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Sanchos Esel

Frauen, die an Stränden leben

29. November 2011, 11:00 Uhr

Eigentlich wollte ich etwas über die bedrohte spanische Buchkultur und den galoppierenden Werteverlust des Abendlandes schreiben, was Sie sicherlich ziemlich überrascht hätte, aber dann kam die Wahl zur „Miss España" dazwischen. Ich will damit nicht sagen, dass ich mir diese Wahlen angesehen hätte. Ich habe genug von Wahlen. Ich habe nur in der Online-Ausgabe der Zeitung La Vanguardia einen entsprechenden Artikel gelesen und mir das Video dazu angeschaut. Und bei diesem Video dachte ich dasselbe, was die meisten von uns wohl denken, wenn sie so  etwas sehen. Ich dachte: Diese Frauen, die sich letzten Sonntag in Sevilla zur Miss-Wahl präsentiert haben, sehen ja alle gleich aus! Das ist ungefähr so, als wären alle spanischen Parteien vorletzten Sonntag mit demselben Programm angetreten!

Wie, das wurde schon einmal gesagt? Ist sattsam bekannt? Die weltumspannende Tyrannei eines industriell fabrizierten Schönheitsideals? Mit high heels, riesigen lashes, gefrorenem Lächeln und diesem Schlankheitswahn bis zur Magersuchtsgrenze? Nun, vielleicht, mag sein. Nur auf mich hat das alles völlig neu gewirkt, was ich in diesem Filmchen gesehen habe, und da habe ich mir gedacht, rufe ich mal unsere Bildredaktion an und bitte um ein paar honorarfreie Bilder von dieser erstaunlichen Veranstaltung, damit die Freunde und Freundinnen von Sanchos Esel sich ein Bild machen können.



Aber die Bildredaktion sagte: „Es gibt keine honorarfreien Bilder."
„Wie", sagte ich. „Es gibt keine Bilder?"
„Nein."
„Bei einem Ereignis, wo alle Welt nur glotzt ... wo es nur auf die Bilder und nichts anderes ankommt, von diesem Event gibt es keine Fotos?"
„Nein", sagte die außerordentlich freundliche Dame unserer Bildredaktion. „Die dpa zum Beispiel war nicht da."
Ich dachte: Da braucht man mal die dpa, und sie ist nicht da? Was ist denn nur mit der dpa los? Mag die dpa keine hübschen Frauen mehr? Oder hat die dpa schon vorauseilend eine größere Sinnlosigkeitsattacke erlitten und daher gleich auf die Sache verzichtet?



Aber Sanchos Esel gibt nicht so schnell auf. Und ich dachte mir, rufe ich mal bei „Miss España" an, der Organisation, und frage die Leute dort, ob sie mir - „Hier spricht die seriöse deutsche Presse" - ein paar schöne Fotos von ihrem Miss-Wettbewerb in Sevilla schicken können. Das war am Montag um 12:30 Uhr. Ich wählte also die Nummer, und eine nicht wirklich nach Miss España klingende Stimme vom Band klärte mich darüber auf, dass dieses Telefon werkstags von 9 bis 14 Uhr und von 16 bis 19 Uhr oder so ähnlich besetzt sei. Dann sagte die Stimme noch, Nachrichten könnten nicht hinterlassen werden. Ich schaute auf die Uhr. Na gut, dachte ich bei mir, vielleicht sind alle noch in Sevilla, die neue Miss España feiern, nicht jeder muss auf den Teint achten. Versuche ich es mal mit dem Kontaktformular.



Es ist aber so, dass ich solche Kontaktformulare generell nicht mag, schon wegen des Namens. Das Wort Kontaktformular strahlt etwas ganz Sonderbares aus: Es gibt jenen, die es benutzen sollen, etwas Ranschmeißerisches (also mir), und denen, die es ins Netz stellen, etwas Unanständiges. Ich habe es trotzdem benutzt. Da meldete mein Computer einen Fehler; ich glaube, er wollte das Kontaktformular wegen des Namens einfach nicht verarbeiten, und der Paketbote hätte es ebenfalls nicht zugestellt.

