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Sanchos Esel

Zwischenspiel: Ratlosigkeit bei Real Madrid - und Ärger bei mir

18. Mai 2010, 14:58 Uhr

Einige kurze Überlegungen zwischendurch, um die spanische Liga gedanklich abzuschließen. Die Glückwünsche an den FC Barcelona wurden ja schon verteilt. Der Cava ist getrunken, die Flasche entsorgt. Es gibt wohl niemanden, der die Verdienste von Pep Guardiola und seiner Mannschaft nicht anerkennen würde. Noch nie hat ein Team der Primera División in einer Saison 99 Punkte geholt. Natürlich können sich auch die 96 Punkte von Real Madrid sehen lassen, aber dazu gleich.

Barcelona hat in 38 Spielen 98:24 Tore erzielt, das heißt: Auf ein Tor des Gegners kamen mehr als vier Tore von Barça. Habe ich das richtig gerechnet? Im Durchschnitt pro Partie hieß das Verhältnis 2,57 : 0,63. Eine andere Zahl ist noch aufschlussreicher. Ich meine nicht die 47 Saisontore von Leo Messi, die ihn mit dem brasilianischen Ronaldo in seinen besten Tagen gleichziehen lassen; oder die acht Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, die in der Anfangsformation gegen Valladolid standen (während Leute wie Henry und Ibrahimovic die Bank wärmten, ein Anblick, über den sich niemand mehr wundert). Sondern den Umstand, dass der FC Barcelona in den letzten zwanzig Jahren zehnmal spanischer Meister geworden ist, Real Madrid dagegen nur sechsmal. Im ewigen Duell der beiden Großen steht es jetzt 31:20 für Real Madrid, und der Abstand schrumpft. 



Da wir schon bei Zahlen sind: In den letzten zwanzig Jahren, in denen Barcelona eindeutig die beste spanische Mannschaft war, hat der Klub neun Trainer gehabt. Vier von ihnen haben die Meisterschaft gewonnen: Cruyff (4), van Gaal (2), Rijkaard (2) und Guardiola (2). Drei dieser vier Trainer sind Begründer bzw. Fortführer eines Stils, den man inzwischen weltweit mit dem FC Barcelona identifiziert. Bei Real Madrid übrigens waren in derselben Zeit 22 Trainer beschäftigt. Und niemand würde sagen, dass irgendeiner von ihnen besonders viel mit dem „Charakter" des Klubs zu tun hat. Im Gegenteil. Stellt man alle Trainer in eine Reihe, sieht man eine buntscheckige Folge von erfahrenen und unerfahrenen, harten und weichen, erfolgreichen und erfolglosen Leuten. Geht das Konzept Capello daneben, kommt eben Bernd Schuster. Das einzig Konstante daran ist der Wechsel. Und auf den schönen Fußball, ohne den das Bernabéu-Stadion angeblich nicht sein kann, warten wir immer noch.



Die Schlüsse, die aus den obigen Bilanzen zu ziehen wären, müssten alle madridistas nachdenklich stimmen. Ich sehe aber keine Nachdenklichkeit, sondern den bekannten Aktionismus und die Bereitschaft, wieder ein paar fette Schecks zu schreiben. Also noch einmal im Klartext. Der von Florentino Pérez gesteuerte Klub nimmt einen erratischen, von allerlei Mediengeschrei begleiteten Kurs, aus dem die spielerische Signatur der Mannschaft nicht mehr ersichtlich wird. Immer wieder macht sich Real Madrid von vermeintlich großen Spieler- oder Trainernamen abhängig, ohne zu fragen, ob diese Akteure auch dem angestrebten Profil entsprechen. Natürlich kann man einen Weltstar wie Cristiano Ronaldo verpflichten, wenn man das nötige Geld dazu hat, und sein Typus, seine gezupften Augenbrauen oder die tränenfeuchten Blicke in den Stadionhimmel sollen jetzt nicht mein Thema sein. Aber es war schon immer Pérez' Fehler, die Spieler wie cromos zu sammeln, statt den Trainer zu fragen, wie sie denn zusammenpassen könnten. Den Trainer kann man ja auch nur fragen, wenn man ihn hat! Sagen wir also, wer einen Robben, Higuaín und dann noch Ronaldo und Kaká auf der Gehaltsliste hat, braucht sicherlich keinen Benzema zu kaufen. Seltsam, dass ein nüchterner Beobachter das sofort erkennt, nur Florentino Pérez nicht. Jede dieser Nichterkenntnisse kostet den Verein zwanzig, dreißig oder vierzig Millionen Euro. Oder mehr. 



In dieser Beziehung darf man die zweijährige Ära des Präsidenten Ramón Calderón ruhig zur Dekadenzphase unseres Vereins hinzurechnen. Real Madrid scheint die Spanische Liga so sehr zu verachten, dass im Jahr 2003 (Vicente del Bosque) und im Jahr 2007 (Fabio Capello) jeweils der Trainer entlassen wurde, der soeben den Titel gewonnen hatte. Überhaupt begann mit del Bosques Entlassung - dem letzten Übungsleiter, der mit seiner Mannschaft 2002 die Champions League erringen konnte - durch Florentino Pérez der Niedergang jeder seriösen Planung. In weniger als sieben Jahren hat der spanische Rekordmeister neun Trainer verschlissen, wenn man den Rauswurf Pellegrinis einmal als beschlossene Sache annimmt. Sieben dieser neun Trainer hat Pérez entlassen. Sieben! Ist der Mann noch zu retten? 

Das ständige Einstellen und Rauswerfen der Trainer bedeutet nicht nur ein permanentes Zurücksetzen des Zählers auf Null, viel Unruhe, neue Co-Trainer, Physiotherapeuten, Einflüsterer, Groupies, Schleimer und so weiter, dazu gewaltige Summen für Abfindungszahlungen. Es heißt auch, dass die neue Saison nicht im Frühjahr oder spätestens Frühsommer vorbereitet werden kann, weil die begehrten Trainerkandidaten meistens noch anderswo unter Vertrag stehen und sich daher nicht frühzeitig zu ihren Vorstellungen äußern können. Doch selbst wenn sie es könnten, würden sie schnell begreifen, wie begrenzt ihre Macht ist. Manuel Pellegrini hat letzten Sommer deutlich gesagt, er zähle auf Wesley Sneijder für das Madrider Mittelfeld; prompt wurde Sneijder verkauft. Auch Arjen Robben wurde abgegeben, damit Geld in die Kasse strömt. Beide Niederländer gehören zu den Stützen ihrer neuen Mannschaften und stehen jetzt im Champions-League-Finale. Mit gemischten Gefühlen, vielleicht sogar mit etwas Schadenfreude dürften sie sich am kommenden Samstag im Rund des Bernabéu-Stadions umsehen. Wenn sie Florentino Pérez erblicken, sollten sie ihm zuwinken, auch wenn wir längst wissen, dass Pérez jedem Winken gegenüber unzugänglich ist. Das hat schon ein Spieler namens Samuel Eto'o erfahren. 

