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Supermarktblog

Ein Missverständnis namens Mindesthaltbarkeitsdatum

16. September 2011, 07:26 Uhr

Nach den fantastischen Erklärerfolgen der Unterschiede zwischen "Hier" und "Da" sowie dem Klassiker "Langsam" und "Schnell" wird es allerhöchste Zeit für eine Sesamstraßen-Kampagne, die den heranwachsenden Supermarktkunden von morgen erklärt, was eigentlich "mindestens" von "höchstens" unterscheidet. Damit die das anschließend gleich ihren Eltern erklären können. Denn die wissen's ja meistens auch nicht.

Die Konsequenzen dieser Unkenntnis wiegen allein in Deutschland ungefähr 20 Millionen Tonnen pro Jahr und landen in großen Eimern oder Containern, um entsorgt zu werden.

Es geht, Sie ahnen es, um Lebensmittel. Über deren ungeheure Verschwendung hat der Filmautor Valentin Thurn eine äußerst sehenswerte Dokumentation gedreht, die gerade in den Kinos läuft (und in einer kürzeren Ursprungsversion bereits im vergangenen Jahr während der Themenwoche "Essen ist leben" im Ersten gezeigt wurde).

Die Bilder, die Thurn in "Taste the Waste" zeigt, sind ein Schock: haufenweise Gemüse, Brot, Fisch und tadellos verpackte andere Lebensmittel, die keiner mehr haben will. Und die Gründe dafür sind vielfältig. Manches entspricht von Anfang an nicht den Normen, die sich der Handel ausgedacht hat. Gurken werden sofort nach der Produktion entsorgt, weil sie zu krumm sind, um ordentlich in die Transportkisten zu passen. Tomaten müssen ein spezielles Rot haben, sonst werden sie erst gar nicht verladen. Weil viele Kunden im Markt absolute Makellosigkeit erwarten. (Im NDR lief neulich dazu ein ebenfalls sehenswerter Beitrag über Standards bei Äpfeln.)

Andere Lebensmittel werden erst noch tausende Kilometer weit transportiert, bevor sie weggeworfen werden. Weil wir sie nicht rechtzeitig gekauft haben.

"Tagesware wie Salat oder Radieschen wird morgens ins Regal sortiert und abends wieder rausgenommen – egal, in welchem Zustand die Ware ist", sagt Thurn. Und mit "rausgenommen" meint er: weggeworfen. Trotzdem sind die Regale im Supermarkt immer voll, weil die Kunden auch kurz vor Ladenschluss gerne die volle Auswahl haben. Thurn erklärt: "Es ist für die Handelsketten schlimmer, wenn ein Kunde im Markt umkehrt, weil er sein Lieblingsjoghurt nicht mehr kriegt und zur Konkurrenz geht, als Waren zu vernichten."

Das allein ist schon zum Heulen. Aber dass ein großer Teil der weggeworfenen Lebensmittel eigentlich bloß wegen eines Missverständnisses im Müll landet, ist ein Skandal. Und schuld ist – das Mindesthaltbarkeitsdatum.

Wenn das Datum auf dem Joghurtbecher, der im Kühlschrank steht, überschritten ist, wird er entsorgt. Dasselbe passiert im Laden – nur schon viel früher, weil kaum jemand Produkte kaufen mag, die scheinbar bald ablaufen. (Und weil die Haftung mit überschrittenem Datum vom Hersteller auf den Supermarkt übergeht, der kein unnötiges Risiko eingehen möchte.)

Dabei bedeutet ein überschrittenes Mindesthaltbarkeitsdatum noch lange nicht, dass der Joghurt nicht mehr genießbar wäre. Die Angabe ist bloß die Garantie des Herstellers, dass bis zu diesem Zeitpunkt alle Eigenschaften des Produkts (zum Beispiel die Cremigkeit) gewährleistet sind. Wer minimale Cremigkeits-Abstriche in Kauf nimmt, kann den Becher auch noch Tage später auslöffeln. Wenn er vorher die Anstrengung in Kauf nimmt, die Folie abzuziehen und höchstpersönlich zu testen, ob der Joghurt noch gut ist. Riechen und schmecken nennt man das. Irgendwie müssen wir das verlernt haben.

Das Problem ist: Bei manchen Produkten ist das Haltbarkeitsdatum dann doch unbedingt einzuhalten, bei Eiern zum Beispiel, bei Fisch und Fleisch. Weil uns das unser Magen sonst nämlich nicht verzeiht.

"Es kann doch kein Mensch unterscheiden zwischen dem Verbrauchsdatum, nach dem der Konsum von frischen Lebensmitteln wirklich der Gesundheit schadet, und der Mindesthaltbarkeit", sagt Filmemacher Thurn – und schlägt vor, das Mindesthaltbarkeitsdatum umzubenennen. Da die meisten Leute die Bedeutung des "Mindest-" immerzu mit dem Gegenteil verwechseln, ist das keine schlechte Idee. Im Englischen steht auf den Produkten zum Beispiel viel klarer: "best before". Vielleicht fällt jemandem eine elegante Übersetzung ein?

Auf die Frage, wann Produkte aus dem Regal genommen werden, deren Haltbarkeitsdatum bald abläuft, gibt es von den Unternehmen auf Anfrage keine konkreten Antworten. Eine Edeka-Sprecherin erklärt, es existierten "unterschiedliche Empfehlungen, die je nach Produkt (Konserve vs. Frische-Produkte) variieren" – jedoch ohne sie zu benennen. "Die letzte Entscheidung, wann ein Produkt vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums aus dem Verkauf genommen wird, liegt jedoch bei den Einzelhändlern."

Schon jetzt geht auch nicht automatisch alles in den Müll, was nicht verkauft wird. Handelsketten wie Aldi und Edeka arbeiten mit den "Tafeln" zusammen, die verwertbare Lebensmittel an Leute geben, die sich keinen Großeinkauf im Laden leisten können.

Aldi verweist aber auch auf "gesetzliche Vorschriften", wegen denen "lediglich zum Verzehr geeignete Lebensmittel abgegeben werden". Aldi-Sprecherin Kirsten Windhorn erklärt: "Dabei spielen Kriterien wie beispielsweise die Einhaltung der Kühlkette oder die Abgabe unter Beachtung der Restlaufzeit des Mindesthaltbarkeitsdatums eine Rolle".