Da ging ich auf die Webseite von Miss España und fand Bilder von früheren Miss Españas oder früheren Miss-España-Kandidatinnen, so wichtig ist der Unterschied nicht, selbst wenn man genau hinguckt. Und es sind diese Bilder, die Sie hier sehen. Ich habe das Miss-España-Logo aus den Fotos herausgenommen und interessante Ausschnitte gewählt, wie ich glaube. I'm sure you get my meaning.



Ich will jetzt nur noch erwähnen, dass ich in derselben Zeitung auch von Paul Mason las, dem ehemals dicksten Menschen der Welt, der 258 Kilo abgenommen hat und jetzt findet, dass seine Haut sehr unschön und schlabberig an ihm herunterhängt, so dass er eine Schönheitsoperation gebrauchen könnte, aber die Krankenkasse, heißt es, will das nicht übernehmen. Ich möchte hier nicht ins Detail gehen, aber soviel steht fest: Paul Mason sieht garantiert nicht aus wie jemand anders. Der ist nur er selbst. Gewonnen hat in Sevilla übrigens Miss Barcelona, die den hübschen spanischen Namen Andrea Huisgen trägt und laut der Zeitung La Vanguardia „medidas de vértigo (88-63-93)" besitzt, zu deutsch: Wahnsinnsmaße. Was mir sonst noch auffiel: Auf den vorderen Plätzen landeten nur Frauen, die in der Nähe eines Strandes leben.

                                                                         [ Fotos : Homepage Miss España ]

Veröffentlicht 29. November 2011, 11:00 von Paul Ingendaay
Kommentare

Melibea

29. November 2011, 14:24

Wieso habe ich auf den Mason-Link geklickt, wieso?

Paul Ingendaay

29. November 2011, 14:35

Quite a freak show. An der Grenze oder darüber hinaus. Was ich mich ja frage: Würde ich mich, wenn ich mehr als 300 Kilo wöge, fotografieren lassen?

abfeldmann

29. November 2011, 14:47

"Auf den vorderen Plätzen landeten nur Frauen, die in der Nähe eines Strandes leben..." und ihre haare fuer die nationale sache pechschwarz faerben.

Paul Ingendaay

29. November 2011, 15:16

Gefärbt oder echt, das ist die Frage. Man müsste die Wettbewerbsbedingungen studieren.

pardel

29. November 2011, 16:36

Schwindelerregende Wahnsinnsmaße? 380 kg? Beeindruckend. Kann man Haut nicht spenden, evtl an Verbrennungsopfer oder ähnliches? Das muss doch für etwas zu gebrauchen sein!

Die Wettbewerbsbedingungen sind öde: www.missespana.com/.../41393235014042008125005.pdf Von Haarefärben ist nach erstem Überfliegen nicht die Rede. Man darf nicht verheiratet sein und bei Sieg ein Jahr lang nicht heiraten, keine Kinder haben oder schwanger sein, keine Nacktbilder oder Top-Less-Bilder gemacht haben. Finde ich doof. Die Bedingung im Punkt SEPTIMO 1 ist mir ein Rätsel: Ser legal y morfológicamente hombre o mujer, reservándose CME (der Organisator) el derecho a solicitar y obtener del/la participante el correspondiente certificado médico oficial con el que se acredite la concordancia entre el sexo y el tipo de certamen al que se presenta. Heisst das, dass Transen nicht teilnehmen dürfen, oder zielt das auf Tiere?

Melibea

29. November 2011, 17:33

Lieber pardel, Männer haben besseres Bindegewebe! Und da es um die schiere Hülle geht...

Es dürften also weibliche Transsexuelle teilnehmen, solange sie sich nicht hormonell oder operativ 'morphologisch' verändert haben lassen. (Egal, ob sie sich als Mann oder Frau fühlten, auf das Aussehen kommt es schließlich an.) Männliche Transsexuelle dürften demnach also nicht teilnehmen, so sehr sie sich auch als Frau fühlen mögen. Aha! Mir wird schon wieder übel.

