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Supermarktblog

Überall Sonderangebote: Lidls "Super-Samstag" und die Folgen

16. November 2011, 11:22 Uhr

Mit seinem "Super-Samstag" hat Lidl im vergangenen Jahr einen furchtbaren Trend gesetzt: die Mediamarktisierung der Discounterwerbung. Während sich die großen Elektronikketten gerade von der Sonderangebotsbrüllerei verabschieden (siehe FAZ.NET), schreien nun also die Discounter ihre Kunden an, dass sie gefälligst in den Laden kommen sollen, um ausgewählte Schnäppchen abzugreifen – aber nur an ganz bestimmten Aktionstagen, solange der Vorrat reicht, wenn sie sich ganz arg beeilen und beim Einkaufen gelbe Socken tragen.

Bei Lidl hat das so gut funktioniert, dass auch die Konkurrenz sich dazu animiert fühlte, solche Aktionen zu erfinden.

Weil dabei schnell die Übersicht verloren geht, erklärt das Supermarktblog, woran Sie erkennen, welcher Aktionswochentag gerade ist. Am Ende stehen noch ein paar Vorschläge, wie auch der bisher vernachlässigte Dienstag, der Mittwoch und der Donnerstag zu etwas Sonderangebotsruhm kommen könnten.

"Super-Samstag"

Wo gibt's das? Bei Lidl, an regulären Samstagen.
Wichtigstes Merkmal? Wöchentlich werden zwei wechselnde Markenprodukte zu stark rabattierten Preisen angeboten und im Radio beschrien. Jeder Spot wiederholt bis zu dreimal, um welche Produkte es sich handelt und zu welchem Preis sie angeboten werden ("Falls Sie's nicht glauben können, noch einmal"), je nach Sender mehrmals stündlich. Falls Sie's nicht glauben können, noch einmal: zwei Produkte, stark rabattiert, permanent wiederholt! Die Kampagne funktioniert ein bisschen wie die Überredungskunst fernöstlicher Teppichverkäufer: Ehe man sich versieht, sitzt man zuhause und hat einen lebenslangen Vorrat Saftschorle, Kinderjoghurt und mittelscharfen Senf eingekauft. (Beispielspot anhören.)

"Super-Wochenende"

Wo gibt's das? Bei Netto (ohne Hund), Donnerstag bis Samstag.
Wichtigstes Merkmal? Undurchschaubares Produkt-Sammelsurium, das vor allem per Handzettel beworben wird, weil es zu lange dauern würde, im Radio nacheinander die herabgesetzten Preise für Schweinerollbraten, Delikatess-Schinkenwürfel, Herren-Boots, Spitzpaprika, Pralinen mit Pfefferminzfüllung, Schmelzkäsezubereitung, Mild-&-Elegant-Kaffee, Mandeltorte und Jubiläumskorn aufzusagen. Im Hörfunk werden stattdessen Einzelprodukte zur früheren Erkennungsmelodie der "Rudi-Carrell-Show" besungen ("Lass dich überraschen"). Der Zusammenhang ist unklar. (Beispielspot anhören.)

"Framstag"

Wo gibt's das? Bei Penny, freitags ab 18 Uhr und samstags.
Wichtigstes Merkmal? Die Discokugel im Logo. Keine Ahnung, was die da soll. Immerhin passt das prima zur ominösen neuen Werbekampagne des Rewe-Discounters. Mit dem "Framstag" wagt sich Penny sogar ins Fernsehen: Im Spot steigt eine hochschwangere Dame mit einsetzenden Wehen ins Taxi und will "Erstmal zu Penny", um dort 4 Kilo Kartoffeln für 49 Cent zu kaufen. Was sonst? (Fernsehspot ansehen.)

"Montags-Alarm"

Wo gibt's das? Bei Lidl, immer am Montag natürlich.
Wichtigstes Merkmal? Der "Montags-Alarm" funktioniert eigentlich genau wie der "Super-Samstag", bloß dass in den Radiospots noch lauter geschrien und dazu ein penetranter Alarmton eingespielt wird, der sich wie das Signal einer bevorstehenden Atomkraftwerkabschaltung anhört. Vermutlich weckt Lidl damit unterschwellig das Bedürfnis der Kunden, sich den Keller mit Lebensmittelvorräten vollzustellen, damit während eines Ernstfalls nicht eingekauft werden muss, weil die Dosenpfirsiche aufgebraucht sind. (Beispielspot anhören.)

Um die Woche vollständig mit Aktionstagen vollpflastern zu können, sollten die Discounter auch die folgenden Vorschläge berücksichtigen:

Den "Dinkel-Dienstag" – mit großzügigen Rabatten auf alle verdauungsanregenden Bio-Lebensmittel.

Den "Mettwoch" – an dem Aushilfsmitarbeiter mit Stefan-Raab-Masken hackbestrichene Brötchen aus der filialeigenen Backstation zur Verkostung anbieten.

Und natürlich den "Primadonnastag" – an dem in den Läden statt Angebotsdurchsagen Operettenmusik läuft, um ein gehobeneres Kundenklientel anzusprechen.

