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Supermarktblog

Herr der 1000 Tiefkühlpizzen (oder wie man einen veganen Supermarkt aufbaut)

06. Dezember 2011, 08:47 Uhr

Die meisten Leute haben den Keller voller Kram, den sie nicht mehr brauchen: den alten Schlitten, der mal repariert werden müsste; die Malerausrüstung von der letzten Renovierung, die schon längst mal jemand aussortiert haben wollte; ein paar Kisten, die nach dem Umzug immer noch nicht ausgepackt wurden.

Jan Bredack hat den Keller voller Lebensmittel. Eigentlich sind es gleich drei Keller. Und noch zwei in ein paar Kilometern Entfernung, in denen es immer ziemlich kalt ist.

Da fangen die Probleme auch schon an, wenn man seinen eigenen Supermarkt eröffnen will: Man braucht nicht nur den Platz, um die Lebensmittel in den Laden zu stellen. Sondern auch welchen, wo der ganze Rest bleiben kann, der gerade nicht ins Regal passt. "Ich kann ja nicht wegen fünf Riegeln ein Flugzeug aus Amerika holen", sagt Bredack, der im Juli in Berlin einen Supermarkt mit ausschließlich veganen Produkten eröffnet hat. Vielleicht hätten es nicht gleich 6000 verschiedene sein müssen.

Doch, sagt Bredack: "Unser Anspruch war, zusätzlich zu den Standardprodukten aus jeder Warengruppe immer auch etwas anzubieten, das einzigartig ist. Das ist natürlich teuer – aber nur so kann sich unser Laden von den Biomärkten unterscheiden, die zum Großhändler gehen und einmal das komplette Sortiment bestellen."

Derzeit kommt Veganz auf 80 Lieferanten, eingekauft wird auf der ganzen Welt. Vom veganen Aufschnitt aus Polen für 1,59 Euro über die Packungen mit den vier Mini-Eis aus den USA für 5,99 Euro bis zum Himbeertrüffel-Rohkakao im 100-Gramm-Päckchen für 6,59 Uhr aus Ecuador.

Das macht das Sortiment im Laden tatsächlich ziemlich einzigartig. Aber halt auch zu einem ziemlichen Risiko. Gerade ist wieder eine Lieferung im Zoll hängen geblieben, weil der immer haargenau über die Inhaltsstoffe der importierten Lebensmittel Bescheid wissen will. Wenn die Paletten erstmal da sind, brauchen sie nicht nur Platz, sondern müssen auch bezahlt werden, obwohl sie Bredack noch gar nicht weiterverkaufen kann. Und ein Mindesthaltbarkeitsdatum haben die Lebensmittel ja auch. Noch dazu müssen bei vielen Lieferanten Mindestbestellmengen eingehalten werden. Wenn Bredack also ein Produkt nachkaufen will, muss gezwungenermaßen ein Schwung anderer Lebensmittel aus dem Sortiment mitgeordert werden, obwohl es davon vielleicht noch genug im Laden gibt.

Von der Tofurkey-Pizza aus den USA ist neulich wieder eine neue Palette angekommen, mit rund 1000 Pizzen, die direkt ins Tiefkühllager gewandert sind. Im Laden passen gerade mal zehn bis zwölf auf einmal in die Gefriertheke.

Das ist der große Nachteil von Bredacks Idee, anders zu sein als die Mitbewerber: Er hat haufenweise Lebensmittel auf der ganzen Welt eingekauft, die er gar nicht so schnell weiterverkaufen kann, wie er müsste.

"Diese Filiale allein kann niemals wirtschaftlich sein", sagt der 39-Jährige. Und deshalb muss das Projekt jetzt noch größer werden, als es schon ist.

Voraussichtlich im April kommenden Jahres eröffnet in Leipzig eine zweite Veganz-Filiale, größer noch als die erste. Und im Berliner Stadtteil Friedrichshain kommt eine dritte hinzu, sobald die Verträge abgeschlossen und die Renovierungsarbeiten erledigt sind. Direkt neben einen Kaiser's-Markt. Mit mehreren Läden kann Bredack schneller verkaufen und muss nicht die Lager randvoll laufen lassen. Wenn es nach dem Gründer geht, soll Veganz noch weiter wachsen: am besten mit Läden im ganzen Land, sofern ein Investor gefunden wird.

