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Sanchos Esel

Wie es aussieht, wenn acht Zigeunerinnen Lorca spielen

30. November 2009, 20:04 Uhr

Es war brechend voll. Freie Platzwahl. Die vergangene Woche hindurch spielten in Sevilla acht Zigeunerinnen García Lorca. Was ich dazu sagen möchte, stand auch in der Zeitung. Aber für die Bilder war kein Platz. Hier kommen ein paar. Einige gute. Und dann, wie gewohnt, meine unübertroffen schlechten Telefonfotos aus dem Barbereich.

Bernarda Albas Haus lässt sich auf viele Arten verstehen - als bitterböse Dorfgeschichte, Karikatur des spanischen Matriarchats, Lehrstück über unterdrückte Sexualität oder Studie zur Hysterie später Mädchen. Federico García Lorca hat sein letztes Theaterstück, das er Drama, nicht Tragödie nannte, mit Bedacht in reinen Schwarzweißtönen gehalten. Weiß wie die Wände, hinter denen die diktatorische Mama ihre fünf Töchter wegsperrt, oder das Bettlaken, aus dem das Blut der erwiesenen Jungfrau herausleuchten soll. Schwarz wie die Trauerkleidung, die Bernarda Alba ihren nach Männern dürstenden Mädchen acht Jahre lang aufzwingen will.



Das Theater Atalaya TNT im Norden Sevillas hat die Sache jetzt einmal anders aufgezäumt. Aus einem Workshop im vergangenen Jahr ging die Idee hervor, Lorcas Stück von acht Zigeunerinnen aus dem Elendsviertel El Vacie spielen zu lassen, angeblich die älteste Hüttensiedlung Europas. Einerseits verkörpern die Frauen die lebendige gitano-Tradition, auf die der Dichter und Dramatiker sich besonders in Frühwerken wie den Zigeunerromanzen bezog, und warum sollte man den Stoff nicht einmal dem Volk zurückwerfen, aus dem er so erkennbar gekommen ist? Andererseits brachten die acht Ausgewählten eine ernsthafte Einschränkung mit: Sechs von ihnen können weder lesen noch schreiben. Bis letztes Jahr hatten sie auch noch kein Theater von innen gesehen. „Ich wusste nicht, was das ist", sagt Rocío Montero Maya, die mit hartem Blick und dem Stock in der Hand die Bernarda Alba spielt. Natürlich wusste auch niemand von ihnen, wer Lorca war.



Drei Monate lang kamen die Darstellerinnen jeden Tag zur Probe und lernten den Text. Der Fußweg ist nicht weit; ein paarhundert Meter trennen das Theater von der Hüttensiedlung, die anständige Sevillaner niemals betreten würden. Um sich an die Sätze erinnern zu können, warfen die Frauen sich Bälle zu und sprachen dabei ihren Part. Es ist nicht der vollständige Lorca; doch dafür läuft die kurzweilige Szenenfolge der Regisseurin Pepa Gamboa nie Gefahr, der klaustrophobischen Enge der Bernarda-Alba-Tyrannei zum Opfer zu fallen. Immer wieder gibt es Szenenapplaus.

Die Bühne ist leer bis auf eine sechsstufige graue Metalltribüne und den Hühnerstall, in den die Großmutter gesperrt wird, wenn sie wieder mal im Weg steht. Bernardas Töchter könnten unterschiedlicher nicht sein. Manche sind sehr mächtig, und ihre Oberarme haben den Umfang junger Bäume. Die Schönste von ihnen sagt etwas, und man sieht, dass ihr zwei Zähne fehlen. Nein, sie werden in diesen sechzig Minuten nicht zu Profis, doch sie spielen die bockigen, mauligen oder verträumten Töchter, wie es die Situation erfordert, und manche der Platitüden, in denen sich ihre Gefangenschaft ausdrückt, sprechen sie im Chor. Stark sind sie im Leichten, Derben und Burlesken, eine Seite, die auch zu Lorca gehört. Dann singen sie die Zigeunerschöpfung Flamenco, und es passt, denn Sängerinnen und Gesungenes fallen in eins. Die einzige Nichtzigeunerin, Marga Reyes als Dienerin Poncia, ist zugleich die einzige professionelle Schauspielerin. Wie ein guter Geist schwebt sie über dem Bühnenwirken der anderen und zeigt, dass Lorca auch dem Schimpfen Poesie abzugewinnen wusste.  



Durch Frische und Unmittelbarkeit gelingt es den Zigeunerinnen, an Wurzeln von Lorcas Kunst zu rühren, die hinter der sinnsuchenden Abstraktion erfahrener Ensembles leicht verborgen bleiben. Das persönlichste Tondokument, das von ihm erhalten ist, führt ihn 1931 als ausgelassenen Musiker vor, der die Sängerin La Argentinita (mit Kastagnetten) auf dem Klavier begleitet. Der Dichter sah in der Kultur der gitanos eine Quelle der Poesie, aber auch den stärksten Ausdruck für ein Leben am Rand der Gesellschaft. Diesen fundamentalen Tatbestand machen die Akteurinnen spürbar, und das Publikum im ausverkauften Saal begreift, dass es dabei um mehr geht als Theaterpädagogik. Es ist Rollenspiel als Rettung und Chance auf einen Neubeginn. Die Zigeunerinnen sagen es selbst. „Früher haben uns die Leute nicht einmal angesehen. Jetzt grüßen sie uns und laden uns sogar zum Kaffee ein, denn wir sind nicht mehr dieselben. Wir haben uns verändert."



