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Sanchos Esel

Niemand weiß, was jetzt kommt, aber es fängt schon mal komisch an

21. November 2011, 23:50 Uhr

Ich beneide politische Kommentatoren nicht gerade um ihre Aufgabe, Wahlergebnisse zu „analysieren". Denn erstens müssen sie oft nur öffentlich verkünden, was wir auch ohne ihre Hilfe sehen („Herbe Verluste für die Sozialisten, wie die Grafik sehr schön zeigt"), zweitens sind nicht alle Wahlergebnisse leicht zu interpretieren, und drittens hechelt das Ganze doch ziemlich dem hinterher, was man nachträglich als „Willen des Volkes" bezeichnet. Diesen Willen gibt es zunächst nur als Einzelwillen, im Kopf oder Herzen jedes einzelnen Wählers, jeder Wählerin. Erst in der Summe lässt sich etwas Kollektives daraus gewinnen beziehungsweise konstruieren. Oh, und viertens: Jahr für Jahr das Auf und Ab des Wählerwillens zu deuten käme mir ungefähr so sinnvoll vor wie, sagen wir, den Wasserpegel beim Gezeitenwechsel an der südspanischen Atlantikküste zu messen. Wichtig für jene, die es betrifft (Schwimmer, Surfer, Segler), aber ingesamt nicht so wahnsinnig transzendent. Das ist unfair, ich weiß, und genau die Empfindung, mit der Politologen nichts anfangen können. Doch Sanchos Esel kommt nicht aus seiner Eselshaut heraus.



Nehmen wir jetzt mal die spanischen Wahlen. Die sind ausnahmsweise relativ leicht zu deuten. Der allgemeine Überdruss in Spanien hat die regierende PSOE aus dem Amt und von den Regierungsbänken gefegt. Die Sozialisten haben 4,4 Millionen Stimmen verloren, fast so viele, wie es in Spanien Arbeitslose gibt, wie El País mit kaum verhülltem Unmut anmerkte. Die gewaltige Stimmenzahl übersetzt sich in 59 verlorene Abgeordnete - von 169 auf 110. Es ist das schlechteste PSOE-Ergebnis in gut dreißig Jahren Demokratie. Die Konservativen, die das beste Ergebnis ihrer Geschichte vorweisen können, haben sich von 154 auf 186 Sitze gesteigert, aber dafür nur 600.000 Stimmen mehr benötigt, als sie vor knapp vier Jahren erhielten. Der Effekt dieser 600.000 Stimmen ist also gewaltig. Insgesamt muss man sagen, dass weniger von einem Erdrutschsieg der Konservativen gesprochen werden kann als von einer Erdrutschniederlage der Sozialisten. Deren frühere Stimmen sind nur zu rund fünfzehn Prozent zum direkten politischen Kontrahenten gewandert, der Rest landete bei den kleineren Parteien - den Nationalisten von CiU in Katalonien (16 statt 10 Sitze), Amaiur (erstmals dabei und mit 7 Sitzen gleich die stärkste Fraktion im Baskenland), dann natürlich bei Izquierda Unida (IU), die sich von 2 auf 11 Sitze steigerte, sowie bei der UPyD von Rosa Díez, die es von einem Abgeordneten auf fünf brachte.

Dass die Stimmanteile sich auf diese Weise in Parlamentssitze umrechnen, liegt natürlich am Wahlrecht, das die großen Parteien begünstigt und für die kleineren eine hohe Barriere errichtet, bevor sie den ersten Sitz erreichen. Die Botschaft der spanischen Wähler scheint mir nicht nur zu sein, dass die PSOE zwecks Generalüberholung in die Opposition gehört (das Ergebnis ist eher ein Denkzettel für Zapatero als für Rubalcaba, der dem Untergang mutig entgegenmarschiert ist), sondern dass einer starken PP eine Fülle „kleinerer" Interessen gegenüberstehen soll, seien sie nationalistisch oder stärker links oder auch stärker liberal. Die Aufgabe, die jetzt ansteht, hätte auch die PSOE zu lösen gehabt, und niemand wird Mariano Rajoy darum beneiden. Noch immer ist unklar, wo die neue Regierung den Rotstift ansetzen will und wer das Wirtschaftsressort leiten wird.

Sind die beiden großen Parteien austauschbar, wie das lustige Wahlplakat oben - fotografiert in der Nähe der alten Tabakfabrik in Madrid - zu suggerieren scheint? Das denn doch nicht. Aber es war bemerkenswert, dass keines der ideologisch umkämpften Themen, die Spanien fast in der gesamten Zapatero-Regierungszeit beschäftigt haben - Schwulenehe, Gesetz zur historischen Erinnerung, Antiterrorbekämpfung, Zurückdrängung des kirchlichen Einflusses in der Bildung -, im Wahlkampf irgendeine Rolle gespielt hat. Gestern sah ich unter den vielen PP-Fahnen vor der C/ Génova auch ein Transparent gegen die Liberalisierung der Abtreibung, doch Rajoy hat sich darum bemüht, dem harten Kern der Konservativen keine vorauseilenden Geschenke zu machen. Er weiß, dass er gewählt wurde, um für seine Wirtschaftspolitik vier Jahre geprügelt zu werden, nichts anderes.



Ein Eindruck vor dem Fernseher war, dass die PP-Politikerinnen, wie sie dort auf dem Balkon des Hauptquartiers in der Calle Génova standen und winkten, durchgehend und flächendeckend scheußlich angezogen waren, und weil das für Spanien nicht typisch ist, wage ich einmal die Prognose, dass es als Vorgriff auf die mageren Jahre zu verstehen war: "Seht her", sagte die kollektive Schmudel-Look-Geste, "das alles sind wir zu tun bereit, wir lassen selbst unsere schicken Klamotten beiseite, sparen am Friseur und ziehen uns an wie zum Jogging." Es wäre die klarste programmatische Aussage des Wahlkampfs gewesen.

Übrigens, das lustige Wahlkampfplakat. Die Fotografin erzählte, eine Stunde, nachdem sie es fotografiert habe, sei es weg gewesen. Abgerissen. Nahezu spurlos verschwunden. Es gibt sonderbare Dinge. Hat überhaupt einer jemals gedacht, die beiden Herren könnten Hand in Hand dem Sonnenaufgang entgegengegangen sein?


                                                                                                                                       
                                                                                       [ Fotos : Sophie Caesar ]

Veröffentlicht 21. November 2011, 23:50 von Paul Ingendaay
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Kommentare

Bettelbaron

22. November 2011, 00:42

Mich interessiert etwas anderes. Inwiefern sehen Sie Parallelen zwischen Amaiur und Sinn Fein (die Parallelisierung von ETA und IRA hatten wir ja zu genüge)? In Nordirland haben es ja ehemalige Terroristen oder zumindest öffentlich als Terroristen wahrgenommene Personen zu parlamentarischen Würden gebracht, und sich tatsächlich auch als respektable Parlamentarier etabliert. Ist über kurz oder lang etwas Vergleichbares auch in Spanien zu erwarten oder ticken die Uhren dort anders?

Wenn ich an die quälenden Auseinandersetzungen über die Erinnerungs- und Versöhnungspolitik in Bezug auf Bürgerkrieg und Diktatur denke, dann erwarte ich auch bezüglich der politischen (insbesondere der parlamentarischen) Integration des baskischen Nationalismus eher schleppende Fortschritte.

Paul Ingendaay

22. November 2011, 01:04

Bettelbaron, der Vergleich zwischen den beiden Phänomenen hinkt in der Tat, unter anderem deshalb, weil sich in Nordirland tatsächlich zwei Armeen gegenüberstanden und die katholische Minderheit schwere Repressalien erlitten hat. Was den zweiten Teil Ihrer Vermutung angeht, sehe ich trotz der erwartbaren Länge und Zähigkeit dieses Prozesses eine Chance. Sollte der baskische Nationalismus sich allein auf parlamentarische Mittel verlegen, wird es irgendwann zur Entspannung kommen, auch wenn sich Rajoy in nächster Zeit nicht mit Amaiur an einen Tisch setzt. Ich fand es vernünftig, auf die ersten paar Wochen Gewaltfreiheit nicht zu reagieren. Es geht hier ja nicht um eine schnelle Belohnung für den Verzicht, Bomben zu legen. Die Ressentiments in den Köpfen werden lange bleiben, aber sobald die reale Terrorgefahr vorbei ist, werden die Positionen nur noch das sein: Positionen, die mit demokratischen Mitteln um Gefolgschaft werben.

stefanmadrid

22. November 2011, 10:17

Ein schöner Blogeintrag, ironisch distanziert und menschlich teilnahmsvoll – und Sie arbeiten mit einer  Fotografin mit einem sehr scharfen Auge zusammen, Paul Ingendaay. Die PP hat bei der Siegesfeier am Sonntag wohl leider nicht nur an Garderobe und Frisör für die Partei-Baronessen, sondern auch am DJ gespart: die absoluten Partykiller. Die TV-Satireshow „El Intermedio“ hat darauf reagiert und stellt eine ulkige Coverversion für den 80er Discohit Resisitiré (I will survive) ins Netz:  „Resisitiré, para seguir viviendo / Soportaré, los años de gobierno del PePé / Aunque el recorte se transforme en un deporte / Resistiré resisitiré….“ www.lasexta.com/.../281953

atorvil19

22. November 2011, 11:16

In meiner Meinung ist die Niederlage Zapatero zuzuschreiben, der Fall in den Abgrund ist aber RbCb in die Schuhe zu schieben. Die Kampagne ist ein reines Chaos gewesen, ohne ein echten Leitfaden... sie haben versucht den "Doberman" der Rechten wieder zu beleben und Angst vor Mariano "Manostijeras" (in Anspielung auf die von Rajoy vorzunehmende Sparmassnahmen) zu verbreiten. Die ganze Kampagne basierte auf dem Program der PP statt auf dem eigenen. Und man hat gesehen (vor allem in Castilla-La Mancha), dass Sparmassnahmen von den Spaniern als notwendig angesehen werden und nicht als etwas schlechtes.

Der Grund für diese Hundsmiserablen Kampagne ist die gleiche wie für die hundsmiserablen Regierung die wir erleiden mussten: die niedrige Kapazität der Mitglieder der PSOE (Aido, Pajín, Blanco, etc.). Es ist nicht möglich, dass einer mit einen knappen Schulabschluss Minister wird. Das passiert nur in Spanien. Oder dass eine andere mit 30 Jahren als Ministerin ernannt wird, weil sie die Tochter eines andalusischen "Caciques" ist und ein Parteioberhaupt ihr Pate ist..... Das passiert nur in Spanien. Die selben Leuten sitzen in der Führung der Partei und das kann nicht gut gehen, wie man gesehen hat.