Bredacks Projekt ambitioniert zu nennen, wäre untertrieben. Es ist eine Mischung aus Begeisterung, Risikofreude – und vielleicht auch Leichtsinn.

Konsequent zu Ende gedacht ist es trotzdem nicht. Auf der einen Seite legt Bredack Wert darauf, die Leute dazu zu bringen, über ihre Ernährung nachzudenken. Es gibt im Laden zum Beispiel keinen Alkohol zu kaufen, weil er überzeugt ist, dass der "in der Gesellschaft nichts zu suchen hat". Auf der anderen Seite liegen haufenweise Fertiggerichte und absurde Fleischformimitate in der Kühltheke, und ob die nun aus Tier sind oder nicht: mit gesunder oder auch nur annähernd bewusster Ernährung haben die nichts zu tun.

"Aber das berauscht nicht gleich", meint Bredack.

Und dann ist da die Sache mit der Regionalität:Es gibt Obst und Gemüse aus der Region, auch Säfte. Aber viele Produkte müssen, bevor sie im Laden landen, um den halben Globus reisen. Selbst wenn Bredack erklärt, dass sich das kaum auf die CO2-Bilanz auswirke, weil die meiste Ware im Container per Schiff komme: ideal ist das nicht. Er sagt: "Wenn wir das Angebot nur auf europäische Produkte beschränken würden, wäre der Laden nur halb so voll." Ja – und?

Und das widerspräche wiederum dem Konzept, sich durch Besonderheiten von anderen Läden abzuheben, sagt der Chef. "Wir wollen ja regional sein! Aber die europäische Industrie ist, was die Herstellung veganer Lebensmittel angeht, noch nicht wachgeküsst. Viele haben den Bedarf noch nicht entdeckt. Ich habe die Hoffnung, dass sich das ändert."

Mit "Veganz" kann Bredack es beweisen. Und wenn's nicht klappt – macht er einfach einen Lieferservice für Tofutruthahn-Pizza auf. Der Wareneinkauf ist ja schon erledigt.

Fotos: Veganz/M. Gräser

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Veröffentlicht 06. Dezember 2011, 08:47 von Peer Schader
Kommentare

Uli

06. Dezember 2011, 11:53

Schön das sie die Regionalität ansprechen, ich hatte schon beim ersten Beitrag überlegt anzusprechen das z. B. Tofu wohl kaum regional angebaut wird, auch wenn es in Deutschland inzwischen ein paar Gebiete gibt.

Da muss sich dann jeder selbst fragen ob er nun lieber ein Tier "ausbeutet" indem er (Bio) Käse isst oder lieber Tofu aus Brasilien einfliegen lässt. Man kann eben nie alles "richtig" machen, deswegen habe ich auch meine Zweifel ob Veganismus künftig wirklich für spürbaren Bedarf sorgen wird.

CaoKy60

06. Dezember 2011, 12:17

Traegt Herr Bredack Lederjacke, Lederschuhe, Lederhandschuhe? Hat er zu Hause eine Ledercouch? Wollsachen?? - Was daran verwerflich sein soll, wie von "Uli" angesprochen, Kuh/Ziegen/Schafsmilch und ihre Produkte zu essen, zu deren Erzeugung kein Tier Schaden nehmen muss, oder unbefruchtete Huehnereier zu essen, entzieht sich gaenzlich meiner Kenntnis. - Duerfen veganische Sojabohnen eigentlich mit Tierdung geduengt werden? - Wie Sie durchklingen lassen, Herr Schader, hat das Ganze doch in letzter Konsequenz etwas Absurdes und Lebensfernes - ein Extremhobby eben!

Peer Schader

06. Dezember 2011, 12:29

@CaoKy60: Das soll keineswegs durchgeklungen sein. Meine Zweifel beziehen sich auf das Geschäftsmodell.