Viele Kinder scharen sich um die Frauen, als sie sich nach der Aufführung im Foyer an die lärmende Bar stellen, wo es Flaschenbier und Hühnchenstreifen gibt. Auch die jüngste Schauspielerin ist mit zwanzig schon zweifache Mutter. Das Publikum besteht aus Kulturbeflissenen, Abgerissenen und gepiercten Punkmädchen mit rasierten Köpfen. Glückwünsche und schmatzende Wangenküsse fliegen umher. Wenn die Seligkeit nach dem Schlussapplaus sich nicht verflüchtigt und noch keiner gehen will, muss es etwas zu bedeuten haben.

Im Dezember geht Bernarda Albas Haus in Spanien auf Tournee, und auch andere Städte werden begreifen, wieviel Theater ausrichten kann. Ich stelle mir vor, wie fremd sich die Schauspielerinnen unterwegs fühlen werden, wenn irgendwelche Kulturmenschen auf sie einreden. Sie sind nicht daran gewöhnt, beobachtet, gemustert und kommentiert zu werden. Zumindest nicht so. Oben sehen Sie einen fröhlichen Moment nach der Aufführung. Das Bild unten macht den Eindruck, als wäre den Frauen der ganze Rummel zuviel. Eine von ihnen erzählte mir aber, sie wollten unbedingt wieder Theater spielen. Jetzt, wo sie wüssten, wie es geht! 

Fotos: Luis Castilla (1), Javier Pineda (2, 3), Sanchos Esel (4, 5)

Veröffentlicht 30. November 2009, 20:04 von Paul Ingendaay
Kommentare

Stoeffler

30. November 2009, 22:56

Lieber Herr Ingendaay,

Wenn ich Sie etwas interpretieren darf: Ihre Bemerkung, dass es "dabei um mehr gehe als Theaterpädagogik" assoziiere ich mit dem Unterschied zwischen gut gemeint und gut und ich verstehe Sie so, dass das eine wirklich gute, eine gelungene Aufführung war. Vielleicht weil sich da Poesie und Wirklichkeit getroffen haben? Schön, dass Sie dabei sein konnten - wobei ich sagen muss, so richtig beneidet habe ich Sie eigentlich eher um Ihren Sitzplatz im Camp Nou (auch da Poesie und Wirklichkeit ?)

Übrigens (und entschuldigen Sie, falls ich das wissen sollte): wo findet sich denn Ihre "ordentliche" Rezension des Abends in Sevilla?

Paul Ingendaay

01. Dezember 2009, 00:24

Ja, Stoeffler, das stimmt. Danke für Ihre Deutung. Und ich kann verstehen, dass Sie gern im Camp Nou gewesen wären. Es war ein außergewöhnlicher Abend. Ich habe schon einige clásicos gesehen, aber das war der beste.

*

Die Rezension für die Zeitung (manche Artikel werden im Netz freigeschaltet, manche nicht - diese wurde es wohl nicht) unterscheidet sich von dem Blogeintrag dadurch, dass Sie etwas kürzer ist und keine Bilder hat. Der wesentliche Teil ist identisch. Sie wissen jetzt also das, was ich für die Zeitung geschrieben habe, und etwas darüber hinaus. Hin und wieder erlaube ich mir, Zeitungsartikel für den Blog zu erweitern und mit Bildern zu versehen.

Paul Ingendaay

01. Dezember 2009, 00:33

Noch etwas. Hier können Sie lesen, was ich im Camp Nou gesehen habe:

www.faz.net/.../Doc~E28411D8CC46748AB9E9C34F3A4B54E3D~ATpl~Ecommon~Scontent.html

mugabarru

01. Dezember 2009, 01:16

Um es gleich vornweg zu nehmen: ich bin ein absoluter Verehrer Lorcas. Meines Erachtens spiegelt er das dunkle und negative von Andalusien, Kastillien.... das ländliche und katholische Spanien mit seiner patriarchalischen Ordnung und Macht - die ebenso von Frauen verinnerlicht und ausgeübt werden kann - perfekt wieder. Wann immer ich Lorca lese oder aufgeführt sehe, habe ich das Gefühl des Erkennens. Logischerweise ist es weder meine Generation noch mein Leben. Doch da pulsiert  "la España negra", nicht die Zigeuner, obwohl auch diese - aufgrund ihrer ebenfalls autoritären und patriarchalischen Sozialstruktur -. Aber Lorca ist Spanien. Soviel ich weiss gab es Aufführungen in denen Bernarda Alba von einem Mann gespielt wurde, warum auch nicht mit Zigeunerinnen die vielleicht selbst von ihren Töchtern verlangen dass man bei ihrer Hochzeit die "drei Rosen aus ihrem Körper holen kann". Denn das ist - leider - immer noch üblich (habe ich erst vor wenigen Monaten von einer 13-jährigen baskischen (??) Zigeunerin gehört, und wird als Stolz auf ihre Kultur ausgegeben. Und einen grösseren Widerspruch zu Lorca kann ich mir nicht vorstellen. Deshalb sind die Schauspielerinnen vielleicht auch so verwirrt, dennn im Grunde genommen sind sie näher an der hartherzigen Bernarda Alba denn an ihren lebenssüchtigen Töchtern. Theater ist etwas grosses beeindruckt immer, deshalb hat sich Lorca ja auch so mit "La Barraca" begeistert. Aber ob Theater etwas die Menschen ändert, daran zweifle ich sehr. Wenn der freie Geist und die Neugier fehlen, hilft alles nichts. Zweigelsohne muss der Schauspieler sich nicht mit der Rolle identifizieren. Das wäre nicht nur naiv, sonder direkt blöd. Aber es gibt Widersprüche die es zu gross sind für alle, auch für die Zuschauer.