 
Nachdem Trainer Manuel Pellegrini praktisch verabschiedet und hinausgedrängt ist - ich schweige von den üblen Beleidigungen und Diskreditierungskampagnen durch die Madrider Sportpresse -, lohnt noch einmal ein Blick auf die Zahlen. Es stimmt, die entscheidenden Spiele der Saison hat Real Madrid verloren. Aber an Punkten und Toren wurde ein Madrider Ligarekord aufgestellt, der sich durchaus sehen lassen kann. Es gibt Menschen, die zugunsten Pellegrinis sagen, jedes fußballerische "Projekt" brauche etwas Zeit. Man kann es kaum beschleunigen, auch nicht mit knapp 300 Millionen Euro. Cruyff und Rijkaard gewannen in ihrem ersten Trainerjahr bei Barcelona nicht den Ligatitel, konnten aber dann einen Zyklus mit hervorragenden Ergebnissen durchlaufen. Mehr, sie prägten eine Epoche. Cruyff, Rijkaard, Guardiola - das ist eine Reihe, die in jeder Beziehung Sinn ergibt. 

Solche Zyklen von vier, fünf oder mehr Jahren kann man nicht herbeizwingen, nur vorbereiten. Wer Eile hat, den bestraft das Leben. Man sollte also alles dafür tun, dass die Zyklen sich ereignen. Und die erste Voraussetzung dafür - abgesehen von einer erfolgversprechenden Personalentscheidung - ist nun einmal Kontinuität, damit die Dinge zusammenwachsen können. Gibt es ein „Projekt", muss der Trainer es aufbauen dürfen. Dafür braucht er, die finanziellen Möglichkeiten vorausgesetzt, Entscheidungsfreiheit darüber, mit welchen Spielern er sein Ziel erreichen will. Guardiola zum Beispiel könnte sich letztes Jahr geirrt haben, als er Eto'o durch Ibrahimovic ersetzte und auch noch 45 Millionen Euro hinterherwarf. Aber es ist das, was ich einen kreativen Irrtum nenne: Er wollte sehen, ob es klappt. Gute Trainer gehen Risiken ein und folgen ihrem feeling. Man will doch kein Angsthase sein! Das feeling führt übrigens dazu, dass die Mannschaft den Irrtum des Trainers aus eigenen Stärken (die wiederum Guardiolas Verdienst sind) kompensiert. Wer nämlich einen Pedro oder Bojan in der Hinterhand hat, kann Ibrahimovic auf die Bank setzen. Was geschieht, wenn Villa kommt, will ich mir lieber nicht ausmalen. Der ist wieder mehr der Eto'o-Typ als der Ibrahimovic-Typ. So erkennt man, wie Guardiola sein Projekt weiterentwickelt und verfeinert. 



Bevor offiziell ist, dass José Mourinho der neue Trainer von Real Madrid wird, noch eine letzte Bilanz. Präsident Florentino Pérez hat mit keinem von ihm eingestellten Trainer einen Titel errungen, wenn wir die spanische Supercopa mal ignorieren, die der Neuling Queiroz im Sommer 2003 gewissermaßen nur für Vicente del Bosque abgeholt hat. Mit keinem! Das macht seit damals also dreieinhalb Jahre Pérez - 42 Monate - ohne jeden Titel. Für diese anhaltende Titellosigkeit wurden auf dem Transfermarkt zwischen 500 und 800 Millionen Euro ausgegeben. Ich schenke mir das Nachrechnen. 

Nein, ich verstehe nicht, wie man einen so erfolglosen Mann auf dem Präsidentensessel so lange agieren lassen kann, wenn ein Manuel Pellegrini nicht einmal zwölf Monate vollmachen darf. Florentino hat doch längst bewiesen, dass er es nicht kann. Die Fans sollten seinen Rücktritt fordern. Der Verein muss sehr ängstlich sein, dass er sich an Florentinos Millionen und Marketingversprechen klammert. Mir gefällt auch nicht, wie Real Madrid in den Augen der Welt dasteht: als angeberischer Verein, der sich planlos alles zusammenkauft, worauf er Lust hat. Manche Spieler werden bei uns so schlecht, wie sie vorher nie waren. Andere harmonieren nicht mit dem Rest der Mannschaft. Wieder andere haben das Beste ihrer Karriere hinter sich. Und welcher Spieler wurde zuletzt in Madrid zum "Weltfußballer des Jahres"? Es ist so lange her, dass ich mich nicht mehr daran erinnern kann. Ich fände es schön, wenn ein Trainer mal ein bisschen bei uns bliebe und seine Arbeit entwickeln dürfte. Aber das, fürchte ich, wird mit diesem Präsidenten nicht zu haben sein.

                                                                                         [Fotos: AP, Reuters, AFP]

Veröffentlicht 18. Mai 2010, 14:58 von Paul Ingendaay
Kommentare

Real Madrid

18. Mai 2010, 16:31

Sehr geehrter Herr Ingendaay,

ich lese regelmässig über den Kiosk-Kauf die FAZ und verfolge so auch Ihre

Veröffentlichungen über Real Madrid.

Zu meiner Person möchte ich Ihnen mitteilen, daß ich bereits seit 36 Jahren

Club-Mitglied bei Real Madrid bin mit der Socio-No. 10 897.

Leider muss ich ihnen recht geben, Florentino Perez ist sicherlich ein großer

Unternehmer, der vor Jahren durch einen geschickten Coup die Finanzen

von Real Madrid geordnet hat, aber vom Fussball hat er keine Ahnung. Und so

verhält er sich auch. Vor einem Jahr bereits hätte man den Traumstürmer

David Villa vom FC Valencia haben können, damals scheiterte der Transfer an

einer Differenzsumme von lächerlichen 5 Mio Euro. Falscher Stolz !

Heute wird man wohl tatenlos zusehen müssen, wie genau dieser Spieler zum

F.C. Barcelona wechselt.

Was Real bleibt ist die Tatsache, im sportlichen Bereich total umzudenken, sonst

wird der Club in den nächsten zehn Jahren keine nennenwerten Titel mehr

gewinnen.

Falls Trainer Jose Morinho kommen sollte, wird er das komplette Sagen sich

schriftlich für den sportlichen Bereich dokumentieren lassen. Es ist nur die Frage,

ob in entscheidenden Momenten dies Perez noch interessiert.

Falls dieser Perez hier nicht zu einer anderen Denkweise kommt, wird der

Club in der Bedeutungslosigkeit versinken.

Schlimm ist nur und dies habe ich bei meinen vielen Besuchen in Madrid

festgestellt, die Mitglieder registrieren dies gar nicht, wo die Reise unter Perez

hingeht. Das Präsidium besteht aus Mitgliedern, welche mit teuren Anzügen und

dicken Zigarren die persönlichen unternehmerischen Interessen vertreten unter

der Überschrift Real Madrid.