Um aber die massive Verschwendung von Lebensmitteln zu vermeiden, müssten die Supermärkte komplett umdenken und auch mal riskieren, ihre Kunden zu enttäuschen, wenn ein Regal kurz vor Ladenschluss leer ist. Das fällt Unternehmen, die mit harter Konkurrenz zu kämpfen haben und auf Profit ausgerichtet sind, schwer. (Genauso wie uns als Verbrauchern.) Aber nach der Medienaufmerksamkeit für "Taste the Waste" hätten einige Ketten bereits signalisiert, gegensteuern zu wollen, sagt Thurn. Mit welchen Mitteln und in welchem Zeitraum ist noch völlig unklar.

Thurn erklärt aber auch: "Der Handel reagiert nur, wenn es eine Sensibilität für das Thema gibt." Und zwar bei denen, die nachher an der Kasse stehen: bei uns. Das scheint gerade zu passieren. Zumindest tourt Thurn mit seinem Film durchs ganze Land, ist bei Vorführungen in den unterschiedlichsten Städten dabei, diskutiert im Radio, bei Podiumsveranstaltungen und gibt Interviews. Er sagt: "Das Thema scheint bei den Leuten einen Nerv getroffen zu haben. Einer der Kinozuschauer hat mir nach der Vorführung gesagt: 'Man fühlt sich ertappt'."

Anstatt sich ertappt zu fühlen: Wollen Sie nicht einfach zuhause mal in den Kühlschrank schauen und überlegen, ob es sich lohnt, aus den Gemüseresten ein schönes Süppchen zu kochen?

Vielleicht haben Sie Lust, danach noch ins Kino zu gehen.

Zum Film ist das Buch "Die Essensvernichter" erschienen (siehe dazu auch FAZ.NET). Und noch mehr zum Thema steht im nächsten Supermarktblog-Eintrag.

Screenshots: Das Erste/Thurnfilm

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Veröffentlicht 16. September 2011, 07:26 von Peer Schader
Kommentare

hanswurst

16. September 2011, 08:49

http://www.wurstsucht.de

in unserem tegut...-Markt gibt es eine Theke mit verbilligten, weil vom Mindesthaltbarkeitsdatum her fast abgelaufenen, Lebensmitteln. Diese Theke ist der Renner bei vielen Kunden. Bei manchen sicher wegen des niedrigen Preises. Aber die Mehrzahl genießt: Nirgendwo ist Käse reifer und im optimalen Verzehrstadium wie hier. Für einige Käsesorten würde ich sogar mehr bezahlen, wenn sie immer genau so reif angeboten würden.

Neulich hatte ich wieder ein paar dieser verbilligten Sachen auf dem Band, als die Kassiererin eine Salami konfiszierte mit dem Hinweis, dass diese just an diesem Tag ihr Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht hatte. Sie dürfe sie mir nicht mehr verkaufen. Es halfen alle Argumente nichts. Jetzt hoffe ich nur, dass die Wurst wenigstens bei der Tafel gelandet ist.

fazleser007

16. September 2011, 09:17

Schon das Wort "Mindeshaltbarkeitsdatum" ist einfach falsch. Eine Ware kann nicht "mindestens haltbar" sein, was soll sie denn noch mehr? Es muß heißen "haltbar bis mindestens", denn auf das Datum kommt es an und nicht auf die Qualität der Haltbarkeit.

Uli

16. September 2011, 09:53

"Weil viele Kunden im Markt absolute Makellosigkeit erwarten."

"Trotzdem sind die Regale im Supermarkt immer voll, weil die Kunden auch kurz vor Ladenschluss gerne die volle Auswahl haben."

Ich glaube das ist vielmehr ein Henne-Ei Problem. Man gewöhnt sich einfach daran das im Supermarkt alle Tomaten schön rund und rot sind und findet es merkwürdig wenn dem plötzlich nicht mehr so ist. Dito die große Auswahl bis Ladenschluss.

Wenn man dem Kunden aber einmal erklärt das man nur dann "Ofenfrisch bis Ladenschluss" backen kann, wenn nachher massenweise Backwaren weggeworfen werden und das in vielfacher Hinsicht schlecht für ihn und andere ist, wird sicher jeder Verständnis dafür haben.

Benni

16. September 2011, 10:25

Bei uns letzte Woche: 1 Std vor Ladenschluss in 2(!) Supermärkten (Discounter) bereits nichtmehr alles vorhanden.

Fazit: Nächstesmal gehen wir früher einkaufen. Im gleichen Laden natürlich. Ist eigentlich schonmal wem aufgefallen das Aldi nicht immer alles Gemüse sondern eher Saisongemüse anbietet? Aus Kostengründen ;-)

Bassa

16. September 2011, 10:47

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie ein "best before" die Situation verbessern sollte. Was "mindestens" bedeutet sollte eigentlich jeder wissen. Wenn die Leute das nicht verstehen, wieso sollten sie dann "am besten vor ... verzehren" oder ähnliches besser verstehen?

Hier sind übrigens weder die Supermärkte noch die Hersteller verantwortlich, sondern der Gesetzgeber. Dieser schreibt ja die Kennzeichnung per "mindestens haltbar bis" vor.

Was die vollen Regale zum Feierabend angeht - kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Der Markt einer relativ großen Kette bei mir in der Nähe hat abends so einiges nicht mehr im Regal, teilweise sogar bei Getränken, nicht nur bei Obst und Gemüse oder Backwaren aus der Hausbäckerei. Gerade zum Wochenende kann man da teilweise Frischwaren gar nicht mehr kaufen, weil eben alles weg ist.

Dafür habe ich neulich irgendwo Weintrauben (reduziert) gesehen, die in einigen der Verpackungen bereits einen relativ großflächigen pelzigen Bewuchs hatten.... DAS finde ich dann weitaus schlimmer als leere Regale, auch wenn es billiger ist ;)

Dem Irrtum, dass man Lebensmittel nach Ablauf des MHD nicht mehr verkaufen darf, unterliegen aber nicht nur Kunden oder Verkäufer. Wenn bei Sendunden wie "Achtung Kontrolle" (ja, ich weiß, Entbildungsfernsehen) der (angebliche?) Lebensmittelkontrolleur die Geschäftsbetreiberin darauf aufmerksam macht, dann stimmt doch da auch etwas nicht. Enweder war da wirklich ein Kontrolleur unterwegs, der nur begrenzt Ahnung von seinem Job hat, oder aber es war doch alles nur Fake und der Drehbuchautor hat keine Ahnung von den Gesetzen..

Dingsbums

16. September 2011, 11:12

Das Problem ist die Verschwendung, nicht das Haltbarkeitsdatum. Das Haltbarkeitsdatum ist wichtig in der modernen Gesellschaft, in der man sich in anonymen Supermärkten versorgt. Es ist doch absurd, dem Verbraucher hier etwas vorzuwerfen.