Der Vergleich mit der PP in der Hinsicht ist erschreckend..... alle haben nicht nur einen Universitätsabschluss, sondern haben auch eine 'Oposición' bestanden (Soraya ist Abogada del Estado, Rajoy Registerführer, Gallardón Staatsanwalt, Cospedal ebenfalls Abogada del Estado sowie auch Arias Cañete und Pizarro, usw.)... ich weiss nicht ob sie ihre Arbeit besser machen werden (schlechter ist sehr schwer) aber zumindest ist Ihre Vorbereitung ziemlich besser.....

Jetzt ist der Zeitpunkt des Sparens gekommen. Mal schauen, wie wir das aufnehmen. Experten meinen, dass diese Krise zwei Regierungen wegfegen wird. Eine ist schon weg, die andere soll in höchstens 4 Jahren folgen.... ich hoffe diese Prognose erweist sich als falsch, aber uns bleibt nur abzuwarten we es laufen wird, wenn die neue Regierung kurz vor Weihnachten ihre Arbeit aufnimmt.

Bezüglich Amaiur kann ich nur meine "Hochachtung" (Ironie) vor ein Gesetz ausprechen, dass eine Partei mit knapp 330.000 Stimmen im Baskenland 7 Sitze im Parlament erteilt, während eine Partei mit über eine Million Stimmen in ganz Spanien nur 5 Sitze im Parlament haben wird.... warum zählt die Stimme eines Basken mehr als meine (madrileño)? Irgendwas stimmt im System nicht. Aber nun gut, sie wurden legitim gewählt und nun sitzen sie in Madrid..... Sie haben jetzt eine Stimme und ich bin gespannt wie diese genutzt wird....

HenryCharms

22. November 2011, 11:46

Ich glaube, dass die absolute Mehrheit in der jetztigen Situation gar nicht so schlecht ist. So hat Rajoy zumindest keine Ausrede, dass er seine Plaene nicht umsetzten koenne. Ich fuerchte allerdings, dass wir in den naechsten Jahren immer noch hoeren werden "la culpa tiene Zapatero", wenn sich die Wirtschaft nicht, wie erhofft und versprochen, erholt. Ich hoffe, dass ich mich taeusche und Rajoy ein Ass aus dem Aermel zieht, aber ich sehe nicht, dass die enorme Arbeitslosigkeit, die Verschuldung oder die hohen Zinsen einfach verschwinden, nur weil jetzt PP regiert.

Paul Ingendaay

22. November 2011, 13:21

Nein, HenryCharms, das sehe ich auch nicht. Vorsichtige Schätzungen sehen locker die nächsten zehn Jahre unter dem Einfluss der Krise. Große Sparsamkeit ist gefragt.

atorvil19

22. November 2011, 14:04

Rajoy hat bereits gesagt, dass keine Wunder zu erwarten sind, aber auch dass er mehr als nur eine halbe Stunde braucht...

Er hat jetzt keine Ausreden, auch nicht die Schuld an ZP weiterzugeben. Er hat die Möglichkeit (endlich) den Wahn der Comunidades Autónomas zu regeln und das wäre ein riesiger Schritt in die richtige Richtung!! Die zwei, drei Regionen die immer meckern, werden wieder meckern, aber der Rest wird mitziehen (müssen).

Ausreden braucht keiner mehr zu hören. Jetzt müssen nur noch Taten folgen und uns bleibt abzuwarten, dass diese auch in die richtige Richtung gehen.

Beneiden tue ich Rajoy und seine zukünftige Regierungsgruppe um ihren Job nicht!!! :-)

HenryCharms

22. November 2011, 16:32

Nein, atorvil19, beneiden tue ich Rajoy auch nicht um den Job. Aber ich hatte den Eindruck, dass er ihn unbedingt haben wollte.

Nochmal zurueck zu den unterschiedlichen Gewichten der Stimmen. Ich habe das Wahlrecht nicht gelesen und verstehe daher nicht, wie diese Ungleichgewichte zustande kommen. Koennen Sie, oder jemand anders, mich bitte darueber aufklaeren? Danke.

StockMUC

22. November 2011, 17:45

http://www.stockpress.de

PI: "Vorsichtige Schätzungen sehen locker die nächsten zehn Jahre unter dem Einfluss der Krise."

Ist eine Krise, die zehn Jahre dauert, überhaupt noch eine Krise? Kann man von einem Patienten, der zehn Jahre auf der Intensivstation liegt, von einem Kranken sprechen?

Vielleicht haben wir die Dimension dieser "Krise" noch nicht erkannt. Ist sie nicht vielmehr ein Umbruch, eine Umwälzung? Ich bin gespannt wie Rajoy die "krise" kommuniziert.

Dulcinea

22. November 2011, 18:01

Sie sind aber lustig, atorvil19! Das habe ich noch gar nicht bemerkt, daß wir bislang von Ungebildeten regiert worden sind.

Paul Ingendaay

22. November 2011, 18:17

StockMUC, damit könnten Sie recht haben. Wir wissen nicht, ob das Wort "Krise" für den gegenwärtigen Zustand angebracht ist. Wir mussten lernen, dass das "zyklische" Verhalten der Märkte kein Gesetz darstellt. Wir haben uns an so viele Anomalitäten gewöhnt, dass wir nur aufmerksam hinschauen und lernen können. Scheint mir. Trennt man Rajoys Wahlkampfrethorik einmal vom Wahlkampf und bezieht sie auf seine Aufgabe in den nächsten Jahren, hat er klug gehandelt: Nichts sagen, keine Prognosen riskieren, keine Versprechungen machen.

HenryCharms

22. November 2011, 18:27

Ja, Don Paul, "Große Sparsamkeit ist gefragt." Aber ich glaube, dass wir mit sparen allein nicht aus der Krise kommen. Man wird auch neu priorisieren muessen, manche Zoepfe ganz abschneiden um woanders zusaetzlich zu investieren. Vielleicht kann man z.B. das Geld fuer die Uebersetzungen im Parlament doch anderweitig einsetzen und etwas fuer neue Arbeitsplaetze tun. Sorry, pardel, nicht persoenlich gemeint.

Melibea

22. November 2011, 18:53

HenryCharms, in Spanien wird bei der Wahl dem "Sieger" eines Wahlkreises ein Direktmandat für das Parlament überlassen. Die Wahlkreise sind unterschiedlich groß und besitzen unterschiedlich viele Wähler. Alle "Nichtsieger" eines Wahlkreises "verlieren" ihre Prozente; der prozentuale Anteil der gewonnenen Stimmen einer Partei in ganz Spanien steht somit nicht in logischem Verhältnis zu ihren gewonnenen Direktmandaten. Deshalb wollen einige Parteien ja schon seit längerem die Änderung des Wahlgesetzes. Ich hoffe, ich erzähle nicht völligen Unsinn; berichtigen Sie mich bitte.

pastora-marcela

22. November 2011, 21:47

Atorvil19: Ich war auch etwas perplex, von Ihnen zu erfahren, dass „die Mitglieder der PSOE „ –meinen Sie alle oder nur die Regierenden?- so ein niedriges Bildungsniveau haben. Wie können Sie so generalisieren? Erfahrungsgemäß haben alle Mitglieder einer Regierung parteiunabhängig einen langen, meistens brillianten Lebenslauf hinter sich, häufig sind sie auch Staatsbeamte -Rbcb, z. B. ist Universitätsprofessor- wie Rjy und andere Minister der letzten PSOE-PP-Regierungen. Was die Ernennung Bibianas als Ministerin angeht, nur weil sie die Tochter eines Caciques ist, weiß ich nicht, es wäre sehr bedauerlich. Vielleicht ist sie aber auch fähig und muss damit leben, gekennzeichnet zu sein, nur weil sie eine Frau und noch dazu jung ist.  Unser Land ist noch sehr machistisch geprägt.  Und wissen Sie? Ich stamme aus der Comunidad Valenciana: Was diese in den letzten Jahren von den PP-Regierungen ausgeübten „dedo-prácticas“ angeht, brauchen wir nicht mehr anzusprechen. Was mich aber total verblüfft hat, ist dass Sie das Bestehen einer Oposición für das Cum-Laude der Ausbildung halten: jeder in Spanien weiß, dass dieses obsolete System ein reines Glückspiel ist, es sei denn ich kenne jemanden in der Kommission, wodurch ich mir die „plaza“ sichern kann.  Die Welt ist nicht so weiß oder schwarz (na ja, rot oder blau wäre hier angebrachter...)

HenryCharms

22. November 2011, 23:45

Vielen Dank, Melibea. Ich hatte mir schon gedacht, dass es mit den Direktmandaten zusammenhaengt, die nicht durch Überhangmandate gem. prozentualem Anteil ausgeglichen werden.

pardel

23. November 2011, 00:30

Shoot the messenger, HenryCharms? Ich möchte einwenden: Welche Mißstände Sie auch immer beklagen, Dolmetscher und Übersetzer sind daran nicht Schuld. Wenn Sie uns abschaffen, sollten Sie die EU abschaffen. Viele wollen das. Meistens aus dem Bauch heraus, ohne lange über die Konsequenzen nachzudenken. Aber dann sollten Sie auch die UNO (viele in den USA wollen das) abschaffen. Und den G-20. Und das internationale Patentwesen und Siemens. Und die FIFA. Das geht zu weit.

Übrigens ist das unlogisch: Arbeitsplätze abschaffen (was sind denn die Stellen im Sprachendienst der EU und den anderen gennanten Gremien anderes als Arbeitsplätze?) um anderweitig Arbeitsplätze zu schaffen? Am besten mit einer neuen dafür zuständigen Bürokratie? Extra dafür geschaffen? Aber das haben wir schon! Das wird iterativ.

Sie haben ja grundsätzlich Recht, aber Sie setzen an der falschen Stelle an. Was Ihnen jede andere Branche ebenfalls überzeugend darlegen könnte, dessen bin ihc mir bewusst.