Es ist unzweifelhaft, daß es einige Spieler in den Reihen von Real gibt, die ein

europäisches Niveau nicht vertreten können. Und dennoch sollte man sich einmal in der spanischen Liga nach Klasseleuten umsehen und die gibt es dort.

Mit freundlichen Grüssen

Dieter Küffner

Paul Ingendaay

18. Mai 2010, 16:44

Ja, Real Madrid mit dem schönen Namen, da werden Sie viel gelitten haben in dieser langen Zeit. Sehen Sie auch so gern wie ich das 2:3 von Old Trafford, mit Redondo? Das war eine erstaunliche Mannschaft. Raúl habe ich noch gar nicht erwähnt, seine großen Tage (die leider gezählt sind), seine Einstellung. All das ist ja auch vorbei. Jemand muss die Mannschaft führen wie bei den anderen Puyol und Xavi... Halten wir durch!

markushorn

18. Mai 2010, 21:56

Werter Don Paul,

als treuer Leser von Sanchos Esel muß ich Ihnen heute ein großes Kompliment für Ihre Analyse der Probleme von Real Madrid machen. Sie ist von einer Qualität, die auch in den Sportteilen angesehener Publikationen nur selten zu finden ist. Und als Anhänger von Real haben Sie diese sicher mit "blutender Feder" geschrieben.

Ich selbst bin seit langen Jahren Vereinsmitglied von Benfica Lissabon, und daher mit den von Ihnen beschriebenen Symptomen - wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau als bei Real - bestens vertraut, selbst wenn die gerade zu Ende gegangene Spielzeit für uns Benfiquistas eine erfreuliche Ausnahme war.

Mourinho wird meines Erachtens Reals Problem, als angeberischer Verein zu gelten, nur noch vergrößern. Bestenfalls tritt er nach drei Monaten im Amt wegen unüberbrückbarer Differenzen mit Florentino zurück und streicht eine bemerkenswerte Abfindung ein.

Eine Frage zum Schluß: was schreibt denn der von mir als Autor so sehr geschätzte Javier Marías zur Situation bei Real? Leider konnte ich schon seit langem nichts mehr von ihm lesen.

Einen erfreulichen (WM-)Sommer wünscht Ihnen

Markus Horn

Paul Ingendaay

18. Mai 2010, 23:37

Danke, markushorn, für die netten Worte und den Lissaboner Gruß. "Blutende Feder", das kommt ungefähr hin. Aber man ist ja auch nicht blöd. Allmählich glaube ich nur, der dominierende Teil der Madrider Sportpresse ist es. Wie kriecherisch sie einem erfolgreichen Unternehmer ergeben sind und nicht wagen, offen hinzuschreiben, was die Fans allesamt wissen - dass wieder einmal ein paarhundert Millionen verbraten wurden -, ist jenseits meiner Begreifungskraft. Von Javier Marías habe ich länger nichts zum Fußball gelesen, nur gehört. Er mag Cristiano nicht sonderlich, bedauert den Abschied von Guti und wünschte sich natürlich Spieler wie Xavi und vermutlich auch Villa. (Ich muss ihn noch danach fragen.)

slbvic1

19. Mai 2010, 00:11

Lieber Herr Horn,

der Unterschied zwischen Vieira und Perez ist, dass Vieira eingesehen hat nichts von Fussball zu verstehen und deswegen mittlerweile kompetente Leute beschaeftigt.

Man sollte evtl. auf der Ebene versuchen Perez zu ueberzeugen, fundamental opposition fuehrt zu nichts.

Pellegrini hat das Zeug eine Mannschaft langfristig zum Erfolg zu fuehren, hat es auch nachgewiesen bereits, leider wird er wohl keine Chance dazu bekommen.

Aber ich sehe das mit Mourinho nicht so aussichtslos, vielleicht bedarf es wirklich eines noch groesseren Egomanen um Perez zu baendigen.

Saudações Benfiquistas

Paul Ingendaay

19. Mai 2010, 00:52

Aussichtslos sehe ich das mit Mourinho auch nicht. Erfolg kann beflügeln. Aber es ist schon kurios, wie hilflos unser großer Verein nach seinen Werten sucht. Als Präsidenten - also in seinem präsidialen Auftreten - finde ich Florentino angenehmer als Laporta. Aber dieser hat zumindest einige wegweisende Entscheidungen getroffen und kann deshalb eine grandiose Bilanz vorweisen. Er versteht vom Fußball mehr als Florentino, und er hat nie vergessen, was die Identitätszeichen seines Vereins sind.

slbvic1

19. Mai 2010, 10:47

Laporta ist ein moderner Manager, Florentino ein klassicher (Bau)Unternehmer.

Das soll sagen, Laporta versteht wie man "Teams" bildet und fuehrt, und er hat keine Angst Macht mittelfristig zu delegieren, um dem Ganzen zu nuetzen. Dazu hat er bei Nike gelernt nicht ein Produkt zu vermarkten, sondern ein Gefuehl, eine Story, und im Zweifelsfall der Authentizitaet auch kurzfristig den Erfolg zu opfern.

Florentino kann das nicht, ihm erschliesst sich der Zusammenhang zwischen Produkt(Trainer und Mannschaft) und Tradition eines Vereins nicht, der notwendig ist, um eine Bindung des Fans zu festigen oder zu erneuern, nicht.

Er betrachte Fussball nicht als unternehmerische Marketingherausforderung, sondern als Hobby, einem Rennpferd aehnlich, bei dem man bei ausbleibenden Erfolgen erst Jockey und Trainer auswechselt und dann das Pferd selbst.

Das macht ihn in seiner Aussenwirkung sympathischer, da unprofessionell aber emotionaler, ja praesidialer in Sinne eines Familienpatriarches, ich glaube so sieht er sich auch selbst.

Laporta wirkt dagegen kalt, berechnend eher instrumentalisierend und in seinem ganzen Habitus wie ein amerikanischer Manager und nicht wie ein iberischer Clubpraesident.

sanjandro

19. Mai 2010, 18:48

Don Paul, Sie beurteilen Perez im Lichte des Fans, der ansprechenden Fussball geboten bekommen und Titelgewinne sehen möchte. Dies ist aber nie das Primärziel von Perez gewesen. Erinnern Sie sich noch an seine Antrittsrede letztes Jahr?  "Beste Spieler der Welt", "Träume", "Ilusión", "wirtschaftliche Stabilität", "Bernabeu als Simbol Madrids", "Marke Real" etc. Motivation seiner Rückkehr war, er sehe die wirtschaftliche Stabilität des Vereins in Gefahr. Ein Grossteil der Einnahmen des Clubs kommt aus den TV-Geldern. Dem Fernsehen ist es wichtig Stars zu zeigen, ob die gewinnen oder verlieren ist egal. Ein Real, das ab und zu verliert, ist publikumswirksamer als ein durchmarschierendes.