Natürlich fühlen sich die Zuschauer "ertappt". Weil ein ganz normales Verhalten beschrieben wird, gibt es keinen, der sich nicht "ertappt" fühlt. Daraus beziehen solche Dokumentationen ja ihren Showeffekt.

Der Text behauptet "Im Englischen steht auf den Produkten zum Beispiel viel klarer: 'best before'". Haben die englischsprachigen Länder denn dieses Verschwendungsproblem nicht? Das sollte mich aber sehr wundern. So ein Blödsinn. Man kann das Haltbarkeitsdatum "Klaus" nennen. Das ändert garnichts am Problem. Und das Problem ist die Verschwendung, nicht normales menschliches verhalten. Es handelt sich um hoch komplexe Prozesse und wenn man da Lösungen hat, das besser zu organisieren, mit weniger Verschwendung, würde man auch bei den Supermärkten offene Türen einrennen. Das ist ja in deren Interesse. Aber dem Verbraucher da zu sagen: "Du bist schuld" stimmt nicht und bringt nichts.

Achim

16. September 2011, 11:19

http://www.tratschtante.de

Man sollte nicht von "Mindesthaltbarkeitsdatum" reden, sondern es tatsächlich Garantie nennen. Welcher Mensch schmeißt Elektrogeräte weg, nur weil die Garantie abgelaufen ist? Und um eine Garantie handelt es sich ja auch.

Also sollte man das auch draufschreiben: "Herstellergarantie bis ..." statt "Mindestens haltbar bis ...".

Bauer

16. September 2011, 11:20

Herr Schader, mal eine dumme Frage: Würden Sie einen Joghurt noch an dem Datum kaufen, an dem er abläuft, um dann vielleicht vier oder fünf Tage später den "Riechtest" durchzuführen, der dann unter Umständen negativ ausfällt? Ihnen macht es also nichts aus, 50 Cent für ein Produkt auszugeben, das sie dann möglicherweise wegwerfen müssen? Jetzt mal abgesehen davon, daß kein Mensch, der schonmal saure Milch im Mund hatte, jemals wieder einen Schmecktest mit Milchprodukten durchführen will.

Wenn die Supermärkte die Produkte in der Nähe des Mindesthaltbarkeitsdatums im Preis herunterstufen würden, dann würden die sich sicherlich immer noch super verkaufen, nur das ist ein organisatorischer Alptraum, weil man die heruntergepreisten Produkte separieren müßte - im Endeffekt verdoppelt sich damit die Anzahl der Produkte, mit denen der Händler seine Kühlregale bestücken muß. Dazu kommt noch, daß das Datum nicht im Barcode eincodiert ist, so daß man die Produkte wie in alten Zeiten mit Preisaufklebern versehen muß. Wie genau soll sich dieser Aufwand für die Supermärkte noch lohnen? Wegwerfen dürfte effektiv billiger sein.

Das lustige ist, daß es noch drastischere Länder gibt. Ich habe in Japan im Supermarkt beobachtet, wie ein Mitarbeiter Gemüse direkt aus dem Regal wegwarf, weil es nicht absolut perfekt aussah. In Deutschland wäre das gleiche Gemüse noch zum Premiumpreis verkauft worden. Japanern erscheint ein deutscher Supermarkt vergleichsweise schmuddelig, so wie uns auch ein Supermarkt in manch anderen Ländern schmuddelig erscheint, wenn dort auch mal Äpfel mit Faulstellen noch ein paar Tage im Regal liegen.

Und einige Aussagen in dem Artikel sind Quatsch, oder beziehen sich auf Supermärkte, die anders arbeiten als die, die mir bekannt sind. In den Supermärkten, die ich kenne, wird das Gemüse schon zwei Stunden vor Ladenschluß knapp, und die Radieschen liegen definitiv mehr als einen Tag in der Auslage. Ich würde Herrn Scheer und Herrn Thurn mal empfehlen, wirklich selbst mal um 19 Uhr einkaufen zu gehen, denn es ist peinlich wenn ein großspuriger Aufruf zum Umdenken bei den Supermärkten teilweise ins Leere läuft.

iawdw

16. September 2011, 11:22

Hab heute den Selbsttest gemacht und einen Bio-Joghurt gegessen, dessen Mindeshaltbarkeitsdatum seit vier Tagen ueberschritten ist.

Ich lebe!

Epikur

16. September 2011, 11:32

Ich würde das "Best before" mit "Perfekt bis zum" übersetzen und statt dem MHD draufdrucken. Vielleicht würde das ja helfen.

Peer Schader

16. September 2011, 11:38

@Bauer: ...denn mit Großspurigkeit kennen Sie sich ja besonders gut aus, oder?

@Bassa: Die Hersteller legen das MHD aber fest, und zwar nach Belieben. Je schneller etwas abläuft, desto eher muss es neu gekauft werden. 

Chajah

16. September 2011, 12:12

@Bauer: schonmal was von der "Waschbeckenprobe" gehört? Einen Schuß Milch in den Ausguß kippen und beäugen sowie dran riechen. Wenn sie nicht "kräuselt" oder schlecht riecht den nächsten Schuß Milch über einen Finger in den Ausguß kippen und den Finger ablecken. Das reicht als Geschmackstest, ob Milch noch gut oder "um" ist. Da braucht man keinen großen Schluck aus der Tüte.

Ich kaufe hauptsächlich "blanke" Milchprodukte, sprich ohne Beimengungen. Quark, Joghurt, saure Sahne halten sich Wochen über das MHD solange sie nicht angebrochen sind. Habe gestern noch eine Packung Magerquark mit MHD irgendwann Ende Juli vertilgt. Lebe auch noch.

Schlagsahne mindestens einen Monat über MHD, besser noch etwas länger, ungeöffnet im Kühlschrank lagern und zwischendrin NICHT schütteln, dann hat man besten Doppelrahm, der an hierzulande nur schwer erhältliche "clotted cream" heranreicht.

In diversen Nachbarländern habe ich auf so manchem Produkt auch schon zwei Daten gesehen: Einmal "verkaufen bis" und dann "verbrauchen bis".

Was die leeren Regale kurz vor Ladenschluß angeht - ich erinnere mich daran, daß ich in meiner Jugend in den 80ern sonnabends immer beizeiten zusehen mußte, daß ich noch frische Milch kriegte, da spätestens um 12 (wenn die Läden um 14 schlossen) keine mehr da war. Das war dann halt so und da hat man sich nach gerichtet, so lästig es mitunter auch war. Da kann ich Uli nur voll und ganz zustimmen. Die Supermärkte haben uns Verbraucher verwöhnt.

HK

16. September 2011, 12:26

http://-

Mindesthaltbarkeitsdatum bedeutet, dass dieses Gut/Produkt mindestens bis zu diesem aufgedruckten Datum haltbar bzw. noch länger.