ShPod

06. Dezember 2011, 14:40

@CaoKy60: Alleine für die Erzeugung von Hühnereiern (egal ob Käfig- oder Freilandhaltung) werden alle männlichen Küken sofort nach dem Schlüpfen getötet, weil sie für die weitere Produktion schlicht nicht gebraucht werden. 50% aller Küken (das sind alleine in Deutschland ca. 40Mio im Jahr) landen also als ungewolltes Abfallprodukt im Müll. Die Behauptung, kein Tier würde für die Erzeugung von unbefruchteten Eiern Schaden nehmen, zeugt von erstaunlicher Ignoranz bzw. Naivität.

CaoKy60

06. Dezember 2011, 15:30

@ShPod: Aber der von Ihnen geschilderte Fall muss nicht sein!! Ein "veganischer Bauernhof" koennte Hennen von einem Biobauer beziehen, der seine maennlichen Kueken nicht toetet, und dann unbefruchtete Eier problemlos in Freilandhaltung herstellen kann, ohne dass den Hennen ein Leid geschieht. - Lehnen Veganer auch das Reiten und Halten von Haustieren ab? Wahrscheinlich schon ... und wie sieht es mit dem Schafswollpullover aus??

Norinora

06. Dezember 2011, 15:52

Ich als Veganerin kann sehr gut mit dem Geschäftsmodell des Veganz leben. Es geht für mich in Ordnung, wenn besondere Produkte einen weiteren Weg zurücklegen. Denn ich bin mir sicher, dass ich durch meine vegane Lebensweise trotz allem einen geringeren ökologischen Fußabdruck habe als Omnivoren. Veganer wollen ja nicht darben oder ein weniger buntes Leben leben als "alle anderen". Wir sagen nur Nein zur Tierausbeutung und Quälerei. Und das versucht jeder, so weit er es kann, für sich umzusetzen. Dass das Veganz mir eine so bunte Produktauswahl bietet, macht mir meine Entscheidung um vieles leichter. Ich kaufe selten so weit gereiste Produkte, aber die Auswahl zu haben, ist einfach fantastisch.

Ein Leben komplett vegan ist vielleicht nicht möglich, aber zu versuchen, den Quälereien und Umweltverschmutzungen durch Tierhaltung aus dem Wege zu gehen und sie so womöglich auch zu verringern, halte ich für die Pflicht eines jeden Menschen.

Mausflaus

06. Dezember 2011, 19:25

http://vollvegan.blogspot.com/

@Uli

und wie regional sind Fleisch, Milch und Käse, wenn die Rinder mit Soja aus den USA oder Brasilien gefüttert werden?

thomson

06. Dezember 2011, 19:30

und ich kann mich als "sich vegan ernährender Mensch" auch gut mit Geschäftsmodellen wie die des Veganz leben. Viele sagen sich rein vegan zu ernähren wäre sehr zeitintensiv, weil man alles selbst kochen und backen müsste.  Endlich gibt es auch dazu eine Alternative und schon wirds von den Nichtveganern wieder schlecht geredet. Schlechte Ökobilanz von Pizzen aus Amerika -- pah ... das sagen Fleischesser!

marcs

06. Dezember 2011, 20:04

http://aveganmind.tumblr.com/

@caoky die kuhmilchsproduktion ist gleichzeitig der motor für das totgestreichelte kalbsfleisch auf ihren teller. Die Kühe werden zwangsbefruchtet, ihnen wird das kalb nach der geburt weggenommen und nach ca. 22 wochen liebevoller mast geschlachtet. Die naive auffassung eier würden kein leid verursachen haben sie ja schon dementiert bekommen.

Meinetwegen reden sie sich ein das es ja in wirklichkeit nicht so schlimm ist und eher die ausnahme darstellt, jedoch sieht die realität nunmal so aus.