Perez hat seine Strategie offengelegt. Es geht nicht um Titelgewinne, Konstanz, oder Spielphilosophie, es geht um Geld! Den FC Bayern nennt man in Deutschland den FC Hollywood. Diesen Titel will Perez international gewinnen! Tränenfeuchte Blicke in den Stadionhimmel sind dafür mindestens ebenso wichtig wie schöne Tore.

Dulcinea

20. Mai 2010, 00:01

Ich möchte die Fachgespräche hier nicht unterbrechen und wollte nur ganz kurz die Auswahl der Fotos lobend erwähnen. Ganz besonders die philosophischen Fotos Nummer 2 und 3. Wie sich Pep die Krawatte richtet! Er hat gewonnen, dennoch stehen ihm die Sorgenfalten auf der Fußballerdenkerstirn! Darunter die Augen, sie leuchten schon schön. Erleichtert. Wir sehen: besorgte Erleichterung. Oder erleichterte Besorgnis. Trainerschicksale in einem einzigen Foto! Dieselbe poetische Ambivalenz finden wir in Foto Nummer 3. Cristiano. Der Jubel. Fußball. Der Held. Der Ball aber liegt vor dem Tor! Was sind denn das für tolle Fotografen! Und hat CR9 wirklich lila Schuhe mit rosa? Das habe ich noch nie wahrgenommen. AP, Reuters, AFP, meine Verehrung. Und Glückwunsch an den glücklichen Erwähler!

Paul Ingendaay

20. Mai 2010, 01:46

sanjandro, Sie haben sicherlich recht. Natürlich empfinde ich als Fan. Doch ich schreibe als Journalist. Insofern unterscheiden sich meine Meinungen typologisch nicht wesentlich von denen meiner Kollegen. Man soll ja nicht nur beobachten, sondern auch interpretieren. Es ist interessant (und wäre einen eigenen Artikel wert), dass Florentinos Ziele noch längst nicht so präzise erfasst wurden, wie Sie sie dargestellt haben. Das heißt, ein Großteil der Presse beurteilt ihn nicht entsprechend seiner eigenen Vorgaben, sondern innerhalb des Deutungsmusters von Erfolg/Misserfolg, natürlich immer im Verhältnis zum getriebenen Aufwand. (Ein Großteil der Fans sowieso.) Aber jetzt kommt das Merkwürdige. Florentino hätte Pellegrini eigentlich behalten können. Es war ja ein würdiger Titelkampf, und das ist keine Kleinigkeit. Es gab eine Menge Spektakel, und selbst Alcorcón findet in diesem Drehbuch seinen Platz. Hat der Präsident nicht bekommen, was er wollte? Da es ihm Ihrer Meinung nach auf "ansprechenden Fußball und Titelgewinne" nicht so ankommt? Er ist nicht konsequent, sanjandro. Florentino kommt mir getrieben vor, bei äußerlich stoischer Hülle, ein Mann, der besessen einem Ziel hinterherjagt, das aber gerade wegen der völlig verfehlten Jagdmethode ewig vor ihm zurückweicht. Welche Ironie, dass die beiden einzigen Meistertitel, die Real Madrid nach del Bosques Hinauswurf 2003 errungen hat, in die Ära Calderon fielen! Selbst diese lumpige Liga, die für den berühmtesten Verein der Welt angeblich zu wenig ist, widersetzt sich Florentino. Es wäre Stoff für einen Roman.

Paul Ingendaay

20. Mai 2010, 01:50

Vielen Dank, Dulcinea. Sie wissen wahrscheinlich, dass Cristiano den Ball so vehement ins Tor geschmettert hat, dass er wieder herausgekullert ist? So deute ich das Foto.

HenryCharms

20. Mai 2010, 10:34

Eine wunderbare, ehrliche Analyse, wie sie nur ein echter Fan des Fussballs schreiben kann. Chapeau!

Normalerweise waehlt bei erfolgreichen Vereinen auch der Trainer die Spieler aus und sucht bestimmte Eigenschaften wie Schnelligkeit, Dribbelstaerke oder Robustheit um seine Mannschaft an bestimmten Stellen staerker zu machen. (So sehe ich uebrigens auch die Verpflichtuing des "Riesen" Ibrahimovic in einer ansonsten eher kleinen Sturmreihe). Aber Perez sucht die Spieler nur danach aus wieviele Trikots man mit ihrem Namen verkaufen kann. Und diese Auswahl schmeisst er dann dem jeweiligen Trainer vor die Fuesse und sagt: "mach mal! Ich will Titel." Aber wie man schon vom Projektmanagment weiss, man kann kein Kind in EINEM Monat bekommen, indem man NEUN Frauen schwanger macht. Es braucht halt seine Zeit. Und dafuer hat Pellegrini einen super Job gemacht. Ich sehe die Saison auch gar nicht als fracaso, denn er hat immerhin 96 Punkte geholt, soviel wie noch nie ein Verein zuvor in einer Saison. Pech fuer ihn nur, dass Barça in derselben Saison eben noch drei Punkte mehr geschafft hat.

Hoffen wir trotzdem auf ein schoenes Spiel im Bernabeu Stadion am Samstag.

Dulcinea

20. Mai 2010, 11:03

Ach Gott, ich bin nur eine Frau! Ich erkenne an einem Foto nicht, um welches Tor in welchem Spiel in welchem Stadion und zu welcher Minute es sich handelte! Ich bewundere nur den Augenblick an sich.

Paul Ingendaay

20. Mai 2010, 12:13

Dulcinea, ich bin nur ein Mann! Auch ich bewundere den Augenblick. (Vielleicht bewundern wir nicht zu allen Zeiten denselben Augenblick. Das könnte sein.)

*

HenryCharms, wie sanjandro und slbvic1 richtig festgestellt haben, sind Florentinos Ideen nicht nur strikt fußballbezogene. Real Madrid gehört noch immer zu den wertvollsten Marken der Welt - vor dem FC Barcelona -, und das dürfte sein Verdienst sein. Darüber hinaus: mucho ruido, pocas nueces. Vielleicht sollte man auch erwähnen, dass sich beim 0:4 in Alcorcón vor allem die Spieler blamiert haben. Und sie wissen es. Selbst wenn ihr Trainer mit Grippe im Bett gelegen hätte, wäre diese Partie bodenlos peinlich gewesen. Und noch etwas. Es sind wohl die Suche nach neuen Helden und die daraus folgende bedingungslose Anbetungsbereitschaft, die das klare Nachdenken über fußballerische Projekte bei Real Madrid verhindern. Von dieser auflagenfördernden Glorifizierung (gefolgt von der auflagenfördernden Verstoßung ins Nichts) lebt ein Blatt wie Marca. In diesem Sinn ist Barcelona erwachsen geworden und der Kontrahent regrediert.