Ludwig

16. September 2011, 12:29

http://thedarkhorse.de/22

Auch ein wertvoller Beitrag: Das Regal, dass dem Joghurt das Schimmeln verbietet. Zu sehen unter http://thedarkhorse.de/22.

Wolfgang

16. September 2011, 12:29

http://fastvoice.net

Es ist eigentlich alles noch viel komplizierter für den Verbraucher als hier beschrieben. Zum Beispiel können sich die oben gemeinsam genannten "Eier, Fisch und Fleisch" MHD-technisch drastisch unterscheiden: Eier haben ein Mindesthaltbarkeitsdatum, aber kein ultimatives Verbrauchsdatum wie etwa Hackfleisch. Trotzdem ist nicht gesagt, dass ein Ei am MHD-Tag (oder auch davor) noch wirklich okay ist (ins Wasser legen, wenn's nicht unten bleibt, sondern mit einem Ende nach oben schwimmt, gibt's ein Problem). Unter Umständen kann es dann noch komplett durchgekocht als hartes Ei verwendet werden, ohne dass es gesundheitliche Auswirkungen gibt.

Als regelmäßiger Einkäufer und Koch der Familie begegnen mir immer wieder Produkte, die bereits vor dem MHD deutliche Verfallszeichen zeigen (Schimmel, Verfärbungen etc.). Besonders unangenehm fallen u. a. Frischkäse-Zubereitungen mit "B" vorne auf, die selbst bei sachgemäßer Lagerung nach dem ersten Öffnen sehr schnell verschimmeln.

Und natürlich müssen sich Teile des Handels an die eigene Nase fassen. Was hier schon an Schlampereien (z. B. Unterbrechen der Kühlkette bei Transport und Verteilung im Laden - kann jeder Montagmorgens selbst beobachten, wenn Paletten mit TK-Ware stundenlang ungekühlt im Laden stehen) und Betrügereien ("Nachkleben" von neuen MHD-Etiketten an alte Fleischverpackungen) passiert ist und immer noch geschieht, das untergräbt nachhaltig das Vertrauen der Kundschaft.

fliege

16. September 2011, 12:54

êin weiteres problem heutztage ist einfach, dass es keine vernünftigen mengen gibt. selbst mit einem zwei personen haushalt sind die meisten verpackungseinheiten zu groß. bei singlehaushalten ist das noch schlimmer. plus, heute netto, hat dem mal versucht entgegen zu wirken und kleine verpackungen angeboten. ob es die immer noch gibt, keine ahnung. so werden geöffnete verpackungen weggeschmissen, weil sich geöffnet halt vieles deutlich kürzer hält. hier müsste die industrie einfach mal ansetzen. es ist ejdoch zu befürchten, dass der preis pro kilo plötzlich 40% höher liegt...

marc

16. September 2011, 13:18

Gerade bei lang haltbaren sachen wie Salami, oder Käse,da der wie mein Vorredner ja schon betont hat besser wird wenn er noch etwas reift, nehme ich auch oft die SAchen die fast abgelaufen sind. Ich mache dies, da es günstiger ist und ich asl Student nicht so viel Geld habe. Außerdem finde ich es immer schade Essen wegwerfen zu müssen. Wir achten in unserer WG eigentlich sehr genau daruaf nichts zu verschwenden.

So weit ich weiß dürfen Märkte keine abgelaufenen Produkte heraus geben, auch nicht an die Tafel oder ähnliche Einrichtungen. Finde das als schwachsinnig. Es gibt viele Menschen, auch in Wohlstands-D, die gerne mehr auf dem Teller hätten.So könnte man Hunger und Verschwendung gleichermaßen ein klein wenig reduzieren

Goofy

16. September 2011, 13:25

@chaja: Milch ist ein blödes Beispiel. Diese ist 4 Tagen nach dem Öffnen hinüber und sollte weggeworfen werden. Das Problem dabei ist, dass sie infolge der Homogenisierung nicht mehr aufrahmt und auch geschmacklich nicht festgestellt werden kann, ob sie hinüber ist (sprich: verkeimt ist).

Wenn Milch ranzig schmeckt, ist sie schon seit längerer Zeit verkeimt und hätte schon längst den Ausguss sehen sollen.

Mirko

16. September 2011, 13:27

Das Problem ist halt, dass man meistens die Katze im Sack kauft. Der 4 Tage abgelaufene Biojoghurt kann noch gut sein, er kann aber auch schon zum Himmel stinken oder aber gerade noch gut schmecken aber schon für 'nen ordendlichen Durchfall sorgen. Schon den Geruchstest wird man wohl in keinem Laden durchführen können ohne zum Kauf verpflichtet zu werden, und Geld zurück, wenn erst das Verdauungssystem rebellierte, wird es erst recht nicht geben. Übrigens gilt das auch für die laut Artikel so sensiblen Eier - hartgekocht sind die normalerweise auch weit nach dem MHD kein Problem, und im Gegensatz zu den allermeisten anderen Lebensmitteln gäbe es sogar altbewährte Testmöglichkeiten ohne das Ei zu öffnen. Aber in welchem Supermarkt kann man schon abgelaufene Eier auch nur ins Wasser werfen oder rotieren lassen?

Dementsprechend kaufen die meisten Kunden eben nur die Produkte, für die sie eine Garantie bekommen, dass sie ganz sicher genießbar sind. (Vom verbreiteten Betrug v.a. bei abgepacktem Fleisch mal abgesehen...)

Und deshalb hilft auch bzw. gerade eine Umbenennung in "Garantie" auch nichts. Denn wenn mir im Elektroladen der Verkäufer erzählen würde, dass es aufs Handy keine Garantie mehr gibt, weil's schon seit 'nem halbem Jahr im Regal liegt, würde ich dem auch den Vogel zeigen und woanders einkaufen. Und bei Lebensmitteln geht's nicht nur um "Geld zurück" bzw. Reparatur, sondern auch um die Gesundheit.

Bassa

16. September 2011, 13:35

@Peer Schader: Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob der Hersteller das MHD willkürlich festlegen darf oder ob es da gewisse Vorschriften gibt. Aber es ging mir ja nicht um das Datum an sich sondern nur um die Bezeichnung, die ja im Blog-Beitrag auch kritisiert wird.

@Chajah: Ich kann dieses "Verwöhnen" der Verbraucher durch Supermärkte nicht nachvollziehen. Wenn man zu spät kommt, dann kriegt man so einiges nicht mehr. Bei manchen Sachen reicht es nicht, 2 Stunden vor Feierabend zu kommen, da sind 5 oder 6 wesentlich ratsamer. Teilweise kriegt man am Samstag Morgen schon nicht mehr alles, aber das dürfte eher an Lieferproblemen liegen, denke ich. Oder man will halt nicht das Risiko eingehen, am Samstag noch auf den verderblichen Waren sitzen zu bleiben.