mugabarru

01. Dezember 2009, 01:35

Lorca hat mich übrigens ganz unvorbereitet getroffen. Eigentlich wollte ich von Málaga erzählen, wo ich das Wochenende verbracht habe weil ich amatxu hingefahren habe. Sie hat ein "puente foral", also nicht nur frei zwischen dem 6. und 8.12 (wie ganz Spanien), sondern da sie in Navarra lebt, wo der 3.12. ebenfalls Feiertag ist, hat sie schon letztes Wochenende feste Positionen in milderen Gefielden eingenommen.

Málaga ist nicht unbedingt die schönste Stadt Andalusiens, aber sie hat einen Reiz der mich immer wieder beeindruckt. Ich glaube es ist die spanische Stadt die mehr Literaten und Künstlern, auch ausländischen, in ihren Strassennamen nennt. Ich weiss nicht so genau wer eigentlich die Strassen benennt, aber es muss in Schüben geschehenn, so dass es gut möglich ist, dass ein und die selbe Person für viele Strassen verantwortlich ist. Nun, in Málaga muss es wirklich ein sehr gebildeter und künstlerisch sensibler Mensch gewesen sein. Die Strassen die ich meine liegen so ziemlich im Stadtkern, also nicht in neu und künstlich gewachsenen Vierteln. In welcher anderen spansichen Stadt haben Freud, Franz Kafka oder Thomas Mann Strassen oder Plätze? Wo sonst werden Grieg, Hemingway, Tagore, Oscar Wilde, Moliere, Saint Exupery, Mark Twain, Kant, Kandinsky, Hermanas Bronte, Pirandello oder James Joyce geehrt? Und nicht nur die schaffenden Künstler werden - auf Zeit - verewigt, sondern auch ihre Geschöpfe: Max Estrella (Valle-Inclán), Quasimodo, Shanti Andia (Pío Baroja), Robinson Crusoe, selbst Rocinante hat eine eigene Strasse. Demnächst sollte also Sanchos Esel auch, mindestens, einen kleinen Platz bekommen. Ich denke da an die dulce Dulcinea und ihr Gänse-Märchen (Danke dafür), und stelle mir vor, dass ein wenig erfolreicher Künstler der den Durchbruch nicht geschafft hat, sein Leben als grauer Beamter der Gemeinde Málagas fristet, und sein einziger Trost besteht darin denen die er verehrt und liebt - Schöpfer und Geschöpfe - seinen Dank dafür, dass sie sein Leben bereichern, auszudrücken in dem er Strassen durch die er täglich läuft nach ihnen zu benennen. Das sind seine Perlentränen.

Paul Ingendaay

01. Dezember 2009, 09:21

Die Straßennamen von Málaga wären eine Geschichte wert, mugabarru. Danke für den Hinweis.

Taero

01. Dezember 2009, 16:40

Hallo.

Neu hier als "Kommentator" ihrer Einträge, wollte ich mich nur bedanken für die nette Beurteilung und Zusammenfassung des Stücks. Ich bin derzeit aufgrund eines Auslandssemesters in Sevilla und werde mir dieses Stück nicht entgehen lassen. Letzte Woche war ich leider verhindert.

Danke für ihre guten Beiträge, Paul Ingendaay, ich bin schon länger fleißiger Leser.

Paul Ingendaay

01. Dezember 2009, 18:59

Danke, Taero. Mit dem Stück könnten Sie Pech haben. Am 4. Dezember ist es in Valladolid zu sehen, wenn ich mich richtig erinnere. Schauen Sie mal auf der Webseite des Teatro Atalaya TNT nach.

abfeldmann

01. Dezember 2009, 21:19

nicht ganz unproblematisch. - mir wurde beim ersten ueberfliegen des artikels etwas mulmig - und beim zweiten lesen bestaetigt es sich nur. - ich erinnere mich an theaterstuecke in den 90ern, die von einer truppe geistig behinderter gegeben wurden. ganz aehnlich haben die rezensionen dort geklungen - ganze passagen koennte man einfach copy/pasten - es bliebe dasselbe. - - nur, das ist es natuerlich nicht. - und hier liegt beim lesen ihres artikels - und beim leben in spanien ganz generell auch - eine spannung die ein egalitaergesinnter - egalitaergetrimmter - humanist aushalten muss.

ist mir nicht angenehm. - und angenehm ist es mir beispielsweise auch nicht, mit welcher radikalverachtung ich der penetranz telefonterrorisierender callcentersklaven mittlerweile begegne.

-

in was fuer einer blase wir faz-sozialisierten leben, das wurde mir auch bei diesem blick in den guardian klar www.guardian.co.uk/.../drug-clans-shanty-town-madrid

ist das das gleiche stadt, in der ich auch zu hause bin? - wohl kaum. - ist das die gleiche erde, der gleiche planet auf dem auch ich lebe?  - muss wohl sein. ganz schmerzfrei erklaeren kann ich mir das - mitten in europa zudem - allerdings nicht.