HenryCharms

29. November 2011, 17:38

Es gibt auch eine andere Verwendung, pardel: Mason koennte sich die Haut zu Fluegeln annaehen lassen und sich fuer die Rolle als neuer Batman bewerben.

Paul Ingendaay

29. November 2011, 18:50

Da Miss España ein Wettbewerb zugunsten der Schönheitsindustrie ist, dürfen die Frauen zuvor keine anrüchigen Dinge getan haben. Das verstehe ich natürlich. Sie sollen danach ja als Werbeträgerinnen benutzt werden. Interessant ist ein Gedanke, den Javier Marías kürzlich in einer Kolumne äußerte: Die Feigheit von Firmen, die schon bei einem kleinen Skandal mit ihren prominenten Werbeträger(inne)n brechen und sich in vorauseilender Servilität - und reichlich pharisäerhaft, im Grunde aber aus nackter Angst um ihre Umsätze - als gesellschaftliches Vorbild aufspielen. So geschehen im Fall Kate Moss, die nach publik gewordenem Drogengenuss bei einem halben Dutzend Werbepartner in Ungnade fiel. Stellen wir uns einmal vor, damals hätte auch nur eine einzige dieser Firmen gesagt: "Wir stehen zu Kate Moss, weil sie eines der ausdrucksstärksten Models der Gegenwart ist. Wir finden sie toll. Deshalb haben wir sie unter Vertrag genommen. Und zu ihrem Privatleben wollen wir uns nicht äußern. Das ist allein ihre Sache." Vielleicht hat sich ja auch jemand anständig verhalten? Ich bin kein Experte in diesen Dingen. Vergleichbares gilt für den Fall des amerikanischen Schwimmers Michael Phelps, der auf einer Party Marihuana geraucht haben soll. Es zeugte von besonderer Heuchelei, wie eine gesamte Nation moralisierend über den Volkshelden und vielfachen Olympiasieger herfiel. Überhaupt dieser Wahn, in öffentlichen Figuren gleich "Vorbilder" sehen zu wollen. Grauenhaft - und Indiz für eine besonders unselbständige, autoritätshörige Gesellschaft.

abfeldmann

30. November 2011, 11:57

"...Überhaupt dieser Wahn, in öffentlichen Figuren gleich "Vorbilder" sehen zu wollen. Grauenhaft - und Indiz für eine besonders unselbständige, autoritätshörige Gesellschaft." - da sagen sie etwas sehr feines, das ich persoenlich bisher nur als wenig differenziertes unbehagen verarbeiten kann. tatsaechlich spielen in meiner wahrnehmung im weiteren sinne auch zwei andere 'skandale' in diese richtung. die sogenannte siemens-bestechungsaffaere und die abrechnung mit dem vormaligen volksliebling zu guttenberg. ich kann mich an zeiten erinnern - und die sind noch nicht lange her - da wurden grossauftraegen der industrie ganz selbstverstaendlich mit reziproken gunstbeweisen vorbereitet. und diese waren bis vor ca. 10 jahren auch steuerlich absetzbar. - ebenso stillschweigend buergerlicher konsens war es, dass nicht jeder dr-titel immer einen gelehrten geist ausweisen musste. es wurde getrickst, kopiert, fremdgeschrieben, gekauft. und man wusste schon, wer sich das ding irgendwie erschlichen hatte. - na und? - wer's braucht?! - substanz ist etwas anderes. die spuert man eh.

dieser ruck zu einer ganz eigenartigen 'political correctness' (in ermangelung eines besseren ausdrucks), wo die glitzernde fassade halten muss, was sie dem wissenden - oder sonstwie kulturell begabten oder erfahrenen menschen -  noch niemals versprach, ... damit komme ich ganz schlecht klar.

hier wirkt eine, so scheint es mir, fast verordnete verdummung und desensibilisierung, und ich weiss sie schwer zu fassen, noch wirklich einzuordnen. auch hilft es wenig, wenn sonst vergleichsweise verlaessliche medien der ist-bestimmung jetzt unisono in der stimme des hochmodernen pc-mob sprechen. - hier, und ganz bestimmt nicht in enem ungelenken zu guttenberg, sehe ich die eigentliche gefahr. - ein schleichendes, unlokalisiertes gift. - "Grauenhaft - und Indiz für eine besonders unselbständige, autoritätshörige Gesellschaft." - mag wohl sein.