Virtudes

20. Mai 2010, 14:33

Liebe Dulcinea, schön, dass Sie auf die Photos zu sprechen kommen. Es war auch mein erster Gedanke, als ich den BLOG las: Da hat der werte Don Paul ja traumhafte Photos ausgesucht. Mein absoluter Favorit ist Bild Nr. 1: Die Haare wehen im Sturmwind, die hechelnde Meute im Rücken.... so stürmt er nach vorn, der Meister des Balles. War das bei der Anbahnung eines Tores, werter Don Paul? (Auch Frau!) Dann folgt gleich sicher das fröhliche Lachen des Helden- und tränenfeuchte Blicke aus der Meute.

Paul Ingendaay

20. Mai 2010, 14:41

Danke, Virtudes. Ich bin sicher, Sie hätten diese Fotos auch ausgesucht. Ich hatte einen Schwung kostenfreier Bilder vor mir (das ist die Bedingung: Sie dürfen nichts kosten!) und habe mich gefragt, welche sowohl schön sind als auch zu meinem Text passen. Messi im Konfettiregen gefällt mir ebenfalls.

schuschumann

20. Mai 2010, 17:06

Hallo Sanchos Esel

verzeihen Sie, wenn Ich so persoenlich frage:

Eine fuer ihre Verhaeltnisse wenn ich das richtig interpretiere geradezu emotionsgeladener Aufruf an die Mitglieder Perez zu stuertzen wirft Fragen auf:

=>Woher ruehrt historisch die "Anziehung" die Real auf Sie ausuebt?

Wenn ich diesen Artikel in Zusammenhang mit dem Artikel in der FAZ-Druck über ihre Zeit im Internat betrachte:

=>Wieso gelingt es diesem veranstalteten Millionentheater auch einen so vorsichtig formulierenden Zeitgenossen in seinen Bann zu ziehen?

slbvic1

"...dem Ganzen zu nuetzen".  Welchem Ganzen?

Laporta und sein "Anklammern" an die Macht ist doch schon jetzt während seiner "aktiven Zeit" Legende geworden.

Wirklich tolle Fotos.

Beste Grüsse

Paul Ingendaay

20. Mai 2010, 17:26

schuschumann, meine Sätze lauteten: "Nein, ich verstehe nicht, wie man einen so erfolglosen Mann auf dem Präsidentensessel so lange agieren lassen kann, wenn ein Manuel Pellegrini nicht einmal zwölf Monate vollmachen darf. Florentino hat doch längst bewiesen, dass er es nicht kann. Die Fans sollten seinen Rücktritt fordern." Das ist sicherlich kein direkter Aufruf zum Umsturz, eher eine nüchterne Folgerung aus meiner Argumentation. Wenn Erfolglosigkeit - also das Versagen vor den großen Titeln - bei diesem Verein bestraft wird, dann wären Florentino und Valdano die ersten, die gehen sollten. Sie haben das Ganze ja schon einmal vorexerziert! Tja, warum bin ich Fan von Real Madrid? Ich weiß es nicht genau. Ich lebe in dieser Stadt. Real Madrid hat meine aus Kölner Sicht wohl gut begründete Bayern-Antipathie beflügelt (ich spreche als Fan - als Journalist würde ich anders schreiben!). Es ist eben so. Ich kann mein Herz nicht analysieren. Ihre persönlichere Frage betreffend: Ich habe im Internat sehr viel Fußball gespielt. Meine Jugend bestand aus Fußball und Büchern. Und obwohl ich heute öfter, als mir lieb ist, über den Schauwert des Pérez-Imperiums schreiben muss, kommt es mir bei diesem Verein vor allem auf die Männer in den weißen Trikots an, die aufs gegnerische Tor zustürmen.  

Dulcinea

21. Mai 2010, 00:27

Ich habe gerade den Damen aus Potsdam und Lyon beim Elfmeterschießen zugesehen! Und ich muß sagen, es war außerordentlich spannend! Und sehr schön. Das war das Finale der Champions League für die Damen, die dieses Jahr zum ersten Mal auch Champions League heißt. In Getafe. Ich meine, das Finale der Champions League fand in Getafe statt. Suchen Sie das mal in as! Ja, Sie können auch in El Mundo Deportivo suchen. Sie werden denselben Text finden, wenn Sie ihn finden. Denselben? Nein, in as ist er noch ein wenig kürzer.

pardel

21. Mai 2010, 11:51

Der letzte Fußballer des Jahres bei Real war Fabio Cannavaro im Jahr 2006. Ist gar nicht so lange her, aber ich assoziiere ihn nicht mit Real, ich sehe nur Turin und Italien. Vermutlich liegt das an meiner Perspektive. Mir gefällt Ihre Analyse, Herr Ingendaay, Sie legen den Finger auf die Wunde. Sehr gut gefallen mir auch die Bilder. Messi im Konfettiregen und Guardiola, nach dem letzten Spiel vor dem Rückspiel gegen Inter, als sie voller erwartungsvoller Anspannung die Anfeuerungstrickots anzogen, um die "remontada" zu beschwören. Daraus wurde bekannterweise nichts, aber ich liebe diese Jungs dennoch. Morgen werde ich mir das Finale der Herren ansehen, ein wenig wehmütig, aber im Grunde meines Herzens so blaugrana stolz auf das geleistete.

Das Finale der Damen war sehenswert, Dulcinea, auch wenn niemand angemessen darüber berichtet. Warum habe ich bei Frauenfußball so oft den Eindruck, ein Spiel aus den 70er Jahren zu sehen? Ist es die Taktik, der langsamere Rhythmus? Oder bilde ich mir das nur ein? Egal: Gratuliere den Frauen aus der Nachbarlandeshauptstadt! Wenn in Berlin der Fußball schon vor die Hunde geht, dann soll Potsdam eine gute Zeit geniessen, sie haben es verdient. Ich suche immer noch nach einer Hauptstadt ohne Vertretung in der jeweiligen ersten Liga, und finde keine. Auch außerhalb Europas nicht. In Amerika nicht, in Afrika nicht, in Europa sowieso nicht... Kennt sich jemand in den ozeanischen Ligen aus? Oder in Asien, vielleicht in irgend einem entrückten Staat des Himalaya oder so?