Paul Ingendaay

01. Dezember 2009, 22:28

Glauben Sie nicht, abfeldmann, dass Ihre copy/paste-Formulierung gedankenlos ist? Wenn sie Ihren eigenen Text einmal nicht überfliegen, sondern lesen?

pardel

01. Dezember 2009, 23:38

Ja, abfeldmann, in einem haben Sie Recht: Die Dritte Welt durchsetzt die Erste immer mehr - das ist nichts Neues, aber es wird immer akuter. Es ist gut, dass Sie das durchschauen, aber schön ist es natürlich nicht.

mugabarru: Sind Sie mit Ihrer Amatxu mit dem Auto die ganze Strecke gefahren, oder gibt es mittlerweile auch einen AVE vom Baskenland bis nach Málaga? Mit Umsteigen in Madrid, vielleicht? Haben die wenigstens Fruchtbombons angeboten?

Dulcinea

02. Dezember 2009, 00:20

Das ist aber sehr schön und poetisch, was Sie geschrieben haben, mein lieber mugabarru. Über Málaga, wo Ihre amatxu gerade weilt. Wissen Sie, mein kleines deutsches Patensöhnchen (wie sagen Sie Patensöhnchen auf Baskisch?) wächst in einem Musikantenviertel auf. Immer dachte ich, es muß besonders schön sein, zwischen Haydn-, Corelli-, Händel- und Gluckstraße spazierengeschoben zu werden, selbst wenn es im finsteren Deutschland ist, wo man seine Hemden und Laken nicht gebleicht bekommt. Man kann nicht früh genug damit vertraut gemacht werden! Mit der Musik, meine ich. Aber, andersherum, ist es natürlich auch niemals zu spät. Theater- und kunstpädagogische Projekte gibt es doch sehr viele, scheint mir. Was genau war noch einmal Ihr Problem damit, abfeldmann? Ich verstehe Sie leider nicht. Sie haben sich für einfache Landmädchen ein wenig zu assoziativ ausgedrückt, glaube ich. Bitte sehen Sie mir das nach.

pardel

02. Dezember 2009, 00:46

Ah, Dulcinea! Ich grüße Sie schweigsam! Wollen wir uns freuen, ohne ja niemanden auf die Zehen zu treten? ;-)

Paul Ingendaay

02. Dezember 2009, 00:54

pardel und Dulcinea, Ihre Diskretion wurde gewürdigt. Ich bin aber nicht traurig.

Dulcinea

02. Dezember 2009, 00:56

Ja, pardel! Guten Abend! Schweigen wir... gemeinsam!

mugabarru

02. Dezember 2009, 01:15

Pardel die Hinfahrt war eine Art "Driving Miss Daisy" aber ohne Chauffeur's Cap. Amatxu weigert sich mir eine zu kaufen, weil sie behauptet sie hätte mich auch jahrelang durch die Gegend kutschiert mit viel weniger Aufwand als den den ich anstelle wenn sie mich mal um etwas bittet. Wir schliefen in Madrid, assen zu Mittag in Córdoba, denn Miss Daisy fährt nie an dieser Stadt vorbei. Sie muss immer ein bisschen spatzieren, patios geniessen, den Fluss und die Mezquita sehen und, selbstverständlich salmorejo essen, sonst wird sie unausstehlich. Sie wird halt älter. Die Rückfahrt habe ich mit einem schrecklichen Anfall von "envidia foral" allein angetreten. Miss Daisy chauffiert sich in Málaga und Umgebung selbst. Ich fuhr mit dem AVE bis nach Madrid 2,5 Stunden oder 3, je nachdem ob der Zug auch in Puertollano, Puente-Genil und Antequera anhält oder nur in Ciudad Real und Córdoba. Es ist eine schöne Fahrt. Da ich arm bin, reise ich immer noch billiger, also bekam ich nichts. Aber die Bessergestellten bekamen was zu essen und zu trinken und auch Zeitungen. AVE bis ins Baskenland gibt es nocht nicht, weil  Attentate, Sabotageaktionen und das politische Desinteresse der Nationalisten dies bisher verhindert haben. Das baskische "Y" soll aber jetzt doch gebaut werden, und in zwei Jahren bis zur französischen Grenze führen. Hoffentlich. Ich liebe Züge.

Dulcinea, danke für ihre netten Worte. Und ich bin nicht nur einverstanden damit, dass es besonders schön ist zwischen Künstlerstrassen zu spatzieren, sondern bin auch sicher es beweist eine gewisse Sensibilität der Stadt. Vielleicht gibt es doch so etwas wie ein Karma für Städte. Eine Bekannte von mir behauptet das z.B. von Köln, wo sie mehrere Jahre gelebt hat. Köln hat, ihrer Meinung nach, natürlich ein positives Karma, so wie andere Städte ein negatives haben.

mugabarru

02. Dezember 2009, 01:18

Ich kann ja leider nicht mitschweigen weil mein Schweigen nicht gewürdigt wird!

Dulcinea

02. Dezember 2009, 01:20

Ja, gerade vor zwei Stunden, als ich am nächtlich verwaisten Bernabeu-Stadion vorbeifuhr, mußte ich wieder daran denken, daß mein Herz doch oftmals für die Verlierer schlägt. Für sie und für die einfachen Menschen.

Paul Ingendaay

02. Dezember 2009, 01:26

Wer sagt denn das, mugabarru? Natürlich wird Ihr Schweigen gewürdigt. Aber Ihr Schreiben offenbar noch mehr.