@Ludwig: Seltsame Ideen haben die. Ich für meinen Teil nehme eigentlich nie etwas von vorne, weil da schon zig Leute dran rumgedrückt haben, das MHD meistens früher liegt und überhaupt ^^

Interessant finde ich aber einen Satz dort im Text:

"Der Metro AG geht es ähnlich, nur dass die Produkte bereits drei Tage vor Ablauf der Haltbarkeit aus den Regalen genommen werden müssen. "

Wieso muss die Metro AG die Produkte bereits drei Tage vor Ablauf der Haltbarkeit  (diese Formulierung an sich ist ja schon falsch, es geht um das MHD, nicht das Verfallsdatum) aus dem Regal nehmen? Wie verkaufen die Produkte, die nicht drei Tage haltbar sind? Und wie kommt es, dass in den Metro-Geschäften, die ich kenne, oft genug Waren herumliegen, die in ein oder zwei Tagen ablaufen, teilweise sogar am selben Tag?

@fliege: Bei real sehe ich seit einiger Zeit abgepackte Wurst, die in zwei Kammern untergebracht ist, man macht also nur die halbe Packung auf. Das könnte vielleicht auch helfen beim Verpackungsproblem.

Die kleinen Packungen bei Plus/Netto gibt es noch, aber auch nicht bei allen Produkten. Fand ich auch sehr gut, als ich das entdeckt habe. Es muss ja nicht einmal für Singles sein... wenn nur einer in der Familie etwas mag, dann braucht man auch nicht die Familienpackung.

Uli

16. September 2011, 13:45

Und um alles noch schlimmer zu machen dürfen Speisereste in der EU nicht mal mehr an Tiere verfüttert werden (das sprichwörtliche "Schweinefutter"):

www.wdr.de/.../speisereste.jsp

Wenn man einmal in dem Themenkomplex drin ist, kommt man aus dem Heulen nicht mehr heraus.

hgebhardt

16. September 2011, 15:08

MHD von Bier

Sofern das Bier beim Abfüllen in Ordnung war und der Flasche- oder Dosenverschluss dicht ist, hält sich Bier vermutlich ewig und Weisse wird sogar besser.

Das MHD wird vermutlich so kurz angesetzt, damit der Alkoholiker sich nicht von einem Sonderangebot zum nächsten hangelt.

*****************************************

Das wahre MHD von Wasser ist vier Milliarden Jahre, was weder in Evian noch in Gerolstein oder Selters bekannt zu sein scheint.

Chajah

16. September 2011, 15:35

@Goofy: wenn's nach den 4 Tagen im Anbruch ginge, müßte ich mir an Milch schon mehrfach eine Lebensmittelvergiftung oder zumindest eine Magenverstimmung zugezogen haben. Biomilch (in nicht-homogenisierter Version) "lebt" bei mir meist nicht lange, ESL-Milch (ob nun Bio oder konventionell, ist egal) ist auch schonmal weit über 'ne Woche im Anbruch, ohne daß sie mir "umgeht". Lustigerweise kippt H-Milch einmal angebrochen wesentlich schneller als ESL-Milch und herkömmlich pasteurisierte Milch.

Aber wer hier ißt eigentlich noch dickgelegte Frischmilch (nicht ESL-Milch, mit der geht das nicht; die wird nicht dick sondern fies) mit dem Löffel und wirft sie nicht weg?

@Bassa: naja, es hat schon was, wenn man von der Arbeit kommt, seine Einkäufe macht und tatsächlich noch alles kriegt, was man braucht bzw. haben will. Zu Zeiten, als die Läden noch um halb sieben schlossen und noch nicht die Konsumentenverwöhnstrategie fuhren, war Einkaufen für mich mitunter ein mühseliges und frustrierendes Unterfangen. Man stürzte um fünf vor halb sieben total gehetzt in den Laden, nur um keine Milch, kaum frisches Gemüse und auch ansonsten recht ausgedünnte Bestände vorzufinden.

Andererseits bin ich auch damals nicht Hungers gestorben. Alles eine Frage der Selbstorganisation.  Man benötigt vermutlich nicht die Hälfte des heute allgegenwärtig angebotenen und irgendwie selbstverständlich gewordenen Luxusses....

DJ Doena

16. September 2011, 16:33

http://doena-journal.net/

So ganz kann ich die Aussagen nicht nachvollziehen. In meinem Supermarkt passiert es regelmäßig, dass es meine Schokomilch oder meinen Pudding nicht mehr gibt und das sind Sachen, die Haltbarkeiten von 1,5 Monaten haben.

Auch diverse Wurstprodukte wie Wiener sind öfter mal eine Lücke im Regal.

Ist zwar blöd, aber eine "wir haben immer alles garantiert vorrätig"-Politik wollte ich auch wieder nicht mezahlen, also akzeptiere ich es.

hgebhardt

16. September 2011, 18:25

Was Nutzen die kleinen Gebinde, so es sie denn gibt, wenn es meist billiger ist, grosse zu kaufen und die nicht verzehrte Hälfte wegzuwerfen?

Beispiel: Gemüsekonserven, Tiefkühlkost, Speiseeis.

***********************************************

Die abendliche Leere ian manchen Verkaufstheken rührt oft daher, dass das Personal lange vor Ladenschluss anfängt abzuräumen.

Florian

16. September 2011, 19:02

Also ich hab mal als Kind gelernt, dass ein guter Metzger Samstag Mittag nichts mehr im Regal hat. Diese Regel könnte man doch auf Supermärkte und jede andere Form des Lebensmitteleinzelhandels ummünze. Wobei Samstag Mittag vielleicht etwas früh wäre. Aber auch ich war schon oft in der Situation, dass ich Abends beim Einkaufen im Supermarkt nicht mehr das bekommen habe was ich wollte. In dem Moment ärgere ich mich dann schon ein wenig. Aber letzlich ist es mir lieber, der Markt hat bereits alles verkauft, als das er Lebensmittel wegwirft.

entejens

16. September 2011, 21:35

mich wundert es nicht, daß sehr viele menschen das mit dem "mindest" nicht verstehen - wer von den jüngeren menschen kennt denn noch den unterschied zwischen "von ... bis" und "zwischen"? und woher haben sie das? vor allem auch aus den medien, die da z. b. schreiben "5 junge männer im alter zwischen 18 und 20 jahren ..." und meinen, daß der der jüngste 18 und der älteste 20 ist. dabei bedeutet doch diese formulierung, daß alle 5 eigentlich 19 sind. schaut euch um, nicht nur der handel und der gesetzgeber sind dafür verantwortlich, auch und vor allem wir verbraucher (wie es immer so schön heißt). man denke dabei nur mal an den versuch von coca cola 1985, das rezept zu verändern. wer hats verhindert? die verbraucher ... :) und dabei ist coca cola nun nicht gerade ein wald-und-wiesen-produzent.

nachtigallfan

17. September 2011, 02:23

Ich verstehe nicht, daß man Reste, z.B. von zu großen Packungen, wegwirft/"wegwerfen muß". Kann man die Lebensmittel nicht auch mal 2 Tage hintereinander essen? Oder einfrieren, um die Reste später noch zu verwenden? Nein? Solche Leute sind für mich wirklich verwöhnt, ihnen sind Lebensmittel wirklich nichts wert. Anders kann ich das wirklich nicht deuten.