Paul Ingendaay

21. Mai 2010, 12:55

Nur im formellen Sinn haben Sie recht, pardel. Fabio Cannavaro wurde im Sommer 2006 für seine abgelaufene Saison bei Juventus Turin und vor allem für seine herausragende Leistung bei der WM geehrt, bei der Italien bekanntlich den Titel gewann. Erst danach begann seine Zeit bei Real Madrid. Es war ein schreckliches Jahr für unsere Mannschaft. Cannavaro fand sich mit der weiter aufgerückt spielenden Verteidigung nicht zurecht und war nur noch ein Schatten des Defensivkünstlers, als der er Monate zuvor gefeiert worden war. Wir wurden spanischer Meister, aber mit dem lausigsten Capello-Stil, das sich denken lässt. Und Barcelona spielte wie ein großer blauroter Waschlappen und verlor einen sichergeglaubten Titel. Nein, unsere beiden letzten Weltfußballer waren

a) Luis Figo, woran ich einen culé ungern erinnere. Er kam - "de la mano de Florentino Pérez", wie man wohl sagen muss - im Sommer 2000 und wurde 2001 zum Weltfußballer des Jahres gewählt;

b) Zidane, der 2001 zu Real Madrid kam und 2003 zum dritten und letzten Mal Weltfußballer des Jahres wurde. Dann begann auch bei ihm der Abstieg. Über den größeren Teil seines fünfjährigen Engagements bei Real Madrid (zwischen Herbst 2003 und Sommer 2006) gewann er keinen Titel mehr.

Sie sehen mein Argument? Wir kaufen nicht das Versprechen, sondern den legendären Ruf. Nicht die Zukunft, sondern die Vergangenheit! Seit Zidane hat Real Madrid vier (!) Weltfußballer des Jahres verpflichtet, die ihren Titel jeweils mit ihrem früheren Verein errungen hatten und in unseren Reihen - bei erheblich besseren Bezügen - einen wahrnehmbaren Leistungsabfall verzeichneten: Ronaldo, der Brasilianer, Cannavaro, Kaká, Cristiano Ronaldo. Was den Letzten betrifft, will ich nicht vorschnell urteilen, er ist jung, da könnte noch etwas kommen. Aber ob er Messi je einholen wird? Weltfußballer wurde er jedenfalls mit Manchester United. Übrigens: Der FC Barcelona hatte in den letzten fünfzehn Jahren gleich fünf Weltfußballer des Jahres, die ihren Titel mit Leistungen für ihren (und Ihren) Verein errangen: Romário, Ronaldo, Rivaldo, Ronaldinho (2) und Messi. Zahlen lügen nicht.

pardel

21. Mai 2010, 14:37

Ich sehe durchaus, was Sie meinen, Herr Ingendaay, und gerade weil Sie im Wesentlichen recht haben und ich nicht in diese Wunde stochern will, wollte ich diesen Beitrag gar nicht kommentieren. Entschuldigen Sie, ich habe es doch getan. Ich verstehe Sie sehr gut, Sie fühlen sich bei Florentino (warum wird er immer mit Vornamen angesprochen, und heißt nicht Sr. Pérez?) so, wie ich mich unter Gaspart (dessen Vornamen ich verdrängt habe) gefühlt habe. Dabei wollte ich mich nur bei Ihnen für die schönen Fotos bedanken und Dulcinea grüßen, die wie so oft das gesagt hat, was andere verschweigen. Waren Sie heute bei der Pressekonferenz von Bayern in Madrid? Gehen Sie morgen ins Stadion?

pardel

21. Mai 2010, 15:04

Ein wesentlicher Teil des Problems mit dem spanichen Fußball liegt meiner Meinung nach darin, dass die Vereinspräsidenten zu viel Macht haben. Präsident kann in Spanien nur jemand werden, der sehr viel Geld hat, weil sie formal mit vielen Millionen bürgen müssen. Das ist großer Schwachsinn, mir ist nicht bekannt, dass jemals ein Präsident für seine Fehleinkäufe oder für seine schlechte wirtschaftliche Führung in Regress genommen worden wäre, selbst dann nicht, wenn ihr Klub pleite ging. Aber das ist eine große Hürde für normale Menschen, die vielleicht mehr Sachverstand hätten. Es kommen nur "trepas" in Frage: Gil y Gil, Núñez, Sanz, del Nido, Mendoza, Gaspart, Florentino, Laporta... Bemerkenswert viele Bauunternehmer, die Fußball mit einem gelungenen "pelotazo" verwechseln. Die Liste ließe sich lange fortführen, ich hoffe, keiner ist beleidigt, wenn ich ihn ausgelassen habe. Meistens nutzen sie ihren Posten als Sprungbrett für weitere Geschäfte, was zwar an sich nicht verwerflich sein müsste, aber oft in der Art, wie es durchgeführt wird, ihre Gesinnung verrät. Ach! Ich schweige lieber, und lasse Sie mit Ihrer Trauer und Wut alleine. Sie wissen ja: La vida da muchas vueltas.

Paul Ingendaay

21. Mai 2010, 15:08

Ich verstehe, pardel. Gaspart war schrecklich. Wie wird Rosell, wenn er gewinnt? Niemand weiß es. Florentino ist einfach Florentino. So wie Felipe (González) eben Felipe war. Und wie Raúl (González) ja auch nur Raúl ist.

Ich gehe morgen nicht ins Stadion. Es spielen doch nur Bayern München und Inter Mailand!

hempel54321

21. Mai 2010, 15:30

Bon dia a tothom!

Herr Ingendaay schreibt: "Sie sehen mein Argument? Wir kaufen nicht das Versprechen, sondern den legendären Ruf. Nicht die Zukunft, sondern die Vergangenheit!" Das ist sicher richtig, da dies unzweifelhaft auf die "Personalpolitik" Real Madrids zutrifft. Nicht so sicher bin ich mir, ob demgegenüber el Barça gewissermassen den Gegentwurf darstellt. Die Masia ist sicher ein Erfolgsmodell und die Talentsichter des Clubs haben eine nicht weniger bewunderns- oder beneidenswerte "Nase" für vielversprechende junge Talente. Aber beinahe jeder Spieler - mag er noch so jung an Jahren sein -, um den sich die üblichen Verdächtigen des europäischen Fussballs zanken, wird auch und gerade auf Basis seiner Vergangenheit bewertet werden. Man nimmt die Stabilität der Merkmale des "Produkts"an, so dass der Schluss auf des Spielers Potential letztlich auch unter Zugrundelegung seiner vergangenen Leistungen erfolgt . Die erwähnte Liste der Weltfussballer (Romário, Ronaldo, Rivaldo, Ronaldinho) besteht aus vier "Zugekauften". Im Fall von Real erscheint diese - m.E. gängige Praxis - nur besonders pompös aufgezogen oder - was die investierten Summen anlangt - obszön zu sein. Um dann nicht einmal mit dem gewünschten Erfolg gekrönt zu sein! Da es für die Spieler  einen Transfermarkt gibt, diese also entsprechend gekauft werden und sich deren Preis durch das Spiel von Angebot und Nachfrage bestimmt. Und der Erfolg der Transaktion hängt gerade auch davon ab, im richtigen Moment zu kaufen. Ein Spieler, der seine Fähigkeiten bereits unter Beweis gestellt, aber zu versprechen scheint, dass er seinen Zenit (noch) nicht überschritten hat. El Barça mag zwar "més que un club" sein. Aber sicher schwebt er nicht über den der Funktionsweise des Profifussballs immanenten Sachzwängen. So schön die Geschichte von Messi, et al. auch ist.