Virtudes

02. Dezember 2009, 07:58

Gerne schließe ich mich Ihrem Schweigen an, Dulcinea, pardel und mugabarru. Ihr Artikel, Don Paul, fand viel Würdigung. Ebenso wie Ihr Beitrag über Sevilla. Danke dafür.

Paul Ingendaay

02. Dezember 2009, 10:38

Virtudes, Schweigen ist eine Zier, sagt man. Fast eine Tugend!

abfeldmann

02. Dezember 2009, 12:14

ein missverstaendnis, paul ingendaay! - ich wollte sie nicht angreifen.

ganz verstehen kann ich mein geschriebenes natuerlich auch nicht... aber das muss man ja auch nicht. die oberflaeche oszilliert und irritiert und der kern will noch gefunden werden... - so ist das.

Paul Ingendaay

02. Dezember 2009, 12:53

Das klingt interessant, abfeldmann. Vielleicht lag meine Verwunderung über Ihren Kommentar daran, dass ich aus Berufsgründen mein eigenes Geschriebenes immer verstehen (und gegebenenfalls verteidigen) muss. Es sollte also - manchmal mag man das bedauern - möglichst wenig oszillieren.

SanMigueldelaCruzdelCampo

02. Dezember 2009, 16:37

Warum dann, verehrter Esel Sanchos, am Samstag in Nr. 277 "Die Firma" und nicht "Der Name eines Kaufmanns" oder "Die Unternehmung" bwz. "Das Unternehmen"?

Paul Ingendaay

02. Dezember 2009, 17:19

Was Sie da anregen, SanMigueldelaCruzdelCampo, wäre natürlich auch gegangen. Aber eine so kurze, leicht ominöse Hauptzeile kam dem betreuenden Redakteur und mir wirkungsvoller vor. Es ging um das Empfinden des Fans, der die wirtschaftlichen Erwägungen des Vereins (der Firma) nicht immer versteht und sich eigentlich auch nicht für sie interessiert. Er will seine Mannschaft nur gewinnen sehen.

SanMigueldelaCruzdelCampo

02. Dezember 2009, 17:37

Ach, mir ging es als Klugschnacker mit zu viel Zeit auch nur um den § 17 HGB und den Begriff der Firma, ich konnte dann aber nicht einmal "bzw." schreiben... Sie kennen das ja mit dem Stein und der Sünde oder dem Auge, dem Splitter und dem Balken. q.e.d. ;-)

Paul Ingendaay

02. Dezember 2009, 23:16

Ich gestehe, SanMigueldelaCruzdelCampo, dass es mir in meiner Arbeit selten um den § 17 HGB geht. Sehr selten.

Dulcinea

02. Dezember 2009, 23:35

"Es ging um das Empfinden des Fans, der die wirtschaftlichen Erwägungen des Vereins (der Firma) nicht immer versteht und sich eigentlich auch nicht für sie interessiert. Er will seine Mannschaft nur gewinnen sehen." -- Ja, vielleicht möchte dieser Fan sich sogar von seinem Verein (der Firma) und dessen wirtschaftlichen Erwägungen kritisch distanzieren, während er seine Jungs doch gewinnen sehen will? Das ist ja alles recht komplex, wie auch mein lieber mugabarru weiß. Pardel, Virtudes, wir haben es derzeit gut, nicht wahr? Und wir spielen schon wieder! Feuern Sie auch an?

Melibea

03. Dezember 2009, 00:12

Lieber pardel, ihrer Äußerung „Die Dritte Welt durchsetzt die Erste immer mehr - das ist nichts Neues, aber es wird immer akuter.“ hat mich zum Nachdenken gebracht. Die chabolas der Cañada Real gibt es seit ca. 40 Jahren (www.elpais.com/.../Tes) und El Vacie seit fast 80 Jahren (www.elpais.com/.../Tes) – wie Sie ja selbst meinen, nichts Neues. Es handelt sich also um länger gewachsene, „urbanistische“ und v.a. soziale Strukturen. Für diese haben sich jedoch weder die Gesellschaft noch die Politik jahrzehntelang interessiert. Jetzt, da die „Bedrohung“ durch diese Strukturen „akuter“ zu werden scheint, bezeichnet man diese Siedlungen als Dritte Welt (Sie sind nicht der Einzige, der sie so bezeichnet, wie ich beim Suchen im Netz festgestellt habe). So, als wenn sie nicht zu Spanien gehören würden; so, als wenn man keine Verantwortung übernehmen wöllte; so, als wenn es in einem reichen Land keine (sehr) Armen geben würde oder dürfte. Das Motto, unter dem u.a. auch das Theaterstück steht, von dem uns Sanchos Esel hier berichtet, lautet denn auch „Todos somos Vacie“ (www.sevilla.org/.../contenido). Es macht mich traurig, wenn z.B. jemand in einer Reportage von 2008 über die tödlichen Auseinandersetzungen zwischen Latin Kings und madrileños sagt: „Las peleas que había hasta ahora han sido entre ellos [Latin Kings], entonces no ha llegado a más. El problema ahora, que han tocado a uno de aqui [Alcorcón].“ Wieso werden chabolismo und maras erst dann als ernstzunehmende soziale Probleme begriffen, wenn sie über den Rand ihres Mikrokosmos hinaus bedrohlich werden?