Auch Brot müßte man nicht so häufig wegwerfen, wenn man nicht das superbillige Brot in Plastiktüten aus dem Supermarkt/Discounter kaufen würde.

Da man es direkt nach dem backen in Plastiktüten abpackt, hat es keine Zeit und Gelegenheit richtig anzutrocknen, Geschmack zu entwickeln und dadurch auch haltbarer zu werden. Wenn man mal Brot aus einer Bäckerei, die noch nach alter Tradition backt, kauft, merkt man den Unterschied. Ich war vorgestern über 7 km von Wanne-Eickel nach Wattenscheid gefahren, nur um bei einem Bäcker alter Tradition mal wieder so richtige Brötchen, die so schmecken wie früher, zu essen. Und es war ein Hochgenuß!! Auch wenn sie dioppelt so teuer sind wie in den billigen Aufbackshops: der Genuß gegenüber den Pappbrötchen rechtfertigt den Preis auf alle Fälle! Und diese teuren Brötchen kann man auch noch problemlos am nächsten Tag aufbacken. Also selbst da ist das Geld nicht rausgeworfen!

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Und ja, ich esse auch noch sauer gewordene Frischmilch. Warum auch nicht?! Sie ist zwar nicht mehr für in den Kaffee oder Tee geeignet, aber für Müsli oder mit Früchten - ähnlich wie Joghurt - gut zu essen.

Petra

17. September 2011, 08:14

http://nachbarsgarten.blogspot.com/

Link vom Shopblogger Björn Harste zu einer Freeganerin.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Was sagen dann 48 Bilder??

nachbarsgarten.blogspot.com

tobiasla

17. September 2011, 09:25

http://www.die-tastenkombination.de

Man könnte vermutlich relativ einfach das Wegwerfen von Lebensmitteln verteuern. Soweit ich weiß, sind dafür sowieso Spezialmülltonnen erforderlich. Könnte man diese zumindest innerhalb einer größeren Region einheitlich besteuern, so steigt der Anreiz die Ware abzuverkaufen.

auch-einer

17. September 2011, 11:15

erinnert sich noch jemand an die zeiten der ewg und eg, als es üblich war, landwirtschaftliche produkte "aus dem markt zu nehmen" wie das damals hieß?

Gutfried

17. September 2011, 12:11

Mein schönesten Beispiel: Schmand von ALDI (geht aber sicher auch mit anderen Marken). Da hab ich immer gerne so zwei Stück im Kühlschrank, falls ich den mal brauche. Und es ist egal, ob der zwei Tage, drei Wochen oder 8 Monate über Datum ist. Immer noch in bester Verfassung. Wenn es denn wirklich zu war und der Deckel nicht beschädigt. Meinen Kefir esse ich auch gerne mal ein paar Wochen zu spät. Einmal umrühren und fertig. Geschmacklich KEIN Unterschied.

Persönlicher Rekord: Eine Tüte Vanille-Soße von Dr. Oetker aus dem Jahre 1968 hinterm Küchenschrank gefunden. Tadelloser Zustand (also nicht feucht geworden oder beschädigt) und die Soße schmeckte auch gut.

Natürlich muss man immer aufpassen. Nicht alles Dinge kann man so gut erhalten. Bei Fisch und Fleisch sollte man sehr gut darauf achten, denn so eine schöne Lebensmittelvergiftung ist nicht angenehm. Falls Botulinumtoxin im Spiel ist, kann das auch schnell tödlich enden. Die meisten anderen Verfallserscheinungen kann man den Dingen oft ansehen: Wenn sie flauschig werden, ist es Schimmel. Wenn sie nicht ganz so flauschig werden, ist es ein Bakterienrasen. Farbveränderungen, die nicht erklärbar sind, sind auch ein gutes Zeichen. Einfach mal die Augen auf beim Eierkauf ;-)

Gf

Hanno

17. September 2011, 12:35

"Verzehrempfehlung bis".

Das trifft es für mich bisher am besten. Bis zu dem Datum kann man den Verzehr tatsächlich "empfehlen". Danach ist der Verzehr "zu prüfen".

Vorschlag wäre, dass die Haftung nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum auf den Kunden übergeht, also, übertrieben gesagt, Verzehr "auf eigene Gefahr". Die Supermärkte hätten kein Problem mehr, Waren länger anzubieten (sie werden schon herausfinden, ab wann sie sich tatsächlich nicht mehr verkaufen lassen) und der mündige Kunde (wie beim tegut) kann selbst entscheiden, was er möchte.

Petra

17. September 2011, 17:22

Peinlich, Peinlich.

Der Link zu Björn Harste ist der hier:

www.shopblogger.de/.../12463-1-Jahr-Freeganerin.html

Das war jetzt nicht Fishing for readers.

plumtree

17. September 2011, 17:44

http://blometrik.blogspot.com/

best before - garantierte Qualität bis

Denn um nichts anderes geht's da.

Der Hersteller garnatiert, dass ein Produkt bis zum Ablauf des angegebenen Datums, die beschriebenen Eigenschaften besitzt.

Darüber hinaus können sie sich ändern.

Übrigens finde ich es durchaus normal mal an der Milch zu schnuppern ob sie noch OK ist. Und auch bei Marmeladen schaue ich durchaus mal ins Glas ob sich am Rand Schimmel gebildet hat.

Und bei 'nem Apfel die braune Stelle rauszuschneiden hat bei uns durchaus Tradition.

Aber ich kenne auch Familien, die ganz platt sind, dass Joghurt auch drei Tag länger hält als angegeben und man vom Verzehr desselben nicht sofort stirbt ;-)

Bonsta

17. September 2011, 18:24

Jaja, die sogenannte Konsumentensouveränität... Dass diese gar nicht existiert, verät der Autor dieses Artikels natürlich nicht. Oder er weiß es nicht besser. Schliesslich sind wir alle konsumgeschädigt.

