Entente Cordiale
15. Februar 2012, 13:37
Uhr
Eine bemerkenswerte Meldung aus Paris über "Kritik aus Frankreich an deutscher Verteidigungspolitik", die wir hier dokumentieren:
Rüstungsbeauftragter plädiert für Kooperation mit Großbritannien = Paris, 15. Februar (AFP) - Ein ranghoher Vertreter des französischen Verteidigungsministeriums hat die deutsche Verteidigungspolitik scharf kritisiert. „Hat Deutschland den politischen Willen, das Stadium eines verstärkten Roten Kreuzes zu überschreiten?", fragte Laurent Collet-Billon, der französische Generalbeauftragte für Rüstung, bei einer Konferenz am Dienstag in Paris. Es stelle sich die Frage, ob in Deutschland der politische Wille zu einer Verteidigung bestehe. Daran zweifle er momentan. Als Beispiel führte Collet-Billon Deutschlands Ablehnung einer Beteiligung am Einsatz in Libyen an. Collet-Billon plädierte indes für eine französisch-britische Zusammenarbeit. Dabei habe er keine Bedenken, denn beide Länder würden die selben Grundsätze und Visionen teilen, sagte er.
Frankreich und Großbritannien bestreiten demnach schon heute zusammen 60 Prozent der Verteidigungsausgaben der Europäischen Union. Die beiden Länder würden die Ziele und die Regeln definieren, „die anderen Länder stimmen zu oder sie stimmen nicht zu", sagte er. Am Freitag findet in Paris ein Gipfeltreffen zwischen Frankreich und Großbritannien statt. Die beiden Länder schlossen bereits 2010 einen Vertrag, der eine Zusammenarbeit in der Rüstungspolitik vorsieht.
Eine Anmerkung: Natürlich ließe sich die Polemik zu Libyen leicht erwidern, indem man auf die abrupten Zickzackmanöver der Regierung Sarkozy in Sachen Afghanistan verweist. Aber wichtig ist nicht so sehr die tagespolitische Begründung, die der französische Rüstungsbeamte anführt, sondern grundsätzlich die französische Hinwendung zu dem angelsächsischen Partner, verbunden mit der Grundaussage über die gemeinsamen Grundsätze und Visionen.