte Schulfreundin von mir, fast eine Schwester. Der Bademantel hing in der Wohnung des Kleinen. Den Mut zum Zusammenleben mit einer Frau habe ich noch nicht aufgebracht. Das Männerwochenende fand in meiner Wohnung statt, und es sieht hier auch dementsprechen aus. Das war ja die grosse Herausforderung: es war Unax' erstes Wochenende ohne Mutter das er nicht bei seinen Grosseltern verbrachte. Und den Kleinen habe ich fast wohlauf, mit nur einem aufgeschürften Ellbogen, um 17h wieder bei seiner Muterr abgegeben. Sie hat danach nicht angerufen, also nimmt sie mir den kleinen Unfall nicht übel. Aber jetzt brauche ich einen Whisky und Ruhe. Der Kleine hat unentwegt geplappert. Ich hätte nie geglaubt dass er so viel zu erzählen, zu tratschen und zu fragen hat. Ja, er hat über seine ganze Familie getratscht, als ob ich sie nicht kennen würde. Wieviele Worte hat denn so ein Knirps in seinem Worschatz? Ich bewundere Eltern heute ein bisschen mehr.

Herr Ingendaay ich warte sehnsüchtig auf ihren Bericht über singende Bauarbeiter in Sevilla. Viel Vergnügen in Sevilla und vergessen sie nicht einen fino auf der Terraza Modesto zu trinken.

mugabarru

22. November 2009, 22:00

Übrigens Chus, ich mag den Geruch von lejía ebenfalls nicht. Meine weissen Hemden, Badetücker und Laken wasche ich mit einem sachette "Blanco Nuclear". Sie sollten es mal versuchen, da es bequemer, weil kleiner, zu transportieren ist.

Paul Ingendaay

23. November 2009, 00:09

Vielen Dank, mugabarru, für die erhellende Schilderung Ihrer Lebensumstände. Nein, mit Ramiro Pinilla habe ich Wasser getrunken, der Verstandestätigkeit wegen. Das Bier trank ich allein, später, und aß matschige pintxos dazu. Die Rampen kenne ich aus Toledo, dort sind sie sehr hilfreich wegen der Höhenunterschiede. In Getxo empfand ich sie als Luxus. Aber warum nicht? Getxo se las merece.

sanjandro

23. November 2009, 00:25

Mugabarru, jetzt haben Sie mich in Schwierigkeiten gebracht. Soviel Zeit habe ich nicht. Soll ich nun lieber beim Bosque de Oma haltmachen oder in Getxo. Die Kinder könnten die Rampe fahren und ich, nun ja, vielleicht ein Bier trinken gehen?

mugabarru

23. November 2009, 01:16

Herr Ingendaay, matschige pintxos in Getxo???? ¡¡¡¡Lo voy a denunciar!!!! Das kann nicht sein wahr sein, so was gibt es hier nicht!! Und was die Rampen anbelangt, im Norden haben wir halt, ganz allgemein, einen höheren Standard. Wir sind Basken! Deshalb sind wir auch darauf erpicht es fast allen gemütlich zu machen. Aber das mit den matschigen pintxos müssen sie zurücknehmen, und überteuert können die schon gar nicht gewesen sein. ¡¡Que lo denuncio!!

Sanjandro wenn sie Nekane sehen wollen, dann kanz klar Getxo mit der Ausrede der Rampen. Für Kinder ist es besonders lustig in entgegengesetzer Richtung zu rennen (für mich manchmal auch). Als Kunst- und Naturerlebniss lieber der "Bosque encantado", aber mit Stiefeln und Ersatzschuhen. Es gibt keine Möglichkeit die Stiefel vor Ort abzuwaschen, so dass sie in Plastiktüten verpackt werden müssen. Sollten sie dennoch ein bisschen Zeit aufbringen können würde ich ihnen gerne einige Tipps geben die für Kinder besonders interessant sein könnten. Also, auf der Hinfahrt der Bosque de Oma, und auf der Rückfahrt zeigen sie ihren Kindern unbedingt die Brücke zwischen Portugalete und Getxo. www.getxo.net/.../getxo_turismo_ruta_01.asp Suchen sie nach Bildern und videos in Internet. Es reizt sie bestimmt und es lohnt sich.

Dulcinea

23. November 2009, 01:20

Ich lege meine weißen Laken übrigens immer in die Sonne, das riecht nachher gut und bleicht auch sehr schön. Und vollkommen ungefährlich! Ich sehe allerdings ein, Chus und mugabarru, daß man unter finsteren Umständen zu anderen Mitteln greifen muß. Sehen Sie sich dennoch vor, bitte, beide.