Paul Ingendaay

30. November 2011, 12:13

abfeldmann, im Fall zu Guttenberg und sonstigen Plagiatszusammenhängen bin ich doch dafür, akademische Standards zu bewahren. Man bekommt den Doktortitel nicht hinterhergeworfen, und wäre es so, könnten wir gleich eigenhändig das Fundament der Bildungsgesellschaft abtragen. Wollen wir das? Nein. Etwas völlig anderes ist die Heuchelei, mit der von sog. "öffentlichen Figuren" ein mustergültiges Leben gefordert wird. Ob Kate Moss mal einen porro raucht oder kokst, geht mich nichts an. (Ob ein Verteidigungsminister sich einen Titel erschwindelt und dann auch noch lügt, dagegen wohl.)

abfeldmann

30. November 2011, 12:49

mag sein. und ich weiss, was sie meinen. nur sollte man akademische standards nicht mit buergerlichem konsens gleichsetzen. damit nimmt man das eine wie das andere zu wichtig.

eleganz, auch lebensart und freiheit - kultur im allgemeinen - liegt immer auch in den zwischentoenen und der moeglichkeit des virtuosen wechsels von kontexten.  

wenn uns das abhanden geht, verlieren wir ganz viel.  

(wie gesagt: das sind keine durchformulierten ueberlegungen, sondern eher ausdruck einer tiefen und anhaltenden irritation - ...work in progress halt)

HenryCharms

30. November 2011, 12:55

Die Gesellschaft, Don Paul, sucht sich aber auch andere Vorbilder. Es ist mir zwar voellig unverstaendlich, aber auch diese Sternchen á la Paris Hilton werden angehimmelt und nachgemacht. Und zwar obwohl sie besoffen und ohne Fuehrerschein Auto fahren und dafuer sogar in den Knast muessen. Vielleicht ist das aber auch eine Strategie, um in den Medien zu bleiben. Mir graut immer, wenn ich diese vielen kleinen Hündchen sehe, die in Handtaschen durch die Gegend getragen werden.

Paul Ingendaay

30. November 2011, 13:04

Akademische Standards nehme ich in der Tat wichtig, abfeldmann. Ich weiß, dass viele das heute als "zu wichtig" empfinden, als Übermaß an Genauigkeit und Anforderung.

*

Ja, HenryCharms, viele Vorbilder und wenig Substanz. Die besinnungslose Vervielfältigung von burradas und tonterías sorgt ganz allein dafür. Es scheint, wir langweilen uns zu Tode.

abfeldmann

30. November 2011, 13:36

ich kenne genug leute in meiner generation und in der generation meines vaters - mit etwas recherche koennte ich sie wohl mutmasslich auch in der generation meiner grossvaeter identifizieren - die sich ihre titel nicht muehsam im stillen kaemmerlein erarbeitet haben. - es gab schon immer unterschiedliche wege, an akademische meriten zu gelangen.

ich stimme vollkommen mit ihnen ueberein, dass unsere vielseitig fordernde gegenwart keine pauschalentschuldigung fuer schlampigkeit sein kann. natuerlich nicht. - aber dass wir jetzt denken muessten, dass jeder dr-titel durch und durch echt sei - oder, dass wir uns ploetzlich betrogen und belogen fuehlen muessten, nur weil sich herausstellt, dass dem nicht so ist, diese pauschalisierung ginge doch auch zu weit.

anyway... - war schoen, mal wieder mit ihnen zu schnacken.

herzlichen dank fuer die gedankliche anregung! auf bald!

Paul Ingendaay

30. November 2011, 13:50

Erinnern wir uns an die Doktorarbeit von Dr. Helmut Kohl, die dem Vernehmen nach unauffindbar ist.