Aber zum Thema: Ist es nicht merkwürdig, dass die Spanier eine Regierung abgewählt haben, weil sie deren Einschnitte als unzumutbar empfanden, und dafür eine andere Partei mit absoluter Mehrheit wählen, die noch größere Einschitte machen wird? Zugegeben, so einfach ist es nicht: man hatte den Eindruck, und die PSOE konnte das im Wahkampf nicht entkräften, dass die Einschitte an der falschen Stelle angesetzt wurden, zu spät, unentschlossen und halbherzig erfolgten. Wie wider besseres Fühlen, die PSOE konnte einem schon leid tun. Kann es die PP besser? Die richtigen Einschnitte, sofort und mit Überzeugung? Sind die Spanier bereit, das auszuhalten - hat Rajoy dieses Mandat? Wenn man sich die Besonderheiten des spanischen Wahlrechts anschaut, könnte man daran zweifeln. (HenryCharms, Ihre Frage ist sehr gut gestellt. Melibeas Antwort ist im Prinzip richtig, aber da der Teufel im Detail steckt, erlaube ich es mir, diese Erläuterungen zu empfehlen: www.elpais.com/.../Tes und www.readyfortomorrow.com/el-sistema-electoral-en-espana-y-la-exclusion-de-las-minorias Kurz: Das Wahlsystem hat historische Gründe: Damit wird garantiert, dass regional konzentrierte Minderheiten wie Basken und Katalanen eine parlamentarische Vertretung erhalten, gleichzeitig vermeidet man landesweit Weimarer Verhältnisse. Das war so gewollt) Die PP hat gar nicht so viele Stimmen hinzugewonnen (ein paar Hunderttausend), aber dadurch, dass die PSOE viele Wähler verloren hat (Millionen), haben sie viel mehr Mandate in las Cortes bekommen als zuvor. Wird dei PP in der Lage sein, dem spanischen Volk klarzumachen, dass sie ein Mandat für Einschnitte hat (sie werden es Reformen nennen)? Wird das spanische Volk  das glauben und akzeptieren? Für viele wird das sehr hart werden. Wird das wiederum das weltweite Finanzwesen glauben und für genug befinden? Wenn nicht, geht Spanien dennoch pleite, und dann geht es den Deutschland auch nicht rosig. Dann wird das, wie StockMUC schreibt, mehr als "nur" eine Krise. Spannend ist es schon.

pardel

23. November 2011, 00:41

Nur ein Wort Ihrer Erklärunng würde ich korrigieren, Melibea: der prozentuale Anteil der gewonnenen Stimmen einer Partei in ganz Spanien steht durchaus im logischen Verhälnis zu ihren gewonnenen Mandaten. Das verhälnis ist zwar verzerrt, aber logisch ist es schon. Es ist Wahnsinn, und doch hat es Methode. Ganz demokratisch!

Paul Ingendaay

23. November 2011, 01:57

Es war ja überall zu lesen, und ich erwähnte es oben. 4,4 Millionen Stimmen gingen der PSOE verloren, nur knapp 600.000 neue Stimmen gingen an PP. All das andere teilen sich IU, CiU, UPyD und die anderen.

HenryCharms

23. November 2011, 10:23

Oh weia, lieber pardel, wie konnte ich nur so ein dummes Beispiel waehlen. Mea culpa. Natuerlich sind die Dolmetscher und Uebersetzer nicht an den Missstaenden schuld! Ganz im Gegenteil, sind sie in der heutigen globalisierten Welt wichtiger denn je und je mehr Laender am globalen Wirtschaftsgeschehen  partizipieren, desto mehr Arbeit wird es fuer sie geben. Ich war nur davon ausgegangen, dass im spanischen Parlament alle Mitglieder im Prinzip eine gemeinsame Sprache beherrschen und sprechen koennten.

Was die (Ab-)Wahl betrifft, sehe ich auch, dass jedes Volk die Krise und die damit verbundenen Einschnitte im eigenen Leben, an der jeweiligen Regierung festmacht. Und zwar egal, welcher politischen Richtung sie momentan angehoert. Das sieht man in GR, Italien und jetzt in Spanien. Naechstes Jahr ist Obama dran und dann die schwarz-gelbe Nicht-Regierungs-Organisation. Da wird erstmal nach dem Motto verfahren: "Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn sich etwas aendert. Aber ich weiss, das sich etwas aendern muss, damit es besser wird."

Und danke fuer die links.

pardel

23. November 2011, 11:38

Spoken like a gentleman, HenryCharms, no hard feelings. Sehr gut gefällt mir die Formulierung "schwarz-gelbe Nicht-Regierungs-Organisation".

Melibea

23. November 2011, 12:25

Mein Freund und viele seiner Freunde waren am Sonntag Abend sehr betroffen, wütend und traurig - obwohl allen klar war, dass es zu einem Regierungswechsel kommen würde. Er ist nun jedoch der festen Meinung, dass es in einigen Monaten zu Generalstreiks kommen wird, dass die Gewerkschaften nun aus ihrem PSOE-treuen Schönheitsschlaf aufwachen und sich neu positionieren werden.

Lieber pardel, Sie haben natürlich Recht, es folgt einer Logik, einer rechtlich und demokratisch fundierten Logik. Ich finde sie halt nur unlogisch, diese Logik.

Paul Ingendaay

23. November 2011, 13:35

Da oben von der Korruption in Valencia und dem "Fall Gürtel" die Rede war: Der ehemalige Referent für Tourismus, inzwischen rechtskräftig verurteilt, hat sich entschlossen, die ihm damals geschenkten Klamotten zurückzugeben - elf Anzüge, vier Jacketts, zwei Mäntel und eine Hose. Er hätte auch den Gegenwert erstatten können, doch das wäre teuer geworden: 13.449 Euro. Siehe auch

politica.elpais.com/.../1321958458_141159.html

Gatamad

23. November 2011, 14:18

Atorvil19, das von Ihnen erwähnte Thema "oposiciones" hat pastora-marcela bereits schön  geklärt. In bezug zu Ihrem post möchte ich Ihnen raten etwas vorsichtiger mit der Information umzugehen. Sie erwähnten, z.B. Ruiz Gallardón, brillanter Student und nachem er, wie sooooo viele Spanier seine Zukunft als Beamter mit einer oposición  sichterte, wollte der Junge in die Politik. Da hat Papa Ruiz Gallardón mal mit Fraga (damals AP gesprochen), und schon stand der Junge in der Madrider Kommunalpolitik. Acuh Ana Botella wird (ich fürchte bald) Bürgermeisterin von Madrid, und auf die Wahlliste kam sie als Quereinsteigerin - esposa de, nicht aber wegen ihrer glänzenden Karriere als "funcionaria de Hacienda" - direkt auf Platz 2 der PP-Kandidatur nach Ruiz Gallardón, also in Wirklichkeit etwas undemokratisch.

Obwohl ich eingestehe, dass die "erste Generation" der PSOE-Politiker weitaus brillanter waren als die jetzigen. Ich meine damit z.B. Javier Solana, Carlos Westendorp, Jospe Borell auch Rubalcaba. Sie hatten erstens eine richtige, eigene Karriere bevor sie sich der Politik widmeten. Doch nicht nur dies, sie hatten auch, und das halte ich für besonders wichtig - Auslandserfahrung und beherrschten Fremdsprachen. Von PP-Politkern war, glaube ich, nur Fraga im Ausland als Botschafter. Der Rest kam direkt von den Büchern und den temarios de oposición in die Politik. Das finde ich nicht nur persönlich einengend. Lebenserfahrung ist immer ein Pluspunkt, und bei Politikern finde ich dies nicht nur wúnschenswert sondern direkt erforderlich.

Gatamad

23. November 2011, 15:08

Atorvil19, auch Deutschland leistete sich einen Minister ohne Uni-abschluss: Joschka Fischer.

Paul Ingendaay

23. November 2011, 15:56

Aber auch einen mit Uni-Abschluss: Karl-Theodor zu Guttenberg.

atorvil19

23. November 2011, 16:03

Ich sehe ich habe mich falsch ausgedrückt, denn meine Idee ist nicht korrekt rübergekommen. Selbstverständlich meine ich nicht allgemein alle "Mitglieder der PSOE", aber das lässt sich aus meinen Text erschließen, wenn man "entre líneas" lesen kann/ will. Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass ein Minister etwas mehr als nur den Schulabschluss haben sollte. Und was Bibiana Aido angeht, da will ich nur noch hinzufügen, dass sie bis 2008 den hochkarätigen Posten der Geschäftsführung der andalusischen Agentur für Flamenco inne hatte und dann direkt als Ministerin ernannt wurde. Wie Sie sagen, Pastora-marcela, ein langes und brillantes Lebenslauf. Ach, fast hätte ich es vergessen... sie ist Patentochter von Manuel Chaves.... ob das was damit zu tun gehabt hat?

Natürlich kann allein das Bestehen einer Oposición nichts über das Können einer Person aussagen, wie ich bereits in meinen kritisierten Post bemerkt habe. Zur Oposición gehört ein Glücksteil dazu, aber auch Lernen gehört auch dazu. Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass Spanien in den letzten Jahren von Leuten geführt worden ist, die, in meiner Meinung, zu wenig vorbereitet waren. Ich finde, dass die "ministrables" der PP weitaus besser vorbereitet sind, aber ich weiß nicht, ob sie deshalb ihre Arbeit besser machen werden. Aber die Ausgangsposition ist halt besser. Nichts anderes habe ich sagen wollen. Außerdem gehören viele der "ministrables" nicht der Politik an, sondern sind bei großen Unternehmen tätig/ tätig gewesen (Pizarro, de Guindos, Caruana, ....).

Ich teile mit Ihnen die Meinung, dass die alte Garde der PSOE-Führung weitaus besser vorbereitet war als die jetzige, jedoch gibt es auch heute hervorragende Leute. Ich teile vieles mit RbCB nicht aber ich gestehe, dass er der weitaus intelligenteste Politiker ist, denn Spanien zur Zeit hat und dass mit Teresa Fernández de la Vega eine ebenso intelligente wie hervorragende Politikerin abgeschoben wurde. Sehr gut gefällt mir José Antonio Alonso, der jedoch erst seit kurzem Mitglied der Partei ist. Einen sehr guten Eindruck macht auf mich auch Guillermo Fernández Vara. Damit will ich nur sagen, dass die neue Garde auch sehr gute Leute hat.... mal sehen was in Februar los ist. Eine starke PSOE ist wichtig, damit wir nicht einen zweiten Aznar erleben müssen, dem die Macht im zweiten Mandat auf dem Kopf gestiegen ist.