Paul Ingendaay

23. November 2009, 01:46

mugabarru, die pintxos waren nicht überteuert. Wirklich nicht. Nur etwas... ich sagte es bereits. Ich beklage mich nicht. Ich möchte wieder nach Getxo kommen. Bier trinken. Rampe fahren. Solche Sachen.

mugabarru

23. November 2009, 02:32

Ramiro Pinilla ist war kein Nationalist, aber doch ein absoluter Baske. Das Wasser trinken hat ihnen nicht gut getan. Wie sonst ist es zu erklären, dass sie weiterhin Bier trinken statt potes, txakoli, halt Wein. Kein Wunder dass ihnen matschige pintxos serviert werden. Ich hoffe sie kommen wieder nach Getxo aber mit anpassungswilligeren Absichten, damit sie wirklich geniessen können. Ich gebe zu Arzak ist etwas besonderes, befindet sich aber im Hoheitgebiet der giputzis (Guipuzcoa). Und wie allgemein bekannt, gibt es eine absolute Feindschaft zwischen uns und den giputxis, die so dumm sind wie die Belgier für die Franzosen und die aus Lepe für den Rest Spaniens. Kein bizkaitar (aus Bizkaia) der was auf sich hält würde jemals nach Donostia fahren bezw.  eingestehen dass es da etwas gutes gibt. Die Feinschaft zwischen Madrid-Barcelona; Málaga-Sevilla und San Fernando-Jerez de la Fontera z.B. sind ein reines Kinderspiel im Vergleich.

Chus

23. November 2009, 07:51

"Finstere Umständen", Dulcinea, herrschen in D fast das ganze Jahr... In Galkicien bruache ich, wie schon gesagt, kein zusätzliches Gift. Es wird alles weiss... Aber hier! Mugabarru, Danke, aber ich habe ALLES probiert. Nur die alte, gute-schlechte Lejía bringt ein wenig Klarheit (in die Wäsche) bei uns im Ländle. Poner la ropa a clareo geht halt nur da wo das "Klar" ist...

mugabarru, Respekt! Ein "fremdes" Kind. Ein ganzes WE. DAs hat mein "Super" Mann nicht einmal in über 8 Jahren mit seinen eigenen geschafft!

Übrigens, EINZELKINDER reden ohne Unterbrechung. Das habe ich hier bei uns immer wieder festgestellt. 14 eingeladene Kinder (Geburtstag) und nur die Einzelnkinder kleben an mir...

mugabarru

23. November 2009, 10:24

Danke Chus, das könnte eine Erklärung sein. Ich bin auch Einzelkind und rede viel. Nur eine kurze Bemerkung: es ist kein fremdes Kind, nur nicht meines. Und ich bin der unkofessionelle Pate.

Dulce Dulcinea darf ich ihnen meine Hemden (nur die weissen) schicken damit sie sie in der Sonne bleichen? Das riecht nämlich besonders angenehm. Schliesslich habe ich mich angeboten ihren Heizofen, den sie nicht mehr haben, zu heizen....

Paul Ingendaay

23. November 2009, 12:03

mugabarru, leider habe ich in Sevilla keine singenden Straßenreiniger gehört. Aber andere haben gesungen. Ich schreibe darüber in diesen Tagen in der Zeitung. Übrigens war es sehr kühl. Da mag auch den Straßenwäschern das Singen vergehen.

Dulcinea

23. November 2009, 12:26

mugabarru, legen Sie doch gleich noch die weißen Hemden Ihres Patensohnes dazu. Der einen Schlips anziehen wollte, um Nekane zu beeindrucken! Ich habe auch einen kleinen Patensohn (im finsteren Deutschland), noch zu jung für Krawatten, sowie viel Platz auf meiner Sonnenterrasse. Oh. Und ich bin Einzelkind!