Paul Ingendaay

21. Mai 2010, 17:13

Die Glorifizierung des FC Barcelona liegt mir fern. Aber an guter Nachwuchsarbeit führt kaum ein Weg vorbei, das beweisen die Modelle Ajax Amsterdam, Arsenal London und eben Barcelona. Eine gewisse Zahl an Fehleinkäufen ist normal und verständlich. Ein Overmars (bei Barcelona) hat sich nicht so durchgesetzt, wie es seiner Klasse entsprochen hätte, ein Michael Owen (bei Real Madrid) aber auch nicht. Dank des präsidialen Erwerbssystems - Kaufen, ohne einen Trainer zu haben - hat unser Verein aber besonders viele Fehlkäufe angesammelt. Allein die Vorstopper, von Woodgate bis zu Samuel! Letztes Jahr war für das Mittelfeld Ballack im Gespräch. Dieses Jahr ist es Lampard. Als ob der Fall Thierry Henry nicht gezeigt hätte, dass man nicht so spät kaufen darf! Also, hempel54321: Im Fall der vier Brasilianer mit R kann man wohl sagen, dass Barcelona sie zum richtigen Zeitpunkt gekauft hat. Dass Ronaldinho - für eine Weile - so gut sein würde, hat allerdings niemand vorhergesehen. Er war ja nur der Ersatzkauf für Beckham.

HenryCharms

21. Mai 2010, 18:13

pardel, Sie sprechen einen interessanten Punkt an, der mir auch schon oft aufgefallen ist: die vielen Bauunternehmer. Offenbar muessen Millionen von Spaniern ueberhoehte Hauspreise zahlen, damit die Bauunternehmer so stinkreich werden, dass sie sich einen Fussballverein leisten koennen. Irgendwie merkwuerdig, aber es funktioniert.

Paul Ingendaay

21. Mai 2010, 18:57

Und der unsere war so clever, genau zum richtigen Zeitpunkt die Ciudad Deportiva zu verkaufen. Ironischerweise wohnt die Mannschaft von Bayern München in diesen Tagen im Euro Tower Madrid, also auf dem alten Trainingsgelände unseres Vereins.

Paul Ingendaay

21. Mai 2010, 19:06

Oh, und José Mourinho wohnt mit seiner Mannschaft in den Mirasierra Suites, also im Vorbereitungshotel von Real Madrid! Wollen wir ein Symbol darin sehen?

mugabarru

24. Mai 2010, 01:43

In der Nacht vom Samstag zum Sonntag, so gegen Mitternacht, bin ich in der T-4 von Barajas gelandet. Auf dem Weg zur Metro habe ich mehrmals Deutsche "jawohl, jawohl...." singen hören. In der Metro waren die Italiener sehr "down". Ich dacht sie hätten die Champions verloren. Jetzt frage ich mich ob ich nur müden tifosis begegne bin. Es gab auffällig viele Männer mit Kindern, besser gesagt mit Jungen. Die waren müde. Oder war es die Trauer um Mourinho? Übrigens welche Taktlosigkeit gegenüber Pellegrini, diesem ruhigen Mann. Meine Solidarität gilt ihm. Aber wahrscheinlich passt Mourinho bessser zu den merengues........ auch wenn einige von ihnen (auch  mein gester Freunt) unter der Entscheidung leiden  (das ist richtig boshaft gemeint).

mugabarru

27. Mai 2010, 02:59

Alsso, Pellegrini ist nun endgültig und auch öffentlich gefeuert worden. Kein Kommentar dazu? So ein ruhiger und besonnener Mensch, der all die mackerhaften Kommentare seines Nachfolgers ruhig erduldelt hat, sollte doch nicht wortlos verabschiedet werden. Nicht mal von den culés des blogs. WIR haben doch Erziehung!

sanjandro

27. Mai 2010, 12:54

Ich habe gerade das editorial marca gelesen www.marca.com/.../1274948330.html und ich stimme Ihnen zu, mugabarru. Ich bin immer Real deutlich zugeneigter gewesen als Barca (nach meinen Depors, selbstverständlich), aber wenn man liest wie sich Florentino durch seinen privaten Pressedienst darstellt, kann man nur Antipathien entwickeln. Alles Böse der Vergangenheit liegt beim Trainer, alle Hoffnung der Zukunft ebenso. Und wenn es mit Mou auch nicht klappen sollte, dann wird Flo sagen, er habe ja das beste versucht. Payaso!

Paul Ingendaay

27. Mai 2010, 16:41

sanjandro, mugabarru, es ist leider ernst. Und schlimm. Und traurig. Ich erhebe mich und winke Manuel Pellegrini nach. Morgen werde ich für unsere Zeitung zum Thema schreiben, das mache ich Ihnen zugänglich.

pardel

29. Mai 2010, 13:42

Du hast recht, mugabarru. Pellegrini verdient Respekt. Er war ein guter und anständiger Gegner. Respekt sei ihm hiermit gezollt. Marca schadenfreut sich jedoch, weil sie vermutlich ahnen oder hoffen, dass man mit einem histrionischen Provokateur die Auflage steigern kann. Gleichzeitig kriechen sie Florentino dort hinein, wo Speichellecker den Mächtigen nunmal gerne hineinkriechen. Unerfreuliches Thema. Freuen wir uns doch lieber einfach zunächst auf die anstehende WM, mögen die Spieler sich nicht verletzen und ohne Malaria zurückkehren! Danach erst kommt die Liga, und die wird medial (und hoffentlich auch sportlich) sicher sehr interessant.

Paul Ingendaay

29. Mai 2010, 15:49

Mein Artikel zum Thema musste aus Platzgründen geschoben werden. Ich melde mich, wenn er erscheint.

mugabarru

30. Mai 2010, 01:09

Tja, das Ende der Liga ist immer dramatisch, selbst in meiner Ecke, in der wir (bedingt) etwas weniger ehrgeizig sind......

www.eitb.com/.../se-acabo-liga-futbol

Und pardel, falls du das Baskenland als politische Einheit akzeptierst, kann ich dich trösten: die Hauptstadt ist Vitoria (Siberia)-Gasteiz, doch deren Deportivo Alavés spielt in der Segunda División B. Selbst in der  Nachbarprovinz und deren Real Sociedad reicht es nur zur Segunda División, obwohl die ebenfalls Hauptstadt werden wollten. Nur Bilbo (Bilbao) und unser Athletic Club spielt in der Primera División, so dass wir die Hauptstadt sein müssten und eigentlich seit 30 Jahren sein müssten. Politische Ungerechtigkeiten eben, was soll es. Vielleicht tröstet dich diese Information. Jedenfalls brauchst du nicht mehr in sudöstasiatischen Ligas  recherchieren. Jetzt sind wir auf der Suche nach guten Spielern deren Urgrossvater irgendwann mal kurz eine txapela aufsetzten, und so die baskische Essenz wahrnahm, so dass wir den Urgrossenkel ohne nationalistische Bedenken unter Vertrag nehmen können. Übrigens, welche Spiele stehen auf deiner "must"-Liste?

pardel

30. Mai 2010, 12:27

Welch schöne Sichtweise, mugabarru: Das Baskenland als eigenständige politische Einheit akzeptieren, schon steht Berlin nur halb so dumm da! Reizend! Das ich nicht selber darauf gekommen bin! So elegant kann man Gesichtsverlust vermeiden und dabei zudem noch lachen. Danke!