Übrigens habe ich nicht gesagt, dass Ruíz-Gallardón ein hervorragender Student war. Ich habe nur gesagt, dass er Staatsanwalt ist. Bezüglich Ana Botella hat sicherlich ihre Ehe sehr dazu beigetragen, dass sie jetzt da ist wo sie ist. Der feine Unterschied: Sie wurde von den Madrilenen stark gewählt. Massiv sogar (mehr als doppel so viele Stimmen wie die zweitplatzierte Partei).

Was die Bildung der Listen der Parteien angeht, so ist es ein parteiinternes Verfahren, da kann ich wenig dazu sagen. Aber dass es sich um geschlossene Listen handelt, das kann nur im Parlament geändert werden. Eine große Reform des Wahlgesetzes ist notwendig, und ich hoffe die kommt jetzt auch. Ich bin daher ein großer Befürworter einer Änderung im Wahlgesetz. Dieses Gesetz hatte seine Logik damals, heute ist sie nicht mehr aktuell. Und María Dolores de Cospedal hat sich bereits in dieser Hinsicht ausgesprochen und ich hoffe, dass sie das durchziehen.

Ich bitte um Verzeihung, wenn mein vorheriger Post missverstanden wurde und sich jemand dadurch verletzt gefühlt hat.

Einen schönen Gruss,

atorvil19

23. November 2011, 16:14

Gatamad und Herr Ingendaay: Eine Ausnahme ist vielleicht Joschka Fischer... das Problem ist, dass es in Spanien das Gegenteil der Fall war. Also, die Ausnahme ist ein Minister mit Abschluss zu finden oder der überhaupt eine Erfahrung jenseits der Politik hat.

Ich war bei einen Vortrag von Herrn Gustavo de Arístegui und er hat offen zugegeben, dass der "Krebs" der Parteien in Spanien in ihren Nachwuchs (Juventudes, Nuevas Generaciones, wie man sie immer nennen mag...) liegt. Es kann nicht sein, dass einer mit 16 der Partei beitritt, mit 18 in seiner Stadt eine öffentliche Stelle bekommt (oder in die Listen kommt), mit 24 ins auton. Parlament und mit knapp 30 in die Listen für das Parlament. Er hat gesagt, diese Leute sind für nichts zu gebrauchen.

Spanien braucht, um das in seinen Worten zu setzen, Politiker die für und nicht von der Politik leben. Und das ist das Problem links und rechts, ohne Ausnahme. Es gibt (zu) viele "barrigas agradecidas", die alles tun würden, um in der Politik zu bleiben, weil sie sonst nichts können.

Paul Ingendaay

23. November 2011, 16:15

Ich glaube nicht, dass sich jemand verletzt gefühlt hat. Tranquilo.

atorvil19

23. November 2011, 17:00

Lieber HenryCharms,

Anschließend an die Erläuterung von Melibea, erläutere ich Ihnen das D’hont-System anhand eines Beispiels (Sie können weitere Beispiele auch im Internet finden):

Gehen wir davon aus, dass es eine Provinz gibt, in der 99.999 Stimmen abgegeben wurden und 5 Sitze im Parlament vergibt. Es wurden 5 Parteien gewählt:

Partei A: 50.000 Stimmen

Partei B: 30.000 Stimmen

Partei C: 17.000 Stimmen

Partei D: 2.000 Stimmen

Partei E: 999 Stimmen

Nun werden die Parteien, die die Hürde von 3% der Stimmen nicht überwunden haben gestrichen (Parteien D und E). Es werden also die fünf Sitze unter den ersten drei Parteien verteilt. Die erhaltenen Stimmen werden nun durch 1, 2, 3, 4 und 5 geteilt und in eine Tabelle eingetragen

Partei A: 50.000; 25.000; 16.666; 12.500; 10.000

Partei B: 30.000; 15.000; 10.000; 7.500; 6.000

Partei C: 17.000; 8.500; 5.666; 4.250; 3.400

Jetzt nimmt man die fünf höchsten Zahlen (50.000; 30.000; 25.000; 17.000 und 16.666) und jeden davon gehört ein Sitz im Parlament. Das heißt, Partei A hat drei Sitze (50.000; 25.000 und 16.666), Partei B (30.000) und Partei C (17.000) jeweils einen Sitz erreicht. Also, die Partei A mit 50% der Stimmen erhält 60% der Sitze, während die Partei B 30% der Stimmen und C, mit 17%, jeweils 20% der Sitze erhalten. Dieses ist ein einfaches Beispiel, damit Sie sehen, wie es funktioniert.

Also zum Beispiel UPyD hat über 1.100.000 Stimmen in ganz Spanien, aber nur 5 Sitze, da Sie in den meisten Regionen nur wenige Stimmen hatte, während CiU mit ungefähr die gleichen Stimmen 16 Sitze erhält, da sie nur aber sehr stark in Cataluña gewählt wird, so dass die Verteilung der Sitze zu ihren Gunsten ausfällt.

pastora-marcela

23. November 2011, 17:56

Atorvil19: Ich muss gestehen dass mir Ihrer Post etwas einseitig vorkam, auch „entre líneas“… ;-) Vielen Dank für die Aufklärung! Ansonsten bin ich auch Ihrer Meinung: Diese mangelnde Vorbereitung des Nachwuchs rechts und links, diese Einstellung –de profesión: político- ist sehr besorgniserregend. Aber: Wo kommt sie her? Wieso sind die jungen Generationen zum Schluss gekommen, dass es sich (vor allem finanziell) lohnt, Politiker zu werden? Kann es nicht sein, dass die Älteren da kein gutes Vorbild abgegeben haben?

Ich hätte eine Frage, die vielleicht mit dem Wahlgesetz zu tun hat, ich weiß nicht genau. Meine Mutter ist vor drei Monaten in eine andere Stadt bzw. Comunidad Autónoma gezogen. Sie durfte am Sonntag nicht wählen, weil sie noch nicht ein Jahr lang in dieser neuen Stadt angemeldet ist. Stimmt es? Und wenn es stimmt, ist das nicht eine Verletzung unseres demokratischen Wahlrechts?

HenryCharms

23. November 2011, 18:18

Danke, atorvil19, fuer die ausfuehrliche Erklaerung. Das D´Hondt System ist mir schon bekannt, und fuehrt zu den beschriebenen Ungleichverteilungen. Insbesondere, wenn die zugrundeliegenden Wahlkreise klein sind. In Deutschland begegnet man diesem Effekt durch Erst- und Zweitstimme und im Extremfall mit Ausgleich von Ueberhangmandaten.

de.wikipedia.org/.../%C3%9Cberhangmandat

atorvil19

23. November 2011, 18:30

Gut dass das erstmal geklart ist!! :-)

Also Sie sagen es selbst.... finanziell kann sich ein Jugendlicher entscheiden ob er ein Studium zu ende studieren will (0 € uber mindestens drei-vier Jahre, je nach dem) und dann eine unterbezahlte Arbeitstelle von man 8-12 Stunden arbeiten muss fur 600 € brutto im Monat ...... oooooooooder man tritt der Partei bei, hat von Anfang an ein schones Gehalt, kommt in die Verwaltung rein, wo das Gehalt besser und mit dem Gehalt von der Partei zu vereinbaren ist und wo man ausserdem viele Vorteile hat, usw. Die Entscheidung liegt auf der Hand. Und deshalb fand ich das sehr interessant, so etwas von einen Politiker zu horen, der bisher in erster Front der nationalen Politik stand. Das die alteren kein gutes Beispiel gewesen sind, ist aber auch ein Grund dafur, dass die Politiker heute sehr kritisch beaugt werden. Ob es eine Losung gibt? Da bin ich uberfragt.

Was Ihre Mutter angeht, so wurde zum Zwecke der Wahl der Zensus zum Stand 1.07.2011 genommen. Da wird nicht geschaut wie lang man dort lebt sondern dass man zu diesem Zeitpunkt dort lebt. In meinen Fall habe ich mich spater in Stuttgart eingetragen und musste deshalb in der Frist vom 3.-10. Oktober eine Reklamation machen, damit ich im Wahlverzeichnis von Stuttgart eingefuhrt wurde. Ich habe mich wirklich sehr bemuhen mussen, um mein Recht zu wahlen wahrnehmen zu konnen.... einfach haben sie es mir nicht gemacht!!!! ;)

Ihre Mutter hat entweder diese Reklamation machen konnen oder in Ihre alte Heimatstadt wahlen konnen, auch per Post, zum Beispiel..... ihr hat man es auch nicht einfach gemacht, wie ich sehe....

Aber dieses Jahr war es sowiese ein reiner Chaos mit den Fernwahlen, sowohl im Inland als auch im Ausland. Und das obwohl eigentlich heute die Kommunikation viel einfacher ist.....

Gatamad

23. November 2011, 19:02

atorvil19, so viel ich weiss ist José Blanco der einzige spanische Minister ohne Uni-Abschluss, also eine Ausnahme, wie Joschka Fischer.

Was Ana Botella anbelangt lese ich eher widersprüchliche Argumente in Ihren posts: "Der feine Unterschied: Sie wurde von den Madrilenen stark gewählt. Massiv sogar (mehr als doppel so viele Stimmen wie die zweitplatzierte Partei)." ..."Was die Bildung der Listen der Parteien angeht, so ist es ein parteiinternes Verfahren, da kann ich wenig dazu sagen.". Ergo kam Ana Botella als "señora de..." auf den 2. Platz in einer geschlossenen Liste. Fr Botella wurde also nicht massiv gewählt, sondern war halt aus parteiinterner Entscheidung auf Platz 2 der meistegewählten Partei. Und sollte Ruiz Gallardón demnächst Minister werden, wird sie - ganz ungewählt und knapp 7 Monate nach den Wahlen - Bürgermeisterin. Das gleicht  m.E. einem Wahlbetrug.

Die bessere Ausbildung der ministrables des PP sehe ich beim besten Willen nicht. Für ein Jura Studium reicht in Spanien eine knappe 5. Auch scheint die Arbeitslosigkeit unter Anwälten besonders hoch zu sein, denn sie sind überrepräsentiert im spanischen Parlament und Senat.