HenryCharms

30. November 2011, 15:17

Und jetzt kopiert der Freiherr (da-)von und zu(-rück) Guttenberg sogar schon den Loddar Matthäus. Na, der hat vielleicht Vorbilder. Sein Frau sollte sich langsam Sorgen machen.

www.spiegel.de/.../0,1518,800649,00.html

pardel

30. November 2011, 15:50

Ein fieser Professor sagte einer auffällig hübschen Kommilitonin: Wer mit 30 noch keinen Doktor hat, muss ihn selber machen. Die Kommilitonin bekam alsbald ihren Doktor (hübscher Knabe aus guter Familie, gut situiert und sympatisch obendrein - einfach unausstehlich) und wir, die männlichen Kommilitonen, einfältig wie wir nunmal waren, wurden grün vor eifersüchtigem Neid. Seufz... Aber unsere menschlich-allzumenschlichen Laster haben sie uns nicht genommen!

Melibea

01. Dezember 2011, 16:37

Weil hier über die Vorbildfunktion und das private Leben von "öffentlichen Personen" diskutiert wurde, würde mich interessieren, was die WG davon hält: www.elsingulardigital.cat/.../boadella_qualifica_els_votants_del_pacma_de_gilipollas_77556.php  Den Link zu seinem Blogg finden Sie ja im Text. Er hat danach viele Kommentare erhalten, worauf er einen erneuten Bloggeintrag verfasste: www.elsjoglars.com/blog.php  Eine Freundin hat ihm daraufhin geschrieben, höflich und respektvoll. Sie wurde zensiert, wie offensichtlich alle, die nicht der Meinung von Herrn Boadella sind. Ich persönlich finde es völlig übertrieben und geradezu lächerlich, jemanden wegen Äußerungen in einem Blogg verklagen zu wollen. Und es ist ein privates, unabhängiges Theater. Er kann also tun und sagen, wonach ihm gerade ist, oder?

Dulcinea

01. Dezember 2011, 19:28

HenryCharms, Ihr Umschlag ist da.

pardel

01. Dezember 2011, 23:44

Ach, Vorbildfunktion! Kokolores! Da Sie direkt fragen, Melibea, werde ich versuchen, meine Meinung zu bilden und erläutern. Ist ja nicht uninteressant, wird sind ja alle in einem Blog, das geht uns vielleicht etwas an. Unser Gastgeber unterbindet allzu heftige Äußerungen, aber es könnte sich immer einer beleidigt fühlen. Also, ich meine:

Alle Beteiligten in Ihrem Beispiel durften das machen, was sie getan haben, auch wenn manches auf beiden Seiten nicht gerade von Einfühlungsvermögen und sozialer Kompetenz zeugt. Es ist grundsätzlich egal, was der Herr Boadella in einem Blog schreibt („Aber er hat angefangen!“), es ist genauso egal, was andere dazu antworten. Beide Seiten dürfen das zunächst. Es ist typisch für unsere Zeit, dass einer gleich Anzeige erstatten muss, aber so läuft das, wenn man pauschal mit dem Wort gilipollas um sich wirft. Irgendeiner kennt immer einen beschäftigungslosen Anwalt. Da greift der Herr Boadella auch zu kurz, manche Tierschützer erwecken zwar manchmal bei Leuten wie den Herrn Boadella den Eindruck, bescheuert zu sein, aber alle Wähler einer Tierschutzpartei undifferenziert pauschal zu verunglimpfen ist taktlos. Dann kommt eben die Retourkutsche. Auf seinem eigenen Blog kann der Herr Boadella die Kommentare zensieren, wie er mag. Das merkt man ohnehin, Sie schreiben ja selber, Melibea, dass es offensichtlich ist, und in Ihrem ersten Link sieht man ganz andere Meinungen, die meisten sind auch nicht nett geäußert. Das dürfen die Gegner Boadellas ja auch, genauso wie er: Er sagt gilipollas, sie wünschen ihn die Pest an den Hals. Wenn es im Netz bleibt, ist es ein Sturm im Wasserglas. Echauffierte auf beiden Seiten. Die Klage (wenn die Anzeige zugelassen wird) ist schon unangenehmer für den Herrn Boadella (aber ich denke, der hat viele Klagen in seinem Leben provoziert. Vielleicht hat er es vermisst). Wenn aber die Idioten unter den Beleidigten ihn tatsächlich tätlich angreifen würden, wie angedroht, wäre es einfach kriminell. Er darf doch tatsächlich eine blöde Meinung äußern. Damit diskreditiert er sich ja bloß selber. Rache ist nicht nötig.