Die verzweifelte Suche nach baskischen Vorfahren (ich las neulich ein Interview mit Iker Casillas, der als Kind von Bilbo-Scouts durchleutet wurde: trotz des schönen Vornahmens war weit und breit kein baskisches Blut zu entdecken und sie gingen mit leeren Händen zurück, was sie sicher heute noch bedauern) könnte evtl. in Südamerika erfolgversprechend sein. Notfalls, so wurde mir erzählt, kann man dort die Unterlagen "biegen", war vor ca. 40 Jahren ein spanienweites Thema, die betroffenen Spieler nannte man damals "oriundos". In Deutschland hingegen dreht sich die Debatte, ob der Großvater einst einen deutschen Schäferhind hatte oder einen Dackel (wohl das hiesige Äquivalent einer txapela bei euch) nicht so sehr um Fußball, sondern eher um Harz IV. Merkwürdig, nicht wahr?

Meine "must-have"-Liste? Ganz einfach: Iniesta, Messi, Xavi, Puyol, Busquets, Valdés, Pedro, Bojan, Piqué und evtl. Cesc. Spontan aus dem Gedächtnis zitiert.

pardel

30. Mai 2010, 12:45

Und Guardiola als Trainer, natürlich.

Paul Ingendaay

30. Mai 2010, 13:00

Natürlich, pardel. Wissen Sie, was mir bei uns - in Madrid - auffiel? Der erste Trainer, den Florentino 2003 verpflichtet hat, war ein Portugiese. Acht (oder neun?) Trainer später sage ich: Ein Portugiese könnte auch der letzte sein.

pardel

30. Mai 2010, 13:21

Das kann man so oder so verstehen, Don Paul: Entweder bleibt der letzte Portugiese sehr lange, oder Florentino packt seine Sachen sehr bald. Wie meinen Sie's, so oder so?

Paul Ingendaay

30. Mai 2010, 17:50

Ich bin kein Hellseher, pardel. Mourinho könnte natürlich etwas bewegen, weil er gut ist. Und bei Barcelona dürfte die Motivation schwieriger werden. Das ist nun einmal so. Es wird also interessant. Was mir etwas Sorgen bereitet, ist der Klassenunterschied zwischen den beiden Großen und dem Rest. Das macht die Liga langweiliger.

pardel

30. Mai 2010, 18:11

Und dann das: www.as.com/.../Tes Soll man, ja, darf man denn darüber lachen? Bin ich der Schadenfreude verfallen, dass ich das lustig finde? Dulcinea! Sie haben doch ein ausgewogenes Augenmaß und das Herz an der richtigen Stelle: Was raten Sie mir? Befreien Sie mich doch bitte von meinen Zweifeln.

Dulcinea

30. Mai 2010, 19:29

Ich glaube gar nicht, daß meine Jungs Motivationsprobleme haben, wenn es gegen Mou geht. Nur ein Gefühl.

Dulcinea

30. Mai 2010, 19:32

Guten Abend, pardel. Ja, was rate ich Ihnen?

Frage: ¿Y al fútbol, de qué jugaba?

Ansar: De cerebro, como siempre.

pardel.

Einfach nicht ignorieren!

mugabarru

30. Mai 2010, 21:53

Mou + CR9 = "Madrider Macker". Wenn die demnächst in und um Madrid den Ton angeben, da kann ich nicht mal mehr darüber lachen. Das gibt nur weitere, unsportliche "crispación".

Unsere dulce Dulcinea ist, glaube ich, immer noch am Feiern. Letzte Woche soll sie im  Hafen von Bermeo gesichtet worden sein, auf der Suche nach einer second-hand Schiffshupe. Die Information habe ich von "fuentes generalmente bien informadas" erhalten.

Mensch pardel, Aznar und seine midlife-crisis! Der Typ ist ja allgemein als "gafe" gefürchtet. Deshalb kann er in dem verlinkten Interview, auch nach seiner langen politischen Karriere, und trotz Anerkennung der Leistungen vieler Sportler ("¡son tantos y tan buenos...!"), keinen einzigen persönlich miterlebten Sieg zitieren. Seine Anwesenheit war immer die Garantie für eine Niederlage. Und Ski..... nur den in Spanien unüblichen Langlauf. Zu mehr hat es bei ihm nicht gereicht. Und zum Abschluss ein kleiner Klatsch: ein Schwager von Aznar soll nache seiner zweiten Wahlniederlage gegenüber Felipe González gescherzt haben "a ver si vas a pasar de jóven promesa a vieja gloria sin estrenarte..." Und da Aznar bekanntlich ein Mann mit Humor ist, soll er nie wieder mit seinem Schwager gesprochen haben.

Dulcinea

30. Mai 2010, 22:46

Mit B... fing es wirklich an, mugabarru. Sie Teufelskerl! Ich würde nur das "second hand" ersetzen. Wie klingt denn das! Ich würde "Antiquitäten" vorziehen. Finden Sie nicht? Was macht Ihre Lichtfrage? Ich grüße Sie aus Chamartín!

mugabarru

31. Mai 2010, 00:51

Wie üblich haben sie recht, Dulcinea. Bermo ist ja bekanntlich von den Nachfahren Noahs nur knapp 150 Jahre nach der Sintflut gegründet worden. Und sie wollten, selbstverständlich, die Schiffshupe der Arche Noah aufspüren. Wie konnte ich diese antike Schiffshupe nur als second-hand nennen! Entschuldigen sie bitte.

Der Lichtkrieg... nun, ich will nicht angeben... aber das wissenschaftliche Argument mit den lebensgefährlichen Fischgräten hat gewirkt. Deshalb kommt bei mir kein Zackenbarsch auf den Tisch wenn sie da ist. Ich kaufe nur Fische mit wirklichen und gefährlichen Gräten. Doch ab dem Nachtisch wird abgedunkelt. Und da sie ein Morgenmensch ist, schläft sie öfters hier. Also bin ich überglücklich. Es fehlt mir nur die Yacht. Aber Virtudes hat sie immer nocht nicht zurück gewonnen.

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