Melibea

23. November 2009, 15:15

Ich bin seit dieser Nacht wieder in Deutschland und schnuppere schon den ganzen Tag hin und wieder sehnsüchtig an meinen Sachen, noch kann ich Madrid in ihnen riechen. Chus, eine galicische Freundin hat mir einen San Simón da Costa geschenkt, der nun meinen leeren Kühlschrank mit seiner ganzen Pracht und v.a. seinem Geruch füllt. Und galicische castañas harren ihrer Zubereitung, um ihren Duft zu entfalten. Oh ja, lejía ist für mich ein typisch spanischer Geruch: während ich in Deutschland mit blumig-zitronigen und manchmal auch mit ach-so-biologischen Badreinigern hantiere, wird in unserer Wohnung in Madrid nicht nur die Wäsche sondern auch das Bad mit lejía gewaschen. Mugabarru, am Freitag Nachmittag habe ich bei uns in Madrid im Viertel einen singenden Bauarbeiter gefunden; vielleicht war es die Vorfreude auf das Wochenende oder er ist noch von der alten Schule, jedenfalls sang er laut und übertönte den Verkehrslärm. Da ich es eilig hatte, habe ich nicht aufgepasst, was er sang. Alle Kommentatoren, die in Madrid wohnen, können ja nachschauen, ob er immer oder nur vor Wochenenden singt: man findet in bei den Bauarbeiten in Alonso Mártinez…

mugabarru

23. November 2009, 15:16

Dulce Dulcinea es überrascht mich freudig festzustellen, dass wir so viele Gemeinsamkeiten haben. Den Schlips haben wir nicht gefunden, seine Mutter weiss auch nicht mehr wo der ist. Den Jungs werden ja heute keine Krawatten aufgezwungen, so dass sie ein ziemlich vorurteilsloses Verhältnis mit diesem Kleidungsstück haben. Mein Patenkind liebt hauptsächlich Seidenkrawatten. Mir wäre es lieber wenn sie die Freundschaftsbeweise auf mich beschränken, der Kleine soll gefälligst selbstständig werden, und Hemden hat er keine. Trotzdem danke.

Herr Ingendaay bitte konzentrieren sie sich: singende Strassenreiniger gehen auf ihr Konto, für mich müssen sie singende Bauarbeiter finden.

Paul Ingendaay

23. November 2009, 16:12

Da bin ich ja froh, dass Melibea fündig geworden ist.

Chus

23. November 2009, 19:54

mugabarru, unser Haus hier in dunklen Deutschland wurde vor zwei Jahren außen (für drinnen reichte das Geld leider nicht...) renoviert. Baujahr 1956. Isolierung, Solaranlage usw. damit wir nicht weiterhin Deutschland beheizen anstatt unser Wohnzimmer. Auf jeden Fall wurde das Ganze von einer Tübinger (125 Jahre alte) Firma, die aber viele Italiener und Kroaten als (feste) Angestellte haben unternommen. Und... ALLE haben gesungen. Und zwar laut! Die haben richtig Spaß an der Arbeit gehabt. Die schwäbischen Kollegen haben aber die Musik aus der Dose vorgezogen. Lustig, oder?

abfeldmann

23. November 2009, 20:59

genau. lejía fuer die boeden wenn die hunde wieder das haus vollgekotzt haben. - als hundehalter weiss man, das kann passieren. - cuore de marsella fuer die waesche - ein gedicht.

muss ihnen, paul ingendaay, im nachhinein uebrigens recht geben, die oekotour von carrefour riecht garnicht gut... - da war ich, hoffnungsfroher romantiker und gutdeutscher vertrauenstrottel, der ich bin, etwas blauaeugig. -  auch hier zeigt sich wiedermal der unschaetzbare wert eines gut trainierten kulturanlytischen blickes. maenner wie sie, paul ingendaay, fehlen in den meisten vorstandsetagen und wuerden gerade heute so bitter benoetigt. zumindest gepfefferte beratertantiemen muessten fuer sie eigentlich rausspringen. halten sie durch, die zeit kommt. und dann klappt das auch irgendwann bei carrefour.

Chus

23. November 2009, 21:30

Don Paul, Sie wissen schon, "meine" Examenskandidaten übersetzen gerade eifrig sämtliche Blogsbeiträge von Sanchos Esel. Heute war "Arm, aber sexy: Spanier bevölkern Berlin" dran. Für mich war es klar, dass Sie bei „Arm, aber sexy“ die Stadt Berlin  gemeint haben. Leider meinten viele Heute im Unterricht, es könnten durchaus die Spanier bzw. die Künstler  gemeint worden sein. Wenn letzteres treffend, dann Plural…

Don Paul, bitte, nos echa un cable?

Gracias!

Paul Ingendaay

23. November 2009, 21:53

Sie wollen mich nicht auf den Arm nehmen, Chus? Was soll denn da in den Plural gesetzt werden? Und natürlich meinte ich Berlin. Ich dachte, den Slogan kennt jeder.

Wenn Sie schon so freundlich sind, Sanchos Esel zu übersetzen, dann bitte auch alle Kommentare. Das wird lustig.