Um eines deutlich zu machen.. bei Bio-Produzenten handelt es sich nicht um eine kleine bunte farm voller niedlicher und sprechender Tiere, sondern wie bei allem anderen, um die massenhafte profitorientierte haltung und schlachtung von tieren. 98 % (plus minus 1%) des in deutschland "produzierten" fleisches kommt aus der massentierhaltung. Die paar breitgrinsenden provinzkühe am wegesrand sind meinetwegen ein teil der restlichen "2%". Es gibt durchaus viele Veganer, welche auch Tiere halten, und sie zudem auch unbedenklich vegan ernähren.. (Hunde, Katzen). Auch schafswolle wird nicht getragen - wenn gemeint wird das auf jegliches tierisches produkt verzichtet wird, dann ist das auch so gemeint. Aber ich weiß.. aus der werbung oder gar dem "normalen alltag" ist man eindeutige aussagen nicht wirklich gewöhnt.

Mathias

06. Dezember 2011, 20:21

@Uli (erster Kommentar)

In Deutschland wird kein Tofu angebaut, da haben Sie Recht...aber Soja, woraus Tofu hergestellt wird ;-) Übrigens auch in Österreich und Osteuropa. Da es sich oft um Produkte mit dem Bio-Siegel handelt, stärken Käufe von Tofu (u.a. im "Veganz") also eine nachhaltige Landwurtschaft und damit den Erhalt und die Verbesserung von Boden, Luft und Grundwasser. Zudem entstehen neue Arbeitsplätze. Das aus Brasilien hergeschiffte Tierfutter ist auch oftmals Soja, sogar oft genmanipuliertes.

10 Kalorien Soja steht übrigens nur eine Kalorie Fleisch gegenüber. Sie erkennen den wahren Verschwender von Getreide jetzt hoffentlich - Veganer sind es nicht, sondern die Fleischindustrie und alle Fleischesser, die ihr den Auftrag zum Ausnutzen, Quälen und Schlachten von Mitlebewesen geben.

Peer Schader

06. Dezember 2011, 21:03

Ich würde darum bitten, Vegan-Moraldiskussionen anderswo auszutragen, erst recht, wenn sie in diesem tendenziell unfreundlichen Ton ausgetragen werden.

Hat vielleicht noch jemand eine Meinung zum Supermarkt-Konzept?

Zum Supermarkt-Konzept

06. Dezember 2011, 21:40

Soweit es mir bekannt ist, hat der Herr Bredack davor bei Daimler gearbeiter. Seiner Facebook-Seite kann man auch entnehmen, dass er auch einen MBA hat. Es erscheint mir eher als unwahrscheinlich, dass er das ganze so wenig durchdacht hat wie es hier vorgeführt wird. Aller Anfang ist schwer, wenn es aber Filialen in mehreren Städten gibt, wird auch der Umsatz steigen (höhere Bestellmengen, niedrigere Preise, usw.) und dementsprechend das Konzept aufgehen. Im Notfall finden sich auch bestimmt genügend Veganer die an einer veganen Investition interessiert wären. Ich bin mir ausserdem sicher, dass sobald es den versprochenen Online-Shop gibt sind es binnen wenigen Tagen/Wochen keine Pizzen in seinem Keller mehr übrig.

Ava Odoemena

06. Dezember 2011, 22:42

http://www.veganesauge.de

Das Fehlen einer Konzentration auf regionale Produkte wird gerne als Diskreditierungshebel angelegt, meist im Unwissen von a) wie extrem negativ die Herstellung qua Fußabdruck von unveganen Nahrungsmitteln ist, z. B. was den Energie- u. Wasserverbrauch angeht; und b) ist der Seeweg tatsächlich wesentlich effizienter. Regionale Produkte die in Kleintransportern umhergekarrt werden, haben einen verheerenden Fußabdruck.

Absurd ist daher eher die Projektion erwiesener Maßen schlechter Produktionsbedingungen auf Veganer - wenn in der Realität Veganer den besten Fußabdruck haben. Vegan leben bedeutet, als reiner Nebeneffekt noch dazu, das praktisch realisierbare Maximum an Nachhaltigkeit - selbst mit Tiefkühlpizzen aus den USA.