Übrigens haben sie Caruana als ministrable genannt. Genau der Gobernador del Banco de España unter dessen Ausicht die ganze Kreditblase gedieh (2000-2006)? Da bekomme ich fast die gleiche Panik wie wenn ich mir Ruiz Gallardón als Minister vorstelle, nachdem ich miterlebt habe was er in der Comunidad und in der Gemeinde von Madrid angerichtet hat: wir sind bankrott. Aber ich weiss, bankrotte comunidades: Comunidad Valenciana, Murcia, Madrid .... sind kein Thema, da haben ja gut ausgebildete und kluge Politiker der PP seit Jahren das Sagen und Machen. Ausser dem Wahlrecht sollten wir vielleicht auch mal wieder über comunidades autónomas nachdenken. Über alle.

Gatamad

23. November 2011, 19:33

pastora-marcela ich glaube die Entscheidung "entrar en política" entspricht fast dem gleichen Wunsch wie "aprobar oposiciones": einen gesicherten Arbeitsplatz ergattern. Beamte in Spanien verdienen eigentlich wenig, es sei denn sie haben einen Posten "de confianza". Diese Posten, die normalerweise an politische Freunde vergeben werden, werden sehr gut bezahlt, sind aber an das Überleben der entsprechenden Partei im jeweiligen Bereich (Gemeinde, comunidad, Regierung) gekoppelt. Es können also durchaus magere Durststrecken kommen, dafür ist man/frau aber unkündbar und erhält garantiert immer den Beamtenmindeslohn.

In einer Partei muss man sich auch die richtigen Schirmherren aussuchen, und mit etwas Glück kann man/frau sich hocharbeiten, entweder aus eigener Initiative oder unter der Protektion des entsprechenden Parteiflügels. Mit Ausnahme von Katastrophen wie die der PSOE jetzt, kann man/frau auch mit Beamten vergleichbare Karriere anstreben. Dazu kommen noch die parteinahen Stiftungen wo es auch noch Ausweich- und Parkmöglichkeiten gibt "hasta que escampe".

Bei beiden Alternativen geht es in erster Linie um das typisch spanische Sicherheitsdenken.

pastora-marcela

23. November 2011, 23:22

Danke Atorvil19 und Gatamad für die Erklärungen. Ich glaube, dass das mit dem Sicherheitsdenken  keine rein spanische Sache ist. Ich beobachte hier einen ähnlichen Trend: Alle schimpfen über die Beamten, aber alle wären gern einer, wenn sie die Wahl hätten:  ein sicheres Gehalt, klare Privilegien im Vergleich zu den normalen Angestellten –wenige Abzüge, mehr Nettogehalt, Status als Privatpatient, etc. Und die Politiker werden zu Beamten, wenn sie ein öffentliches Amt innehaben. Und damit schließt sich der Kreis. Es ist schwer, solche Strukturen und Denkensweisen zu ändern!

Dulcinea

24. November 2011, 00:12

Ich bin traurig! Nicht der Politik, vielmehr des Lebens wegen. Oder Ablebens.

http://www.alia-vox.com/

Paul Ingendaay

24. November 2011, 00:46

atorvil19

24. November 2011, 10:33

Guten morgen GataMad! Rechnen Sie Celestino Corbacho dazu (bis vor kurzem noch Arbeitsminister)… wenn Sie tatsächlich glauben, die Vorbereitung und die Verdienste, bzw. Laufbahnen, der Minister der letzen PSOE-Zeit und die „Ministrables“ der zukünftigen PP-Regierung identisch oder vergleichbar sind, da will ich nicht näher eingehen, denn das ist Meinungssache und wir würden da nicht weiterkommen. Aber ehrlich gesagt weiß nur Rajoy wer „Ministrable“ ist…. oder auch nicht…. ganz nach seiner galizischen Art!! :) Wir sind uns aber einig, dass ein Uniabschluss nicht ausschlaggebend ist, jedoch sollten die Minister mindestens eins haben…. und vielleicht auch Sprachen können, wenn auch nur Englisch, das wäre doch eine schöne Abwechslung….

Was Ana Botella angeht, da sehe ich wirklich kein Widerspruch!! Die Listen werden gemäß ein Parteiinternes Verfahren erstellt. Da diskutieren die Mitglieder der Partei nicht der Außenstehende. Danach hat dieser die Möglichkeit diese Liste zu wählen oder auch nicht. Ob der Grund für Ihre Einführung Ihre conditio als „Sra. de“ war, ist mir aber unbekannt….. ist aber der einzige Grund, der mir einfällt. Ich will an diese Stelle aber darauf hinweisen, dass Aznar und Ruíz-Gallardón nicht gerade enge Freunde gewesen sind….

Ich habe diese Liste im Mai gewählt und fühle mich in keiner Weise betrogen, wenn Ruíz-Gallardón jetzt aufhören muss und die Nummer zwei der Liste nachrücken muss. Deswegen ist sie ja Nummer zwei der Liste. Sie ist auch 2º Teniente de Alcalde und damit die Nummer drei in der Rangfolge, aber Manuel Cobo soll aller Voraussicht nach die Stadtregierung Richtung CSD verlassen oder eben zusammen mit Ruíz-Gallardón ins höhere Amt steigen (er ist ein hervorragender zweiter Mann, ich weiß nicht ob er in vorderster Front so gut wäre….). Genau das gleiche ist ja vor ein paar Jahren in Andalucía passiert, als Chaves zum Minister erhoben wurde und die dortige Nummer zwei Griñan das Amt des Präsidenten übernehmen musste. Betrug?? Naja……

Sie sind in Madrid oder waren vor kurzem dort, stelle ich fest, da Sie ja in erster Person davon sprechen. Wie sieht die Stadt jetzt aus im Vergleich zu vor 8 Jahren? Hat diese sich zum besseren oder schlechteren entwickelt? Wie ist jetzt die Ausfahrt Richtung Extremadura? Besser oder schlechter? Wie funktionieren jetzt die Krankenhäuser in Madrid und Umgebung? Fehler beiseite (was in der Plaza de Colón veranstaltet wurde gleicht einen Witz!!) hat sich die Stadt sehr gut entwickelt….. und leider hat die Staatregierung nicht ein einziges Cent in Madrid gesteckt…. Das ganze Geld ist in anderen Regionen (Cataluña, Andalucía, Extremadura, Galicia, ….. )… Sehen Sie da einen Link? Ja, es waren alle von der PSOE regierten Regionen!!! Komisch was? Ich bin zufrieden mit Madrid und wie ich die Mehrheit der Madrileños, die massiv die Liste PP gewählt haben. Sie nicht und das ist auch Ihr gutes Recht. Aber so schlecht werden Sie es wohl nicht gemacht haben, wenn sie Wahl für Wahl die Wahlergebnisse verbessern.

Wir sind uns aber wieder in eine Sache einig (siehe da, es ist nicht alles so negativ!!!): Die Comunidades Autónomas müssen verändert werden. Das ist das schwarze Loch der spanischen Wirtschaft. Es kann nicht sein, dass eine Region bis zu drei Fernsehanstalten betreibt und alle defizitär sind (Valencia, zum Beispiel, Madrid, Andalucía….). Es kann nicht sein, dass es in jeder Region bis zu drei Beamten die gleiche Arbeit verrichten (einen vom Staat, einen von der Region und einen von der Stadt!!). Wozu dienen eigentlich die Diputaciones??? Ist es wirklich so schwer das System zu optimieren?? Jetzt hat die PP die Macht nicht nur im Parlament, sondern auch in fast allen Regionen (Andalucía wird aller Voraussicht nach folgen, aber warten wir ab, denn die einzige „encuesta“ die zählt ist die am Wahltag!!)…. jetzt steht zum ersten Mal eine Partei vor der echten Möglichkeit, dieses System umzuwälzen!! Es wird ein-zwei Regionen geben, die sehr viel Aufruhr machen werden (Namen brauche ich wohl nicht zu nennen….), aber es ist, m.E. notwendig diese Änderung durchzuführen. Aber auch vom Wahlrecht. :)

Melibea

24. November 2011, 12:59

Mmmhh... also ich weigere mich, an das Märchen zu glauben, dass sie "es wohl nicht so schlecht gemacht haben", wenn Politiker und Parteien in bestimmten Staaten oder Regionen immer wieder gewählt werden... ich denke dabei an Italien, die Comunidad Valenciana und eben auch Madrid.

Was mich wirklich riesig interessieren würde, wäre eine Aufschlüsselung der abgegebenen Stimmen nach Alter, Bildungsstand und Einkommenshöhe der Wähler. Meine Freunde in Madrid -Ende Zwanzig; abgeschlossenes Studium; arbeitssuchend bis maximal mileurista- sind nicht im geringsten zufrieden mit der Situation dort. Die allbekannten Schlagworte: Privatisierungen, (Langzeit-)Arbeitslosigkeit, Gesundheit und Bildung...

atorvil19

24. November 2011, 15:46

Ich sage nur, dass es wohl etwas zu sagen hat, wenn die Politik der PP Wahl für Wahl in der Weise bestätigt wird!! Natürlich gibt es immer Leute die unzufrieden sind... aber die Arbeitspolitik wird vom Staat reguliert, nicht von der Comunidades (nur weil Sie auf die 'mileruistas' und auf die Arbeitslosigkeit hinweisen). Ich gehöre zu der gleichen Schicht die Sie beschreiben (ok, ich war auch nicht mehr [Gott sei dank] 'mileurista', diese phase hatte ich vor ein paar jahren hinter mir gebracht....) und ich war sehr zufrieden mit der Führung der Stadt. Bis vor kurzem habe ich auch dort gelebt, will ich noch hinzufügen.

Und was Privatisierungen angeht (vor allem von Krankenhäuser): die Leute wollen Krankenhäuser und Ärtzte, aber diese baut/ bildet man nicht mit Luft!! Geld ist normalerweise wichtig. Da kommen die Privatunternehmen dazu!! diese bauen die Krankenhäuser und die Regierung stellt die Ärtzte.... es ist also keine reine Privatisierung, sondern ein Zusammenleben von öffentlich und privat.... Hat sich der Service an den Einzelnen verändert? Ja, zum Besseren! Jetzt gibt es gute Krankenhäuser in fast alle Teile der Region. Jetzt muss einer, der in Torrejón lebt nicht nach Madrid runterfahren. Die Situation ist besser als (z.B.) im Baskenland, wo viele nach La Rioja fahren müssen, da der am nächstgelegenen Krankenhaus im BL zu weit weg ist....