Ich will hier als Beispiel mal Aktivia-Joghurt nennen, da zeigt sich dann sehr schnell all die Souveränität. Ein unglaublich überteuertes Produkt, dessen Werbung mit "...und man fühlt sich besser!" ganz allein dafür sorgte, dass es massenhaft gekauft wurde.

Der Konsument ist noch weniger "Souverän", als ein Stück Brot, der Radius eines Bierdeckels oder drei Meter Waldweg... Wie sonst will man erklären, dass es Menschen gibt, die stilles Wasser im Supermarkt für 1,30€ kaufen, während es aus der Leitung zu Hause für nahezu Lau kommt? Ist das Souverän? Ich nenne das vollständige Verblödung. Der gesunde Menschenverstand soll da ja eigentlich helfen, aber scheinbar gibt es andere Wirkmechanismen, die diesen komplett abschalten können.

Nein, es gibt keine Konsumentensouveränität und wir können auch keinen Einfluss darauf nehmen, was Supermärkte machen oder lassen. Wenn uns gerade eingeredet wird, dass Bio ganz dolle Hipp ist, dann finden wir auch massenweise Bio im Regal. Was das dann bedeuten soll und wieviel Bio dieses dann tatsächlich ist, das ist uns doch scheissegal. Man fühlt sich eben einfach besser. Das muss doch reichen...

hgebhardt

18. September 2011, 10:28

Spätestens jetz, nachdem hier in diesem Blog viele MHDs ad absurdum geführt wurden, setzen die Nahrungsmittelbastler bei Krestle und öraft und Dr. Oettler vermutlich Heerscharen von Chemikern und Nahrungsmaschinenbauern an die Aufgabe, uns Geniessbares ab MHD gezielt zu vergällen.

Selbsttest heute, Sonntag morgen:

Vorgebackene Croissants (Teiglinge) mit MHD 10.8.2011 von Alidli haben in einer seither unbenutzten Einkaufstasche den Urlaub verbracht. Heute morgen, 18.9.2011, zunächst testweise fertig gebacken (6 min, 200 grad), haben sie nicht schlechter geschmeckt als sonst dijenigen, die ihr MHD noch vor sich hatten.

Gekauft werden diese Gummidinger bei uns als Notvorrat in der Kühltruhe.

Jan

18. September 2011, 10:50

Wenn ich das Foto der entsorgten Fische sehe, kommt mir direkt eine Möglichkeit in den Sinn, der Verschwendung etwas entgegen zu setzen ohne dabei auf Auswahl zu verzichten:

In vielen großen Supermärkten mit Frischfischtheke wird ja heutzutage gar kein frischer Fisch mehr verkauft, sondern aufgetaute Ware angeboten. Nicht verkaufte Ware muss dann natürlich innerhalb kürzester Zeit entsorgt werden. Das alles nur, weil dem Kunden eine besondere "marktfrische" Qualität suggeriert werden soll, die so aber gar nicht gegeben ist.

Rumba Zumba

18. September 2011, 23:03

Seit Wochen geistert dieses Thema durch irgendwelche Medien, und irgendwelche Weltverbesserer möchten mir weismachen, es sei schlimm, wenn ich Lebensmittel jenseits des Mindeshaltbarkeitsdatums meide. Klar, bei lange haltbaren Lebensmittel (trockenen Sachen, konservierten Sachen) kommt es auf ein paar Tage nicht an. Aber bei Milchprodukten bin ich da kompromisslos: Was bald abläuft, kauf ich nicht, was abgelaufen ist, werfe ich weg. So teuer ist ein Liter Milch oder ein Becher Joghurt nicht, das ich mit meinem Mund rausfinden müsste, ob er vielleicht doch noch gut ist. Die zwei Mark fuffzig im Monat hab ich noch übrig, da muss ich nicht gegebenenfalls saure Milch ins Waschbecken spucken.

A propos spucken: Wer, anstatt immer nur Sparen, Sparen, Sparen, mal in die Hände spuckt und VERDIENT, der darf dann hinterher sogar haltbare Lebensmittel wegwerfen. Das mach ich oft, wenn ich auf etwas keinen Appetit mehr habe, und ich genieß das Gefühl, mir das leisten zu können.

Jens

19. September 2011, 01:37

Wer glaubt das ein ungeöffneter Joghurt 4 Tage nach dem MHD nicht mehr genießbar oder sogar gefährlich sei hat schlicht und ergreifend nicht die leiseste Ahnung was ein Joghurt ist.

hobbitfreund

19. September 2011, 02:35

@Rumba Zumba:

Lebensmittel wegwerfen, nur weil man es sich leisten kann: Super, besser hätte man das Problem nicht zusammenfassen können.

Das ist nicht persönlich gemeint, aber Leute wie Sie sind auch ein Grund, warum das MHD und das Wegwerfen von Lebensmitteln so oft thematisiert wird. Denn, es ist, wie der Artikel ja ganz deutlich macht, ein Mindesthaltbarkeitsdatum (und ob der Joghurt "vielleicht doch noch gut" ist, kann man schon daran erkennen, ob der Becher sich oben wölbt oder nicht, i. d R. kann man Joghurt bei ungeöffneter Verpackung noch locker 1 Monat nach Ablauf des MHD essen> hatte übrigens noch nie eine Lebensmittelvergiftung).

Bin außerdem regelrecht stolz, dass ich es nie so richtig genießen konnte, gute Lebensmittel wegzuwerfen (vor einem Urlaub etc.).

LV

19. September 2011, 10:43

Warum es jetzt "zum Heulen" sein soll, dass man in großen Teilen der Welt einen so hohen Wohlstand erreicvht hat, dass jeder zu jeder Zeit preisgünstige Lebensmittel erwerben kann, auch kurz vor Ladenschluss noch, kann ich  nicht so recht nachvollziehen.

Und kommt mir jetzt bitte nicht damit, dass anderswo die Leute hungern. Inwiefern den Hungernden dieser Welt dadurch geholfen ist, dass ich vergammelten Joghurt esse erschließt sich mir jetzt ehrlich geagt nicht so ganz.

Peer Schader

19. September 2011, 10:56

@LV: Nicht vergammeln lassen, vielleicht?