Vielleicht habe ich Sie ja falsch verstanden, pardel, und/oder ihre Bemerkung überbewertet. Nur, es berührt mich: es ist so viel über diese „Problemviertel“ in den Zeitungen zu lesen oder im Fernsehen zu sehen, und immer wird betont, wie schlimm es „da“ zugeht. Und dann folgen die Schlagworte: illegales Bauen; juristische Probleme der Legalisierung; schrittweise Zerstörung der Siedlungen; getrenntes Umsiedeln der narcos/Familien, um die bestehenden Strukturen nicht zu erhalten, ect. Als wenn es damit dann getan wäre, die eigentlichen – sozialen – Probleme, zu lösen. Deshalb finde ich die Theaterinitiative in Sevilla auch sehr interessant; sie nähert sich dem „Problem“ nicht auf juristischer Weise, auch wenn sie nicht zu dessen Lösung führen wird.

(Bitte verstehen Sie mich, liebe Kommentatoren, nicht falsch; ich möchte nicht mit erhobenem, deutschem Zeigefinger den Besserwisser mimen; ich mache mir zur Zeit halt eher Gedanken über spanische Phänomene und lasse den Dreck vor der eigenen, deutschen Haustür vorerst großzügig liegen…)

Paul Ingendaay

03. Dezember 2009, 00:37

Wenn ich ein paar Zeilen zum Theater von Sevilla sagen darf: So wie das Staunen der Anfang aller Philosophie ist, so kann das Handeln auf der Bühne der Anfang des Bewusstwerdens von Alternativen sein. Kein Sozialprogramm, keine noch so gut gemeinte karitative Aktion hätte den Armen und Reichen, die sich dort fünf- oder sechsmal in einem Theatersaal vesammelten, besser bewusstmachen können, wer sie sind, als das Spielen dieses Stücks. Jeder denkt sich danach seinen Teil; doch man muss wirklich dabeisein, um sich diesen Teil denken zu können.

Dulcinea

03. Dezember 2009, 00:59

Ja, das wollte ich Sie gern fragen, Don Paul. Entnehme ich Ihren Zeilen, daß sich die Angehörigen dieser acht Frauen -- ihre Männer sagen wir und Neffen, und die Mütter und Tanten -- daß sich also die Familien dieses Stück auch angesehen haben oder frei hätten ansehen können? Das würde mich wirklich interessieren, auf welche Resonanz das Projekt in der Siedlung selbst gestoßen ist. Enthusiasmus? Widerstand? Gleichgültigkeit? Man kann es sicher irgendwo nachlesen...

mugabarru

03. Dezember 2009, 01:59

Melibea ich kann ihrem Beitrag nur zustimmen. "Wieso werden chabolismo und maras erst dann als ernstzunehmende soziale Probleme begriffen, wenn sie über den Rand ihres Mikrokosmos hinaus bedrohlich werden?" Das entspricht leider einer sehr allgemeinen Wahrnehmenung sehr vieler untershiedlicher Probleme. ERst wenn es uns persönlich bedrängt, wird das Problem als solches begriffen. Ich mag zwar sehr lästig klingen mit den ständigen Bemerkungen an die Gegend aus der ich komme und in der ich lebe, doch ich erinnere mich zu sehr an as erste und ich glaube einzige ETA-Attentat in Neguri (der Bastion des vornehmen, baskischen Grossbürgertums). Im Fernsehen fragte eine Nachbarin ganz entsetzt "warum uns, warum hier, wir sind doch Basken". Diese Worte erschütterten mich tief. Der Rest der Spanier waren ihr gleichgültig, dafür brauchte es keinen Grund zu geben, das betraf sie nicht. Ähnliche Worte hörte ich auch nach einem Attentat in Amman (Jordanien), warum uns, wir sympathiesierten doch..... Im Baskenland fing der cambio was die Sensibilität gegenüber den Opfern anbelangt erst an, als die Opfer nicht nur Guardias Civiles und Polizisten waren, sondern Stadträte, Ertzaintzas. Politiker... Am Anfang klang es noch zögernd: wir alle sind concejales populares, nach dem Vorbild des 68-er Slogans wir alle sind polnische Juden. Es war und ist eine langsame Entwicklung. Die Guardias Civiles und Polizisten im Baskenland wurden lange als armselige Hungerleider, nicht als Menschen wahrgenommen. Ich selbst muss gestehen, dass ich als Teenager mit Freunden einen Ausflug zu "Las Hurdes", einer von Luis Buñuel als ärmster Teil Spaniens, als Synonym für Armut und Rückständigkeit, dolumentierte Gegend unternommen habe. Die Landschaft war überwältigend, und plötzlich sichteten meine Freunde auf einem Landweg einen Wagen mit Kennzeichen aus Vitoria, in dem ein Ehepaar mit zwei Kindern sass. Was hat denn die hierher verschlagen, fragte einer der Freunde, aus Madrid. Das ist ein Guardia Civil mit seiner Familie auf Heimatsurlaub, entgegnete ich ohne hinzuschauen. Ich schäme mich noch heute für diese Selbstverständlichkeit.

Ich glaube pardel meinte nur, dass die 1. und die 3. Welt keine geographischen sondern eher soziale Konzepte, Grenzen und Welten sind. Unsere europäische und sichere Gesellschaft ist nicht so homogen, so sicher und sauber wie wir uns täglich einbilden. Die Kaffeekränschenharmonie gibt es nicht. Die psychiatrisch Erkrankten und nicht Betreuten, deen der familiäre Hintergrund fehlt, die verarmten und aus derGesellschaft verdrängten sozialen Problemfälle... all das verdrängen wir Tag für Tag bis sie gefährlich wahrgenommen werden. Dann erst kommen die Reaktionen. Meist hysterisch und voller Angst.