Weshalb sich Aldi als einziger großer Discounter aus der Aktionstage-Erfinderei raushält und warum lautstark beworbene Preisaktionen auch ziemlichen Schaden anrichten können, steht im nächsten Supermarktblog-Eintrag.

Abbildungen: Lidl, Penny, Netto

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Veröffentlicht 16. November 2011, 11:22 von Peer Schader
Kommentare

evm

16. November 2011, 11:41

Hoffentlich setzt sich dieses Marketing nicht auch bei den Blogs der FAZ durch. Ansonsten lesen wir demnächst: "SUPI-SUPERMARKTBLOG!!!" oder "SCHADIS MITTWOCHS-BLOGEREI!!!"

Peer Schader

16. November 2011, 11:52

@evm: Sie bringen mich da auf eine Idee...

Uli

16. November 2011, 11:59

Ehrlich gesagt kann ich mir nur schwer vorstellen das jemand wegen heruntergesetzten Kartoffeln extra an einem bestimmten Wochentag zu einem anderen Discounter als sonst geht. Das nimmt man doch mit wenn man eh da einkauft und ignoriert es sonst.

Bei Aldi hingegen stehen regelmäßig Kunden Schlange wenn es (donnerstags?) neue Angebote gibt und ich gehe auch oft nur wegen einem Aktionsangebot dort hin (Weihnachtsbeleuchtung als Beispiel).

PS: Stefan Raab stellt dazu fest das er nie Mettbrötchen mit Gurkenscheiben isst.

Peer Schader

16. November 2011, 12:05

@Uli: Jaha, nicht mit Gurkenscheiben!

Raoul

16. November 2011, 12:27

http://www.goodnewstoday.de

Der Iron-Montag: Nur Kunden, die auf dem Fahrrad ankommen und in Badebekleidung einkaufen erhalten einen Rabatt. Diese Aktion ist allerdings auf 15 Minuten begrenzt.

Gibt ordentlich PR und für die Lifestyle-/Trendzielgruppe gedacht.

Mir sind die ganzen Angebote egal. Nicht weil ich kein Geld sparen möchte, es ist mir zuviel Stress in der freien Zeit auch noch Angebots-Hopping machen zu wollen.

CaoKy60

16. November 2011, 12:58

@Uli: unterschaetzen Sie mal die Leute nicht, was die sich alles antun ... Framstag wird dann zum Kartoffeltag bei Penny :-).

Apropos Framstag: Da sollten die Erben des SF Autors Paul van Herck mal hellhoerig werden, der hat naemlich den Begriff fuer sein Buch "Framstag Sam" (1981) wohl erfunden!

Weitere Ideen:

Monster Monday: Auf alle Dinge in Uebergroesse (XXXL Kuechenwischtuecher, etc.) und in Ueber-Gebinden (10xSixpack PETflaschenbier!) gibt es 3 Prozent Rabatt!

Texas Tuesday: Es gibt Rabatt auf drei Markenprodukte, z.B. erstens Coca Cola, zweitens Tempo Taschentuecher, und drittens ... oops, I forgot! (Thanks to Gov. Perry)

Marc

16. November 2011, 13:21

http://verwickeltes.wordpress.com

"Die Discokugel im Logo. Keine Ahnung, was die da soll. "

Ich vermute, es symbolisiert das Wochenende, weil Freitags und Samstags die Leute in die Diskotheken gehen.

Oder weil es "Disco-unter" sind, haha.

Lidlman

16. November 2011, 13:25

Oh doch, das funktioniert: Wenn guter Artikel im SuSa beworben werden, dann merkt man das klar am Umsatz. Kommenden Samstag bei LIdl z.B. Pringles für 0,99€ oder Red Bull für ebefalls 0,99€. Das wird ordentlich Kunden in den Laden schwemmen und die kaufen dann eben nicht nur die Aktionsartikel. Ob der Umsatz aber nicht teuer erkauft wird, ist eine andere Frage. Bin gespannt auf den nächsten Blog-Eintrag!

trauringegoldschmiede

16. November 2011, 13:44

Die Frage nach den Schnäppchenangeboten und die Bewertung derselben ist doch ein wenig komplexer. Natürlich kann man sich über die Art und Weise der Aktionen lustig machen - aber dem Kunden scheint es in der überwiegenden Mehrheit zu gefallen. Sonst gäbe es die Aktionen ja nicht... Die Tatsache das der bekannte Elektronikmarkt nicht mehr auf die Geiz ist Geil Drüse drückt, liegt aber in dem Segment insbesondere an der starken Online-Konkurrenz. Inzwischen passt sich der lokale Händler nämlich den rabattierten Preisen im Internet an. Was letztendlich im Kleinen wie im Großen auf eine Rabattschlacht hinausläuft.

