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Plesent dschörni
04. November 2009, 21:55
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Ich muss es ehrlich gestehen: Ich habe einen Lieblingszug. Leider arbeite ich manchmal zu lang, um ihn zu erwischen, aber hin und wieder klappt es. Mein Lieblingszug ist der ICE um 18.29 Uhr nach Brüssel Süd. „Bruxelles Midi" steht in Frankfurt immer auf der Anzeigetafel und wenn ich diese Ankündigung sehe, dann freue ich mich jedes Mal wieder auf meine Fahrt. Warum? Es wird nicht langweilig in diesem Zug. Er hat viersprachige Ansagen.
Neulich zum Beispiel saß ich in einem solchen Bruxelles-Midi-Zug. „Guten Abend meine Damen und Herren, im Namen der Deutschen Bahn begrüße ich Sie herzlich an Bord des ICE International nach Brüssel, über Frankfurt am Main Flughafen, Köln, Aachen und Lüttich. Wir wünschen Ihnen eine angenehme Reise." Dann auf Holländisch - ich kann kein Holländisch, aber es klingt ungefähr so: „Dames en heren, welkom aan boord van de ICE International..." Es folgte noch einmal die gleiche Ansage auf Französisch und danach auf Englisch.
Irgendwann endlich meine Lieblingspassage: „We wisch ju a plesent dschörni." Der Satz begeistert mich nicht nur in seiner ganzen denglischen Schönheit, sondern vor allem, weil er mir für gewöhnlich signalisiert, dass der Sprecher mit seiner Rede am Ende ist. Diesmal allerdings hatte ich mich getäuscht. Der Lautsprecher knackte und die Stimme meldete sich abermals - nun wieder auf Deutsch: „Meine Damen und Herren in den Wagen 25 und 35 finden Sie unser Bord-Bistro mit Bord-Restaurant. Dort servieren wir Ihnen frische Speisen und Getränke. Leider ist heute die Kühlanlage in der Bordküche ausgefallen, so dass wir Ihnen leider nur ein eingeschränktes Angebot zur Verfügung stellen könne. Wir bitten um Ihr Verständnis. Dames en heren..." Ich traute meinen Ohren nicht. Der Mann plante allen Ernstes, den Ausfall der Kühlanlage ebenfalls viersprachig kundzutun. Ich lauschte gespannt.
In gewohnter Reihenfolge, allerdings nicht ganz so souverän wie bei seiner Standardansage nudelte der Zugbegleiter sein Sprüchlein auf Holländisch und Französisch herunter. Als er zur englischen Variante ansetzte, befand sich der Zug bereits in gefährlicher Nähe zum nächsten Halt. Der Ansager schien es auch zu bemerken und erhöhte die Geschwindigkeit seiner Rede. Als er bei „Sorry-for-si-inconvinienz" angekommen war, war mir klar, dass er sich keine Pause erlauben konnte. Und tatsächlich: Beinahe nahtlos begann der Lautsprecher wieder zu knacken und die Stimme setzte an: „Meinedamenundherren inwenigenminuten erreichenwir Frankfurtammainflughafen. Siehabenanschluss..." Der arme Mann klang hektisch. Als er irgendwo in der Mitte des französischen Textes steckte, war es passiert: Der Zug stand in Frankfurt Flughafen und er war noch nicht durch mit seiner Ankündigung. „Sisiss Fränkfortärport... ähhm", improvisierte er schließlich auf Englisch. Er tat mir sehr Leid.
Einige Tage später fuhr ich ebenfalls mit dem ICE International. Die Kühlanlage funktionierte. Der Sprecher wirkte souverän. Das Ansageprogramm lief reibungslos. So reibungslos, dass zwischen Frankfurt Flughafen und Köln eine nahezu gespenstische Ruhe einzukehren drohte. So souverän war der Sprecher, dass auch er erkannte, dass es wirklich eingefleischten ICE-International-Fans wie mir womöglich langweilig werden könnte. Ich muss zugeben: Ich war tatsächlich so entspannt, dass ich mich zurückgelehnt hatte und kurz eingeschlafen war. Da tönte es aus dem Lautsprecher: „Meine Damen und Herren, wir haben nun unsere Höchstgeschwindigkeit von 300 KaEmHa erreicht. Lehnen Sie sich zurück und genießen Sie unsere Reise bei 300 KaEmHa." Die drei restlichen Sprachvarianten ersparte er sich kurzerhand. Ich versuchte seinem Rat zu folgen. Lehnte mich zurück, schloss wieder die Augen. Doch irgendwie konnte ich nicht mehr einschlafen. Die ganze Zeit musste ich an die armen niederländischen und belgischen Passagiere denken, die diese wichtige Information verpasst hatten.