Paul Ingendaay

03. Dezember 2009, 02:02

Ich brauche das nicht nachzulesen, Dulcinea. Es waren sehr viele der Angehörigen in dieser Aufführung. Sie hatten, wie die Schauspielerinnen selbst, nie zuvor ein Theater betreten. Dabei liegen die Hütten nur ein paarhundert Meter vom Theater entfernt. Sie wussten einfach nicht, was das ist, ein Theater. Eine Bühne. Eine Rolle einzunehmen und darzustellen, die nicht das eigene begrenzte Leben wäre. Damit sage ich nicht, sie wären mit dem eigenen Leben nicht einverstanden. In den Gesprächen danach war zu hören, dass die Schauspielerinnen die eigene Existenz mit jener der Figuren im Stück verglichen. Solche Vergleiche sind unvorhersehbar, in jeder Beziehung. Die gitanas dieser Siedlung, El Vacie, empfinden ja auch Stolz auf ihre Tradition; aber ebenso gut wissen sie, dass ihnen etwas fehlt, dass sie für den Rest der Gesellschaft nicht zählen und dass sie immer außerhalb dieser Gesellschaft stehen werden. Und genau dieses Außerhalbstehen war an jenem Abend - und an fünf, sechs weiteren - aufgehoben. Allein das war ungewöhnlich und hat alle - Schauspielerinnen und Publikum - ergriffen.

pardel

03. Dezember 2009, 14:19

Liebe Melibea: Ich habe mich wohl sehr verkürzt ausgedrückt. Von "Bedrohung" habe ich eigentlich nicht gesprochen, aber offenbar empfinden manche diese "Dritte Welt" als bedrohlich, und manche werden leicht ungehalten in dieser Debatte. Mugabarru hat das, was ich meinte, recht gut getroffen. Die "Dritte Welt" ist mittlerweile keine geographische Kategorie, falls sie es denn jemals war. Sie ist soziologisch, psychologisch, machtpolitisch. Ich sehe und fühle, dass unsere größte soziale Errungenschaft, die Rechtstaatlichkeit, in Gefahr ist. Für mich ist Demokratie "nur" ein Mittel zu diesem Zweck. Demokratie ohne Rechtstaatlichkeit (Russland, z.B., oder Venezuela, Iran und zum Teil auch, leider, die USA) verkommt zur leeren Hülse. Rechtstaatlichkeit ohne Demokratie scheint allerdings nicht möglich (Singapur, vielleicht?). Aber wenn mangels Rechtstaatlichkeit die Demokratie zu Populismus verkommt, haben wir alle ein Problem. Wir dachten früher (oder haben so getan, als ob), dass die "Dritte Welt" weit weg ist. Ich wollte nur sagen, dass das nicht stimmt, dass es nichts bringt, sich diesbezüglich in die eigene Tasche zu lügen. Wir haben nicht nur die "Dritte Welt" in jeder Einkaufstüte (wussten Sie, dass Sie mit jedem Huhn, welches Sie einkaufen, zum Hunger in Afrika beitragen, und dass man nichts dagegen machen kann?), wir haben sie auf der Straße, vor unserer Tür. In diesem Sinne gehört Spanien (und Deutschland) zum Teil sehr wohl zur "Dritten Welt". Und in Lagos (auch nur ein Beispiel) gibt es dafür eine kleine "Erste Welt".

Aber vermutlich ist dieser blog nicht das geeignete Forum, um solche Fragen vertieft zu diskutieren. Eigentlich wollte ich mit meiner Bemerkung zum Ausdruck bringen, dass ich abfeldmanns Unbehagen verstehe und teile, und auch seine Hilflosigkeit angesichts dieser Situation. Falls ich ihn überhaupt richtig verstanden habe, natürlich. Letztendlich spreche ich nur für mich, ich will niemanden irgendwelche Wörter in den Mund gelegt haben.

Paul Ingendaay

03. Dezember 2009, 16:03

Nun ja, pardel, wann diskutiert man schon etwas "vertieft"? Man soll die Gedanken jagen, wo sie sich blicken lassen, und alle Eindrücke aufnehmen, die sich bieten. Fragmentarisch sind nicht nur unsere Diskussionen, fragmentarisch ist das Leben. Melibea hat interessante Links in ihren langen Eintrag gestellt. Lassen Sie mich auch einen liefern. Vor fast vier Jahren habe ich eine Reportage über Las Barranquillas geschrieben, das Madrider Drogendorf - www.faz.net/.../Doc~EB7C87AC297FE457E90454C7622DC3482~ATpl~Ecommon~Scontent.html . Viele, die damals dort waren, sind inzwischen in der Cañada Real Galiana. Wenn sie überhaupt noch irgendwo sind.

abfeldmann

03. Dezember 2009, 17:17

herzlichen dank, pardel. herzlichen dank paul ingendaay. - in unserer globalisierten welt mit allen gemeinsamkeiten, die einem ueberall begegnen, mit allen problemen, die uns alle betreffen, mit allen hoffnungen und traeumen, ueber die man sich mit menschen auf dem ganzen globus verstaendigen kann und in denen man sich selbst erkennen kann... - in dieser einen welt gibt es eben ganz offensichtlich auch solche andersartigkeit, die mich deshalb so ungeheuer irritiert, weil sie in mein poppiges one-world-one-family lebensgefuehl so gar nicht passt.

dass zigeuner ihr eigenes leben leben, das war mir irgendwie klar. welche dimensionen das haben kann und wie sehr es sie in der gesellschaft ausgrenzt, wusste ich nicht.

jede form des dialogs und jede frische art der interaktion ist willkommen und ein artikel, der mich tief irritiert umso mehr. insofern: das stueck hat seine wirkung ueber den theatersaal hinaus.

