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Das Spiel heißt: 14 aus 22
07. Oktober 2009, 13:31
Uhr
Es ist ein fein austariertes
Tableau, dass der Ratswahlausschuss da erarbeitet hat: Frauen und Männer,
Progressive und Evangelikale, Lutheraner und Reformierte, Linke und Rechte,
Junge und Alte - viele Gruppierungen, Strömungen und Interessen mussten bei der
Erarbeitung der Kandidatenliste für die Ratswahl Ende Oktober berücksichtigt
werden. Nun hat die EKD die Liste mit den 22 Namen veröffentlicht - und sie
entspricht im wohl wichtigsten Punkt, den nominierten Bischöfen, exakt dem, was
man sich vorher bereits ausrechnen konnte.
Benannt wurden neun Leitende
Geistliche. Unter Ihnen wird in Ulm ausgemacht werden, zunächst: Wer es
überhaupt in den Rat schafft. Und später: Wer Nachfolger von Wolfgang Huber,
des derzeitigen Ratsvorsitzenden, wird. (Genaueres zum Verfahren kann in einem
der ersten Überkreuz-Blogeinträge nachgelesen werden.)
Als Favoritin für den Ratsvorsitz wird
oft Margot Käßmann genannt, die Landesbischöfin aus Hannover. Sie steht der
größten Landeskirche der EKD vor, ist Lutheranerin und in der Öffentlichkeit weit
bekannter als jeder ihrer möglichen Konkurrenten. Sie steht auf der Liste,
klar. Ebenso stehen auf der Liste der Leitende Bischof der Lutheraner (VELKD),
der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich und der Vorsitzende der
Unierten (UEK), der badische Landesbischof Ulrich Fischer. Die Namen beider
mussten ebenfalls zwingend auf der Liste stehen.
Jochen Bohl, der sächsische
Landesbischof, vertritt die östlichen Landeskirchen und hat sich in letzter
Zeit mit Äußerungen profiliert, die auch den Evangelikalen in der Kirche
geschmeichelt haben dürften. Der Württemberger July ist theologisch ebenfalls
kein Liberaler, kann aber mit allen Strömungen der Kirche gut umgehen. Aus
Gründen des Proporzes war seine Nominierung nicht zwingend; es kann passieren,
dass ihn deswegen kaum einer wählt - oder im Gegenteil sehr, sehr viele. Er
wird bei der Synode in Ulm Gastgeber sein, was die Personalie July zu einer
besonders spannenden macht. Der Bischof von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, ist
in der EKD äußerst präsent, zuletzt vor wenigen Tagen noch als Gastgeber der
„Zukunftswerkstatt" in Kassel. Er spricht eine klare Sprache - und ist dabei manchmal
provokant. Wie July ist er kein Muss auf der Liste, aber auch mit seiner
Nominierung wurde gerechnet.
Präses Nikolaus Schneider aus dem
Rheinland steht einer großen und wichtigen Landeskirche vor, er ist bestens vernetzt
und auch weithin beliebt in der EKD. Schneider
ist ein progressiver, politisch eher nach links orientierter Theologe. In der
EKD-Synode gibt es viele, die ähnlich wie Schneider denken.
Ein Reformierter Christ darf auf
der Liste natürlich nicht fehlen: Die Wahl des Ausschusses fiel nicht auf den
EKD-Militärbischof Martin Dutzmann aus der Lippischen Landeskirche, sondern auf
Jann Schmidt, den Kirchenpräsidenten der Evangelisch-Reformierten Kirche. Hat 2009
auch ein Reformierter Chancen auf den Ratsvorsitz? Eher nicht - eigentlich
wären ja auch die Lutheraner mal wieder dran.
Bei Bischof Gerhard Ulrich aus
Nordelbien erlauben wir uns ausnahmsweise die Verwendung der Bezeichnung „shooting
star". Er wurde erst 2008 gewählt und nahm in der entstehenden Nordkirche
gleich die Zügel in der Hand. Als Kandidat des Nordens hat er Chancen auf einen
Sitz im Rat, der Ratsvorsitz kommt allerdings für ihn 2009 mit Sicherheit nicht
in Frage.
Soweit zu den neun nominierten
Leitenden Geistlichen. Sechs oder sieben von ihnen sollten es in den Rat
schaffen. Der besteht aus 15 Mitgliedern, wobei die Präses der EKD-Synode, die
Bundestagsvizepräsidentin Göring-Eckardt, bereits qua Amt Mitglied des Rats ist.
Bleiben also 14 freie Plätze, minus die sechs bis sieben Leitenden Geistlichen,
die in den Rat kommen werden. Die übrigen Positionen werden mit Theologen,
Kirchenjuristen und, vor allem, Laien besetzt, die jeweils verschiedene Gruppen
in der Kirche repräsentieren sollen.
Da unter den neun Kirchenleitenden
nur eine Frau ist, aber der Proporz zu wahren ist, finden sich in dieser Gruppe
der Nominierten, also diejenigen, die nicht Leitende Geistliche sind, mehr
Frauen als Männer. Die Erzieherin Tabea Dölker etwa fährt auf dem
Evangelikalen-Ticket, die Mathematikerin Elke Eisenschmidt (Jahrgang 1981) auf
dem Jugend-Ticket, Pfarrer Fidon Mwombeki auf dem Ökumene-Ticket, die
Architektin Gesine Weinmiller auf dem Kultur-Ticket und die Professorin Annette
Scheunpflug wohl auf einem Forschungs-Ticket. Marlehn Thieme, Direktorin der Deutschen
Bank, ist bereits seit 2003 im Rat - sie repräsentiert die Wirtschaft. Nominiert
sind auch der Journalist Uwe Michelsen und die Pfarrerin Ulrike Trautwein, die
jeweils große Synoden-Erfahrung haben.
Dazu kommen auf der Liste noch
zwei Kirchenjuristen, Klaus Winterhoff aus Westfalen und Karin Kessel aus der
Pfalz. Ohne die Spezies der Kirchenjuristen würde in den Kirchen alles weniger
als halb so gut funktionieren - auch im Rat wird der juristische Sachverstand
vertreten sein müssen.
Dann fehlen nur noch die Repräsentanten
der Parteien: Staatsminister Hermann Gröhe (CDU) ist bereits im Rat und wird es
wohl auch bleiben. Die frühere Bundesministerin Irmgard Schwaetzer ist in der
FDP und außerdem am Berliner Dom als Vorsitzende des Domkirchenkollegiums in
höchstem Maß in der Kirche engagiert. Die Grünen sind durch die Präses Katrin
Göring-Eckardt bereits im Rat repräsentiert - und daher auf der Kandidatenliste
nicht nochmals vertreten. Was wir in unserem vorigen Blogeintrag vermuteten,
ist nun auch eingetroffen: Der Ratswahlausschuss hat die SPD-Politikerin
Kerstin Griese, die Beauftragte der SPD-Bundestagsfraktion für die Kirchen war,
nicht als Kandidatin für den Rat benannt. Für die SPD wurde die Vizepräsidentin
des Bundestages Susanne Kastner auf die Liste gesetzt.
Die Linkspartei, früher PDS, einst
SED, wurde bei der Erstellung der Liste aus verständlichen Gründen (über die in
diesen Tagen viel berichtet wird) nicht berücksichtigt.
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