Denn für mich steht außer Frage, dass es gelinde gesagt blöd ist, Tierschützer – auch radikalere – pauschal als gilipollas zu bezeichnen. Tierschutz ist keine moderne Frivolität, die mit dem Verweiß auf die Not vieler Menschen abgekanzelt werden kann, wie es Herr Boadella en passant tut. Respekt vor der Natur hat es schon immer und überall gegeben, und er ist berechtigt und wünschenswert. Ein beliebiges Beispiel: Der von unserem Gastgeber so geschätzte Schopenhauer schrieb: „Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken.“ bzw. „Mitleid mit den Tieren hängt mit der Güte des Charakters so genau zusammen, daß man zuversichtlich behaupten darf, wer gegen Tiere grausam ist, könne kein guter Mensch sein.“ Das hat Herr Boadella in zwei kurze, ziemlich seichte Absätze ignoriert. Durchgefallen! Dafür ist er in anderen Foren, die er im Gegensatz zu seinem eigenen Blog nicht kontrollieren kann, heftig angegangen worden. Geschieht ihm recht. Alles, was darüber hinaus geht wäre von übel. Und solange nichts darüber hinaus geht, habe ich diesem Fall schon genug Gedanken gewidmet, und höre hiermit auf. Ich habe jedenfalls keine Vorbildfunktion!

Paul Ingendaay

02. Dezember 2011, 00:01

Also, ich habe nicht vor, jemanden zu verklagen. Damit das klar ist.

*

Manchmal frage ich mich, warum Menschen, die im wirklichen Leben nie miteinander sprechen, geschweige denn diskutieren würden, es unbedingt im Internet tun wollen. Das kann nicht gutgehen. Und es geht nicht gut.

HenryCharms

02. Dezember 2011, 10:55

Also ich halte mich von Blogs, in denen so miteinander umgegangen wird, einfach fern. Genauso wie ich das im realen Leben auch tue. Ich beteilige mich dort, wo ich am Meinungsaustausch und Kennenlernen anderer Blickwinkel interessiert bin und nicht fuer meine Meinung beleidigt oder als unwissender Idiot hingestellt werde.

Daher bin unserem Gastgeber sehr dankbar, dass er, wie ein paarmal geschehen, Gaeste fruehzeitig auf die Umgangsformen hier hinweisst und sie ggf. auch vor die Tuer setzt. Offenbar funktioniert das sehr gut. Wer darueber klagt, kann woanders schreiben. Foren dafuer gibt es im weltweiten Netz wahrlich genug.

Prima, Dulcinea. Auf die Post ist doch noch Verlass.

ThorHa

02. Dezember 2011, 10:59

@abfeldmann:

Ich kann ihr Unbehagen hervorragend nachvollziehen. Auch ich habe den Eindruck, dass unsere angeblich immer permissivere und freier werdende Gesellschaft zumindest öffentlich immer enger, pharisäerhafter und unduldsamer wird. Zugespitzt ausgedrückt - wer in Zukunft einmal bildlich aufgezeichnet auf den Boden spuckt, ist für jede öffentliche Funktion ungeeignet.

Was das für Menschen in öffentlichen Ämtern und Funktionen hervorbringt, dürfte klar sein. Besonders verstörend an dieser Verengung ist der scharfe Kontrast zum tatsächlichen öffentlichen Leben auf den Strassen und Plätzen Deutschlands. Dort nehmen - ungeahndet und unkritisiert - Rüpelei, Rücksichtslosigkeit und Manierenlosigkeit erkennbar zu, sind vielfach bereits mehrheitsfähig.