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und hier als nochmaliges dankeschoen an paul ingendaay ein kleiner film, der uns ebenfalls an brennpunkte dieser erde fuehrt und der brisante fragen aufwirft, und letztendlich allerdings mit einem guten gefuehl ausklingt. - es wird alles gut. - one world - one hero. - danke schoen.

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www.tackfilm.se/en

Paul Ingendaay

03. Dezember 2009, 17:56

Nun ein herzlicher Dank an Sie, abfeldmann.

abfeldmann

03. Dezember 2009, 20:10

sie sehen, paul ingendaay, ich hatte etwas einfluss bei der besetzung der hauptdarsteller.

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nochmal zurueck zum thema. - dieser ganze one-world topos, dessen loblied ich bei jeder gelegenheit singe, und der so zum markenzeichen unserer gegenwart geworden ist... - wenn der aufbricht, das schmerzt.

und interessanterweise brach der hier auf, gerade weil eine bruecke gebaut wurde. - wozu braucht es bruecken, die sind doch genau wie wir? - oder?

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im one-world-taumel liegen wir uns polyglott in den armen und lassen die ohne bildung - und ohne aussicht auf diese - ganz einfach, ganz radikal und vollkommen anschlussfrei in einer anderen welt - moeglicherweise in der dritten - zurueck.

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"leben sie auch auf diesem planeten, gutes kind? - dann stellen sie sich mal ordentlich vor und gewoehnen sich manieren an, wenn sie mir uebers telefon irgendwelchen mist verkaufen wollen... - ansonsten haben sie in meiner privatsphaere nichts verloren. - ich wuensche eine guten tag."

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das gefaellt mir nicht, aber es ist so. - der blick oeffnet sich fuer das aehnliche im fremden und verschliesst sich dem fremden im aehnlichen.

Melibea

03. Dezember 2009, 22:21

Lieber pardel, lieber mugabarru. Nun, wir sehen das also gleich, das mit der „Ersten“ und „Dritten Welt“. Vielleicht sollten wir jedoch beginnen, andere Begrifflichkeiten zu verwenden, denn diese veralteten widersprechen ja eben unseren Ansichten. Pardel, das mit dem Huhn war mir neu, aber ich habe schon vor einiger Zeit jegliche Blauäugigkeit aufgegeben; das Huhn ist also leider nur ein Detail im großen Puzzle. „Geiz ist geil“ – das kostet seinen Preis, auch wenn die Mehrheit es nicht wahr haben will.

Die Casa Encendida hatte letztes Jahr einen zweitägigen Workshop („Piensa Madrid“) angeboten, an dem ich gern teilgenommen hätte. (Mmh, ich habe vergessen, wieso ich es nicht getan habe.) Die Veranstalter fuhren jedenfalls mit den Teilnehmern u.a. im Bus durch jene Stadtviertel Madrids, die nicht nur aus städtebaulicher Sicht Problemgebiete darstellen; u.a. besichtigten sie auch die Cañada Real (www.elpais.com/.../Tes).

Dulcinea

03. Dezember 2009, 23:07

Ihr Filmchen, abfeldmann, das ist aber sehr lustig! Jetzt haben Sie mich nach langer Zeit einmal wieder zum Lachen gebracht. Früher gab es das öfter!

pardel

04. Dezember 2009, 00:47

Melibea: Sie können hühnerfleisch afrika dumping in Google eingeben, die ersten zehn Hits überlappen sich stark. Ich habe nur wenige gelesen, das Problem ist leicht nachvollziehbar, aber ich habe keinen ausichtsreichen Vorschlag zur Besserung gelesen, nur Appelle an Verantwortung und Ethik. Ich glaube nicht, dass das reicht.

abfeldmann! Respekt! Das können Sie richtig professionell!

Dulcinea

04. Dezember 2009, 01:01

pardel, ich glaube, das kann man einfach copy/pasten, um mit abfeldmann zu sprechen. Er hätte sich auch selbst hineinpasten können! Hat er aber nicht. Nochmals danke, abfeldmann!

mugabarru

04. Dezember 2009, 01:44

Oh Austria du Schöne, wie schade!

Paul Ingendaay

04. Dezember 2009, 02:04

abfeldmann, nachdem ich einen neuen Flash-Player installiert hatte, konnte ich Ihren Film sehen. Es wurde mir doch ein wenig unheimlich zumute. Richtig professionell, sagt pardel. Dem kann ich mich nur anschließen.

abfeldmann

04. Dezember 2009, 09:24

um hier fuer die weihnachtsmails an die lieben keine falschen erwartungen zu wecken, 'professionell' ist natuerlich nicht mein verdienst. ich kann so was nicht. wirklich nicht.

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freut mich, dass ihnen etwas 'unheimlich' wurde paul ingendaay. kann ich mir vorstellen. aber man gewoehnt sich dran. geniessen sie den jubel. lassen sie sich von ihren begeisterten fans auf haenden durch die strassen tragen.

Paul Ingendaay

04. Dezember 2009, 10:56

Das wiederum, abfeldmann, fällt mir schwer, das Auf-Händen-Getragenwerden. Aber das Leben ist ja noch nicht zu Ende. Wir geben uns einfach viel Mühe.

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