Und was Bildung angeht...... diesen politischen Streik der Lehrer ausgenommen (nur weil sie nun die gesetzlich festgesetzen 20 Stunden die Woche arbeiten müssen, statt wir bisher 18...), ist das madrider Bildungssystem einer der Besten in Spanien, selbstverständlich nicht perfekt und verbesserbar, aber mit einen der Besten. Ich kann Ihnen nur sagen, dass Madrid die dritte Comunidad mit den geringsten Schulversagen in Spanien, nur hinter Navarra und dem Baskenland, also wird das so schlecht auch nicht sein..... Natürlich hängt die Ansicht jedes Einzelnen von den jeweiligen Prioritäten und das ist das schöne an Politik, dass jeder seine Meinung hat und diese auch mit Argumenten verteidigen kann. An dieser Stelle muss ich Herrn Ingendaay zu diesem Blog gratulieren, wo man so frei und offen über diese Themen diskutieren kann und das immer mit "gran educación"... das ist sehr bemerkenswert!!! :-)

Paul Ingendaay

24. November 2011, 16:08

Danke, atorvil19. Es ist hier im Blog tatsächlich sehr einfach. Jeder kann denken und schreiben, was er möchte, solange es mit Höflichkeit und im Interesse des Austauschs geschieht. Zwei- oder dreimal musste ich grobe Kommentare sperren. Sie wissen, dass ich die Kommentare lese, bevor sie erscheinen. Und all diesen Menschen, die schimpfen oder agitieren wollten, sage ich ganz ruhig: Tun Sie das in Ihrem eigenen Blog, aber nicht in diesem. Ich bin also der Wirt, der betrunkene Gäste vor die Tür setzt.

Dulcinea

24. November 2011, 19:38

Ja, wenn ich an dieser Stelle kurz etwas gänzlich themenenfremdes einflechten darf: es hat jetzt den Anschein, daß die Weihnachtsgemeinschaft vollzählig ist. Wir sind sieben, mit zwei Losen, das heißt, pro Nase entfallen 5 Euro. Die lassen sich doch gut durch Europa schicken! Die Differenz zahle ich für meinen lieben mugabarru, oder seinen Geist. Wie immer. Die Teilnehmer sind: Melibea, Gatamad, pastora-marcela, der Wirt, pardel, HenryCharms, mugabarru (in absentia) und ich. Melibea, vergessen Sie nicht mir zu schreiben! Mit den anderen setze ich mich in Verbindung.

Gatamad

24. November 2011, 22:09

Atorvil19 seien Sie bitte nicht so übereifrig. Kein Baske muss in irgendein riojanisches Krankenhaus weil in seiner eigenen Provinz die aerztliche Betreuung ungenügend ist. Es ist einfach bequemer 4-6 Km in den nächsten Ort zu fahren, der aber nicht nur eine andere Provinz sondern auch eine andere Comunidad ist, statt eine längere Strecke zu fahren nur um das Gesundheitswesen der eigenen Provinz bezw Comunidad zu bemühen. Bürger sind halt so egoistisch und bequem. La Rioja will dafür pauschal 7 Mio Euros/Jahr von Alava. Doch Alava fordert dass strikt die Kosten pro Patient verrechnet werden. Dieses Problem gibt es übrigens auch am Mittelmeer. In der Comunidad de Valencia dürfen seit wenigen Monaten weder Centros de Salud noch Krankenhäuser spanische Touristen aus anderen Provinzen behandeln. Wahrscheinlich ist der Arbeitsaufwand um die entstandenen Kosten bei anderen comunidades wieder einzutreiben zu aufwendig. Das kommt davon wenn die autonomías allein verantwortlich sind für das Gesundheitswesen. Madrid ist úbrigens eine der autonomías de am wenigsten Geld in das Gesundheitswesen investiert (ganz konkret die "Dritte von unten"), und die - im Vergleich zu anderen autonomías - am wenigstens bietet. Auch ist die Arbeitslosenquote im Baskenland, Navarra und La Rioja weitaus niedriger als in Madrid. Und

Und La Rioja hat auch bessere Schulergebnisse als Madrid. Bin halt riojana, auch wenn ich seit fast 30 Jahren in Madrid lebe. In diesen 30 Jahren hat sich Madrid sehr verändert. In manchen Aspekten positiv, in anderen negativ. Ich sehe keine qualitativ besonderen Veränderungen in den letzten acht Jahren. Dafür sind wir jetzt bankrott.

Und ob sie es glauben oder nicht, es gibt Leben ausserhalb von Madrid. Heute war ich in Soria, habe wieder mal die Zistgerzienserabtei Santa María de la Huerta besucht. Es war ein wunderschöner, lauer und sonniger Herbsttag. Die wenigen Wolken warfen dramatische Schatten auf die kargen Hügel. Ein kurzer Besuch in  Medinaceli und anschliesslich in Sigüenza ein grosses Pilze-Essen: setas de cardo, trompetas de la muerte und pie azul. Genug Geschichte und Monumente, um ganz still zu werden, in sich zu kehren und unsere Zeit zu relativisieren.

Gatamad

25. November 2011, 01:19

Liebe Dulcinea, wenn Sie nichts dagegen haben würde ich mich gern an den Kosten für mugabarrus Mitspiel beteiligen. Als riojana haben wir zwar nur direkte mugas zu Alava und Navarra, trotzdem fühlen wir uns von den Basken (ob edel oder nicht) unterwandert und benachteiligt, aber auch zu ihnen hingezogen. Wenn schon riojanos y navarros primos hermanos sind, dann sind Alava, Vizcaya und Guipúzcoa halt  einfach etwas entferntere Verwandte, gehören aber dennoch zur Sippe.

Dulcinea

25. November 2011, 08:04

Natürlich, verehrte Gatamad, dann ist das Ehrensache! Wir machen diesbezüglich etwas aus. Ich bin ohnehin froh, daß Sie dabei sind, immerhin haben Sie vergangenes Jahr zumindest Champagner gewonnen! Im Gegensatz zu uns. Wissen Sie, worauf Sie sich einlassen?

stefanmadrid

25. November 2011, 09:37

Gatamad, Dulcinea, ich finde es gut, die Gedanken von diesem kleinkarierten, parteipolitischen, unverdaulichen Gezänk abzuziehen. Die  Erwähnung des Todes der Montserat Figueras, der wunderbaren 1000jährigen Architektur und Landschaften Sorias, des einfachen Glücks eines Pilzeessens oder des Glücksversprechens eines Loses der Weihnachtslotterie - genug, um ganz still zu werden und unsere Zeit zu relativieren. Nunca mejor dicho. Jefe, póngame otro café con leche.

atorvil19

25. November 2011, 10:23

Liebe Gatamad... wir sind uns in vieles einig. Dass man den Comunidades einen "cerco" stellen muss ist glaube ich der wesentliche Gedanke dabei. Man sieht es jetzt in Cataluña, wo in Gesundheit gespart werden will, statt in "Embajadas" oder Fernsehanstalten... da fragt man sich was die Regierenden sich dabei wohl denken. Das ist aber auf alle Comunidades übertragbar!! La Rioja ist anscheinend etwas besser dran als andere, wo Sie sich schon als riojana outen, denn Sie haben anscheinend bessere Verwalter oder zumindest werden besser verwaltet.

Ich glaube sehr wohl, dass es Leben außerhalb Madrids gibt!! Begeben Sie sich nach Astorga und deren Umgebung.... dort kann man nicht nur hervorragend essen, sondern auch Geschichte an jede Ecke schnuppern. Und was kann man zu den Leuten sagen!! Einfache, warmherzige Leute, die immer nett zu einem sind.... so was ist in Madrid Mangelware.... Leider muss man hinzufügen... Und in Soria war ich auch mehrmals um eine Freundin im Kloster zu besuchen und

ich war sehr angetan von der Stadt. Da muss ich Ihnen wieder Recht geben (na, wo sa ma denn?!? Ich erkenne mich kaum wieder..... ;-) )

Ich mag Madrid sehr (bin Madrider und agiere als solcher), aber ich gebe zu, dass es sich (fast) überall besser lebt als dort (das ist meine Erfahrung)... der Stress der Stadt hat mich einfach überwältigt, gebe ich offen zu!! Aber mein ganzer Urlaub verbringe ich in Madrid, bei der Familie, weil Madrid, ohne den Stress nicht mitmachen zu müssen, einfach unübertreffbar ist..... Pero no soy nada, nada objetivo!!! :-)

HenryCharms

25. November 2011, 11:05

Ich lebe noch nicht so lange in Madrid und kann daher die Veraenderungen im Laufe der Jahre nicht so gut beurteilen. Aber als ich vor gut 4 Jahren hier ankam, habe ich mit Kollegen ueber das gute Leben in Madrid gesprochen. Die einen erklaerten, dass laege an der Madrider PP Regierung, waehrend die anderen sagten, "Nein, nein, es geht ganz Spanien gut weil da PSOE regiert". Gut, die zweite Gruppe ist im letzten Jahr etwas ruhiger geworden. Aber sei´s drum, ich weiss es nicht.

Die Krise hat natuerlich allen Laendern und ihren Regierungen zugesetzt. Ich glaube auch, dass ZP zu spaet, zu zoegerlich und erratisch gehandelt hat. Also kommen jetzt die anderen dran und haben die Chance und die Aufgabe es besserzumachen. Ich hoffe fuer die Spanier und fuer Europa, dass es gelingt. Allerdings ueberzeugt mich Rajoy bisher ueberhaupt nicht. Ausser "la culpa tiene Zapatero" habe ich nichts von ihm gehoert. Selbst konservative Kollegen sehen das genauso. Aber das bedeutet doch, dass die zweite Reihe der PP noch schwaecher ist und ihm die Fuehrung ueber meherere Jahre und gescheiterte Wahlen nicht streitig machen konnte. Das stimmt mich nachdenklich.

Paul Ingendaay

25. November 2011, 11:58

Gatamad, Soria ist etwas Besonderes. Kennen Sie diesen wunderbaren Käseladen in Sigüenza? In Santa María de la Huerta habe ich mal ein Wochenende mit dem Chor verbracht. Dort zu singen ist etwas Außergewöhnliches.

tillemuse

25. November 2011, 18:46

Zum Thema Chor und Singen an ungewöhnlichen Orten und als Einstimmung auf die Weihnachtslotterie...

www.youtube.com/watch

Ich glaube, hier singt ein kanadischer Chor. Mögen die Spanier den Messias eigentlich auch so sehr wie Briten, Amerikaner, Kanadier und natürlich Deutsche?