Gruss,

Thorsten Haupts

Melibea

02. Dezember 2011, 13:32

Danke, lieber pardel! Ich bin der festen Meinung, dass hier beide Seiten auf unschöne Weise versuchen, in unserer schnellebigen Zeit, nicht vergessen zu werden. Und Sie haben Recht, wenn Sie sagen, man sollte ihnen deshalb nicht auch noch soviel Energie und Lebenszeit widmen. Ich denke aber schon etwas länger über gewisse Tendenzen der spanischen Tierschutzbewegung nach; durch einige Bekannte habe ich kleine Einblicke erhalten. Eine Freundin meines Freundes ist Aktivistin einer Antispeziesismus-Gruppe. Sie und ihre Freunde kommen mir manchmal wie religiöse Fundamentalisten vor; (ironische) Kritik an ihrer Sache und Diskussionen werden oft mit derben persönlichen Angriffen beantwortet. (So lesen sich auch diejenigen Kommentare, die Herr Boadella ausgewählt hat, um zu zeigen, dass er Recht hat.) Und dass PACMA nun zu rechtlichen Mittel greift, während im Internet jeden Tag die Wähler aller Parteien aller Länder dieser Welt beschimpft und verflucht werden, zeugt von verkümmerter "Argumentationskultur". Das ist schade, diese verblendete Rechthaberei. Denn die vielen guten Ideen und Anliegen der Tierschützer kommen auf diese Art und Weise bei Otto Normalverbraucher nicht an.

Paul Ingendaay

02. Dezember 2011, 14:49

Ich hatte mal einen sehr interessanten (unideologischen, unaggressiven) Austausch mit der Vorsitzenden eines großen Tierschutzverbands. Und das zum Thema Stierkampf. Ich schätze mich glücklich, wenn ich die Ruppigkeiten um Herrn Boadella sehe.

HenryCharms

02. Dezember 2011, 15:20

Ja, ThorHa, da sagen Sie etwas. Ich bin sicher, dass Papst Benedikt nicht wiedergewaehlt wird. Er wurde nicht angeschnallt im Auto fotografiert und dafuer angezeigt. Manche Leute haben wohl wirklich nichts besseres zu tun.

Dulcinea

03. Dezember 2011, 22:43

Liebe WG, etwas themenfremd möchte ich hier die versprochenen Fotos zum Thema baldiger Reichtum einflechten, vielen Dank an alle Mitspieler, y mucha suerte! Sobald die anderen Briefe eintreffen, werde ich noch ein Foto machen.

picasaweb.google.com/.../DiesesJahrGewinnenWir

stefanmadrid

05. Dezember 2011, 13:58

13180 - 39372, Sie haben wahre Traummaße, Dulcinea!!

Dulcinea

05. Dezember 2011, 14:18

Und hier kommt schon die Fortsetzung, verbunden mit einem herzlichen Hoch! auf die deutsch-spanischen Briefträger/innen und tausend Dank an die Absenderinnen!

picasaweb.google.com/.../VielenDankVerehrtePastoraMarcelaUndLiebeMelibea

Dulcinea

05. Dezember 2011, 14:46

Vielen Dank, stefanmadrid! Es sind eben El-Gordo-Maße.

pardel

06. Dezember 2011, 09:49

So, HenryCharms, Helmut Schmidt wird auch nicht Papst. Er wurde rauchend gesichtet (und prompt angezeigt): www.handelsblatt.com/.../5925864.html Das Feld lichtet sich, ich bekommen vielleicht doch noch eine Chance auf den Posten. Ich werde meine Laster nur heimlich fröhnen müssen. Ich sollte - vielleicht in den USA - ein Heuchelei-Seminar besuchen, das ist die Zukunft!

Evtl noch besser: Selber Heuchelei-Seminare anbieten.

Melibea

06. Dezember 2011, 10:43

Ich liebe es, ältere/alte Filme anzusehen. Damals, als noch geraucht werden durfte. Heute sieht man das ja fast nur noch in Filmen, die in vergangenen Zeiten spielen. Obwohl ich selbst nicht rauche, finde ich es unabdingbar, dass in einigen Genres geraucht wird. Marlowe mit Nikotinpflaster? Nee!

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