Was das Einkaufserlebnis angeht, ist das schon ein besonderes Erlebnis einfach zugreifen zu können, so wie es sonst die Nichtveganer gewöhnt sind. Ich hatte eigentlich gehofft es käme ein Veganz-Laden nach Schöneberg statt Leipzig, neun Kilometer durch die gesamte Innenstadt zu fahren "auf" den Prenzlauer "Berg" ist ganz schön lästig — wegen der vielen Autos:-)

Marina

06. Dezember 2011, 23:22

Ich finde das Veganz super, war bei einem Berlinbesuch da. Die Produkte für den täglichen Bedarf gibt es auch im konventionellen Supermarkt oder Bioladen in veganer Form, aber vegane Läden (wie das Veganz in Berlin, das Vegilicious in Dortmund, Vegane Zeiten in Köln...) haben eben einfach ein breiteres Sortiment. Ich finde das Konzept sehr gut und hoffe, dass es sich bald auch in anderen Städten etabliert.

Bianca Witt

07. Dezember 2011, 09:28

http://www.schnitzel-ist-out.de

Schon mal an so eine Art Franchise Unternehmen gedacht? Ich wäre interessiert...

Uli

07. Dezember 2011, 14:15

Zum Punkt das Tiere ebenso mit Soja gefüttert werden:

Ja das ist natürlich richtig und mir durchaus bewusst, ich wollte nur darauf hinaus das man irgendwann in eine Zwickmühle gerät immer alles richtig machen zu wollen. Werden z. B. Kühe aus Bio Haltung auch mit Soja gefüttert oder mit Getreide/Gras und wo kommt das nun wieder her? Ist Bio Käse vom Bauern nebenan dann klimatechnisch vielleicht doch "besser" als Soja aus Brasilien und um welche Größenordnungen geht es hier überhaupt?

Ich weiß es nicht aber wer sich solche Gedanken macht der tut schon mehr für Tier und Umwelt als geschätzte 90% der Bevölkerung. Die essen nämlich täglich Fleisch aus Massentierhaltung von irgendwoher. Da muss man ran und nicht dahin ob man seiner Hauskatze Fleisch geben darf und was Ovo-Lacto noch mal genau heißt!

Petra

09. Dezember 2011, 14:53

http://nachbarsgarten.blogspot.com/

@Peer Schader

Leider wird man immer eine moralinsaure Diskussion auslösen zwischen Fleischfressern und Andersessern.

Mich stören daran die Fertiggerichte, bei allen Essern. Fertigprodukt heißt immer, dass dem Esser abgenommen wird, was in seine Mahlzeit reinmengt wird. Salz, Zucker u.a. wird hier der Industrie überlassen, die sich gut für dafür bezahlen lässt, uns die Abeit abgenommen zu haben. Schnitzel von Valess enthalten neben B6 und Eisen auch Zucker und Gluten. Wie gesund ist das denn, außer dass kein Fleisch drin ist?? Valess wurde übrigens von einem niederländischen Lebensmitteltechniker entwickelt (wahrscheinlich Kollega von Hollandtomate)

Anstatt für alle Konsumenten Lebensmittel zu präsentieren, die man wieder tasten, riechen und schmecken kann, springt Veganz auf den Supermarkt-Verpackungs-Zirkus auf. Und sicherlich wird es nicht mehr lange dauern, bis auch Bartels-Langness oder FrieslandCampina die Veganerschiene mit Fertigkram bedienen werden. Und dann kostet die Fertigpizza auch nur noch 2 €

Peer Schader

09. Dezember 2011, 15:20

@Petra: Aber das war von Ihnen doch jetzt gar nicht moralinsauer, sondern bloß - kritisch. Gegenmeinungen willkommen!

Muggel

19. Dezember 2011, 02:32

Ich habe ja etwas den Verdacht, dass das Veganz zum Restelieferanten wird. Die günstigen Bioprodukte kauft man sich als Veganer günstig im Bio-Supermarkt und NUR DAS, was man dort nicht bekommt, teuer im Veganz. Davon kann man als Geschäftsinhaber nicht leben.