Paul Ingendaay

25. November 2011, 20:18

Wunderbares Video! Dass die Spanier den Messias so mögen könnten wie die Briten, ist wohl ausgeschlossen. Aber man führt ihn hier auf. Letztes Jahr sah ich ihn mit Enthusiasmus, aber auch einigem Mittelmaß in Madrid aufgeführt. Oder sagen wir, ich habe mir einen billigen Messias geleistet (24 Euro, Orchester aus der Ukraine) und den dreimal so teuren nicht (Stardirigent aus England, ich weiß nicht mehr, welcher, aber ich habe seine Aufnahme). Ich bin der Meinung, man kann gar nicht genug Aufnahmen des Messias haben. Wer fängt an und sagt uns, was seine (ihre) Lieblingsaufnahme ist?

Dulcinea

25. November 2011, 21:27

Christopher Hogwood, The Academy of Ancient Music, 1980.

Paul Ingendaay

25. November 2011, 22:43

Trevor Pinnock, The English Concert, 1988. Hören Sie nur "He shall feed his flock" mit Anne Sofie von Otter und Arleen Auger.

Paul Ingendaay

25. November 2011, 22:53

Eine nicht lippensynchrone, aber schöne Version der Arie ist auch diese von Barbara Bonney - www.youtube.com/watch

Dulcinea

25. November 2011, 22:53

Ja, ich mag Anne Sofie von Otter, aber etwas Anrührenderes als den Choir of Christ Church Cathedral Oxford werden Sie dennoch nicht finden. Sorry.

Dulcinea

25. November 2011, 22:56

Nun, das ist alles schön, aber meine Lieblingsaufnahme ist dennoch die Don Christophers. That's my Messiah, that's my Handel.

Paul Ingendaay

25. November 2011, 23:00

Sie ist ja schön, diese Version! Ja, Dulcinea. Aber wir brauchen nicht immer dasselbe vom Messiah. Mein allererster Messiah war vor vielen Jahren (und aus Ahnungslosigkeit) einer in Mozarts Bearbeitung. Und der zweite dann die Bonynge-Aufnahme mit Sutherland (1970). Sie gehört nicht zu den herausragenden und stünde wohl bei niemanden auf den ersten vier Plätzen, aber das gutturale "He was despised" von Huguette Tourangeau haut mich immer noch um.

Dulcinea

25. November 2011, 23:42

Ich denke noch immer über "wir brauchen nicht immer dasselbe vom Messiah" nach. Eine erstaunliche Aussage!

Paul Ingendaay

25. November 2011, 23:56

Hören Sie einmal Gigli mit "Je crois entendre encore" aus Bizets Perlenfischern (1925) und dann dieselbe Arie mit Alfredo Kraus (Köln 1970), beides im Netz leicht zu finden. Da wir Menschen mindestens zwölfsaitige Instrumente sind, kann man wohl sagen, dass diese beiden fabelhaften Aufnahmen unterschiedliche Saiten zum Klingen bringen. Und wieder eine andere erklingt, wenn Sie die Fassung (1948) des unsterblichen Ferruccio Tagliavini hören. Jeweils eine Generation liegt zwischen den drei Aufnahmen. Ich glaube ja, die verschiedenen Zonen unserer Seele haben unterschiedliche Lebensalter.

Dulcinea

26. November 2011, 00:09

Ah! Wenn Sie jetzt mehr das Wilde meinen, ich mag auch die Aufnahme des Dunedin Consort sehr gern. Falls es jetzt überhaupt noch um Handel geht.

www.dunedin-consort.org.uk/.../handel-messiah

.

Dennoch wird kein Chor der Welt "His yoke is easy" schöner singen als meine Jungs! www.youtube.com/watch

Auch wenn sie heute wie Karikaturen ihrer selbst aussehen. Oder wie die Monty Pythons. Na und! His yoke is easy!

tillemuse

26. November 2011, 19:09

Ganz wunderbar ihre Jungs, Dulcinea!

Ich habe ein paar Jahre in Moskau in einem von Briten zum Zweck der Messiah-Aufführung gegründeten und dann (bis heute) weiter bestehenden Chor gesungen. Er bestand etwa zur Hälfte aus Briten, Amerikanern, Kanadiern, Deutschen und anderen "expats", die andere Hälfte waren Russen mit schweren, voluminösen Stimmen, der Dirigent ein russischer Jude, der auch noch einen jüdischen Männerchor leitete. Zu einer Aufführung sang der Bruder einer Britin aus dem Chor mit, ein junger Student, der in einem der großen Londoner Kathedral-Chöre sang (in welchem genau habe ich vergessen) und sich sehr über die Schwere des Klangs unseres doch irgendwie russisch dominierten Chors amüsierte. Diese unglaubliche Leichtigkeit schaffen halt nur die Jungs aus dem Mutterland.

Es gibt ja Leute, die den Klang von Knabenchören nicht so richtig mögen und meinen, ihnen fehle die Reife der hellen Frauenstimmen im Chorklang - ich gehöre aber nicht dazu und bin auch immer wieder gerührt von der Inbrunst der kleinen Jungen zum Beispiel in dem wunderbaren "Sind Blitze, sind Donner"-Doppelchor aus der Matthäus-Passion.

www.youtube.com/watch

Dulcinea

27. November 2011, 01:23

tillemuse, die Matthäuspassion ist eine ganz, ganz schwache Seite von mir. Auch hat niemand die Motetten schöner interpretiert als Ihre Thomaner dort unten. Und die Blitze und Donner, sie kommen natürlich gerade recht, nachdem meine Jungs, die anderen meine ich ... heute so ... dramatisch - o, pardel - ... dramatisch verloren haben. ... Wo war ich? tillemuse, ich höre sozusagen Ihren russischen Chor mit dem Chendel! Hören Sie auch unseren spanischen Chor, wie er die Blitze und Donner interpretiert hat? Stellen Sie sich sechzig Spanier vor, die "Blitze und Donner" aussprechen!

Melibea

27. November 2011, 02:05

Ich erfreue mich seit gestern an Ihren Links und der schönen Musik. Und nebenbei denke ich an Jelenas Rücken und an Pippas Po, denn zur Zeit ist "lo más visto" in El País.com "Por qué Pippa hipnotiza al planeta". Was mugabarru wohl dazu sagen würde? Und zu Pippas Nase?

Paul Ingendaay

27. November 2011, 02:14

Pippas Po! Danke, Melibea. Eigentlich müßte das, mit diesem Titel, ein Blogeintrag werden. Schade nur, daß es den schon etwa zwei Millionen mal gibt! Da ist Jelenas Rücken doch origineller. Oder die Beine von Xavi, wissen Sie noch?

*

tillemuse, zu Kinderchören: Ich kann Edward Higginbottoms Einspielung des Messiah (Londoner Version von 1751) empfehlen, die auch für die Arien ausschließlich Knabenstimmen benutzt.

Paul Ingendaay

27. November 2011, 02:17

Und unser mugabarru. Ich fürchte, den haben wir verloren. Mugabarru, wenn Sie dies hier lesen, sollen Sie wissen, dass wir an Sie denken. Und an Ihre schönen Geschichten und all die Nasen, die Sie verehren.

Melibea

27. November 2011, 02:30

Die Beine von Xavi! Oh ja. Und all die Socken. Darauf ein Gin Tonic!

Paul Ingendaay

27. November 2011, 02:35

Hmm ... Socken? Melibea? Socken?

Dulcinea

27. November 2011, 02:46

Melibea meint mugabarrus Socken.

.

Ich empfehle übrigens, den Artikel über PP in El País auch zu lesen! Er ist sehr gut, finde ich. Der Artikel.

Paul Ingendaay

27. November 2011, 02:58

Ja, er ist gut, der Artikel. Er ist von John Carlin. Wir müssen nur aufpassen, wenn wir das nächstemal von Politik sprechen. Wird die PSOE gegen die PP (Pippas Po) eine Chance haben?

stefanmadrid

27. November 2011, 03:24

Christopher Hogwood wäre es auch für mich gewesen, aber jetzt habe ich durch diesen Blog Neues kennnegelernt, danke. Höre gerade in meinem Kölner Jugendzimmer eine verflossene Jugendliebe: Händel, Athalia, Joan Sutherland, Hogwood: Gloomy tyrants we disdain. Auf den guten alten Celestion Boxen, immer noch ein schöner Klang. Natürlich nicht sehr adventlich. Aber es hat was. Mein Gott. Gestern noch habe ich einen Glühwein auf dem deutschen Weihnachtsmarkt in Madrid geschlürft. Seit Jahren Tradition.  Aber con una gota de vermut. Denn: ab Januar werde ich wieder in Deutschland leben, nach 10 Jahren Madrid.  La crisis, Sie wissen. Sie, Paul Ingendaay, gaben mir mal Ihr Visitenkärtchen, auf irgendeinem Empfang im Ritz vor ca. 9 Jahren. Hat sich nichts draus entwickelt. Aber Ihr Blog hat uns wieder zusammengeführt, sozusagen. Hier in Deutschland bin ich schüchtern. Im ICE aus Frankfurt habe ich tyrannische Kinder mit verschüchterten Eltern, die sich die ganze Zeit dafür entschuldigten, dass der Zug Verspätung hatte, gesehen, besoffene Jugendliche am Kölner Bahnhof, die mir meine Andachtsminute vorm Kölner Dom versauten. Die sind alle so snobbish und verzogen, hat nichts mit spanischer Gelassenheit und spanischem Übermut zu tun. Der PP-DJ hieß übrigens DJ Pulpo, wie ich heute im Flugzeug El país entnahm. Derselben Ausgabe, dass man Sie, Paul Ingendaay, bei dieser Zeitung unter die 20 bedeutendsten Literaturkritiker der Welt einreiht. Schön. Ich bin mir sicher, unser Freund, Mugabarru, kommuniziert gerade mit uns.