Rumba Zumba

19. September 2011, 11:38

@Jens

Warum sollte ich mich als Joghurt-Esser, aber eben nicht Joghurt-Experte auch damit befassen, was ein Joghurt ist. In  der arbeitsteiligen Gesellschaft macht jemand den Joghurt so, dass ich ihn nur noch kaufen und essen muss - ohne die geringste Ahnung über Herstellung und Haltbarkeit. Damit ich über letzteres Bescheid weiß, ist der Hersteller zur Angabe eines Mindesthaltbarkeitsdatums verpflichtet. Daran halte ich mich, ich habe weder Lust am Schnüffeln an vielleicht Verdorbenem, noch kratzt es mich, wöchentlich Lebensmittel im Wert von vielleicht 10-20 Euro wegzuwerfen.

Läden, die kurz vor Ladenschluss kaum noch etwas da haben, meide ich. Wir kommen erst kurz vor Ladenschluss zum Einkaufen. Die Zeiten, in denen das Hausmütterchen den ganzen Tag zum Einkaufen Zeit hatte, sind nun einmal zum Glück vorbei. Und ich finde es mehr als angemessen, wenn der hart arbeitenden Bevölkerung nicht nur das angeboten wird, dass die nicht arbeitende Bevölkerung nach dem Verprassen der Transferleistungen übrig lässt. Ja, das ist provokant, aber das ist eben meine Meinung.

Peer Schader

19. September 2011, 11:46

Ich glaube auf die dämlich inszenierten Provokationen, die gerade Leute mit zuviel Tagesfreizeit hier herein schwemmen, muss wohl nicht weiter eingegangen werden. Das ist ein bisschen zu durchschaubar.

Casper

20. September 2011, 02:44

Ich glaube ja kaum das jemand der sich so strunzdumm wie Rumba Zumba präsentiert auch nur einen Penny für Transferleistungen verdient. Es sei denn man bekommt für trollen Geld.

Florian

22. September 2011, 16:52

In Frankreich steht auf den Lebensmittel: "A consommer de préférence avant le..." - "Bevorzugt vor dem ... verbrauchen".

Triticea

28. September 2011, 09:44

Ich bin in einem Bioladen "aufgewachsen". Daher kann ich aus eigener Erfahrung berichten, dass gesäuerte Milchprodukte wie Joghurt, Creme fraiche, Sauerrahm, Quark sich in der Regel deutlich länger halten als auf dem MHD angegeben. Insbesondere, wenn sie in Gläsern verpackt sind. Deutlich länger bedeutet übrigens nicht nur ein paar Tage, es kann sich durchaus auch um mehrere Wochen handeln. Daher schmeiße ich nie etwas weg, nur weil das Datum abgelaufen ist und habe kein Problem damit, nur kurz haltbare Sonderangebote zu kaufen.

Auf den Bio-Fruchtjoghurt im Becher von Aldi Süd allerdings trifft das leider nicht zu, der war in letzter Zeit mehrfach bereits vor Ablauf des MHD schimmelig oder schmeckte irgendwie abgestanden und eklig. Den kaufen wir inzwischen gar nicht mehr, egal, wie lange er noch haltbar ist.

Das Gemüse haben wir übrigens seinerzeit im Bioladen immer gekühlt bzw. je nach Sorte auch unter feuchten Tüchern gelagert und morgens vor der Ladenöffnung geputzt und welke Blätter etc. entfernt. Damit kann man viel Ausschuss vermeiden, selbst bei Salat. Macht allerdings ein bisschen mehr Arbeit, als alles einfach in die Tonne zu kloppen, das gebe ich zu.

Lidlman

07. Oktober 2011, 22:58

Das ist ja alles schön und gut, leider gibt es nur ein Problem: der sogenannte Kunde.

Der kommt nur in den Laden, wenn auch kurz vor Ladenschluß noch genügend Frischware im Regal liegt. Das führt leider unweigerlich zum wegwerfen von Artikel, leider hält sich ein Salat oder die berühmte Lauchzwiebel nicht ewig. Selbst wenn sie am nächsten Morgen noch gut aussehen, am Abend, wenn der Salat angerichtet wird, hat die Herrlichkeit ein Ende - mit der Folge, daß es heißt "Im laden XY ist das Gemüse schlecht"

Weiter ist Ware mit kurzem MHD schlichtweg nicht verkäuflich, der Kunde faßt sie nicht an. Und würde man Ware mit sehr kurzem MHD noch anbieten, könnte man ich gleich zum Konkurrenten schicken...

Da Problem läßt sich somit erst lösen, wenn der Kunde etwas geringere Ansprüche stellt. Oder wir vermindern den kanllharten Wettbewerbsdruck im Lebensmiteleinzelhandel per Staatseingriff. Ich bin spontan für die Schließung von ALDI, Netto (beide), Rewe, Plaza und Penny!

Und noch ein Wort zu den Tafeln: Inzwischen geben fast alle LEH Rest an diese ab - mit der Folge, daß die Tafeln inzwischen sehr wählerisch sind und vieles liegenlassen. Ich kann täglich in 6 Lidl-Filialen beobachten, wie man sich weigert, Gemüse mitzunehmen, daß ich (als zugegebnermaßen Großverdiener) meiner Familie ohne mit der Wimper zu zucken auf den Tisch stellen würde. Selbst eigenmarkenprodukte werden mit dem Hinweis, man habe genügend Markenware, nicht mitgenommen.

Su

06. März 2012, 20:36

http://www.thefoodandthecity.blogspot.com

Herrlich - der Beitrag sowie die konstruktiven Kommentare. Das Thema hat mich letzten Frühling so geschockt, dass ich wochenlang kein Supermarkt mehr betreten konnte (falsche Verhaltensweisen musste ich mir selbst zugestehen). Wenn man aber nun zu Rewe, Biocompany u.a. geht, steht nun ein Karton mit aussortierten Sachen bereit. Egal mit wem ich spreche, ist die Verschwendungsproblematik präsent. Manche kaufen sogar absichtlich nur kurz haltbare Sachen ein, wenn sie wissen, dass diese gleich verkocht werden. Jedenfalls wird nicht mehr nach der hintersten Milch gewühlt.

Es hat sich etwas in die richtige Richtung getan und selten habe ich die Arbeit der Medien, allen voran die der öffentlichen Sender, die fast wöchentlich darüber berichteten, so hilfreich befunden. Dankeschön auch an das Blog, wusste von solchen Besprechungen hier nichts!  

Su

06. März 2012, 20:40

http://www.thefoodandthecity.blogspot.com

Noch ein Haltbarkeitstipp: Salate, Kräuter, Frühlingszwiebeln, Poree, Selleriestängel usw die welk sind, lassen sich wiederbeleben, wenn man sie am Wurzelpart bewässert. Also einfach eine Schüssel oder Vase in den Kühlschrank stellen und das Grün reinstellen.

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17. September 2011, 17:28

Lebensmittelprobleme ??? KALIBAN

21. September 2011, 18:42

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