Stützen der Gesellschaft

Don Alphonso

ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist; sagen wir mal: Ein schlechterer, nicht mehr ganz junger Sohn aus besserem Hause, der einige bürgerliche Werte wie Heirat, Kinder oder die 240-m²-Villa in der Vorstadt vehement ablehnt und andere wie Porzellan, Kulturgeschichte und gute Sitten schätzt. Seine Eltern etwa haben ihm im Rahmen einer sehr guten Erziehung die Haltung am Tisch mit Büchern unter dem Arm beigebracht, und hätte er selbst Kinder, würde er nicht zögern, dieses archaische Ritual an sie weiterzugeben; einen Fernseher würde der Nachwuchs dagegen vergeblich suchen. Er pendelt wahlweise zwischen dem alten Stammsitz der Familie, einem ehemaligen Jesuitenkolleg in der reichen bayerischen Provinz, und dem Tegernsee, in dem selbst die Wasserleichen stets gepflegt und mit Schmuck zu finden sind.

Andrea Diener

ist gebürtige Frankfurterin. Frankfurt ist groß, und man muß nicht unbedingt dazusagen, daß sie in einem dieser dorfähnlichen Arbeiterviertel im Westen aufwuchs: Im Vorgarten Zwergkoniferen, hinterm Haus die Stangenbohnen. Anstatt eine ordentliche Ausbildung zu machen, damit sie was Solides hat, studierte sie brotlose Geisteswissenschaften und verdient damit, als Journalistin und Museumsführerin, tatsächlich etwas Geld. Sie wohnt noch immer im Arbeiterviertel, weit weg von den Glastürmen zwischen einer marokkanischen Schrauberwerkstatt, dem Friseursalon Margot und der besten Stehpizzeria nördlich der Alpen.