Uli

16. November 2011, 14:07

"Dem Kunden scheint es in der überwiegenden Mehrheit zu gefallen. Sonst gäbe es die Aktionen ja nicht... "

Naja das kann man ja immer als Argument bringen, nur ob das jemand wirklich prüft wage ich zu bezweifeln. Angeblich sind 90% der Werbung (das schließt Angebotsaktionen mit ein) für die Katz, man weiß bloß nie genau welche 90%. So lange man nicht weniger verkauft kann man immer sagen "geschadet hat es zumindest nicht".

Jeeves

16. November 2011, 14:39

In den Radiosendern, die ich höre, kommen solche Spots nicht. Da kommt überhaupt keine Reklame, außer für eigene kommende Sendungen.

Wen also solche Reklameanbrüllereien stören, möge diese Sender meiden.

.

Ansonsten kauf ich, wenn ich was brauche und nicht wenn mich jemand anschreit.

.

"Disco-unter": Eins rauf mit Mappe. Darauf muss man erstmal kommen. Nicht schlecht.

sowo

16. November 2011, 14:56

Aldi hat so etwas vermutlich nicht nötig, zumindest vermute ich das, nachdem ich bei einigen "Heute-gibt-es-Kleinkinderklamotten" Massenschlägereien mitten im Getümmel dabei sein durfte. Da ist der Parkplatz um 7.30 Uhr voll und um spätestens 7.45 Uhr gibt es die ersten Einkaufswagenrempeleien vor dem noch bis 8.00 Uhr verschlossenen Eingang.

Wenn da jeder Kunde seinen normalen Einkauf auch gleich bei Aldi und nicht bei der Konkurrenz erledigt bringt das Aldi vermutlich mehr als Sauerkraut 10 Cent billiger.

Rozi

16. November 2011, 18:14

Ist doch klar, warum Aldi nicht mitmacht - weil Aldi grundsätzlich sowieso nicht in Hörfunk und Fernsehen wirbt, sondern ausschließlich in Zeitungen. Aldi schreit sowieso nicht, sagt nichtmal "nur [soundsoviel Euro]", führt auch keine wechselnden Lebensmittelsonderangebote und in gedruckten Anzeigen lässt sich ja sowieso schlecht schreien, dröhnen, wiederholen und hupen. Deshalb wird seitens Aldi nicht derart belästigt.

Peer Schader

16. November 2011, 18:25

@Rozi: Das ist aber nicht der Punkt.

Hildegard Grygierek

16. November 2011, 20:50

http://www.hildegardswelt.de

Ich finde die Offerten lol, ähm, toll. Und listig, ähm, lustig. Vergeht kein Tag, wo ich mich nicht köstlich über die belustigenden Sprüche amüsiere.

Zumindest regen diese nicht nur den Appetit, sondern auch die Kreativität an. Meine auf jeden Fall.

Karstadt, zum Beispiel, lädt die Kunden zu einem Karstadtbummel ein, während „Sinn/Leffers“ mit überSinnlichen Preisen auf sich aufmerksam macht. Bei dm ist Montags dAmENTAG - günstiger als an den anderen Tagen, sind Tampons, Binden und Slipeinlagen.

Lidl findet, dass es sich lohnt, und Praktiker lockt mit 20 Prozent. Zum Gourmeating lädt Tengelmann ein, die Fleischtheke soll angeblich die beste sein (könnte man mein´). Na ja, wenigstens stimmt der Reim. Und genau diesen kann man sich auf Aldi machen, wenn „Aldi informiert“ mit tollen Sachen. Ob man diese braucht, steht auf einem anderen Blatt, einem das noch niemand gesehen hat.

Christoph

16. November 2011, 20:51

Es heißt übrigens "eine gehobenere Kundenklientel" am Ende. Die Klientel ist nämlich weiblich.

Alibi

16. November 2011, 23:12

Toll. Jetzt habe ich Appetit auf Dosenpfirsiche.

Alex

17. November 2011, 19:31

Bei Aldi sprechen drei Punkte dagegen:

- Aldi ist dezenter und weniger marktschreierisch: Stichwort "Aldi informiert"

- Aldi setzt normalerweise nicht auf 1-Tages-Preissenkungen, das widersrpäche ihrer Firmenkultur

- Aldi kann derzeit keine Schlagzeilen gebrauchen. Sie haben gerade eine bislang noch zurückhaltende "Aldi erhöht schweigsam die Preise"-Medienresonanz. Sofern Aldi jetzt einen auf lauthals billig macht, wird die "Aldi wird teurer"-Melodie vielfach verstärkt. Aldi muss erst einmal mit leisen Preissenkungen Argumente schaffen, um diesem potentiellen Mediengau widerstehen zu können (nach dem Motto, "die einen Preise steigen leise, die anderen Preise sinken leise"), bevor sie wieder die Schlagzeilen suchen würden.

Gast

17. November 2011, 20:59

Framstag finde ich super. Auch die Werbung Erstmal zu Penny ist super und lustig.

Enigmatiker

25. November 2011, 00:42

Was ist denn Netto ohne Hund? Sowas wie Aldi ohne Katze?

Peer Schader

30. November 2011, 10:20

@Enigmatiker: Hier steht's!

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