Paul Ingendaay

27. November 2011, 11:43

Ach, stefanmadrid! Das Ritz wird keine Option für Präsentationen im Kulturbereich mehr sein. Das ist vorbei. Auch das Casino de Madrid wurde in Zeiten des Überflusses gern benutzt. Schon lange nicht mehr. Und jetzt gehen Sie nach Köln. Ich wünsche Ihnen Glück und natürlich häufige Wiedersehen mit Madrid. Und Sie sind doch auch bei unserem Weihnachtslos dabei? Da wir diesmal gewinnen, werden wir alle mehr finanziellen Spielraum haben, und Zweitwohnungen in Madrid sind für den, der warten kann, günstig zu haben.

pardel

27. November 2011, 12:05

Ja, Dulcinea, unsere Jungs gestern Abend... war das nicht spannend? Leider war das Ergebnis unbefriedigend. Aber trösten wir uns: Die Spanische Nationalmannschaft hat bei der letzten WM auch das erste Spiel gegen die Schweiz verloren, trotz drückender Überlegenheit und vieler Chancen. Den Schweizern reichte eine Chance, wie gestern Getafe, und am Ende stand es 1:0. Wir sind dennoch Weltmeister geworden, und die Liga gewinnen wir auch noch. Wenn wir im Bernabéu gewinnen. Gratulation an Getafe! Wacker verteidigt.

PP = Pippas Po? (Las posaderas de Pippa? - geht auch auf Spanisch) Don Paul, die Ergebnisse gestern haben Sie in guter Stimmung versetzt, nicht wahr? Wenn ich mir Rajoys Bart in Tateinheit mit Pippas Po vorstelle, kommt mir ein böser Komiker in den Sinn (ich glaube mich zu erinnern, es war Jango Edwards, kann das sein?) der laut und schnell sang: If I had a face like yours I'd shave my arse and walk backwards. Ich habe es bei U-Tube gesucht, wäre ein starker Kontrast zu den anderen Links im thread, habe es leider nicht gefunden. Ist wohl zu lange her.

stefanmadrid

27. November 2011, 12:13

Wenn ich noch einsteigen darf, beteilige ich mich gerne, aber ich hatte das Gefühl, Dulcinea hätte schon genügend Mitspieler. Ich bin ab Ende der Woche wieder in Madrid, dann kauf ich Ihnen liebend gerne einen Anteilsschein ab. Wäre ein schöner Abschluss für mich, noch eben im Vorbeigehen den Gordo zusammen mit einer solch illustren Tipprunde abzuräumen. Auch gut in puncto Zweitwohnung, obwohl ich mir habe sagen lassen, dass die Immobilienpreise angeblich noch ein paar Jährchen weiter fallen könnten.

Hier übrigens die erwähnten Artikel aus der gestrigen El País:

www.elpais.com/.../Tes

www.elpais.com/.../Tes

Frohen 1. Advent aus der alten Heimat.

Dulcinea

27. November 2011, 12:24

Ja und nein, lieber stefanmadrid! Wir sind sieben -- mit Ihnen acht! Das geht perfekt auf. Sie können sich also noch mit 5 Euro beteiligen. Bitte schicken Sie mir doch eine anonyme E-Mail an zehn.nuesse, dann organisieren wir die Übergabe! mugabarru nimmt ja ohnehin im Geiste teil.

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Schade, daß Sie umziehen müssen.

HenryCharms

27. November 2011, 19:45

Also ich habe zwei Erklärungen für mugabarru's Funkstille: Entweder hat er seine Jacht wiederbekommen und schippert ohne Internetverbindung durch die Karibik: Oder die Nachbarprovinz hat ihm einen Heiratsantrag gemacht und sie beschäftigen sich setdem unablässing mit ..., na ja, Produktion von kleinen mugabarritos.

Gatamad

28. November 2011, 01:15

Herr Ingendaay, Sie haben 1.) recht und es 2.) auch sehr schön formuliert: "die verschiedenen Zonen unserer Seele haben unterschiedliche Lebensalter". Ich hatte Besuch von lieben, alten Freunden. Mit ihnen war ich in Soria, habe mir die römischen Mosaike in Carranque angesehen, habe durchgezecht und habe ihren ersten Enkel besucht. Ich kann Ihnen nur zustimmen. In all diesen Tagen fühlten wir uns wie die jungen,  enthusiastischen und herausfordernde Studenten die wir mal waren, die die Welt verändern wollten und die nie vor Nichts und Niemandem zurückschrecken würden; danach erinnerten und lachten wir über eigene und fremde und dennoch bekannte Liebesgeschichten; wir waren auch die enttäuschten und sauertöpferischen Erwachsene, die die Welt nicht mehr verstehen; waren weise, reif und vernünftig und ganz Zen in der Akzeptanz der entsprechenden Lebenslagen, und zuletzt waren wir auch einerseits die nervende Mutter und Grossmutter (hätte ich nie von meiner Freundin erwartet), der geduldige und "baboso" Grossvater (der Enkel ist ein Klon von ihm), sowie die überraschte, distante und etwas neidige Beobachterin (ich also).... Wir lebten alle Phasen unseres Lebens gemeinsam durch, und gedachten auch derer die nicht mehr hier sind, aber ohne Pathos, so wie wir sie in Erinnerung hatten, da wir die die Zeugen ihres Lebens sind, und mit ihnen ein Teil unseres eigenen Lebens gestorben ist. Es waren also sehr intensive Tage.

Den Käseladen in Sigüenza kenne ich leider nicht, wäre aber für die Information dankbar, Herr Ingendaay. Es sollen nicht wieder so viele Jahre vergehen bis ich wieder hinfahre.

Stefanmadrid, es tut mir leid, dass die Entscheidung zum Umzug nicht von Ihnen getroffen wurde,  sondern von der Krise bedingt ist. Aber so lange Sie ein Weihnachtslos in Madrid spielen, sind Sie noch mit der Stadt verbunden. Es ist fast vegleichbar mit denen die noch einen Koffer in Berlin haben. Sie werden bestimmt die Stadt wieder besuchen, und die Jahre hier werden wie ein buntes Band im Zopf Ihres Lebens, also für immer, eingeflochten sein.

Melibea, ich folgte Ihrer Aufforderung, und habe heute in der Nähe des Viaducto einen Gin-tonic auf mugabarrus Wohl getrunken. Ich weiss nicht, ob der Boom der Gin-tonic-Verehrung in der Stadt auf ihn zurückzuführen ist, würde mich aber nicht wundern. Er hat sich ja diesbezüglich redlich bemüht.

Gatamad

28. November 2011, 01:40

HenryCharms, Ihre zwei Erklärungen für mugabarrus Funkstille sind einleuchtend. Sollte er durch die Karibik schippern, ohne Internet, können wir ihn als gänzlich verloren melden. Irgendwann wird er dann dort sesshaft werden, eine Firma gründen die Euskadi oder ähnlich baskisch heissen wird, und ganz reich und nostalgisch (nach seiner Ecke) dort glücklich werden.

Sollte die Nachbarprovinz ihm einen Heiratsantrag gemacht haben, wird es etwas komplizierter, da er die nationalistisch angehauchte politische Familie mit seiner Mutter unter einen Hut bringen muss (nicht einfach), er müsste sich eine dieser idiotischen Uniformen schneidern lassen die die donostiarras so lieben (für mich unverständlich) und bestimmt würde seine Liebste von ihm auch verlangen,  dass er jedes Jahr an der tamborrada teilnimmt, was bestimmt nicht zu ihm passt. Und sollte er sich kirchlich trauen lassen, will ich hoffen dass als Ort der Trauung San Juan de Gaztelugatxe durchsetzt (letztendlich Vizcaya). Um ein giputxi zu werden muss er bestimmt erst einmal 10 Jahre in den Untergrund. Bilbao oblige.

Doch sehe ich noch eine dritte Möglichkeit: er hat sich unsterblich in eine italienische Nase verliebt,  folgt ihr bis nach Mailand, und eröffnet dort eine typisch baskische tapas-bar, wo es auch den besten Gin-tonic der ganzen Lombardei gibt.

Gatamad

28. November 2011, 01:43

Versprochen, mein letzter Beitrag heute. Die Krise macht sich bemerkbar, sogar in Madrid. Heute, in der Gegend von Latina habe ich an der Eingangstür einer Bar ein lustiges Schild gesehen: "Se necesitan clientes. No es necesario experiencia."

Melibea

28. November 2011, 22:47

Ich komme noch einmal auf die Wahlen zurück. Es ist einfach zu absurd: www.publico.es/espana/409328/hasta-un-ano-de-carcel-por-votar-vestido-de-verde

Dulcinea

28. November 2011, 22:55

Liebe WG, heute habe ich unser erstes Los gekauft. Es trägt die Nummer 13180. Ich fand diese Nummer sofort einleuchtend, ich weiß nicht, warum. Sie stammt aus dem Herzen Madrids. Morgen möchte ich das zweite Los dann in der Peripherie kaufen. Ich melde mich, natürlich lichte ich die beiden Lose bald für Sie ab. -- Alle Mitspieler haben inzwischen Post bekommen! Stefanmadrid, melden Sie sich.

Dulcinea

28. November 2011, 22:58

Ich hoffe, alle Ihre Theorien stimmen und es ist nichts mit amatxu! Daran muß ich oft denken. Sie erinnern sich, daß amatxu letzthin krank war. mugabarru. Wir denken an Sie.

Dulcinea

28. November 2011, 23:19

Melibea, ich habe dieselbe Botschaft, diesmal auf einer schönen grünen Jacke, drei Tage vor der Wahl sogar im Auditorio Nacional de Música im Publikum gesehen! So eine Jacke hätte ich auch gern! Die spanische Königin befand sich ebenfalls unter den Zuhörern. Ob sie die Jacke gesehen hat, weiß ich natürlich nicht. Aber bestimmt hätte sie ihr kleines stilles Vergnügen an einem Foto wie diesem hier gehabt: www.elpais.com/.../Protesta_recortes.jpg

Melibea

28. November 2011, 23:53

Das kommt mir doch bekannt vor... www.20min.ch/diashow/16381/29095015.JPG

Dulcinea

29. November 2011, 00:12

Herrlich, Melibea! Das sind nicht die Nasen, die wir wollen.

Paul Ingendaay

29. November 2011, 00:16

Sie glauben nicht im Ernst, dass Sie mit solchen Bildern unseren mugabarru anlocken können?

Dulcinea

29. November 2011, 00:21

Das sind nicht die Nasen, die wir wollen!

Dulcinea

30. November 2011, 00:26

Das zweite Los ist gekauft! Außerhalb Madrids, dort muß das Glück einfach hinfallen: 39372. Ich fotografiere die Lose für Sie bei Gelegenheit.

Vielen Dank an alle Mitspieler!

Melibea

30. November 2011, 01:46

Ich habe eben den Briefumschlag beschriftet und gefüllt, jetzt muss ich ihn nur noch abschicken.

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