Paul Ingendaay

23. November 2009, 21:55

Danke, abfeldmann. Ich hatte mich schon länger gefragt, ob meine Talente nicht brachliegen. Ich meine die Beratertalente. Dann jedoch... dann kam mugabarru, und jetzt habe ich das Gefühl, wirklich gebraucht zu werden.

Chus

23. November 2009, 22:23

Nein, don Paul. Die kommen mir immer mit den verrücktesten Interpretationen. Die sind ja schließlich die Deutschen. Ne, die Kommentare sind ja teilweise nicht gerade vorzeigbar. Sie wissen ja: zu viele Analphabeten unterwegs... jajajaja sorry, ich dachte natürlich: hahaha.

Aber wenn fast Alle "sehr gepflegte Damen" wie "señoras muy aseadas" übersetzen? Was mache ich da? Ist man schon gepflegt in Deutschland wenn man geduscht hat? Auf jeden Fall muss etwas anders dahin!

Der Text vom Staatsexamen (in Februar) wird auch von Ihnen sein. Es ist immer gut für so eine wichtige Prüfung eine bestimmte Feder gut zu kennen.

mugabarru

23. November 2009, 22:47

Das meinte ich ja Chus. Heute hat jeder i-pods, Handy oder sonst einen Apparat um Musik zu reproduzieren, es wird mehr Musikangebot denn je zuvor, doch nicht mal Kinder singen beim spielen. Ich hoffe ihre Handwerker waren wenigsten guten Sänger. Ich habe vor vier Jahren eine bescheidene reforma durchgeführt, aber bei mir hat kein Mensch gesungen.

Melibea, wie können sie mir dies antun? Haben sie kein Handy? Haben sie das nicht aufnehmen können, so im vorbeirennen? Ich brauch doch Beweismaterial, der nächste Sommer kommt bestimmt.

Wie schön Herr Ingendaay, dass ich ihrem Leben einen neuen Sinn gegeben habe. Die erste Phase war ja sehr nett und interessant, aber jetzt fehlen die copas. Wenn sie sich zu alt für diese harte Herausforderung fühlen, keine Sorge ich maile ihnen die Daten meiner Lieblingsbars und sie müssen nur die Zeche übernehmen, um den Rest kümmere ich mich. viel Vergnügen in Sevilla! Und, wie üblich beneide ich sie, trotz des kühlen Wetters.

mugabarru

23. November 2009, 22:51

Apropos Berater... Herr Ingendaay sie sollten ihre Diensten Tom Cruise und seinem Filmteam anbieten. Die glaubten wirklich man kann überall einen richtigen encierro organisieren. Sie sind doch der richtige Mann dafür, melden sie sich in Cádiz.

Paul Ingendaay

24. November 2009, 01:31

Chus, danke für die Ehre. Auch wenn meine Texte für die Studenten eine Qual werden.

*

mugabarru, Sie werden lachen, ich hatte für kommenden Sonntag eine Einladung nach Cádiz, um Tom Cruise und Cameron Diaz bei ihren Dreharbeiten zuzusehen. Aber Sie ahnen natürlich, wo ich dann sitze. Im Camp Nou.

mugabarru

24. November 2009, 02:01

Na gut, sie entscheiden. Die Beraterfunktion in Cádiz wäre wirklich eine Aufgabe gewesen die ihrer Grösse entspricht. Sollte im Camp Nou etwas schief gehen, möchte ich keine Verantwortung dafür übernehmen. Es ist ihre Entscheidung. Schliesslich sind sie ja erwachsen. Viel Vergnügen.... und Glück!! Gleichzeitig muss ich aber gestehen dass ich dies auch der dulce Dulcinea und Pardel wünsche. ¡¡Que gane el mejor!!

Chus

24. November 2009, 07:59

Don Paul, wenn Ihre Texte keine Qual für eine Galicierin werden, sollten die  ja für Albsprösslinge ein Gedicht sein.

Dulcinea

24. November 2009, 11:15

mugabarru, drücken Sie unseren Jungs, pardel und mir heute schon einmal die Daumen? Don Paul, Sie dürfen auch drücken! Alle dürfen! El Mundo Deportivo weiß, daß 82 Prozent unserer gent blaugrana das Spiel heute weit wichtiger finden als das am Sonntag... Gut. Es ist heute. Aber es ist auch eine große Aufgabe! Ich habe auch dementsprechend abgestimmt, obwohl ich persönlich das Spiel leider gar nicht werde sehen können! Bin singen. Pardel! Halten Sie die Stellung! Ich werde sicher das Ende erwischen. Dann werde ich jubeln! Oder weinen! Oder beides.

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