Was mir betriebswirtschaftlich bei dem Projekt auffällt: So wie Sie das beschreiben, versucht der Inhaber des Supermarkts komplett ohne Großhändler auszukommen. Das finde ich riskant. Ein Großhändler ermöglicht es einem, erstmal kleine Gebinde zu bestellen und mal auszutesten, ob das Produkt bei der Kundschaft ankommt. Danach kann man immer noch größere Margen bestellen, gerne auch dann beim Hersteller, wenn der günstigere Konditionen als der Großhändler hat. Der Inhaber des Veganz muss aber immer gleich große Mengen bestellen. Wenn das Produkt nicht ankommt, bleibt er auf den Restmengen sitzen und kann Teile seines Lagerbestands komplett abschreiben.

Was außerdem bemerkenswert ist: Durch die Bestellung dieser Großmengen hat der Inhaber eine enorme Bindung von Kapital, sprich: Die Produkte, die er im Lager hat, sind schon alle schon bezahlt. Dafür muss er entweder Eigenkapital aufwenden oder einen Kredit aufnehmen. Allerdings können die Produkte nicht kurzfristig umgeschlagen, also verkauft, werden, wie das in einem normalen Supermarkt der Fall ist. Wie trägt man sowas als Privatperson?

Ein Großhändler hat weiterhin den Vorteil, dass man ein Produkt, welches nicht läuft, auch mal zurückgeben kann. Vielleicht unter Verlust, aber immerhin. Der Inhaber des Veganz hat diese Möglichkeit nicht, wenn er beim Hersteller bestellt.

Ich würde die Großhändler nicht per se meiden, sondern den Hauptteil des Warenumlaufs über sie beziehen. Es wird doch sicher auch Großhändler geben, die vegane Produkte im Angebot haben.

Auch als Fleischesser kann man das Konzept eines veganen Supermarkts aufziehen. Wenn da wirklich eine Marktlücke da ist, warum nicht?. Aber so was sollte man nicht idealistisch aufziehen, sondern nach einer vernünftigen Marktanalyse. Ein Geschäft unter idealistischen Gesichtspunkten zu planen, endet damit, dass man nach ein paar Jahren mit einem Haufen Schulden dasteht, die man nie wieder los wird.

Daniel

19. Dezember 2011, 16:22

Ich persönlich halte das Geschäftsmodell auch für gewagt.  

Denn:

- Produkte wie "Tofurkey" sprechen selbst unter Veganer nur eine Teilmenge wirklich an bzw. auch ein Veganer wird keine 20 Tofupizzen im Monat brauchen.

Nicht-Vegane Ökoladenbesuchende Großstadthippster haben vermutlich wenig Bedarf an veganem Junk-Food.

- Auf eigene Faust verderbliche Produkte aus Übersee zu importieren erscheint ganz grundsätzlich keien gute Idee, erst rehct nicht wenn SIe bereits im Ursprungsland recht stolze Preise haben. Grade bei einem Konzept dass ein Supermarkt sein will und eben kein Feinkosthändler sollte man vllt. etwas mehr auch auf den Preis schauen.

- 1000 TK Pizzen auf einmal abnehmen... das ist schon sportlich. Selbst wenn es gelänge die alle vor Ablauf des MHD zu verkaufen, allein die Logistik des Einlagerns der ganzen Ware auf eigene Kosten erscheint mir sehr fragwürdig.

Überzeugender erscheint mir das da Konzept, dass der seit Anfang des Jahres in der Fussballhauptstadt existierende vegane "Supermarkt" verfolgt. (www.vegilicious-shop.de)

Der Laden ist zwar schmucklos und besitzt keineswegs Supermarktgrösse, aber die Produkte sind soweit ich weiss fast alle aus D (oder auch mal Holland) zugekauft, oder werden unter eigenen Namen extra gefertigt/konfektioniert. Das sind dann meist Produkte wie Sojagranulat, die sich fast ewig halten, keine Kühlung erfordern, relativ preisgünstig sind und zusätzlich zum Ladengeschäft auch per Versand vertrieben werden.

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